ERF International

Vom Irak nach Schweden

Eine Irakerin will sich in Schweden von einer Brücke stürzen. Doch Gott hat etwas anderes mit ihr vor.

Mit der ganzen Familie auf der Flucht

Als die junge Kurdin aus dem Nordirak flieht, lässt sie ihren vertrauten Alltag vollständig hinter sich. Heute lebt Kristin Lahtinen in Schweden. Sie ist mit einem Schweden verheiratet und spricht die Sprache ihres neuen Heimatlandes fast so gut, als wäre es ihre Muttersprache. Doch die mit Abstand größte Veränderung ihres Lebens war die langsame Abkehr vom Islam hin zum Christentum. Eine Entscheidung, die seitdem ihr gesamtes Denken und Handeln prägt. Kristin erzählt.

Aus politischen Gründen bin ich im Jahr 1986 zusammen mit meinem Mann und unseren beiden Kindern aus dem Irak geflohen. Ein Glück, denn zwei Jahre später begann Saddam Hussein Massenmorde im Nordirak durchführen zu lassen, bei denen geschätzt 100.000 Kurden grausam getötet wurden. Mein Mann, mein Vater und mein Bruder waren politisch aktive Kurden. Daher lebten wir keinen Tag wirklich in Sicherheit. Irgendwann konnte es so nicht mehr weitergehen und wir beschlossen zu fliehen. Meine Kinder waren damals eineinhalb Jahre und zwei Monate alt. Zunächst reisten wir vom Irak in den Iran und später weiter Richtung Europa. Die einzige Unterstützung bekamen wir dabei von anderen kurdischen Flüchtlingen, die wir unterwegs trafen. Wir machten uns gegenseitig Mut. Da wir als Familie genug Geld für unsere Flucht mitgenommen hatten, mussten unsere Kinder zum Glück nie hungern. Doch unsere Reise war alles andere als kindgerecht: Lange gab es für die Kinder keine Möglichkeit, einfach mal zu spielen.

Depressionen und Selbstmordgedanken

Schließlich sind wir in Schweden gelandet. Nachdem wir dort sieben Monate als Asylbewerber verbracht hatten, erhielten wir endlich die lang ersehnte Aufenthaltsgenehmigung für das skandinavische Land. Ich war überglücklich und voller Hoffnung auf ein neues Leben in Sicherheit. Zuversichtlich begann ich damit, die schwedische Sprache zu lernen.

Es war eine harte Zeit, in der ich zunehmend meine Verantwortung für die Familie spürte. Nach vier Jahren machte ich eine Lehre als Friseurin und fand danach eine Arbeitsstelle in einem Friseursalon. Die Arbeit gefiel mir sehr gut. Mein Mann blieb jedoch arbeitslos und ich litt immer mehr unter großen persönlichen Problemen. Wir führten keine gute Ehe. Oft wurde mein Mann sehr zornig, wenn ihm etwas nicht passte. Die Kinder litten genauso darunter wie ich. Diese Situation konnte ich nur kaum mitansehen. Dann wurde ich auch noch schwer krank. Meine Knochen waren an verschiedenen Stellen so geschwächt, dass ich nur noch mit Krücken laufen konnte. Mein Gesundheitszustand verschlechterte sich soweit, dass ich kaum noch fähig war, meine  Arbeit auszuführen.

Ich bekam schließlich so schwere Depressionen, dass ich begann, über einen Selbstmord nachzudenken. Zweimal versuchte ich, mir das Leben zu nehmen, doch ich wurde beide Male rechtzeitig gefunden. Eines Tages wollte ich den Gedanken erneut in die Tat umsetzen. Diesmal sollte es klappen und ich ging anders vor. Ich nahm einen Bus, um zu einer großen Brücke mitten in der Stadt zu gelangen. Dort wollte ich in die Tiefe springen und mich in den ersehnten Tod stürzen.

Unerwartete Heilung

Als ich aus dem Bus stieg, sah ich, wie sich eine Menschentraube um etwas versammelt hatte. Ich blieb kurz stehen, um zu sehen, was da los war. Eine Theatergruppe führte gerade ein Stück auf und viele Fußgänger schauten dabei zu. In diesem Moment kam plötzlich eine meiner Arbeitskolleginnen aus dem Friseursalon auf mich zu. Sie lud mich zu einer Abendveranstaltung in ihre Gemeinde ein. Dort sollte die Theatergruppe noch einmal auftreten.

Ich änderte daraufhin all meine Pläne und saß abends tatsächlich in einer Kirche. Meine Arbeitskollegin war auch da. Sie stellte mich ihren Freunden vor, die mich im Laufe des Abends in ein Gespräch verwickelten und sogar für mich beten wollten. Ich erklärte Ihnen, dass ich nicht an Jesus glaube, weil ich Muslimin sei, das schien aber niemanden zu beeindrucken. Im Gegenteil: Die Christen, die ich in dieser Gemeinde kennenlernte, sahen an meinen Krücken, dass ich krank war. Sie beteten für mich und waren sich anschließend ganz sicher, dass ich geheilt sei. Weil ich das nicht glauben konnte, ging ich nur ganz vorsichtig ein paar unsichere Schritte. Die gläubigen Gemeindemitglieder ermutigten mich aber doch zu laufen und zu rennen. Ich konnte es kaum fassen: Meine Schmerzen waren plötzlich verschwunden.

Trotz allem beharrte ich weiterhin darauf, eine Muslimin zu sein. Mein Mann und ich waren zwar keine streng gläubigen Anhänger des Islam, doch die Traditionen waren tief in uns verwurzelt. Andererseits zweifelte ich schon länger daran, ob es einen Gott wie Allah geben kann, in dessen Namen so viel Gewalt ausgeübt wird. Im Iran hatte ich mitangesehen, wie jemand grausam gesteinigt wurde. Kann Gott so etwas gefallen?

Ich begann daraufhin in einer Bibel zu lesen. Erst in einer schwedischen, dann in einer arabischen. Ich unterhielt mich weiterhin mit Christen und betete zu dem einen wahren Gott, auch wenn ich nicht genau wusste, wer er war. Monatelang bat ich Gott, dass er mir die Wahrheit zeigen möge.

Ganz Jesus ausgeliefert

Als wir in einen anderen Ort zogen, empfahl mir meine Freundin eine Gemeinde in dieser Stadt. Auch dort betonte ich, dass ich Muslimin sei. Nach der Predigt wollte ich den Pastor bitten, für die politische Situation im Irak und für meine Angehörigen zu beten. Als ich zu ihm ging, fragte er mich sofort, ob ich mein Herz für Jesus öffnen wolle. Dabei war das gar nicht der Grund, warum ich das Gespräch mit ihm gesucht hatte. Doch in diesem Moment überkam mich das Gefühl, meinen Mund nicht öffnen zu können. Statt zu erklären, dass ich aus einem islamischen Hintergrund komme, nickte ich stumm mit dem Kopf und nahm das Angebot an, Jesus in mein Leben aufzunehmen. In diesem Moment durchströmte mich plötzlich eine warme Welle des Wohlbefindens. Tränen strömten aus meinen Augen. Es war, als wäre ich nach einer langen Suche endlich dort angekommen, wo ich hingehöre. Es fühlte sich wie nach Hause kommen an. Eine tonnenschwere Last, die mich vorher niedergedrückt hatte, fiel schlagartig von mir ab.

Von diesem Augenblick an gehörte ich zu Jesus und ließ ihn nicht mehr los. Ich wollte mich ihm ganz zur Verfügung stellen. Meine Kinder nahm ich mit zur Gemeinde, wo die beiden im Alter von neun und zehn Jahren eine Entscheidung für Jesus trafen.

Gott schenkt mir eine neue Familie

Mein Mann aber verhielt sich sehr ablehnend gegenüber dem neuen, christlichen Glauben. Unsere ohnehin schwierige Ehe verschlechterte sich immer weiter und eines Tages erfuhr ich, dass mein Mann sogar eine andere Freundin hatte. Er ging zwar fremd, aber ich wollte ihm weiter treu bleiben. Erst als mein Mann mich irgendwann aus der Wohnung warf und mir keine andere Wahl ließ, trennte ich mich von ihm.

Mit ganzer Kraft setzte ich mich für die Verbreitung der guten Nachricht unter den Muslimen ein. Dazu reiste ich auch immer wieder in den Irak zurück. Doch auf die Dauer war es für mich als alleinstehende Frau nicht leicht, mich in einem muslimischen Land zu engagieren. Bald hörte Gott meine Gebete um Hilfe. Ich lernte einen gläubigen Schweden kennen, der mich in meinem Missionsdienst voll und ganz unterstützte. Bald merkten wir, dass wir auch privat gut zusammenpassten und wir heirateten. Heute sind wir bereits zehn Jahre verheiratet und haben eine gemeinsame Tochter!

Entdeckung meiner Berufung

Das Radioangebot von ERF Medien
ERF Medien produziert Radioprogramme in der kurdischen Sprache Sorani für den Nordirak. Informationen zu den einzelnen Sendungen finden Sie hier.
Unter 06441/2081630 kann man sich über das Telefon regelmäßig neue Andachten oder Predigten in Kurdisch Sorani auch in Deutschland anhören. Dieses Angebot gibt es außerdem in Kurdisch-Kurmandschi, Arabisch und vielen weiteren Sprachen.

Mein Mann und ich haben in Schweden lange Zeit ein mobiles Café geleitet. Der Bus, in dem wir kostenlose Snacks, Getränke und Gespräche über den Glauben anboten, ist immer noch im Einsatz. Eine weitere Initiative von uns beiden ist eine Online-Bibelschule für schwedische Mitbürger. Dieses Angebot wird so gut angenommen, dass wir inzwischen auch daran arbeiten, eine internationale Online-Bibelschule zu entwickeln.

Zwischendurch ließ ich mich zur Friseurmeisterin ausbilden. Dieses Fachwissen kann ich im Irak gut bei der Arbeit mit Frauen einsetzen. Ich habe zum Beispiel weiblichen Gefängnisinsassen das Friseurhandwerk beigebracht. Auf diese Weise besteht für sie nach der Freilassung die Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen. 

Bei der Produktion der ersten Lobpreis – CD,  die es je in der Sprache Kurdisch Sorani gab, habe ich einige Lieder gesungen. Dadurch wurde eine kurdische Redakteurin von ERF Medien auf mich aufmerksam. Seitdem sind wir befreundet. Kürzlich fragte sie mich, ob ich ihr bei der Produktion von „Frauen mit Hoffnung“[KS1] , einer neuen Sendereihe für Frauen im Irak helfen würde. Natürlich war ich sofort begeistert.

Im Rückblick hat Gott mich mein ganzes Leben geführt und bewahrt, so dass ich heute auf vielfältige Art und Weise als sein Werkzeug dienen kann. Dafür bin ich ihm unendlich dankbar!


Weitere Links zum Thema

Internetseite der Missionsgesellschaft von Kristin Lahtinen (Englisch)


Kommentare

Von Brigitte am .

Sehr beeindruckender Bericht. Vor allem die Stelle, dass Frau Lahtinen ihrem unbekehrten Mann treu bleiben wollte, hat mich beeindruckt. Ich wünsche Frau Lahtinen Gottes reichen Segen, dass sie das Evangelium mit Seiner Kraft in den Irak tragen kann und diese Arbeit Frucht bringt


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