Interview

Urlaub auf der Couch

Christen kennenlernen und in ferne Länder reisen? Das neue Couchsurfing-Portal Couch 7 macht’s möglich.

Seit einigen Monaten gibt es das neue christliche Couchsurfing-Portal Couch7. ERF Online hat beim Mitbegründer Andreas Fritz nachgefragt, wie er auf die Idee zu einem solchen Portal kam, wie das Portal funktioniert und an wen es sich wendet.

ERF Online: Sie haben eine christliche Couch Surfing-Seite gegründet. Braucht man denn ein extra Couch Surfing-Angebot für Christen? Es gibt ja auch viele andere Angebote.

Andreas Fritz: Das ist eine Frage, die wir immer wieder zu hören bekommen. Natürlich kann man das von beiden Seiten sehen. Es gibt genug nichtchristliche Plattformen, die man nutzen kann. Wir haben aber die Idee gehabt, so etwas auch für Christen zu machen, weil es das bis jetzt so noch nicht gab. Es gibt zwar seit 20 Jahren ein christliches Buchverzeichnis, wo sich Leute eintragen können ‒ eine Art Übernachtungsverzeichnis. Das wird auch genutzt, aber das gibt es eben nur in Buchform. Unsere Idee war das als Online-Angebot zu machen, bei dem man weiß, dass der andere auch gläubig ist.

ERF Online: Nun gäbe es natürlich auch die Möglichkeit, eine andere Couch Surfing-Seite zu nutzen und sich auf dieser Plattform mit Christen zu vernetzen. Wieso halten Sie trotzdem eine eigene Seite für sinnvoll?

Andreas Fritz: Die Möglichkeit gäbe es zwar. Die Frage ist aber: Wie gut oder wie einfach findet man andere Gläubige? Meine Frau und ich haben 2010 eine USA-Tour geplant und haben damals auch versucht, irgendwie Kontakt zu Gemeinden vor Ort zu bekommen. Das war ziemlich schwer. Wir wollten in New York die Hillsong Gemeinde besuchen, doch man hatte irgendwie keine richtige Anlaufstelle Wir wussten nicht, an wen wir uns wie wenden können, um jemanden zu finden, bei dem wir übernachten können. Wir hatten damals auch über die Seite couchsurfing.org Übernachtungsmöglichkeiten angefragt, doch auch dabei kam nichts herum. So kamen wir auf die Idee, eine solche Seite ins Leben zu rufen, über die man mit Gemeinden in anderen Orten beziehungsweise mit Christen aus diesen Gemeinden Kontakt herstellen kann.

ERF Online: Aber Sie erwähnten es selbst: Oft weiß man schon, wenn man irgendwo hinfährt, welche Gemeinden es vor Ort gibt. Welchen Mehrwert hat es denn da, direkt bei Christen zu übernachten?

Andreas Fritz: Man kann dadurch einfach besser planen. Es ist wesentlicher einfacher, wenn ich vorher weiß: Ich habe vor Ort einen Kontakt und nach dem Gottesdienst kann ich mit irgendwem nach Hause gehen und dort übernachten. Das ist etwas anderes, als wenn ich einfach so an einem fremden Ort in die Gemeinde gehe und hoffe, dass sich dort irgendein Kontakt ergibt. Dieser Aspekt allein bietet schon einen Mehrwert.

100-prozentige Sicherheit ist nicht machbar

ERF Online: Es wäre natürlich auch eine super Möglichkeit, durch Couch Surfing mit Nichtchristen oder mit Leuten in Kontakt zu kommen, die keine Beziehung zum Glauben oder einen ganz anderen Glauben haben. Könnte ich mich denn auch als Muslima auf der Seite anmelden, wenn ich sage: „Ich finde den christlichen Glauben interessant und wollte schon immer mal mehr von Christen wissen“?

Andreas Fritz: Grundsätzlich möchten wir niemanden ausschließen. Es kann sich jeder anmelden, der möchte. Ich bezweifle zwar, ob zum Beispiel Muslime sich auf einer christlichen Seite anmelden möchten. Aber wir fragen bei den Usern nicht ab, welchen Glauben oder welche Glaubensrichtung sie haben. Das lassen wir offen. Ein Andersgläubiger wird also von uns nicht gebeten werden, sich auszutragen oder sich abzumelden. Unsere Plattform ist schließlich nicht dazu da, sich abzugrenzen, sondern sie möchte verbinden. Wer aber als Christ über Couchsurfing bewusst Nichtgläubige kennenlernen will, ist vermutlich auf einer allgemeinen Couchsurfing-Seite besser aufgehoben.

ERF Online: Viele Menschen halten Couch Surfing grundsätzlich für eine gute Idee. Vielen ist dennoch unwohl bei dem Gedanken, jemand Fremdes in die eigene Wohnung zu lassen oder bei jemand Fremdem zu übernachten. Überprüfen Sie als Seitenbetreiber die Angaben der Gastgeber beziehungsweise der Gäste?

Andreas Fritz: Ich kann natürlich nicht jeden Einzelnen überprüfen. Wir gucken schon in die Profile rein, wenn Leute sich anmelden, und bieten auch eine Verifizierung an. Das bedeutet: Jemand kann seine Anschrift und Telefonnummer verifizieren lassen. Aber natürlich müssen User auch vorsichtig sein und sich erstmal über Unterhaltungen kennenlernen. Wenn man dann kein gutes Gefühl hat, lädt man jemanden natürlich nicht zu sich ein oder übernachtet dort. Aber dass 100-prozentige Sicherheit machbar ist, bezweifle ich.

Andreas Fritz ist Mitbegründer von Couch 7. (Foto: privat)

ERF Online: Wie genau funktioniert denn die Verifizierung auf Ihrer Seite?

Andreas Fritz: Wenn Sie sich anmelden, müssen Sie eine Anschrift angeben: Also Namen, Straße, Postleitzahl und Ort. Die Verifizierung dieser Angaben ist freiwillig und kostet auch etwas, mindestens 5 Euro. In dem Moment, wo jemand sich verifiziert und den Betrag dafür bezahlt, wird ihm ein Code per Post zugeschickt. Diesen Code kann er dann auf der Seite eingeben. Dadurch wird verifiziert, dass er unter der angegeben Adresse zu erreichen ist. Ähnlich funktioniert das für die Telefonnummer, dann wird der Code per SMS zugeschickt.

Wir setzen auf persönliche Nachrichten statt auf Sternchen

ERF Online: Ihre Seite ist seit wenigen Monaten online und es haben sich bereits über 600 Gastgeber angemeldet. Wissen Sie, zu wie vielen Übernachtungen es schon über die Plattform gekommen ist?

Andreas Fritz: Es sind bereits knapp 50 Übernachtungen bestätigt worden. Es ist bei uns so: Wenn jemand eine Übernachtungsanfrage stellt, wird das an den Gastgeber geschickt. Und erst wenn beide die Übernachtung bestätigen, können sie gegenseitig die Anschriften sehen. Vorher kann man nicht sehen, wo der Nutzer genau wohnt. Allgemein haben wir knapp 2.000 Nutzer, aber nur 600 von ihnen haben sich auch als Gastgeber angemeldet.

ERF Online: Ich nutze selbst verschiedene Reise-Seiten. Darauf kann man immer auch Bewertungen, zum Beispiel in Form von Sternchen, abgeben. Gibt es bei Ihnen auch die Möglichkeit zur Bewertung der Übernachtung?

Andreas Fritz: Bewertungen wie auf anderen Seiten gibt es bei uns nicht. Es gibt aber die Möglichkeit im Gästebuch anderer Nutzer Kommentare zu hinterlassen. Außerdem wird Gastgeber und Gast einige Tage nach der Übernachtung eine E-Mail mit Link zu einem Bewertungsformular zugeschickt. Darüber können sie uns ein Feedback mitteilen. Das heißt, wenn irgendetwas negativ aufgefallen ist oder nicht in Ordnung war, bekommen wir das als Seitenbetreiber mit. Wir haben uns gegen eine Bewertung mit Sternchen entschieden, weil die Ansichten der Nutzer sehr unterschiedlich sein können. Wenn Sie zum Beispiel einen anderen Maßstab in Bezug auf Sauberkeit haben als Ihr Gastgeber und ihn deshalb schlecht bewerten, versteht er das vielleicht nicht. Daher setzen wir eher auf persönliche Nachrichten.

Einzige Voraussetzung: Offenheit für neue Menschen

ERF Online: Sie stehen mit Ihrem Projekt noch relativ am Anfang. Was wünschen Sie sich für die Zukunft von Couch7?

Andreas Fritz: Wir haben noch einige Ziele und Pläne, die wir umsetzen wollen. Wir haben sehr viel Zeit investiert, bis wir überhaupt online gehen konnten. Wir sind alle voll berufstätig und haben das nebenher gebaut. Deswegen hat das auch länger gedauert, als wir anfangs gedacht haben. Im Moment müssen wir in erster Linie Benutzer bekommen – auch weltweit. Wir haben schon angefangen, bei Facebook international Werbung zu machen. Bisher ist aber noch nicht viel passiert. Das erklärt auch, wieso bisher hauptsächlich Leute aus Deutschland sich angemeldet haben. Wir wollen in Zukunft auch noch weitere Funktionen einbauen. Zum Beispiel, dass man konkret nach Gemeinden suchen kann.

ERF Online: Wie sieht es denn mit weiteren Sprachen aus? Bisher hat die Seite nur eine englische und eine deutsche Navigation. Haben Sie vor, die Seite noch um andere Sprachen zu erweitern?

Andreas Fritz: Mit der Zeit auf jeden Fall. Das ist aber kein kurzfristiges Ziel. Es wird entweder viel Zeit in Anspruch nehmen oder einiges kosten, alles auf der Seite übersetzen zu lassen. Das Geld, das uns im Augenblick zur Verfügung steht, wollen wir erstmal in Marketing investieren. Aber wenn die Community wächst, werden wir mit Sicherheit weitere Übersetzungen in Angriff nehmen.

ERF Online: Was muss ich denn mitbringen, um mich als Gastgeber auf der Seite anzumelden?

Andreas Fritz: Man sollte offen sein und Spaß daran haben, neue Menschen kennenzulernen.

ERF Online: Und eine Couch haben?

Andreas Fritz: Diesbezüglich wollen wir gar keine genauen Anforderungen stellen, weil jeder unterschiedlich ist. Manche können nur im Bett schlafen. Aber die suchen auch nach Gastgebern, die ein Bett haben. Andere sagen: „Wir reisen mit Rucksack und einem Schlafsack. Mir reicht ein Dach über dem Kopf. Ich schlafe auch in der Garage oder dem Keller auf dem Boden.“ Außerdem wollen wir international sein. Nicht überall auf der Welt herrscht so ein Standard wie in Deutschland, dass man ein eigenes Gästezimmer oder sogar noch ein Gäste-WC anbieten kann. Deshalb machen wir keine genauen Vorgaben dazu, wie die Wohnung oder das Haus auszusehen hat.

ERF Online: Vielen Dank für das Interview.


Kommentare

Von Libby am .

Zahlt der übernachter dann was beim gastgeber, zumindest für die unkosten? wäre doch nur fair :)


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