Kommentar

Angst vor dem Islam?

Nach den Anschlägen auf das Satire-Magazin Charlie Hebdo entflammt die Debatte über Islamismus neu

Gegen den Terror die Liebe Christi setzen. Ein Kommentar von Radiochefredakteur Andreas Odrich zum Attentat auf Charlie Hebdo in Frankreich

Am Mittwochvormittag habe ich zum ersten Mal die Meldung eines terroristischen Anschlags auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ gelesen. Zwei mit Kalaschnikows bewaffnete Männer haben kaltblütig vier Mitarbeiter des islamkritischen Magazins hingerichtet, das besonders wegen seiner Karikaturen bekannt ist. Die Anzahl der Opfer ist mittlerweile auf zwölf angestiegen. Während sich weltweilt eine Welle der Empörung, Kritik und des Mitgefühls ausbreitete, schlich sich bei mir zuerst die Vermutung ein, dass es sich bei den Attentätern wohl um islamistische Fundamentalisten handeln müsse. Einerseits ist mir das unangenehm, da mir erst vor kurzem ein muslimischer Bekannter erzählte, dass er sich im Moment schämt, Muslim zu sein. Und ich will nicht den Islam pauschal verdächtigen. Andererseits haben die Meldungen meine Vermutung leider bestätigt.

Schnell erinnerte ich mich an einen ähnlichen Vorfall aus dem Jahr 2005. Da lösten Mohammed-Karikaturen der dänischen Tageszeitung Jyllands-Posten einen Sturm der Entrüstung in der islamischen Welt aus. Ein Anschlag auf den Zeichner einer der Karikaturen – Kurt Westergaard – scheiterte im Jahr 2010. Der Anschlag auf eine ganze Redaktion ist für mich allerdings eine neue Stufe der Eskalation. Mir ist bewusst, dass islamische Fundamentalisten den Islam in Geiselhaft nehmen. Der Islam ist mehr als gewaltbereite Fundamentalisten. Viele Muslime haben sich hervorragend integriert und schätzen die Freiheiten, die ihnen Deutschland oder andere westeuropäische Staaten bieten.

Syrien-Kämpfer sind tickende Zeitbomben

Dennoch bereitet mir die Zunahme der Gewaltbereitschaft unter den muslimischen Fundamentalisten Sorge. Für sie ist der Jihad – der Heilige Krieg –individuelle und kollektive Pflicht für jeden Muslim. Laut Politikwissenschaftler und Historiker Dr. Johannes Kandel sind kaum Aussagen muslimischer Verbände oder islamischer Rechtsgelehrter zu vernehmen, dass Anhänger dieser politischen Macht- und Herrschaftsideologie aus der „Gemeinschaft“ der Muslime ausgeschlossen gehören. Damit wird die radikale Lesart des Islam gleichsam als gültig legitimiert.

Nun stellt sich die Frage, ob man vor dem Islam generell Angst haben muss. Ich bin überzeugt, dass dies auf „den“ Islam (den es genauso wenig gibt wie „das“ Christentum) nicht zutrifft. Von einem Großteil der Muslime geht keine reale Bedrohung aus. Anders sieht das aber in Bezug auf den weit gefächerten extremistischen Islam aus. Da ist Wachsamkeit zwingend notwendig – sowohl, was mich persönlich angeht als auch in Bezug auf die Bundesbehörden. Ich finde es nachvollziehbar, dass viele in Deutschland sich Sorgen machen. 2007 beispielsweise konnte nur aufgrund sehr gründlicher Überwachung ein Anschlag der sog. Sauerland-Gruppe verhindert werden.

Nach Aussagen des Verfassungsschutzes befinden sich in Deutschland etwa 43.000 Islamisten. Natürlich sind nicht alle dieser Islamisten militant. Dennoch ist das eine ernst zu nehmende Zahl. Zu dieser Gruppe gehören übrigens auch die rund 6500 Salafisten, von denen rund 800-900 als militant angesehen werden. Dazu kommen noch etwa 200 sog. Syrien-Kämpfer, die Dr. Johannes Kandel als „tickende Zeitbomben“ bezeichnet.

Nicht alle Pegida-Protestler sind Nazis in Nadelstreifen

Es sind diese Zahlen und auch Anschläge wie die vom vergangenen Mittwoch, die vielen Menschen in Deutschlang Sorgen bereiten. Das kann ich nachvollziehen – selbst wenn derzeit keine akute Gefahr besteht. Der Zuspruch, den beispielsweise die Protestbewegung Pegida erhält, ist ein Beweis dafür, dass sich Angst breitmacht in Deutschland. Eine Angst, die von Politik und Medien nur begrenzt ernst genommen wird. Das zeigen zumindest Aussagen wie die von SPD-Politiker Ralf Jäger, für den die gesamte Protestbewegung hauptsächlich aus „Nazis in Nadelstreifen“ zu bestehen scheint. Das ist weder korrekt noch hilfreich.

Unter dem Banner der Pegida versammeln sich nämlich neben einer ganzen Reihe in der Tat sehr zwielichtiger Elemente des rechten Lagers auch viele normale Bürger, die einfach nur wütend und ängstlich sind. Sie verdienen mehr als politisch korrekte Aussagen. Sie verdienen es, ernst genommen zu werden, statt pauschal als „braune Gesinnungstäter“ abgekanzelt zu werden. Sie verdienen einen offenen Diskurs.

Christen werden besonders in islamischen Ländern verfolgt

Christen stehen in besonderer Weise im Fadenkreuz der islamischen Extremisten – nicht nur in Syrien oder im Irak. Ebenfalls am Mittwochvormittag veröffentlichte die christliche Hilfsorganisation Open Doors ihren Weltverfolgungsindex 2015. Unter den insgesamt 50 aufgelisteten Ländern, in denen Christen verfolgt werden, sind 35 islamische Länder. Von den ersten zehn Ländern sind es acht. Das finde ich besorgniserregend.

Markus Rode – Geschäftsführer von Open Doors – weiß, dass diese Zahlen in einer prekären politischen Situation publiziert wurden. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum die Rangliste auf ein derart großes Interesse gestoßen ist: Über 200 Leserkommentare erhielt die ausschließlich sachliche Berichterstattung auf welt.de. Rode warnte allerdings davor, die Liste nicht in der Debatte um die Stellung des Islam in Deutschland zu instrumentalisieren. Nichtsdestotrotz bezeichnet der Verein in ihrer Erklärung den islamischen Extremismus als „eine der Haupttriebkräfte der Verfolgung“. Das gilt nicht nur für den Nahen Osten, sondern ebenfalls für Afrika.

Auch die Berichte anderer Nachrichtenagenturen erfolgte – für mich wenig überraschend –  sachlich-distanziert, sehr auf die Angaben von Open Doors gestützt. Eigene Einschätzungen gaben die Redakteure nicht – außer Anette Langer vom Spiegel. Sie spekuliert über den Gesprächsstoff für Deutschland: „Das könnte in der aktuellen Debatte um Pegida und ähnliche islamfeindliche Bündnisse für Zündstoff sorgen.“ Ist das etwa die Schlussfolgerung aus einer Statistik, die angibt, dass weltweit 100 Millionen Christen wegen ihres Glaubens verfolgt werden? Ich kann kaum glauben, was ich lese.

Aus Angst vor Ablehnung schweigen?

Ich bin allerdings nicht der einzige Rezipient, den der Weltverfolgungsindex zum Nachdenken anregt. Auf focus.de zieht ein Leser Bilanz nach diesen zwei Schreckens-Nachrichten am Mittwoch: „Schaut Euch die Tragödie in Paris heute an! Die Toleranz der Demokratie muss auch eine schützende Grenze haben.“  Wie diese Grenze aussehen kann? Das müssen wir in Deutschland endlich offen diskutieren – mit Pediga-Anhängern und –Gegnern, mit Christen, mit Muslimen, mit Minderheiten.

Ein trauriges Fazit, aber eine Stimme, die auch mir persönlich bekannt vorkommt, ist die von „Uwe Ostertag“ auf focus.de: „Dass der Haupttriebtäter der Islamische fanatismus ist, das ist uns schon bewusst, aber diesen anzukreiden wage ich mir absolut nicht, denn ich habe Angst, als Rassist und Ausländerfeind dazustehen, lieber lasse ich unser Land islamisieren, um meine christliche Nächstenliebe auszuleben (sic).“ Diese Passivität, die ich selber gut kenne, macht mich betroffen. Sind wir wirklich so hilflos?


Kommentare

Von Hans-Uwe S. am .

Was für ein Unsinn: die Fundamentalisten würden »den Islam« in Geiselhaft nehmen!
Der in Berlin lebende türkische Schriftsteller Zafer Senocak hat – völlig zu Recht – formuliert, „der militante Islamismus, der Dschihadismus, kommt direkt aus dem Herzen des Islam, er kommt direkt aus dem Koran“ und damit aus dem Zentrum des muslimischen Glaubens! Und der ägyptische Menschenrechtsaktivist Ahmed Harqan stellte angesichts der Schandtaten des IS die Frage: «Was hat der IS getan, was Mohammed nicht mehr

Von Felix U. S. am .

Islam. Terror. Gewalt. Mord. Christenverfolgung. Was muss eigentlich noch alles passieren, bevor religiöse Ignoranten und selbsternannte Gutmenschen die nackten Fakten zur Kenntnis nehmen? Die Weigerung führender Islam-Geistlicher, sich von Gewalt, Terror und Mord im Namen des Islam zu distanzieren, spricht doch eine deutliche Sprache.

Von Jaques L. am .

"Mangels Juden muss der Islam herhalten. "
Das ist noch die schwachsinnigste Behauptun von allen. Auch wenn sie in endlosen Fernsehschleifen kolportiert wird. Hier werden die größten Juden- und Christenhasser in die Position ihrer Opfer gerückt und die Opfer ("Scheißdeutscher", "Scheißchrist") werden zu Tätern. Wie sagte der jüdische Publizist so treffend: "Wenn ein Außerirdischer in diesem Moment auf die Erde käme, so müsste er glauben, es gäbe in aller Welt Massaker an Muslimen und die Muslime müssten Gewalttätern beschützt werden."

Von neueliebe14de am .

Ich verabschiede mich mal mit einem Text von Ulrich Parzany aus dem Jahr 1981 : Jesus im Koran
http://www.efg-hohenstaufenstr.de/downloads/texte/jesus_im_koran.html

Von Jaques L. am .

Der Hass ist im Islam implementiert. 35.000 mal wird im Koran zum Hass aufgerufen. Wenn man den Islam nicht als politische Ideologie sieht, was er tatsächlich ist, sondern als Religion, dann kommt man irgendwann unweigerlich zum Vergleich Mohammed und Jesus. Jesus war Wanderprediger, Mohammed Kriegsherr. Während der letzten 8 Jahre seines Lebens hat er hunderte von Kriegen geführt. Er hat eigenhändig Enthauptungen durchgeführt. Es liegt schlicht am Islam, es gibt keinen Unterschied zwischen mehr

Von Redaktion am .

Wir freuen uns sehr über Kommentare und Austausch auf unserer Plattform. Wir möchten dennoch alle Schreiber bitten, einander mit Respekt zu begegnen - gerade bei unterschiedlichen Ansichten.

Von neueliebe14de am .

Ich war in Paris, einmal von Norden reingefahren. Nur mit altem Auto zu empfehlen. Stadtführer warnen davor, das Marktviertel abends zu betreten. In die Problem-Vorstädte fährt man besser nicht. Ansonsten kenen ich Hamburg-Wilhelmsburg, Dortmund-Nordstadt, Duisburg-Innenstadt aus eigener Anschauung. Heruntergekommene Viertel. Alkohol. Drogen. Arbeitslosigkeit um 20 %. Häuser mit Müllbergen. Hohe Kriminalität - auch Muslime gegen Muslime. Kriminelle Grossfamilien mit bis zu tausend Mitgliedern. mehr

Von Jaques L. am .

@neueliebe
Wenn Sie Ihre Informationen vom Fernsehen holen und sich die erwähnten Viertel "von ferne" ansehen, dann erklärt das Ihren Kommentar.

Von Redaktion am .

@ Renate: Auch bei islamischen Ländern muss man differenzieren. Es gibt Länder, in denen hauptsächlich Muslime leben, es aber keine offizielle Staatsreligion gibt (z.B. die Türkei). Die Türkei war die letzten drei Jahre nicht in der Liste, jetzt ist das Land auf Rang 41. In anderen Ländern ist die Scharia gesetzlich verankert, hier sind die "Regeln" des Islam für alle verpflichtend. Auf Konvertierung steht die Todesstrafe. In wieder anderen Ländern, wie z.B. Somalia (Rang 2) oder Nigeria (Rang mehr

Von Renate am .

Gibt es in den Islamländern nur Islamisten oder warum werden dort die Christen so sehr verfolgt? Es ist beschämend und einer Demokratie unwürdig, wenn Bürger als Nazis diffamiert werden, wenn sie gegen den radikalen Islam und gegen die Islamisierung mit Pediga friedlich demonstrieren. "Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf", das gilt heute ganz besonders. Haben wir Christen nicht da auch eine Verantwortung, oder ziehen wir uns in unser frommes Schneckenhaus zurück? Ja, es mehr

Von Christel C. am .

Ja, wir dürfen wählen in Deutschland, aber eine Stimme haben wir schon lange nicht mehr. Passivität, Opferbereitschaft ist uns auferlegt. Gott hat uns auch neben Nächstenliebe einen gesunden Menschenverstand gegeben. In Deutschland dürfen wir ihn nicht benützten.

Von neueliebe14de am .

@Jaques L . Der Westen hat abgewirtschaftet - aber warum ? Die Politiker unfähig - aber wer wählt sie ? Aggressiv denen gegenüber, die sie aussprechen - und wer schweigt ? Eine Umkehr scheint unmöglich - will denn wer umkehren ? Die sozialen Ursachen werden verschwiegen - mal die Vorstädte von Paris von ferne gesehen ? Köln, Hamburg, Dortmund, Hamburg, Remscheid, Solingen haben ähnliche Viertel. Die Deutschen haben einen Hang, anstatt Umzukehren, sich einen Sündenbock zu suchen. Wie üblich, mal mehr

Von Chris am .

"Laut Politikwissenschaftler und Historiker Dr. Johannes Kandel sind kaum Aussagen muslimischer Verbände oder islamischer Rechtsgelehrter zu vernehmen, dass Anhänger dieser politischen Macht- und Herrschaftsideologie aus der „Gemeinschaft“ der Muslime ausgeschlossen gehören. Damit wird die radikale Lesart des Islam gleichsam als gültig legitimiert."
Es lässt sich doch keine Aussage daraus ableiten, dass jemand etwas NICHT gesagt hat. Genau das wird hier aber getan. Behauptet wird sinngemäß: mehr

Von Rainer L. am .

Wenn für Herrn SPD-Jäger "die gesamte Protestbewegung hauptsächlich aus Nazis in Nadelstreifen" besteht, dann muss er 1. unverzichtbar Fotos oder sonstige Beweise für überhaupt Nadelstreifenanzug tragende Demo-Teilnehmer vorweisen können und 2. dann noch beweisen, dass das auch tatsächlich Nazis sind. Er wird beides nicht können! Und deshalb ist diese Aussage eine schwere Beleidigung und Verunglimpfung aller zu Recht besorgten Protest-Bürger. Herr Jäger, was ist, wenn ein großer Teil der heute mehr

Von Astrid am .

Endlich mal ein ausgewogener Kommentar. Ich habe es satt dass man in unserer politischen Landschaft Terrorismus nicht mehr beim Namen nennen kann ohne gleich als Nazi beschimpft zu werden. Irgend etwas läuft sehr verkehrt in unserem Lande. Was da geschehen ist in Paris ist einfach nur schrecklich. Oder das neuerliche Massaker in Gombe. Ich will Menschen vorbehaltlos und wertschätzend gegenüber treten, aber sorry, bei Moslems fällt mir das immer schwerer.

Von Erich T. am .

Die "radikale Lesart des Islam", wie Sie es nennen, ist eben auch Koran, also Islam.Und die Verfolgung der Christen in islamisch dominierten Ländern ist traurige Realität. Warum? Weil Jesus nicht Gottes Sohn sein darf. Schon Mohamed hat mit Blut und Tod seine Religion verbreitet. Hat Jesus jemals einen Meschen verfolgt? er hat sich sebst für alle geopfert. Das haben wir den Moslems zu bezeugen!

Von Jaques L. am .

ja, wir sind hilflos. Der Westen hat abgewirtschaftet. Die Staaten sind überschuldet, der Wohlfahrtsstaat nicht mehr finanzierbar, die Politiker durch die Bank weg unfähig und ängstlich und aggressiv gegenüber offensichtlichen Tatsachen bzw. denen gegenüber, die sie aussprechen. Eine Umkehr scheint unmöglich. Dies umso mehr, wenn man sich Oswald Spenglers "Untergang des Abendlandes" vor Augen führt: "Dekadenz ist unumkehrbar". Der politisch-mediale Komplex biedert sich den neuen Machthabern an und liefert uns diesem aus. Wir befinden uns in einem Epochenwandel und einem Kulturkampf.

Von Peter am .

Alle fünf Minuten stirbt ein Christ, nur weil er Christ ist; etwa 100.000 Christen werden jährlich wegen ihres Glaubensbekenntnisses getötet.
Gläubige Muslime erfüllen die Gesetze und Befehle Allahs blind und ohne nachzudenken.
Die Politiker und wir als Volk sollten uns den Koran genauer anschauen.
Wenn ich die Geschichte recht in Erinnerung habe, ist der Islam, seit der islamischen Eroberung der ehemals christlichen Länder, für die meisten Verbrechen verantwortlich die jemals in der Geschichte ausgeübt wurden.


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