Bericht

Moderne Sklaverei mitten in Deutschland

Seit einigen Jahren spricht man wieder von ihnen: Sklaven

Sklaven im 21. Jahrhundert? Dieser Umstand sollte spätestens, seit Nelson Mandela Präsident von Südafrika wurde, passe sein. Aber wer genau hinsieht, spürt, dass sogar in Deutschland moderne Sklaverei nicht nur Einzug gehalten hat, sondern sich massiv ausbreitet. Was genau ist moderne Sklaverei? Wie zeigt sie sich und was kann man auf Regierungsebene oder auch im Kleinen dagegen tun?

Thorsten Riewesell, Leiter von Jumpers-Jugend mit Perspektive e.V., ist alarmiert von den Zahlen, die in den Medien herumgeistern: Laut den Nachrichten leiden 27 Millionen Menschen weltweit unter den Folgen von Menschenhandel. Davon sind 80 bis 90 Prozent Frauen und Kinder. Für den überzeugten Christen ist dieser Zustand nur schwer zu ertragen. Zusammen mit dem Bundestagsabgeordneten Frank Heinrich (CDU), anderen Werken und Initiativen hat er im letzten Jahr den Verein „Gemeinsam gegen Menschenhandel“ gegründet.

Menschenhändler haben es in Deutschland besonders leicht

In Deutschland und anderen europäischen Ländern zeigt sich das Problem Menschenhandel vor allem in Form sexueller Ausbeutung. Laut der Berliner Beratungsstelle Hydra arbeiten 400.000 Frauen in Deutschland als Prostituierte; die meisten davon unfreiwillig. Riewesell dazu: „Menschenhändler nutzen die ärmlichen Zustände in den osteuropäischen Ländern aus und versprechen diesen Menschen tolle Jobs in Deutschland, tatsächlich ist das nur ein Lockmittel.“ Die meisten Zwangsprostituierte in Deutschland kommen laut dem Lagebericht „Menschenhandel 2012“ des Bundeskriminalamtes (BKA) aus Bulgarien, Moldawien, Slowenien und Nigeria.

Thorsten Riewesell ist Mitbegründer und 2. Vorsitzender des Vereins "Gemeinsam gegen Menschenhandel". (Bild: ERF Medien)

Das sind die vier Hauptländer, aus denen Menschen nach Deutschland geschleust werden. Organisierte Banden kaufen, entführen oder verführen Frauen und halten sie dann unter unzumutbaren Zuständen gefangen. Das erarbeitete Geld müssen sie ihren Peinigern abtreten. Riewesell erklärt: „ Mit Menschenhandel lässt sich unglaublich viel Geld verdienen und das lockt natürlich die unterschiedlichsten Gestalten aufs Parkett!“

Gerade in Deutschland ist Menschenhandel ein großes Problem. „Deutschland ist eine Drehscheibe für Menschenhandel. Das liegt auch an der Gesetzeslage,“ weiß Riewesell zu berichten. Andere Länder wie Schweden, Frankreich und auch Italien haben deutlich striktere Gesetze. „Deshalb kommen viele Freier aus anderen europäischen Ländern nach Deutschland, um sich hier auszuleben,“ so Riewesell.

Zwangsprostitution, ein Thema das bewegen muss

Auf ein bestehendes Problem aufmerksam zu machen, ist der erste Schritt zur Prävention. Aber es müssen auch auf staatlicher Ebene Veränderungen passieren. Deswegen nutzt der Verein seine Nähe zum Deutschen Bundestag, um gemeinsam eine Lobbyarbeit aufzubauen. Durch Gremienarbeit und entsprechende Gesetzesvorschläge will der Verein aktiv an der Verbesserung der Rechtslage mitarbeiten. Wichtig ist dem Verein, eine Plattform zu bieten, auf der sich die verschiedenen Organisationen und Initiativen vernetzen können. Das schafft eine gemeinsame Öffentlichkeit, um auf das Problem Menschenhandel aufmerksam zu machen, so Riewesell.

Thorsten Riewesell motiviert, dass auch viele christliche Organisationen Mitglied in dem Verein geworden sind. Denn er ist davon überzeugt, dass gerade Christen Menschen in Not helfen sollten. Genau das will auch die 14-jährige Annika: „Ich denke viel nach über das Elend in der Welt und ich verstehe nicht, warum das so sein muss, und ich würde gerne die Welt ein bisschen besser machen.“ Annika ist in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen, für sie gehörte der Glaube an Gott immer dazu. Doch dann fragte sie sich: „Was macht eigentlich den Unterschied wenn man Christ ist?“ Annika kommt zu dem Schluss, dass für sie Glaube nur dann Sinn hat, wenn man sich für Menschen engagiert, die keine Hoffnung mehr haben.

Jeder kann etwas tun im Kampf gegen Menschenhandel

Annika häkelt Mützen, um anderen Mädchen in ihrem Alter zu helfen. Sie lebt mit ihrer Familie in Kassel. (Bild: ERF Medien)

Annika wurde auf das Thema aufmerksam, als letztes Jahr in ihrer Heimatstadt Kassel bulgarische Mädchen aus Zwangsprostitution befreit wurden. Die Schülerin war erschüttert, dass die betroffenen Mädchen nicht älter waren als sie. „Am meisten hat mich diese Hoffnungslosigkeit berührt, die haben keinen Glauben, keine Familie, also niemanden mehr. Niemanden, der sie liebt und der sie achtet, sie müssen nur immer diesen Scheißjob machen. Und das finde ich am krassesten an der ganzen Sache“, sagt sie.

Annika kommt eine Idee: Sie will ihre Häkelleidenschaft einsetzen, um den Kampf gegen Menschenhandel zu unterstützen. Da Annika am liebsten Mützen häkelt, ist der Name für ein Projekt schnell gefunden: „Mützen, die beschützen“. In einem Onlineshop werden die Mützen verkauft. Der Erlös kommt dem Verein „Gemeinsam gegen Menschenhandel“ zugute. „Bisher konnte ich schon knapp 400 Euro an den Verein überweisen und ich hoffe die Aktion wird noch bekannter, dann können wir noch mehr überweisen -  für den Kampf gegen Menschenhandel“, freut sich Annika.

Auch Thorsten Riewesell ist begeistert von diesem Engagement, denn: „Es sind vielleicht nur kleine Schritte, kleine Gelder, aber immerhin etwas, um ein Stück weit diesem Elend zu begegnen.“


Mehr zu Annikas Projekt in einem Beitrag von „Gott sei Dank!“:

 
 

Kommentare

Von Sonja D. am .

Liebe Autorin,
Sie sind leider etwas fahrlässig mit den Zahlen umgegangen. Nicht nur ist die Zahl der 400.000 Prostituierten inzwischen fast 30 Jahre alt (in welchem anderen Bereich nutzen wir derart alte Zahlen) sondern es ist auch falsch bzw. empirisch in keinster Weise nachgewiesen, dass die meisten davon zur Prostitution gezwungen werden.
Laut BKA sind jährlich zwischen 600 und 800 Frauen von Menschenhandel betroffen. Jedes dieser Leben hat ein Recht auf Gerechtigkeit und Unterstützung, mehr

Von Sigrid T. am .

Der Artikel über Menschenhandel in der BRD hat mich sehr berührt. Wir Christen sind oft zu passiv gegenüber gesellschaftlichen Problemen mit der Begründung, wir können als Einzelne sowieso nicht viel verändern. Annikas Initiative zeigt, das das Engagement und Kreativität einzelner sehr wohl etwas bewirken kann . Zivilcorage und Engagement sind gefragt.

Von M. Domke am .

Hallo Annika,
Gott segne Dich! du bist ein Vorbild, sogar für die ältere Generation.
Viel Erfolg und Freude bei deinem Einsatz! im gebet unterstütze ich schon lange die Arbeit von Gaby Wendtland in Hamburg, die sich auch für die Frauen einsetzt, die als Prostituierte arbeiten müssen.
LG. M. domke

Von Hans-Rüdiger S. am .

Mir wurde übel, physisch übel, als ich die Zahl von 400.000 Zwangsprostituierten allein in Deutschland las. 3 - 5 Freier am Tag. Das sind mehrere Millionen Männer täglich, die nicht darüber nachdenken, was sie anrichten, und wozu sie beitragen am elenden Leben dieser Frauen. Täten sie es, würde einigen von ihnen die Lust vergehen. So ist Information der wichtigste Weg, dieser Entsetzlichkeit ein Ende zu bereiten. Dazu noch ein "schräger" Gedanke: Ein Herr Friedmann, der des Umgangs mit solchen mehr

Von Monika B. am .

Ich freue mich sehr über diese Aktion, bin schon seit längerer Zeit von dieser Thematik ergriffen und bete dafür und bin am überlegen was ich da noch tatkräftig tun kann. Auch jeden Fall mach ich für Annika´s Aktion bei uns in der Gemeinde und in der Stadt mal Werbung. Super, einfach toll Annika was du da machst.
Monika B.


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