Interview Lesezeit: ~ 3 min

Das Geschäft mit der Liebe

Wie der Valentinstag vom kirchlichen Gedenktag zum Kassenschlager wurde.

Die große Liebe: Viele haben sie gefunden, einige sind noch auf der Suche. Manche sind vielleicht auch heimlich verliebt und wissen nicht, wie sie es ihm oder ihr sagen sollen. Eine gute Gelegenheit dazu ist der Valentinstag. Traditionell nutzen Verliebte den 14. Februar, um den ersten Schritt zu wagen. Aber auch Menschen, die schon jahrelang verheiratet sind, frischen an diesem Tag ihre Partnerschaft ein wenig auf. Timo König hat nachgeforscht, woher der Valentinstag kommt.

 

ERF Medien: Ist der Valentinstag ein Feiertag der Kirche oder der Blumen- und Süßwarenindustrie?

Timo König: Erst mal war ich überrascht, dass der Valentinstag keine neuzeitliche Erfindung ist. Ich hätte wirklich vermutet, dass dahinter vielleicht die Süßwaren-Industrie steckt, die ihren Umsatz steigern will. Die Tradition ist aber schon viel, viel älter. Er geht auf einen christlichen Märtyrer namens Valentinus zurück. Eigentlich gibt es da sogar zwei heiße Valentinus-Kandidaten, so genau weiß man das nicht.

ERF Medien: Welche Geschichte zur Entstehung des Valentinstags klingt denn für dich am glaubwürdigsten?

Timo König: Der wahrscheinlichere Kandidat ist wohl Valentin von Rom. Der hat Paare nach kirchlichem Ritus getraut, obwohl es verboten war. Dazu hat ihnen Blumen aus seinem Garten geschenkt. Er wurde dann unter Kaiser Claudius II hingerichtet – im Jahre 269, am 14. Februar. 200 Jahre später wurde dieses Datum zum Gedenktag für die ganze Kirche eingeführt.

ERF Medien: Dann hat der Valentinstag ja viele Jahrhunderte überdauert. Wo wird er denn besonders gerne gefeiert?

Timo König: Man könnte sagen vor allem in westlich geprägten Ländern. Das reicht sogar bis nach Asien. Zum Beispiel gibt es ihn in abgewandelter Form auch in Japan. Dort schenken Frauen den Männern Schokolade, im Idealfall selbstgemachte. Einen Monat später revanchieren sich die Männer dann mit weißer Schokolade.

ERF Medien: Du hast aber auch ein extremes Beispiel gefunden, wo er nicht gefeiert wird.

Timo König: In Saudi-Arabien ist der Tag verboten. Auch einige Tage vorher schon ist der Verkauf von Dingen untersagt, die als Valentinstags-Geschenk dienen könnten, wie zum Beispiel rote Rosen.

ERF Medien: Welche Beziehung hat denn speziell Deutschland zu diesem Tag?

Timo König: In Deutschland hat der Valentinstag lange Zeit keine besondere Rolle gespielt. Besonders beliebt war er seit jeher in der angelsächsischen Welt, in Großbritannien und den USA. In den 50er Jahren, nach dem Zweiten Weltkrieg, ist er dann durch amerikanische Soldaten nach Deutschland gelangt. Und dann waren es eben doch der Blumenhandel und die Süßwarenindustrie, die den Tag erst richtig populär gemacht haben.

ERF Medien: Wie sehr profitieren diese Branchen denn von dem Geschäft?

Timo König: Man muss dazusagen, dass jeder zweite Deutsche den Valentinstag ignoriert oder auch ganz bewusst boykottiert, weil er ihn für einen Verkaufstrick der Floristen hält.

Aber insgesamt geben die Deutschen in der Woche um den 14. Februar ungefähr doppelt so viel für Schnittblumen aus wie in einer normalen Woche. Der Umsatz der Floristen  beträgt an diesem Tag zwischen 120 und 130 Millionen Euro. Die Deutschen geben am Valentinstag im Schnitt 41 Euro, neben Blumen auch für Parfüm, Schmuck und den Gang ins Restaurant aus.

ERF Medien: Bist du denn eher einer von denen, die den Tag ignorieren oder nimmst du auch Geld in die Hand und kaufst Geschenke?

Timo König: Ich bin generell nicht so der Feiertags-Typ. Ich mag es lieber, selbst Akzente zu setzen, wenn es gerade passt und mir nicht vom Kalender diktieren zu lassen, wann ich wem etwas schenken sollte. Das finde ich irgendwie natürlicher. Ich kann aber auch verstehen, wenn manche Leute das anders sehen.

ERF Medien: Vielen Dank für das Gespräch.


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