Porträt Lesezeit: ~ 4 min

„Wir möchten die Welt verändern“

Christian Taylor und Ben Church riskieren ihr Leben für sauberes Trinkwasser

„Die Menschen erleben hier nur Zerstörung, Not und Schmerz“, berichtet Christian Taylor aus Gaza auf dem Videoblog der Organisation ARC Solutions am 8. Dezember 2014. Im Hintergrund sieht man zerbombte Häuser und Kinder, die über Berge aus Schutt und Asche laufen. Christian spricht mit fester Stimme, seine Augen weichen der Kamera aber immer wieder aus. Dann kündigt er an, dass in Gaza ein neues Projekt von ARC Solutions beginnen soll. Und ein zaghaftes Lächeln erscheint auf seinen Lippen.

ARC Solutions ist eine Hilfsorganisation, die im Mai 2012 von den US-Amerikanern Christian Taylor und Ben Church gegründet wurde. Ihr Ziel ist es, Menschen in Krisengebieten Zugang zu sauberem Trinkwasser zu geben. Momentan arbeitet die Organisation in Somalia, der Zentralafrikanischen Republik und Gaza. Angefangen hat die Geschichte dieses lebensfördernden und lebensgefährlichen Projekt in einem Café in Redding, Kalifornien, mit einem ungewöhnlichen Gespräch. 

Ein Gespräch mit Folgen

Im Januar 2012 will Christian Taylor in einem Café seiner Heimatstadt einen Kaffee trinken. Als er das Lokal betritt, sieht er einen Kommilitonen aus der Bibelschule, den er nicht kennt, von dem ihm aber schon erzählt wurde. In Christians Ohr hallt noch immer der Satz nach, den Bekannte ihm gesagt haben: „Ihr solltet euch mal kennenlernen. Ihr habt ganz ähnliche Interessen.“  Taylor setzt sich kurzerhand neben Church an den Tisch und fängt unvermittelt ein Gespräch an. Ben hat ihn aus seinem Augenwinkel kommen sehen, aber gehofft, dass Christian an seinem Tisch vorbeigeht. Ben ist eigentlich in eine Aufgabe vertieft und zeigt keinerlei Interesse an einem Smalltalk. Christian scheint das nichts auszumachen.

Erst als Christian von seinem Anliegen erzählt, Menschen in extremer Armut zu helfen, wird Ben aufmerksam und legt seine Unterlagen zur Seite. Er ist erst seit kurzem von einem Missionseinsatz in Somalia zurück. Die beiden Männer träumen gemeinsam von einer Hilfsorganisation, die Menschen in Krisengebieten hilft  – dort, wo sonst keine Hilfe ankommt. Christian unterbricht Bens Gedankenspielerei plötzlich: „Gründen wir ein solches Hilfsprojekt oder nicht? Wenn nicht, hören wir lieber auf, darüber zu sprechen.“ Ben schaut Christian an. „Wir machen das. Los, wir machen das.“ Der Plan wird konkret. Sie möchten noch ihr Studium abschließen, dann soll das Abenteuer beginnen.

Die Welt verändern

Christians Herz schlägt schon lange für Menschen in Armut. Seine Familie führt seit vier Generationen ein landwirtschaftliches Unternehmen und baut ihre Produkte auch in Süd- und Mittelamerika an. Gerade im landwirtschaftlichem Sektor gibt es viele arme Menschen. Christian trifft während seiner Arbeitszeit – noch vor seinem Studium – eine Entscheidung: Er möchte sein Knowhow einsetzen, um die Welt zum Guten zu verändern. Christian grinst, als er das erzählt. Wozu auch falsche Bescheidenheit? Fast 25.000 Menschen haben mittlerweile durch ARC Solutions Zugang zu sauberem Trinkwasser erhalten.

Aller Anfang ist allerdings schwer – das mussten auch Christian und Ben erleben. Bei ihrem ersten gemeinsamen Aufenthalt in Somalia entscheiden sie sich gemeinsam mit somalischen Mitarbeitern für eine Wasserfilteranlage, deren Bauteile sie nur in den USA bekommen können. Christian und Ben bringen per Flugzeug die benötigten Teile zur Installation mit, jedoch gehen einige davon zu Bruch. In Somalia bekommen sie keinen Ersatz.

Christian und Ben wissen nicht weiter. Zerplatzt ihr Traum an fehlenden Ersatzteilen? Die somalischen Mitarbeiter sehen das nicht so eng: „Dann improvisieren wir halt!“ Sie reparieren kurzerhand die die zerbrochenen Teile. Und tatsächlich: Die Anlage funktioniert. Die beiden erinnern sich noch genau an den Augenblick, als sie den Hahn aufdrehten und das erste saubere Wasser kam. Sie waren erleichtert und dankbar – und veranstalteten mit den somalischen Kindern zur Feier des Tages eine Wasserschlacht.

Keine Angst?

Diese großartigen Momente sind unbezahlbar, da sind sich Christian und Ben einig. Trotz dieser wundervollen Erfahrungen haben sie keine Angst, sich in diesen gefährlichen Gebieten aufzuhalten? Ben listet auf diese Frage hin nüchtern alle möglichen Gefahrenquellen auf – Piraten, Banden, korruptes Militär –, um dann zu sagen, dass sie ihm keine Angst einjagen. Er fürchtet sich lediglich davor, dass ARC Solutions ihre Arbeit nicht schafft; dass aus den installierten Wasseranlagen immer noch schmutziges Wasser fließt und all die Kinder, die auf sauberes Wasser warten, ihn mit enttäuschten Augen ansehen; dass alle, die ARC Solutions mitfinanzieren und mitbeten, enttäuschen werden müssen.

Auch Christian macht sich mehr Sorgen um andere Menschen, als um sich selbst. Er hat Angst um die, die durch seinen Tod Schmerz erleiden müssten. Seit Oktober letzten Jahres ist Christian verheiratet. Trotzdem geht er seiner Mission weiter nach. Sein Anliegen ist Gefahren zu reduzieren und Personenschutz zu erhöhen. Auch er zählt sachlich auf, in welchen Bereichen dies möglich ist. Trotz der andauernden Lebensgefahr unterstützt seine Frau Holly ihn voll und ganz. „Als ich Christian geheiratet habe, wusste ich, wie er ist. Ich wusste, dass er sich für notleidende Menschen einsetzen will. Ich bewundere ihn für diese Leidenschaft.“

Während Christian und Ben ihre Geschichte erzählen, lachen sie viel. Sie machen Witze und geben sich High-Fives, als es darum geht, welche Ziele sie bereits erreicht haben. Man merkt ihnen in keiner Weise an, dass ihr Leben ständig bedroht ist. Sie machen einen ausgesprochen glücklichen Eindruck. Wer hätte damit gerechnet, dass die ungewöhnliche Begegnung vor drei Jahren Christians und Bens Leben komplett auf den Kopf stellen wird? Ben ganz bestimmt nicht. Er gibt zu, dass er zunächst gar keine Lust hatte, sich mit Christian zu unterhalten. Gut, dass Christian so hartnäckig war!


Hier sehen Sie einen "Gott sei Dank!"- Beitrag über ARC Soltions:

 

 


Ihr Kommentar

Die E-Mail wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.