ERF International

Radiohören schenkt neue Hoffnung

Eine christliche Radiosendung ermutigt Betroffene des syrischen Bürgerkriegs.

„Warum tut Gott nichts, wenn Menschen sich gegenseitig umbringen? Ich bin 20 Jahre alt und höre Ihr Programm. Ihre Gespräche gefallen mir gut. Ich bin nicht auf der Flucht. Ich liebe Syrien und alle Menschen hier. Ich liebe auch Jesus sehr, obwohl ich keine Christin bin. Aber ich höre Ihre Sendung gerne, die sehr lehrreich für mich ist.”

Djamilas* SMS an das Radioteam von Trans World Radio (TWR) kommt mitten aus Syriens Kriegsgebiet. Täglich sterben dort Menschen, viele Überlebende sind traumatisiert. In den Nachrichten wird dagegen längst nicht mehr täglich über Syrien berichtet. Aus der einstigen Schlagzeile ist schon fast Alltag geworden. Der Bürgerkrieg dort währt beinahe schon  drei Jahre -  ein Ende ist nicht in Sicht.

Ein internationales Radionetzwerk wie TWR hat begrenzte Möglichkeiten, den Syrern praktisch zu helfen. Aber die Mitarbeiter können über Radio persönlich zu Menschen sprechen, egal wo sie sind: daheim, im Versteck oder im Flüchtlingslager. Über 20 christliche Programme können in Syrien empfangen werden, darunter Sendungen für Jugendliche, Bibelprogramme und Frauensendungen. Diese sind jedoch vorproduziert und gehen nicht speziell auf die Nöte der Menschen im Bürgerkrieg ein.

Täglich Live im Krisengebiet

Deshalb hat das TWR-Team im Mittleren Osten vier Monate lang eine weitere Sendung in syrischem Arabisch ausgestrahlt: Die tägliche Livesendung „Hoffnung für Syrien“. Der TWR-Leiter aus dem Mittleren Osten Halim Ibraim* äußert sich begeistert zu der Sendung: „Wir hatten die Sendung ursprünglich für drei Monate geplant, aber dann haben wir sie um einen Monat verlängert. Es war unsere erste Call-in-Sendung und eine tolle Erfahrung für unser Radioteam, da die Moderatoren übers Telefon direkt mit den Zuhörern sprechen konnten. Diese leiden unter dem anhaltenden Krieg und der politischen Instabilität. Viele von ihnen sind in einem täglichen Kampf ums Überleben verwickelt.“

Um die Betroffenen in ihrem Schicksal zu trösten, sprachen die Moderatoren von der Hoffnung und dem Trost, den Jesus ihnen schenken kann. Sie boten Gebet an und lasen Bibelpassagen vor, um die traumatisierten Hörer zu trösten. Die Zuhörer konnten auch direkt in der Sendung anrufen. Viele Menschen meldeten sich und berichteten von den tragischen Umständen ihres täglichen Lebens. Andere antworteten darauf und versprachen, für ihre Leidensgenossen zu beten.

Fatima* rief aus Aleppo, der größten Stadt des Landes, an. Sie berichtete über einen großen Mangel an Brot und forderte die Zuhörer eindringlich dazu auf, ihr Essen mit anderen zu teilen: „Vertraut auf Gott und teilt Euer Brot mit anderen, bevor es aufgrund von Stromausfällen verdirbt,“ sagte sie. Ein anderer Anrufer reagierte darauf und erzählte, dass er seinem Nachbarn einen Laib abgegeben hatte, weil der ihn um Hilfe gebeten hatte. Am nächsten Tag hatte er wieder zwei Brote zur Verfügung.

Die Sendung fand auch bei jüngeren Zuhörern Anklang, wie bei der jungen Samira*, die eine SMS an das Team schickte: „Ich mag eure Stimmen und eure Sendung, und ich höre jeden Tag zu. Ich höre mit meinen Freundinnen den ganzen Sendeblock, das Programm vor eurem und dann eures. Ich würde euch gern anrufen, aber ich traue mich nicht. Wenn ihr möchtet, können wir miteinander reden, aber ich möchte nicht in die Live-Sendung.“

Erfolgsrezept ist der Wunsch zu helfen

Die aktuelle politische Lage in Syrien:

Seit über vierzig Jahren regiert die Familie von Präsident Baschar al-Assad Syrien. Anfang 2011 kam es im Zuge des Arabischen Frühlings zu friedlichen Prosteten, die jedoch eskalierten. Seitdem kämpfen die Truppen des Präsidenten gegen verschiedene Oppositionsgruppen, die den Sturz des Präsidenten fordern. Die ursprüngliche Motivation einer Demokratisierung trat gegenüber religiösen und ethnischen Gründen immer mehr in den Hintergrund. Mittlerweile sind mehr als hunderttausend Menschen ums Leben gekommen und circa sechs Millionen Syrer aus ihrer Heimat geflohen.

Insgesamt reagierten mehr als 350 Menschen über Anrufe, SMS und soziale Netzwerke auf die Sendung. TWR-Leiter Ibraim ist sich sicher, dass das Programm von großer Bedeutung für die Hörer war, weil es Hoffnung kommunizierte. Auch sein Radioteam sei durch die positiven Rückmeldungen ermutigt worden.

Auch so mancher Zuhörer hat sich gefragt, welches Erfolgsrezept hinter der Sendung steckt. Unter anderem auch der Zuhörer Youssef: „Es gibt viele Programme im Radio, aber euer Programm ist anders als die anderen. Es spricht die Dinge an, die tief versteckt in unserem Herzen sind. Sagt mir, wieso seid ihr darin so erfolgreich und was steckt dahinter?“

Dahinter steckte kein ausgeklügeltes Marketingkonzept, sondern der Wunsch, den Zuhörern zu helfen. Diese spürten das und gerieten durch die Sendung ins Nachdenken. So fragte Ali* das Team: „Jesus sagte: ‘Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet! Ich werde euch Ruhe geben.‘ Wie kann ich zu ihm kommen? Liebt Jesus mich immer noch, auch wenn ich anderen Menschen nicht helfen kann und sie nicht liebe, so wie ich sollte?“

500 Radios fürs Flüchtlingslager

Trost und Ermutigung brauchen auch die Vertriebenen in den Flüchtlingslagern. Damit auch sien die Sendungen anhören konnten, verteilte TWR 500 Radios im Libanon. Dies ist nur eine kleine Geste bei über zwei Millionen Flüchtlingen, aber die einzelnen Beschenkten waren dankbar für die unerwartete Informationsquelle. Auf den Radios klebte ein Sticker mit den Frequenzen der TWR-Programme: Mittelwelle 1233 und 1377. Auf diesen Frequenzen soll ab Januar eine Nachfolgesendung von „Hoffnung für Syrien“ laufen. Diese wird mindestens einmal die Woche ausgestrahlt – oder auch öfter, wenn die Finanzierung geklärt ist.

So werden auch im kommenden Jahr wieder Zuhörer anrufen und dem TWR-Team von ihren Sorgen berichten. Sie werden sich weiterhin fragen, warum sie diesen Krieg erleiden müssen. Diese Frage können die Radiomitarbeiter nicht beantworten. Denn es gibt keine einfachen Antworten in diesem Bürgerkrieg. Doch diesen Anspruch haben die Mitarbeiter von „Hoffnung für Syrien“ auch nicht. Ziel der Sendung ist nicht, Antworten zu geben, sondern den Zuhörern in dieser schweren Zeit beizustehen. Denn wenn Menschen spüren, dass sie nicht alleingelassen sind, schöpfen sie neue Hoffnung.


*Namen aus Sicherheitsgründen geändert.


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