Bericht

Jugend an Bord

Linda Pervenecki engagiert sich bei Youthserve für junge Chinesen.

Linda Pervenecki und Erik Bürklin von China Partner  (Bild: Lothar Rühl / ERF Medien)

„Das ist die Kirche von meiner Oma. Für mich ist das nichts – hier ist keiner in meinem Alter“, sagte die 16-jährige Chinesin Esther zu Erik Bürklin. Immerhin wollte sie einen Englischkurs in der Kirche besuchen. Der Satz der jungen Frau hat eine Menge ausgelöst, nämlich das Youthserve Programm von China Partner. Erik Bürklin hat zusammen mit seiner Schwester Linda Pervenecki das Schulungsprogramm seiner Bewegung erweitert. „Jugend an Bord“ heißt es jetzt. China Partner bietet seit mehr als 30 Jahren Weiterbildungskurse für Pastoren und Mitarbeiter in China an. Jetzt sind auch Seminare und Schulungen für junge Leute im Programm und Konzepte für Jugendarbeit und Mentoring.

Christliche Kirche in
Nachang, Provinz Jiangxi
(Bild: China Partner)

China Partner arbeitet im immer noch kommunistischen China überwiegend mit vom chinesischen Staat registrierten Kirchengemeinden zusammen. Dort hat es – neben dem großen Zuspruch für nicht registrierte Hausgemeinden – in den letzten Jahrzehnten einen großen Aufbruch gegeben. An vielen Orten sind die Gemeinden aber in der Zwischenzeit in die Jahre gekommen. Doch fast 600 Millionen Bewohner Chinas sind unter 30. Über vierzig Prozent des 1,33 Milliarden Einwohnerlandes. In den christlichen Gemeinden der Dreiselbstbewegung fehlen die jungen Leute viel zu oft.

Vom Studieren allein wird die Seele nicht satt

Die Kinder und Enkel der Einkind-Politik haben es nicht leicht im modernen China. Oft werden sie von ihren beiden Eltern und von vier Großeltern erzogen. Den überbehüteten jungen Leuten tut sich durch das weltweite Netz die weite Welt auf. Sie haben einen hohen Bildungsstandard. Neun Pflichtschuljahre gibt es in China. Studenten sind oft von sieben Uhr morgens bis elf Uhr abends mit nur wenigen Pausen für die Mahlzeiten in Kursen und Übungen. Aber diesen ehrgeizigen und hochstrebenden jungen Leuten fehlt oft der Halt im Leben.

In einer Welt voller Möglichkeiten brauchen sie innere Werte. An die Ideale des Kommunismus glauben viele nicht mehr so richtig. Neue Leitlinien und Erfahrungen müssen junge Chinesen oft außerhalb ihrer Schulen und Universitäten suchen und finden. Heute gibt es Bibeln in China. Sie werden im Land gedruckt, verkauft und sogar exportiert. Als Studienbuch hat das Buch der Bücher sogar Eingang in die Universitäten gefunden, aber vom Studieren allein wird die Seele nicht satt. Junge Menschen müssen Menschen kennenlernen, die mit der Bibel leben und an den Gott der Bibel glauben.

Junge Leute im Gottesdienst (Bild: China Partner)

In den Gemeinden gibt es oft mehrere Gottesdienste am Sonntag, aber längst nicht immer einen Jugendtreff. Das wäre der Ort, wo die Welt der Jüngeren in die Gemeinden kommen kann. Wo man auch mal hört, was Jesus mit Finanzen, Internet und Sex zu tun hat. Angebote schaffen für die Zielgruppe der unter 30 Jährigen – dafür wollen Linda und Erik die christlichen Pastoren und Mitarbeiter im Land sensibilisieren.

Eine Reise mit Folgen

Linda Pervenecki ist Enkelin von Chinamissionaren. Die Großeltern lebten von 1925 bis 1950 im Land. Sie hatten nur wenige Menschen zum Glauben an Jesus führen können. Enkelin Linda ist seit 2009 engagiert in der Arbeit für China, die ihr Bruder Erik leitet. Damals war sie mit ihren eigenen Kindern im Land der Mitte unterwegs. Die Urenkel der Missionare sollten sehen, wo die Bürklins sich vor der Mao Revolution für Gott engagiert hatten.

Linda Pervenecki mit Übersetzer in China beim Unterricht (Bild: China Partner)

Diese Reise war der Wendepunkt für Pervenecki: „Was mich am meisten überrascht hat: Die jungen Leute in China erinnern mich jetzt im 21. Jahrhundert ganz stark an die Jugend in Amerika oder Deutschland. Sie leben in unserer modernen Welt und wissen oft nichts von einem Gott, der sie liebt.“ Dann hat Linda ihren Bruder Erik gefragt, ob China Partner da nicht etwas machen könnte. Heute ist sie verantwortlich für „Youthservice“, bei China Partner das Programm für die nächste Generation.

Kreativ und up-to-date sollen die Lücken gefüllt werden im Gemeindeleben. Musik und Anspiele bereichern die Gottesdienste. An vielen Stellen entstehen Kleingruppen und junge Frauen und Männer erfahren, wie ihre Beziehungen gelingen können. Christliche Werte bewähren sich im modernen Leben. China Partner will dabei nicht amerikanische oder andere Konzepte imitieren. Das Team steht für Hilfe zur Selbsthilfe. Das Neue muss „chinesisch“ sein. Aber es soll den Jungen helfen im 21.Jahrhundert in China erkennbar als Christ zu leben. Damit Esther vom English Corner eines Tages gerne ihre Oma in die Kirche begleitet. Und damit sie sich auch traut, ihre beste Freundin oder ihren Freund zu einem Besuch einzuladen.


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