Schwerpunktthema Identität

Die DNA verrät den Täter

Jeder Mensch ist unverwechselbar. Das hilft der Polizei bei Ermittlungen.

Sie ahnen ja gar nicht, was Sie alles hinterlassen, wenn Sie so stehen und gehen. Da können Sie noch so gut aufpassen. Wenn Sie verhindern wollen, dass Ihnen nicht irgendwo ein Härchen ausfällt, Sie Hautschuppen verlieren oder sogar Fingerabdrücke hinterlassen, müssten Sie sich in einen Einweg-Overall hüllen und Handschuhe tragen. Unrealistisch, es sei denn, Sie arbeiten bei der Spurensicherung. Diese speziell geschulten Polizisten sammeln an Tatorten jeden Hinweis, der auf die Identität des Täters schließen lässt. Anhand der Ausbeute versucht die Polizei dann, den Verdächtigen zu identifizieren.

Verräterischer Fingerabdruck

Es gibt viele Möglichkeiten, einen Menschen zu identifizieren. Der Klassiker ist natürlich der Fingerabdruck. Besonders geschulte Kriminalbeamte können eine Menge aus den verschlungenen Fettflecken herauslesen. Dabei gehen sie systematisch vor: Zunächst bestimmen sie das Grundmuster. Häufig kommen Bögen, Schleifen oder Wirbel vor. Gelegentlich lässt sich in einem Fingerabdruck ein Tannenbaum-Muster erkennen und ganz selten gibt es auch Gebilde, die sich nicht einordnen lassen. Einige Menschen tragen sogar Fragezeichen auf ihren Fingerkuppen, was allerdings so selten vorkommt, dass selbst mancher Sachverständige noch nie eine solche Spur zu Gesicht bekommen hat.

Ist das Grundmuster bestimmt, analysiert der Experte den Verlauf der sogenannten Papillarlinien. Wo beginnen und enden Linien, verzweigen sie sich, gibt es andere Auffälligkeiten? Entdeckt der Ermittler zwölf individuelle Merkmale, die sich in exakter Lage im Vergleichsmaterial wiederfinden, hat er einen Treffer gelandet und die Identität steht fest. Denn keine zwei Menschen haben einen identischen Fingerabdruck. Selbst bei eineiigen Zwillinge unterscheiden sich die Fingerabdrücke, da sich die Papillarlinien erst ab der zwölften Schwangerschaftswoche ausbilden.

Warum eine DNA-Analyse ein Rest-Risiko birgt

So mancher Tatort ist ein echter Saustall. Einbrecher tragen immer Handschuhe? Weit gefehlt! Viele hinterlassen ihre Fingerabdrücke überall. Sehr zum Leidwesen der Betroffenen, die neben dem Chaos in der durchwühlten Wohnung auch noch das schwarze Pulver beseitigen müssen, das die Spurensicherer überall verteilt haben, um die Fingerspuren sichtbar zu machen. Über manche Einbrecher schütteln aber selbst langjährige Beamte den Kopf. Da bedient sich einer im Kühlschrank oder trinkt aus einer herumstehenden Flasche. Dass er dabei DNA aus seiner Mundschleimhaut hinterlässt – geschenkt. Andere schlagen Scheiben ein und schneiden sich anschließend an den Scherben. Ein Fest für Ermittler, denn Blutspuren sind Garanten für einen DNA-Fund. Und ein Einbrecher in einer Frankfurter Tankstelle scheint es nicht einmal mehr zur Toilette geschafft zu haben, wie ein Spurensicherer vor Ort fassungslos feststellen musste. Immerhin gab es genug Material mit DNA-Anhaftungen zum Sichern.

Aus der gefundenen DNA werden im Labor 13 Abschnitte isoliert, die dann mit den Datenbanken verglichen werden. Gibt es einen Treffer, steht die Identität des Täters so gut wie zweifelsfrei fest. Doch hier kommen wieder die eineiigen Zwillinge ins Spiel: Deren DNA kann in den Vergleichsabschnitten tatsächlich identisch sein. So manchen Täter hat das schon vor der Strafverfolgung bewahrt.

Wenn Zahnärzte einen Kriminalfall lösen

Immer wieder kommt es vor, dass unbekannte Tote gefunden werden. In manchen Fällen ist es nicht mehr möglich, DNA oder Fingerabdrücke zu sichern, etwa weil der Tote lange im Wasser gelegen hat oder bis zur Unkenntlichkeit verbrannt ist. Dann bleibt immer noch das Gebiss, denn Zähne, Füllungen und Implantate halten nicht nur großen physischen Belastungen stand, sondern überdauern auch Temperaturen von bis zu 1200 Grad Celsius. Hier kommt den Ermittlern zugute, dass jeder Mensch einen individuellen Zahnstatus besitzt. Zähne variieren nicht nur in Form und Stellung. Schäden, Füllungen, Prothesen und sonstige Merkmale, die Zähne im Laufe des Lebens verändern, machen ein Gebiss unverwechselbar. Zahnärzte dokumentieren und aktualisieren den Zahnstatus ihrer Patienten regelmäßig.

Wie beim Fingerabdruck gilt auch hier bei zwölf individuellen Merkmalen die Identität als sicher. Versucht die Polizei einen unbekannten Toten anhand seines Zahnstatus zu identifizieren, veröffentlicht sie die Informationen in zahnärztlichen Fachzeitschriften. Mit etwas Glück erkennt ein Zahnarzt das Gebiss eines Patienten wieder. Auch nach Katastrophen wie Flugzeugabstürzen oder Zugunglücken wurde die Identität vieler Opfer durch ihre Zahnärzte bestimmt. Nach der Tsunami-Katastrophe 2004 wurden 80 Prozent der Opfer auf diese Weise identifiziert.

Der unverwechselbare Blick

Auch Ihre Augen verraten mehr über Sie als sie ahnen. Denn in den ersten Lebensmonaten verändert sich die Iris durch zufallsgesteuerte Vorgänge und bildet Merkmale aus, die individuell und unveränderlich sind. Da ausgeschlossen werden kann, dass zwei Menschen exakt dieselben Iris-Merkmale besitzen, gilt eine Identifizierung per Retina-Scan als sicher.

Die Vereinigten Arabischen Emirate machen sich das bereits zunutze und registrieren jeden Einreisenden anhand seiner Iris. In Indien läuft gerade das größte Erfassungsprojekt der Geschichte: Alle 1,2 Milliarden Einwohner werden gescannt und erhalten eine Personenkennziffer. Zusammen mit der Registrierung von Fingerabdrücken soll dies verhindern, dass sich Menschen falsche oder mehrere Identitäten zulegen, um das Sozialsystem zu betrügen. Auch die Sicherheitsbranche profitiert vom Retina-Scan. An militärischen Anlagen oder Flughäfen wie Heathrow und Schiphol hat diese Methode längst die Chipkarte als Identitätsnachweis für den Sicherheitsbereich ersetzt.

Die Stimme ist unverwechselbar

Woher wussten die Geheimdienste nur, dass die neue Audiobotschaft im Netz von ausgerechnet diesem hochrangigen Islamisten stammt? Stimmanalysten haben genau hingehört. Anhand der Stimme lassen sich nicht nur Geschlecht und ungefähres Alter bestimmen – auch Akzente, Dialekte und sprachliche Auffälligkeiten lassen Rückschlüsse auf die Identität des Menschen zu. Außerdem hat jede Stimme ein eigenes Frequenzmuster. Zusätzlich kann die Sprechweise analysiert werden, die Herkunft und sozialen Status verrät. Nicht einmal Heiserkeit oder eine verstellte Stimme können verhindern, dass eine Person enttarnt wird, denn es gibt technische Verfahren, die diese Hürden umgehen. Die Stimme ist der akustische Fingerabdruck eines jeden Menschen. Lassen Sie sich also von niemandem erzählen, Sie klängen genau wie Ihre Mutter oder Ihr Vater!

Feiern Sie Ihre Individualität

Straftäter tun normalerweise alles, um ihre Identität zu verschleiern. Wer sich nicht gerade der Gerichtbarkeit zu entziehen versucht, kann sich hingegen freuen: Es gibt unglaublich viele Dinge, die einen Menschen einzigartig machen. Von den genetischen Bausteinen angefangen über erworbene körperliche Merkmale bis hin zur Persönlichkeit. Jeder Mensch ist ein individuelles Kunstwerk, das es nicht verdient hat, in der Masse unterzugehen. Schauen Sie sich ihre Fingerkuppen an, nehmen Sie Ihre Stimme auf, begutachten Sie Ihre Zähne: Welche Besonderheiten entdecken Sie?

 


Kommentare

Von William C. am .

Das wir nicht alle gleich sind ist nach meine Meinung weil es in die Schöpfung ein gewisser (Göttliche-, für uns ein Geheimnis) Evolution gibt; ständige Änderung. Manche Leute vertiefen sich in diese complexe Materie und tun ob sie das heiße wasser erfunden haben aber übersehen der Schöpfer. Für Gott sind unsere augen und Fingerabdrucken alle gleich weil Er durch die Liebe schaut. Wir Menschen haben es noch nicht gelernt.


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