Filmrezension Lesezeit: ~ 2 min

„Citizenfour“

Die Dokumentation über „Whistleblower“ Edward Snowden ist verstörend, erschütternd und verblüffend zugleich

Die Dokumentarfilmerin Laura Poitras erhält Anfang des Jahres 2013 verschlüsselte Emails von einem Mann, der den Decknamen „Citizen Four“ benutzt. Er will Beweise haben, dass amerikanische Geheimdienste – allen voran die NSA – US-Bürger, sowie Teile von Europa und Südamerika verdeckt ausspionieren. Ein halbes Jahr später fliegen Poitras und zwei Journalisten nach Honkong, um den geheimnisvollen Mann zu treffen. Sein Name: Edward Snowden.

Glenn Greenwald und Ewen MacAskill von der britischen Zeitung „The Guardian“ interviewen Snowden, Poitras hält die Kamera drauf – und dokumentiert damit die Aufdeckung eines der unerhörtesten und größten Skandale der Weltgeschichte. Und sie dokumentiert damit auch die Geschichte von Edward Snowden, der sich zum Staatsfeind Nummer 1 der USA machte und als Whistleblower Geschichte schrieb.

Pro Sekunde sammeln US-Geheimdienste 1,5 Terrabyte digitale Daten

Während Snowden die Einzelheiten erklärt und sich damit für die Journalisten ein viel zu reales Schreckensszenario ausbreitet, spürt man, dass diese Dokumentation eigentlich ein rasanter Thriller ist. Nur, dass dies eben keine Hollywood-Fiktion ist, sondern dass man selbst bereits Opfer dieses Skandals ist – oder zumindest sein könnte. Je länger der Film dauert, desto mehr werden einem politische Brisanz und die Tragweite dessen bewusst, was man sieht. Während ich im Kinosessel saß, wurde mir abwechselnd heiß und kalt:

In jeder Sekunde sammeln die US-Geheimdienste rund 1.5 Terrabyte an digitalen Daten aus dem Internet, dem Festnetz, von Handys und aus sozialen Netzwerken. Im Prinzip wird alles, was digital ist, angezapft und gespeichert. Mit speziellen Programmen können die Agenten dann „Notwendiges“ binnen weniger Tage finden. Da scheint der totale Überwachungsstaat durch, es handelt sich um einen massiven Angriff auf die Freiheit, die Privatsphäre, die Individualität und die Demokratie.

Erinnerungen an Orwells Roman „1984“ werden wach

Regie: Laura Poitras
Protagonisten: Edward Snowden, Julian Assange, Laura Poitras, Jeremy Scahill, Jacob Appelbaum, Glenn Greenwald
Verleih: Piffl Medien
Laufzeit: 114 Minuten
VÖ: 6. November 2014
FSK: k.A.
Website: https://citizenfourfilm.com/

Dass die Aufdeckung dieser als „streng geheim“ eingestuften Tatsachen eine Gefahr für Edward Snowden darstellt, spürt man im Verlauf des Films nur allzu deutlich. Umso bewundernswerter ist, dass Snowden selbst recht gefasst und entspannt ist.

Der damals 29 Jährige war sich jeder Zeit des Risikos vollkommen bewusst, riskiert jedoch lieber seine Gefangennahme als wegzusehen. Nach dem Film wagt man kaum, sein Handy anzuschalten, das Internet zu nutzen und fühlt sich in den George-Orwell-Roman „1984“ katapultiert. Die düstere Utopie aus dem Jahr 1949 sieht einen totalitären Überwachungsstaat vor und schildert die schlimmen Folgen dieser Überwachung.

Fazit: Erschreckend, beängstigend, verblüffend, bedeutend, fürchterlich, erschütternd – und absolut sehenswert!

 

Der offizielle Filmtrailer von Citizenfour:

 

 

 

 


Kommentare

Von Norbert D. am .

Sicherlich kommt so eine filmische Präsentation mit einem dramatischen Sound untermalt wie ein unerwarteter Komet in mein Leben. Aber letztendlich wusste ich schon sehr früh, dass ich keine Kontrolle über all die vielen Internetzugriffe und alle digital eingespeiste Daten haben werde. Es war von je her ein Spiel mit dem Feuer. Dass es Leute gibt, die das illegal für ihre Machenschaften gebrauchen, wurde frühzeitig deutschlandweit publiziert. Es ist nur logisch, dass sich jemand über die Grenze mehr


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