Interview

Dankbar - trotz Verfolgung

Makset Djabbarbergenov setzt für seinen Glauben alles aufs Spiel.

Jahrelang wird der Familienvater in Usbekistan von der Polizei drangsaliert, weil er Christ ist. Schließlich gelingt ihm eine abenteuerliche Flucht ins Nachbarland Kasachstan. Im September 2012 kommt er wiederholt ins Gefängnis; ihm droht die Auslieferung zurück nach Usbekistan. Um dies zu verhindern schreiben tausende Menschen an die kasachische Botschaft: Genau 3.217 Briefe gehen für ihn ein. Das ersehnte Wunder geschieht - Makset wird freigelassen. Seit einigen Monaten lebt er mit seiner Familie in Schweden. Wie der usbekische Christ die Zeit im Gefängnis überstanden hat und wie es ihm und seiner Familie heute geht, erzählt er im Interview mit ERF Online.

Weltweite Unterstützung durch Gebet und unzählige Briefe

ERF Online: ERF Medien und einige Missionsgesellschaften haben zum Gebet für Sie aufgerufen, als Sie in Kasachstan im Gefängnis waren. Was war der Grund dafür?

Makset D.: Im islamisch geprägten Usbekistan erfuhr ich mit 20 Jahren von Jesus und wurde schließlich Christ. Gott gab mir die Gabe zu predigen und das tat ich vor vielen Menschen. Innerhalb von fünf Jahren entstanden etwa 100 Hausgemeinden und Gruppen, jeden Sommer wurden ca. 100 Menschen getauft. Ich war der Leiter von einigen Hausgemeinden, als in meiner Wohnung christliche Literatur gefunden wurde. Daraufhin erlebte ich in den Jahren 2001 bis 2007 Verfolgungen wegen meinem Glauben an Jesus Christus, sechs Male stand ich vor Gericht.

Menschenrechte in Usbekistan

Um die Christenverfolgung weltweit deutlich zu machen, gibt die Organisation „OpenDoors“ jährlich einen Weltverfolgungsindex heraus. Usbekistan steht aktuell an 16. Stelle.

Auch Amnesty International prangert in seinem Jahresbericht 2012 an, dass die Rechte auf freie Meinungsäußerung und Vereinigungsfreiheit in Usbekistan stark eingeschränkt sind.

Um einer drohenden Gefängnisstrafe zu entgehen, floh ich 2007 mit meiner Familie ins Nachbarland Kasachstan. Die Rechnung ging nicht auf: Im Jahr 2008 wurde ich in Kasachstan verhaftet. Die UN holte mich dann zwar aus dem Gefängnis, doch ich blieb in Zentralasien, um meinen Landsleuten beizustehen und den christlichen Glauben zu verbreiten. Im September 2012 kam ich in Kasachstan erneut ins Gefängnis, um nach Usbekistan ausgeliefert zu werden. Das war die Zeit, in der sich weltweit Menschen für mich eingesetzt haben.

ERF Online: In der kasachischen Botschaft sind über 3.200 Briefe für Sie eingegangen. Was hat Ihnen diese Unterstützung bedeutet? 

Makset D.: Ich bin allen Menschen, die sich für mich eingesetzt haben, sehr dankbar. Aber das Wichtigste waren nicht die Briefe, die für mich in der Botschaft eingegangen sind. Das Wertvollste waren die Gebete. Ich habe gespürt, dass Menschen für mich gebetet haben. Dadurch hat mich Gott im Gefängnis getröstet. Ich hatte das Gefühl, nicht allein zu sein, weil ich Gottes Nähe gespürt habe.

Eins ist klar: Es ist so wichtig, Christen in der Verfolgung zu unterstützen. Zurzeit gibt es auf der Welt viele Gläubige, die für Christus leiden. Wir sollten ihnen unbedingt mit unseren Gebeten und Briefen Mut machen.

„Ich sagte Gott, dass ich nicht leiden will.“

ERF Online: Wie ging es Ihnen in Ihrer Zeit im Gefängnis?

Makset D.: Ich war getrennt von meiner schwangeren Frau und meinen vier Kindern. Mich quälten Sorge und Unruhe, denn es gab kaum begründete Hoffnung, dass ich frei käme - mir drohten bis zu 25 Jahre Haft. In den ersten Tagen konnte ich nichts essen. Ich sagte Gott, dass ich das Kreuz nicht auf mich nehmen will, nicht leiden will.

Christliche Radiosendungen

ERF Medien unterstützt mit seinem Partner TWR die Produktion und Ausstrahlung von christlichen Rundfunkprogrammen in Zentralasien. Makset war an dieser Arbeit in seiner Heimat beteiligt. Er hat Andachten und Predigten für Radiosendungen geschrieben.

Viele Christen in Usbekistan werden durch dieses Angebot im Glauben gestärkt und in schwierigen Situationen ermutigt.

Wenn Sie die Radiomission in Zentralasien unterstützen möchten, würden wir uns sehr freuen:
Projekt-Nummer 98400 Zentralasien
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Aber in diesen 90 Tagen im Gefängnis erlebte ich auch großen Segen. Ich habe viel Zeit mit Gott verbracht und durfte in der Schule Gottes eine Menge lernen, z. B. ihm in jeder Situation zu vertrauen. In den schweren Stunden habe ich am meisten über Gottes Wesen erfahren. Ich konnte das Leid annehmen und bin heute sogar dankbar, dass Verfolgung ein Teil meines Lebens geworden ist. Ich sehe es als Vorrecht, die gleichen Erfahrungen zu machen wie früher die Apostel, von denen die Bibel berichtet.

ERF Online: Vermissen Sie Ihr Land?

Makset D.: Ja. Ich vermisse Karakalpakstan [autonomes Gebiet in Usbekistan] sehr. Heimat ist Heimat! Wir haben Freunde und Familie dort zurückgelassen. Der Vater meiner Frau ist gestorben, nachdem sie ihn vier Jahre lang nicht gesehen hat. Sie konnte nicht einmal zur Beerdigung gehen. Es schmerzt auch, wenn wir an unsere christlichen Gemeinden denken, die wir zurückgelassen haben.

Wenn dich deine Heimat, die du lieb hast, um die du dir viele Gedanken machst, für die du betest und fastest, dich als Terrorist beschuldigt, dann tut das weh. Ich habe dort sogar ein Einreiseverbot. Dennoch glaube ich, dass ich eines Tages wieder dorthin gehen darf. Ich liebe mein Land und sage immer wieder: Ich will es mit keinem anderen Land tauschen. Aber Gott hat andere Pläne, so wie es in der Bibel in Jesaja 55,8 steht: „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr“. Ich glaube, dass Gottes Wege immer die richtigen sind. Am Anfang fällt es uns Menschen schwer, sie für uns zu akzeptieren. Erst mit der Zeit verstehen wir, dass alles zum Guten dient. Deshalb bin ich dem Herrn für alles dankbar.

Ein Leben, das Spuren hinterlässt

ERF Online: Wie sehen Sie Ihre Zukunft in Schweden?

Makset D.: Ich habe keinen Zweifel, dass Gott Pläne für mein Leben in Schweden hat. Ich weiß, dass Gott mich nicht ohne Grund hierher gebracht hat. Die Hauptsache ist für mich, dass Gott und meine Familie bei mir sind. Dann ist mir egal, an welchem geographischen, wirtschaftlichen oder sozialen Ort ich bin.

Ich möchte gerne so leben, dass mein Leben eine Spur hinterlässt, die Gott verherrlicht.

ERF Online: Verstehen Ihre Kinder, warum Sie als Familie die Heimat verlassen mussten?

Makset D.: Als mein ältester Sohn 5 Jahre alt war, fragte er mich wozu man die Polizei braucht. Ich erklärte ihm, dass es gute Menschen seien, die Diebe und Verbrecher fangen. Später führten Polizisten in unserer Wohnung Durchsuchungen durch. Es kam zu Verurteilungen und ich musste Strafen zahlen. Da fragte mich mein Sohn, ob ich ein Verbrecher sei. Ich habe ihm erklärt, dass die Polizei falsch handelt und sie uns verfolgt, weil wir an Gott glauben.

Wir sprechen offen mit den Kindern über diese Dinge. Als ich noch im Gefängnis war, betete meine Frau täglich mit den Kindern für meine Befreiung - 90 Tage lang.

Meiner Meinung nach tut es unseren Kindern gut zu erfahren, was passiert ist. Sie begreifen, dass es Regierungen gibt, die ihre Länder nicht gerecht regieren. Sie haben ein Verlangen danach, in der Bibel zu lesen und interessieren sich für geistliche Fragen. Das Erlebte hat ihren Glauben gestärkt.

ERF Online: Ihre Frau hat am 20. April ein Baby bekommen. Herzlichen Glückwunsch!

Makset D.: Danke! Es ist ein Mädchen. Wir haben sie Victoria genannt. Der Name bedeutet „Sieg“. Gott ist der Sieger. Er hat unsere Gebete erhört. Soweit wir das momentan beurteilen können, ist das Kind gesund, obwohl meine Frau viel Stress und Probleme während der Schwangerschaft ertragen musste. Gott sei Lob und Dank! Mit dem Bibelvers aus Josua 24,15 will ich bezeugen: „Ich und mein Haus werden dem Herrn dienen.“

ERF Online: Vielen Dank für das Interview.


Kommentare

Von Olga W. am .

Ich verfolge schon seit Jahren die Berichte über Makset und seine Familie (bekomme monatlicher Gebetskalender von Open Doors). Das Interview mit Ihm hat mich sehr gefreut. Ich hoffe, das irgendwann kann Ihn persönlich kennen lernen. Ich habe 3 Jahre in Usbekistan gelebt. Das usbekische Volk ist sehr tüchtig und freundlich, aber auch arm durch die Misswirtschaft von Politikern. Von ganzem Herzen wünsche ich Ihm und seiner Familie alles Gute in Schweden und werde weiter für Ihm beten.

Von Brigitte am .

Das ist so beeindruckend. Vielleicht möchte Gott, dass Makset in Schweden über Christenverfolgung spricht und in diesem Land eingeschlafene Christen aufrüttelt. Ich glaube kaum, dass in Schweden Christen wegen ihres Glaubens verfolgt werden. Gottes Segen auf Deine Familie und die kleine Victoria.


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