Kommentar

Der Sonntag ist kein Werktag

Warum Läden und Videotheken sonntags geschlossen haben sollten.

Während am Sonntag viele Familien den Tag gemeinsam gestalten und sie bewusst Zeit miteinander erleben, gibt es immer noch zu viele Menschen, die genau das nicht können: Sie sind sonntags an ihren gewohnten Arbeitsplätzen und gehen werktäglichen Pflichten nach. Natürlich: Bei einem medizinischen Notfall möchte ich auch am Sonntag gerne im Krankenhaus versorgt werden. Doch muss ich unbedingt einkaufen gehen, oder mir eine DVD aus der Videothek leihen? Nein! So wichtig ist das nicht. Wichtiger ist, dass der Sonntag für mehr Menschen als bisher ein freier Tag wird.

Gesunde Familien prägen die Gesellschaft

Daher begrüße ich den angestoßenen Prozess im Land Hessen, Videotheken und Call-Center am Sonntag zu schließen. Zur Zeit liegt der Spielball im Feld des Bundesverwaltungsgerichts, wie mir ein Sprecher des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs am 4. November mitteilte. Der Prozess läuft also noch. Ich hoffe, dass das Urteil zugunsten der Mitarbeiter fällt, damit der Zusammenhalt in den Familien gestärkt wird. Unsere Gesellschaft braucht gesunde Familien!   

Während seine Familie sonntags morgens frühstückt und sich für den Gottesdienst fertig macht, sitzt der Sonntagsarbeiter im Call-Center und gibt Frau Schneider Auskunft darüber, ob ein neues Schnäppchen für eine Reise nach Korsika vorhanden ist. Sein Tagesrhythmus an diesem Tag ist ein anderer als der seiner Familie. Das macht es schwer, den freien Tag gemeinsam zu gestalten. Schnell schleicht es sich ein, dass jeder sein eigenes Ding macht und kaum mehr gemeinsame Aktionen als Familie stattfinden. Die Beziehungen untereinander leiden essenziell darunter, denn gerade die Gespräche beim gemeinsamen Essen und Ausflügen fördern den Zusammenhalt. Ist das vielleicht ein Grund für die steigende Scheidungsrate in Deutschland?

Nötig: Ruhe im Terminkalender

Neben gesunden Beziehungen ist Ruhe und Entspannung für jeden Menschen ein Grundbedürfnis. Und zwar Ruhe in regelmäßigen Abständen: Jeden 7. Tag. Nur wer ruht, hat auch wieder Energie für die neue Woche. Der feste Rhythmus von sechs Werktagen und einem freien Tag bringt Beständigkeit in die Woche. In den zehn Geboten lädt Gott den Menschen dazu ein, sich diesen freien Tag zu gönnen, um sich von der Arbeit auszuruhen, sich selbst etwas Gutes zu tun und die freie Zeit mit schönen Dingen zu füllen.

Klar: Statt dem freien Sonntag hat dann der Sonntagsarbeiter beispielweise einen freien Mittwoch. Doch dieser ist kein adäquater Ersatz. Denn es ist wesentlich schwieriger, sich Ruhe an einem Tag zu gönnen, an dem die anderen Familienmitglieder ihren Alltag leben. Außerdem stapelt sich die Hausarbeit, die Ärzte haben Sprechzeiten und der Kühlschrank ist leer. Der Mittwoch ist eben kein Sonntag, der Mittwoch ist ein Werktag.

Die fehlende Ruhe wirkt sich mit der Zeit negativ auf den Sonntagsmitarbeiter aus. Er wird gereizt, ist angespannt und nicht selten führt das permanente Malochen zu einem Burnout. Bereits 2015 sollen laut der World Health Organization die Burnout-Patienten zahlenmäßig vor den Krebserkrankungen liegen. Diese Prognose ist erschreckend und fordert heraus, über den grundlegenden Umgang mit persönlichen Ressourcen nachzudenken. Vielleicht ist es wieder dran, dass Ruhe in unserer Gesellschaft einen festen Platz im Terminkalender bekommt.

Die Konsequenzen betreffen mich 

Die Gründe gegen Sonntagsarbeit liegen auf der Hand. Es täte Freundschaften und Beziehungen gut, auch das innere Gleichgewicht der Sonntagsarbeiter würde widerhergestellt. Doch die Umsetzung des freien Tages hätte gravierende Folgen für meinen Sonntag. Denn schließlich müssen die Menschen arbeiten, weil meine Einstellung „Jetzt – Alles – Sofort“ ist.

Wenn die Sonntagsarbeit an allen möglichen Stellen eingestellt werden würde, müsste ich auf meine heißgeliebten Sonntagsbrötchen zukünftig verzichten. Und auf das Eis im Café. Und auf den Kinobesuch. Ganz schön harter Tobak!

Dennoch: Ich bin bereit zu verzichten. Damit Familien wieder zueinander finden und gemeinsam den Ruhetag feiern können. 


Weitere Artikel zum Thema:

Auch Ruhe gehört in den Terminkalender: Ein Interview mit Christoph Zehendner

Sonntagsglück: Ein Interview mit Kerstin Wendel


Kommentare

Von Graf Koks am .

Die Kommentatoren gehen hier alle davon aus, dass jeder Bürger Christ ist, sodass der Tag des Herrn eine besondere Bedeutung hat, den der Gesetzgeber nach Möglichkeit schützen sollte.
Was ist aber mit den anderen 75% der Bevölkerung? Denen ist es ziemlich egal, ob die Minderheit der Christen in diesem Land den Sonntag heilig nennt oder nicht. Die möchten auch am Sonntag wenigstens frische Brötchen, eine DVD ausleihen und Informationen am Callcenter einholen, wozu sie wochentags keine Zeit mehr

Von Heike am .

Ich denke, ein Vers aus Jesaja bringt den Sinn vom Sabbat (oder auch Sonntag?) kurz und bündig auf den Punkt:
"Wenn du am Sabbat deinen Fuß zurückhältst, dass du nicht tust, was dich gelüstet an meinem heiligen Tag; wenn du den Sabbat deine Lust nennst und den heiligen Tag des HERRN ehrenwert; wenn du ihn ehrst, also dass du nicht deine Wege gehst und nicht dein Vergnügen suchst, noch eitle Worte redest; dann wirst du an dem HERRN deine Lust haben...
Jesaja 58,13-14
Darum geht es doch, oder?

Von nora am .

der sonntag ist der 1. tag der woche
samstag ist der 7te tag der woche
der sonntag wurde vom heidenchristentum unter konstantin eingeführt. sicher, man kann sagen, jesus ist am sonntag auferstanden und deswegen... doch "eingeführt" wurde es nicht aus diesem grund.
es ist medizin-wissenschaftlich erwiesen, dass der 6-tage-arbeiten-a,7ten-tage-ruhn-rhythmus für die gesundheit am besten ist. wenn also jemand nur am mittwoch "frei" hat... dann ist dies sein siebenter ruhetag. möge er ruhn im mehr

Von Markus N. am .

Ein wie ich finde eigentlich ganz guter Artikel, in dem vieles gesagt wird, dem ich persönlich auch zustimmen kann. Nur, was man nicht vergessen darf und was auch Francisco bereits schrieb ist, dass der Sonntag nichts mit dem biblischen Ruhetag zu tuen hat, den Gott geboten hat zu halten! Nämlich den Sabbat=Samstag! Ich würde es von daher besser finden, wenn man mehr dafür tuen würde, dass wieder Gottes wahrer Ruhetag=Sabbat wieder so ein Tag wird, wie er hier gefordert wird und nicht ein Tag, den Menschen (Kaiser Konstantin) und nicht Gott geboten hat zu heiligen und sich auszuruhen!

Von francisco am .

Sehr gut formuliert, es steht geschrieben im AT wie auch NT daß der Sabbat also Samstag Ruhetag ist da 6 Tage Arbeit die Gott verrichtete und damals gabs die für uns bekannten Wochentage nicht von Sonntag als 1.Tag und Feitag der 6.Tag ist somit hat Sonntag leider nichts mit dem "biblischen" Ruhetag zutun, jedoch aber schon mit dem kirchlichen....

Von Sieglinde K. am .

Ich freue mich, dass hier ein klares, aber kritisches „Ja für einen freien Sonntag“ abgegeben wurde.
Sicherlich ist der freie Sonntag nicht ein Allheilmittel für gesellschaftliche Probleme.
Durch die Veränderungen in unserer Gesellschaft, z. B. der immer weiter fortschreitenden Mobilität und Flexibilität in der Arbeitswelt, der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, des Wirtschaftswachstums- Dogma, sind diese längeren und Sonntags-Öffnungszeiten geschuldet.
Ich möchte aber in einer mehr

Von Eva am .

Hallo ihr Lieben
bin selbst eine .die am Sonntags des öffteren Arbeiten muss fand den Artikel gut .
es ist nicht immer schön wenn andere zu Hause bleiben dürfen und ich muss gehen auf Arbeit und dies noch im Schichtsystem.
Dies lässt sich nicht ändern da ich in einren Altenheim Arbeite .
Es fällt schwer wenn man unter der Woche frei hat dann ruhe in sich zu bringen da viel Hauswirdschat dann liegen geblieben ist oder man hat andere Verpflichtung nach zu gehen .
Man kann dadurch auch viele mehr

Von Esther am .

Ich kaufe sonntags grundsätzlich keine Brötchen, die vom Samstag können aufgebacken werden, obwohl frische Brötchen natürlich noch besser wären.
Auch die verkaufsoffenen Sonntage werden von uns boykottiert, zumindest halte ich es nicht für erforderlich, ausgerechnet am Sonntag Schuhe zu kaufen oder durch den Drogeriemarkt zu schlendern.
Allerdings liebe ich den Straßenmarkt, der bei uns an die verkaufsoffenen Sonntage angeschlossen ist - da sind halt Stände, die sonst nicht da sind.
Nicht ganz konsequent, ich weiß.

Von Maria am .

Hallo,
tut mir Leid aber mir geht hier gerade nicht ganz in den Kopf was ein arbeitsfreier Sonntag mit intakten Familien zu tun hat. Nur weil Papa jetzt jeden Sonntag zuhause statt in der Videothek ist wird das Familienleben nicht besser. Denmn vielleicht haben Papa und Mama ja gar keine Lust sich mit ihren Kindern zu beschäftigen und am Ende sitzt doch jeder in seiner Ecke und beschäftigt sich mit sich selbst. Oder die Eltern sind einfach zu erledigt um sich mit den Kindern zu beschäftigen und mehr

Von Aat V. am .

Welch eine nicht Realistische Beschreibung der Wirklichkeit. Vielleicht noch zugreifend rund 1950. Meine Eltern hatte das Motto: am Sonntag darfst du alles machen was du möchtetst solange keine andere Leute für dich arbeiten müssen. Probleme kamen am Moment dass wir mit dem Auto am Sonntag eine Reise machen wollten. Wir hatten ein kleines Geschäft und in Holland sind die Geschäfte den ganzen Sammstag geöfnet. Ich lebe nun in Tschechien. Gibt es dort mehr Burnouts? Die grosse Geschäfte sind mehr

Von Heike am .

Wieso auf die Brötchen verzichten ... warum nicht Backbrötchen nehmen? Warum nicht selber ein Eis kreieren? Warum nicht mal Freunde einladen und mit einer DVD (am Samstag ausgeliehen) Kino spielen?
Es gibt Möglichkeiten. Man muß sie nur entdecken ...
Gruß und Gottes Segen für die Zwischenlösungen ...

Von Renate am .

Danke für diesen guten Kommentar. Dem gibt es nichts hinzuzufügen, außer dem, dass man auch den 3-Schicht-Betrieb in der Produktion abschaffen sollte. Er ist ebenso gesundheitsschädlich wie überflüssig. Ein bisschen mehr Ruhe und weniger Konsum täten uns allen gut.


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