Buchrezension

Mehr als Ja und Amen

Warum und wie Christen die Welt verändern können.

Existenzangst nach dem Hochwasser, Staatskrise in Ägypten und NSA-Affäre – der Blick in die täglichen Nachrichten ist ernüchternd. Mancher Christ mag sich unbeholfen fragen: Was kann man denn da tun? Die meisten jedoch falten lediglich die Hände und bitten um Gottes Eingreifen, anstatt selbst aktiv zu werden. Aber kann man nicht doch etwas tun? Wie kann ich als Christ ganz konkret Salz der Erde und Licht der Welt sein?

Nur noch kurz die Welt retten …

Bei dieser Frage setzt das Buch „Mehr als Ja und Amen“ von Margot Käßmann an. Sie möchte zeigen, dass Christen nicht alle scheinbar unveränderbaren Gegebenheiten hinnehmen müssen. Sie können aufgrund ihres Glaubens und der Bibel als Wertefundament durchaus zu aktuellen Geschehnissen in der Politik und der Gesellschaft Stellung beziehen und Entscheidungen treffen. Käßmanns These ist, dass es nicht möglich sei, die Bibel zu lesen, ohne sie auf den eigenen Kontext zu beziehen und darauf basierend Entscheidungen zu treffen. Sie betont vor allem die Freiheit zum eigenen Denken, ein Erbe der Reformation Luthers.

Des Weiteren widmet sich die Autorin unterschiedlichen Herausforderungen unserer Zeit und den daraus resultierenden Fragen. Beispiel Kinder: Im Kapitel „Jedes Kind ein Wunder“ stellt Käßmann heraus, warum Christen Kinder als Segen betrachten können. Im weiteren Verlauf des Kapitels beleuchtet sie verschiedene Facetten des Themas, wie z.B. der Kinderbetreuung, die Herausforderungen, vor denen Alleinerziehende gestellt sind, und Abtreibung.

Der Leser wird auch in den anderen Kapiteln vor schwierige Fragen gestellt. Zum Beispiel die nach dem Umgang mit Armut im eigenen Land oder der ungleichen Verteilung von Ressourcen auf der Welt. Oder der Frage danach, wie man auf den Klimawandel oder angesichts der Herausforderung durch das Zusammenleben verschiedener Kulturen reagieren kann. Etwas persönlicher wird es bei der Fragestellung, wie man die Eltern ehren kann, wenn es beispielsweise um die Pflege im Alter und der Sterbebegleitung geht.

Und wie genau verändere ich nun die Welt?

Für manchen praktisch veranlagten Leser ist das Buch möglicherweise zu oberflächlich. Die Autorin offenbart keinen 20-Punkte-Plan, an dem man sich orientieren kann, um die Welt zu verbessern. Sie motiviert vielmehr, sich mit dem aktuellen Zeitgeschehen zu beschäftigen und es anhand der Bibel kritisch zu hinterfragen. Jeder, der sich darauf einlässt, und Möglichkeiten sucht, Missständen zu begegnen, kann sich von den erwähnten Projekten wie z. B. „Foodsharing“ oder „Wellcome“ inspirieren lassen.

Angesichts der Vielzahl der angesprochenen Themen und aufgeworfenen Fragen mag sich der Leser möglicherweise überfordert fühlen. Am Ende des Buches finden sich daher eine grob gefasste Zusammenfassung der Kapitel und Ermutigung bei Erschöpfung. Die Autorin möchte dem Leser die Angst vorm Versagen nehmen. Ob sich jedoch durch diese Worte jemand trösten lässt, der sich seit Jahren engagiert und dennoch keine Veränderung wahrnimmt, ist fraglich.

Weltverbesserer gesucht und gefunden

Auch wenn mancher Leser mehr konkrete Praxis erwartet hätte, ist das Buch durchaus lesenswert. Abgesehen davon, dass es ein Bild unserer Zeit zeichnet, fordert es den Leser heraus, über den eigenen Tellerrand zu schauen und Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen. Wenn Leser auch nur den einen oder anderen erhaltenen Impuls in die Tat umsetzen, kann letztlich ein kleines Stückchen Welt verbessert werden, so wie es ein im Buch zitiertes Sprichwort der Xhosa im Süden Afrikas besagt: „Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können sie das Gesicht der Welt verändern.“


Kommentare

Von Jaques L. am .

Man lege über Nacht ein paar Seiten Habermas in Zuckerwasser, dann hat man am nächsten Tag eine Käsmann-Predigt.

Von Friedemann H. am .

Mir gefällt die Nachricht über das Buch von Margot Käßmann sehr gut. Ich habe es zwar nicht gelesen, aber ich sage auch: Das beste Zeugnis gibt man ab, wenn man anderen Menschen Gottes Liebe vorlebt. Dazu möge der Herr allen Christen und Christinnen einen starken Glauben, ein großes Vertrauen in seinen Hlg. Geist und eine brennende Liebe zu ihm und unseren Mitmenschen geben. Mein Vater sagte einmal: Gegen die Bosheit des Teufels soll man die ganze Liebe Gottes setzen. Alles Gute und Gottes reichen Segen wünscht allen Friedemann H.

Von Hansjörg K. am .

Mir gefällt die Bischöfin a.D. gut, weil sie ein Mensch ist, auch mit ihren Schwächen.
Sie spricht zu uns aus ihrer Glaubenserkenntnis im Aufblick zur Christus-Nachfolge -
die sie verantwortungsvoll lebt und handelt! Gott segne sie!

Von Brigitte am .

Ich weiss nicht, ob das Buch lesenswert ist oder nicht, oder ob die Christen die Welt verändern müssen, aber eines steht in der Bibel: hinauszugehen und das Evangelium verkündigen. Ich glaube, wenn das 80 % der Christen tun würden, würde sich auch in der Welt etwas verändern

Von Ute H. am .

Ich habe das Interview mit M.Käßmann in "Adeo" gelesen und es hat mir gut gefallen. Und ich habe das Buch gekauft und verschenkt jemandem,der nicht so biblisch fundiert ist. Wenn die Bibel wieder zur Hand genommen wird und geforscht wird,was die Bibel zu sagen hat zu Themen, die auch uns betreffen in unserer Zeit, dann bewirkt dieses Buch etwas und derjenige bekommt wieder Zugang zu unserem lebendigen Gott. Ich will nicht gleich alles pauschal ablehnen.
In Jesu Liebe verbunden
Ute H.

Von Ralf am .

Ich stelle mir die Frage, ob es überhaupt die erste Aufgabe von uns Christen ist, "die Welt zu verbessern". Sicher sollen wir Gutes tun und anderen Menschen helfen, aber Jesus ist doch zu allererst dazu gekommen, die Welt zu überwinden und nicht um sie zu "verbessern" (Joh. 16,33; 1.Joh. 5,4 u.a.). Wer dies nicht beachtet, plädiert für einen rein gesellschaftspolitisch verstandenen Aktionismus mit christlichem "Anstrich". Dies scheint nach meinem Eindruck aber nicht das zu sein, was die mehr

Von Jaques L. am .

Diese Person ist der Inbegriff einer Kirche im Niedergang. Während andere, wie etwa der Vorgängerpapst, oder aber auch Parzany wegen ihres Glaubens angegangen werden, hat Käsmann Kultstatus wegen ihrer Verfehlungen. Und da sie von den Verfehlungen profitiert, sieht sie keinen Grund sie einzugestehen, das Sündenbekenntnis steht ihr fern, im Gegenteil: sie hat sich auf ihrem Gutmenschen-Sockel eingerichtet. Nebenbei repräsentiert sie den üblichen Salon-Bolschewismus mit Haus in der Toskana und Luxus-Karosse auf Kosten der Steuerzahler.


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