Buchrezension

Im Namen Allahs?

Fördert der Islam Christenverfolgung? Ein neues Buch gibt Antworten.

Kann man davon sprechen, dass Christen in islamischen Ländern generell verfolgt werden? Und wenn ja, lehrt der Islam selbst vielleicht schon die Verfolgung von Andersgläubigen? Diesen Fragen geht Rita Breuer in ihrem Buch „Im Namen Allahs? Christenverfolgung im Islam“ nach. Bei dem Buch handelt es sich nicht um Neuerscheinung, sondern um eine erweiterte Neuausgabe. Dennoch ist der Inhalt des Sachbuches aktuell wie nie.

Christen als Bürger zweiter Klasse

Kleinschrittig und genau nimmt Rita Breuer verschiedene Formen von Diskriminierung und Verfolgung unter die Lupe, die Christen oftmals in muslimisch geprägten Ländern zu ertragen haben. Dabei geht sie zunächst einmal darauf ein, welche Position der Koran zu Andersgläubigen bezieht und welche unterschiedlichen Lesarten des Korans es zu diesem Thema gibt. Diese Analyse Breuers ist frei von Vorurteilen, aber nicht frei von Kritik. So zeigt Rita Breuer auf: Es gibt Stellen im Koran, die eine Verfolgung von Christen rechtfertigen, andere fordern zum friedlichen Miteinander zwischen Christen und Muslimen auf. Dennoch gelten Christen im Koran immer als Bürger zweiter Klasse.

Daran wird deutlich: Ob Christen in muslimischen Ländern verfolgt werden, hängt von der Lesart des Korans ab, die in dem jeweiligen Land herrscht. Allerdings ist ein Problem aller islamischen Staaten, dass Christen laut Koran Bürger zweiter Klasse sind und in diesen Ländern meistens auch gesetzlich benachteiligt werden. Denn dort orientiert sich die Gesetzgebung oft so stark am Koran, dass für Andersgläubige wie Christen oder Juden entweder diskriminierende Sonderregelungen gelten oder sie gezwungen werden, Gebote des Korans zu halten, die man nicht in Bezug auf einen gesamtgesellschaftlichen Konsens rechtfertigen kann. Zu dieser Ungleichbehandlung der Christen gehört unter anderem, dass sie bestimmte gesellschaftlichen Ämter nicht bekleiden dürfen. Damit wird ihnen sogar in Staaten, die auf dem Papier als „Demokratie“ gelten, die Mitbestimmung weitgehend verwehrt. Diese Diskriminierung, die in den meisten islamischen Ländern betrieben wird, steht aber in einem starken Kontrast zum westlichen Verständnis der Gleichheit aller Menschen.

Religionsfreiheit bedeutet im Islam etwas anderes


Rebecca Schneebeli im Radio-Interview über das Buch „Im Namen Allahs?“

Besonders deutlich wird das am Begriff der „Religionsfreiheit“. Denn dieser Begriff bedeutet im Islam etwas ganz anderes als in westlichen Gesellschaften. In der westlichen Welt verstehen wir unter Religionsfreiheit die Freiheit, sich seine Religion selbst auszusuchen und auch nach Belieben wieder wechseln zu können. Im Islam bedeutet Religionsfreiheit aber etwas anderes: Du hast die Freiheit, dich für den Islam zu entscheiden; aber du hast nicht die Freiheit, diese Entscheidung rückgängig zu machen.

Konkret heißt das: In vielen islamischen Ländern können Christen Christen bleiben, wenn sie die damit zusammenhängenden Nachteile in Kauf nehmen. Aber Muslime können den christlichen Glauben nicht einfach so annehmen. Darauf steht nämlich laut Scharia die Todesstrafe. Diese Todesstrafe wird von staatlicher Seite zwar nur in einigen islamischen Ländern umgesetzt, doch in anderen islamischen Ländern ist die Strafverfolgung oft so lasch, dass man von einer Duldung solcher Morde sprechen kann. Dieses Problem ist eines von vielen, denen sich Breuer in ihrem Buch widmet.

Neben diesen konkreten Problemen, die Christen oder Konvertiten in islamischen Ländern erleben, geht Rita Breuer auch darauf ein, wie Christen in Europa auf die Verfolgung von Christen in anderen Ländern reagieren können und sollten. Sie empfiehlt, diese Themen im politischen Diskurs nicht hinten herunterfallen zu lassen, aber gleichzeitig als „westliche“ Länder auch von bewussten Provokationen abzusehen.

Sehr genau, dabei aber zu wissenschaftlich

Christen, die sich bereits intensiv mit dem Islam beschäftigt haben, wissen um diese Fakten. Warum also sollte man „Im Namen Allahs? Christenverfolgung im Islam“ lesen? Zunächst einmal kommt das Sachbuch sehr wissenschaftlich daher. Am Ende jedes Kapitels finden sich Fußnoten mit Hinweisen, woher die genannten Fakten stammen. Außerdem enthält der Anhang eine Literaturliste, ein Glossar und eine Übersicht, wie viele Christen anteilig in welchem muslimischen Land leben. Auch im Text zieht sich diese wissenschaftliche Genauigkeit Breuers durch. Sie nennt immer wieder tatsächliche Beispiele für die Punkte, die sie thematisiert. Dadurch wird für den Leser sehr anschaulich, wie die Lage der Christen sich in den verschiedenen islamischen Ländern unterscheidet und inwieweit dort Christenverfolgungen stattfinden.

Leider ist diese Gründlichkeit Breuers auch das große Manko dieses Buches. Denn aufgrund der vielen Fakten verliert man als Leser leicht den Überblick über das große Ganze. Des Weiteren trägt auch Breuers Schreibstil nicht zur Lesbarkeit des Buches bei. Sie gebraucht lange Sätze und drückt sich manchmal etwas kompliziert aus. Leser, die sonst keine wissenschaftlichen Bücher in die Hand nehmen, könnten daher vielleicht dem Textfluss nur schwer folgen oder fühlen sich von Fakten erschlagen.

Fazit

Insgesamt ist „Im Namen Allahs? Christenverfolgung im Islam“ daher nicht für alle Leser gleichermaßen geeignet. Wer Lust hat, sich auf wissenschaftlicher und faktenbasierter Weise dem Thema „Christenverfolgung im Islam“ zu nähern, ist mit diesem Buch gut beraten. Wer wenig liest oder sich mit Sachbüchern allgemein eher schwertut, wird vermutlich nur wenig Freude an diesem Buch haben. Mich lässt das Buch zumindest unbefriedigt zurück. Ja, es führt wichtige und hilfreiche Fakten zu einem sehr aktuellen und brisanten Thema zusammen und ich habe beim Lesen viel gelernt. Dennoch fiel es mir als geübter Leserin nicht immer einfach, dranzubleiben. Daher empfehle ich das Buch nur für wirklich Interessierte oder Etappenleser. 


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