Bericht

Mit Hirtenstab in die Zukunft

Mama Massai Angelika Wohlenberg-Kinsey begleitet das Hirtenvolk der Massai.

Vieles hat sich verändert seit 1983. Angelika Wohlenberg-Kinsey ist glücklich, wenn sie das sagt. Zum Beispiel sagen Frauen im Massailand in Tansania heute ihre Meinung − auch in einer Versammlung zusammen mit Männern. Begonnen hat dieses neue Selbstbewusstsein oft in den neu entstandenen christlichen Gemeinden. Jetzt setzt es sich fort in den politischen Zusammenkünften im Dorf. Und die Körper der jungen Damen sind heute Gott sei Dank meist frei von Narben: „Junge Frauen bei uns werden nicht mehr geprügelt. Das ist in der Zwischenzeit für viele Massai eine Schande. Da hat sich die Grundeinstellung geändert. Vor allen Dingen dort, wo viele Christen geworden sind.“

Massai dürfen Massai bleiben

Die deutsche Hebamme Angelika Wohlenberg-Kinsey lebt seit über 30 Jahren im Massailand. Die Steppe Tansanias ist ihre zweite Heimat. Anfangs fuhr die abenteuerfreudige Deutsche mit LKW und Zelt hinaus in die Steppe. Sie wollte die Massai in ihrer Kultur kennenlernen und herausfinden, welche Hilfe gebraucht wird. „Mama Massai“ heißt eines ihrer Bücher. So lässt sie sich auch gerne nennen. Mama Massai half bei Geburten und startete erste Gesundheitszentren in den Dörfern. Oft war sie die erste, die die Massai auf ein neues Leben ansprach und Geschichten aus der Bibel erzählte.

Hilfe für die Massai – das ist ihr Motto. So heißt auch der Verein in Deutschland, der die christliche Entwicklungshilfearbeit unterstützt. Dabei ist Mission für Angelika nie Zwangsbeglücken mit fremder Kultur gewesen: „Wer Christ wird, darf Massai bleiben,“ sagt sie, „und weiter Kühe hüten. Aber die Massaichristen sind offen für neue Wege und können so besser überleben und den Weg in die Zukunft finden.

Heile Familien

Angelika Wohlenberg zu Besuch im ERF mit zwei Massaichristen Isack Laiser und Yona Sunguyo (Foto: Lothar Rühl, ERF Medien)

Mit dem traditionellen Lebensstil hat das Steppenvolk wenig Zukunft. Da ist zunächst einmal die weitverbreitete Promiskuität. Massaimänner haben oft Dutzende Frauen und Freundinnen. Das ruft viel Unruhe und Unfrieden in den Dorfgemeinschaften hervor. Aids und andere Krankheiten breiten sich dadurch aus. Wer aber Christ wird, lernt auch seine persönlichen Beziehungen zu ordnen. In die Familien kehrt Frieden ein, wenn Männer und Frauen einander treu werden.

Keine Angst mehr vor bösen Geistern

Die Bevölkerung im Massailand wächst schnell. Nicht jeder kleine Junge kann aber eine Rinderherde aufbauen. Es gibt nicht genügend Weideland und Wasser. Und auch die traditionelle Religion ist ein Problem für den Weg in die Zukunft. Das Land ist den Massai heilig. Die animistischen Massai leben von der Milch, dem Fleisch und dem Blut ihrer Rinder. Sie dürfen nichts anbauen.

Christen aber können umdenken und zum Beispiel Gemüse pflanzen. So rettet der christliche Glaube Menschenleben. Er macht frei von der Angst vor bösen Geistern und nimmt die Angst vor einer neuen und gesünderen Ernährung. Mehr Menschen können auf kleinerem Lebensraum satt werden.

Mit dem Handy in der Savanne

Moderne Kommunikationstechniken sind auch im Massailand eingezogen. Kaum ein Hirte zieht heute ohne Handy mit der Herde auf die stundenlangen Touren zum nächsten Wasser los. Mit dem drahtlosen Mobiltelefon hält er Kontakt zur Familie, erfragt die Lage an den Wasserstellen und erkundigt sich nach Preisen auf den Fleischmärkten der Region. Auch das Finanzielle wird so geregelt.

Yona Sunguyo mit Kalb und Handy (Foto: Petra Guzinski)

Zwischen dem Serengeti Nationalpark und dem Kilimandscharo liegt das Dorf Malambo. Dort wohnen die Massai überwiegend in ihren traditionellen Hütten aus Holz, Kuhdung und Stroh. Seit 2005 steht dort eine von Hilfe für die Massai gegründete Hauptschule für Mädchen und Jungen. Oft bekamen die älteren Mädchen Probleme in der Schule. Sie mussten zu Hause bis spätabends Wasser holen, kochen und sich um jüngere Geschwister kümmern. Die vielen Boyfriends haben sie zusätzlich vom Lernen abgehalten. Deswegen gibt es in Malambo jetzt ein Internat für Mädchen, das mit der Hilfe deutscher Freunde gegründet werden konnte. So haben die jungen Frauen bessere Möglichkeiten zum Lernen. Und sie sind geschützter vor ungewollten Schwangerschaften als zu Hause bei ihren Familien.

Hilfe zur Selbsthilfe

Das Schulzentrum von „Hilfe für die Massai“ wird ausgebaut. Zur Zeit entsteht eine weiterführende Schule. Dafür gibt es öffentliche Fördergelder – ein Novum in der Arbeit, die Angelika Wohlenberg-Kinsey begonnen hat.

Bauplatz der Sekundarschule in Malambo (Foto: Sarah Frykowski)

Hilfe zur Selbsthilfe ist das Prinzip. Auch wenn es diesmal staatliches Geld gibt: Die Dorfbewohner schleppen die Steine und führen die Bauarbeiten durch. Es gibt einen Schulbeirat, der sich darum kümmert, dass alles gut läuft. Für die Leute im Dorf ist klar: Es ist ihre Schule. Sie haben Verantwortung dafür. Heute sind 780 Kinder im Schulprogramm von „Hilfe für Massai“.

Für die Schulen gibt es zusätzlich Wasserbedarf. Dirk Frykowski aus Siegen ist Mitarbeiter bei „Hilfe für Massai“. Er ist Wasserexperte. Und zusammen mit jungen Experten aus Deutschland hat er zwei große Zisternen für je 50 000 Liter Regenwasser bauen können und dazu eine Wasserfilteranlage. Das Regenwasser vom Dach des großen Versammlungsraums wird darin gesammelt. Dieses Wasser hat Trinkwasserqualität. Wie groß die Freude über das frische Nass ist, das können Sie beim Anschauen eines beeindruckenden Videos miterleben:

 

 

 

 

 

 

 

Nationalpark (Foto: Sarah Frykowski)

Angelika Wohlenberg-Kinsey ist glücklich über die neuen Möglichkeiten im Leben junger Massai: „Bildung ist wichtig für die Zukunft der Massai. Wenn sie Angst haben vor Flüchen und daher das Land nicht bebauen, haben sie keine Zukunft. Wie im alten Israel müssen Männer und Frauen dafür zusammenarbeiten, damit das Land überlebt. Früher hatten die Frauen in der Massaikultur nichts zu sagen. Durch das Evangelium hat sich das Gott sei Dank geändert. Ich bin überzeugt, im Himmel werde ich viele Wunder sehen, die Antwort auf die Gebete vieler Menschen sind. Aber auch jetzt erlebe ich Gottes Gegenwart bei all dem, was im Massailand entsteht durch die Arbeit von Hilfe für die Massai.“


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