Filmrezension

Morddrohung in der Beichte

In „Am Sonntag bist du tot“ wird ein Priester zum Gejagten

„Nächsten Sonntag bringe ich dich um.“ Als Priester James Lavelle die Beichte seiner Schäfchen abnimmt, hört er diese Drohung. Der Mörder in spe erklärt ihm sein Motiv: Er möchte mit dem Tod eines unschuldigen Pfarrers ein Zeichen setzen. Der Beichtende wurde als Kind von einem Geistlichen sexuell missbraucht und will die katholische Kirche jetzt dafür bestrafen.

Lavelle weiß offensichtlich, wer ihn umbringen will; dem Zuschauer bleibt es allerdings verborgen. Man rätselt bis zum Schluss, welcher der verschrobenen Bewohner des irischen Dorfes hinter den Drohungen steht.

Schwarzer Humor mit Tiefgang

Sieben Tage bleiben dem Priester, bis es zu dem Treffen mit seinem Henker kommt. Er denkt über sein Leben nach und sucht nach einem Ausweg. Gleichzeitig muss er sich um die Sorgen und Nöte der Dorfbewohner kümmern, für die der Geistliche oft der einzige Freund ist.

Was zuerst nach einem Kirchenkrimi à la Pater Braun klingt, entpuppt sich als perfekt inszeniertes Kammerspiel. Die ironisch bissige und gleichzeitig beklemmende Tragikomödie steigert sich bis zu einem überraschenden Finale. Das Spiel von Hauptdarsteller Brendan Gleeson ist dabei durchgehend vielschichtig und präzise. Der Kinobesuch lohnt sich allein schon wegen dieser großartigen Leistung und den spektakulären Aufnahmen der irischen Landschaft.

Die Gerechtigkeit von Golgatha

Der Skandal um den sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche war in Irland größer als in Deutschland. Es wäre leicht gewesen, die Kirche als verlogenen Sündenbock darzustellen. Das passiert in diesem Film aber nicht. Gerade weil James Lavelle ein tief gläubiger, guter und engagierter Pfarrer ist, wird die Perversion der Täter spürbar. Sie nutzen ihren Status aus, um Kindern weh zu tun.

Regie: John Michael McDonagh
Drehbuch: John Michael McDonagh
Schauspieler: Brendan Gleeson, Chris O'Dowd, Kelly Reilly
Verleih: Ascot Elite Filmverleih
Laufzeit: 103 Minuten
VÖ: 23. Oktober 2014
FSK: ab 16 Jahre
Website: http://amsonntagbistdutot.de

Der Film heißt im Original „Calvary“, zu deutsch Golgatha. Es gibt einen Bezug zu dem Ort, an dem Jesus Christus für die Sünden der Menschheit gestorben ist. Ein Unschuldiger stirbt an der Stelle des Täters – so wie es Pfarrer James Lavelle auch droht.

Der Film thematisiert schonungslos das Thema Sünde und Vergebung. Kann wirklich jede noch so schreckliche Tat vergeben werden? Reicht Gottes Gnade tatsächlich aus, um die dunkelsten Auswüchse menschlicher Bosheit aufzuheben, und wenn ja, wo bleibt die Gerechtigkeit?

Fazit: Ein spannender, aufwühlender und rabenschwarzer Film. Empfehlenswert, aber definitiv kein Popkornkino.

Der offizielle Filmtrailer

 

 


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