Themenwoche "Was mach ich nach dem Abi?"

"Mal sehen, wo mich Gottes Plan hinführt."

Markus B. und sein Einsatz in Südtirol

Markus Buortesch hat mit Co-Workers International einen freiwilligen Einsatz bei ERF Südtirol gemacht. Wie er Gott erlebt hat und was es mit dem Versetzen von Bergen auf sich hat, erklärt er im Interview.

 

ERF Online: Herr Buortesch, bei missionarischen Kurzeinsätzen denke ich an Uganda oder Peru. Warum haben Sie sich für Italien entschieden?

Markus Buortesch: Auch ich hatte eher vor, einen Einsatz in Afrika oder Südamerika zu machen. Diesen Wunsch habe ich auch bei den Co-Workers geäußert. Allerdings schaut man dort eher genau, wer wo mit seinen Talenten und Begabungen hinpasst. Und man betet viel dafür. So bin ich in Südtirol gelandet.

Das hatte viele Vorteile. Die Kultur war mir nicht so fremd, und weil alles auf Deutsch war, musste ich auch keine Sprache lernen. Wenn ich also meinen Einsatz mit anderen aus meinem Jahrgang vergleiche, merke ich: Ich hatte wirklich einen leichten Einstieg in meinen Einsatz.

ERF Online: Aber Italien ist nicht Deutschland. Wie sehen Sie die Situation der Kirchen vor Ort, gerade der evangelischen?

Markus Buortesch: Zuerst einmal gibt es ziemlich wenige davon. Und wenn, sind sie sehr klein. Bei der Gemeinde, in der ich in Meran war, waren vielleicht 30 Leute im Gottesdienst. Das für mich eine starke Umstellung. Meine Gemeinde in Deutschland hat um die 200 Leute. Und Meran ist die zweitgrößte Stadt in Südtirol. Das zeigt, wie wenige evangelische Gemeinden und Christen es in Südtirol gibt.

ERF Online: Unter einem Missionseinsatz stelle ich mir trotzdem eher Brunnen bohren, medizinische Hilfe und Unterrichten vor. Wie sah Ihr Alltag aus?

Markus Buortesch: Meine Hauptaufgabe war das Schneiden von Beiträgen. Die Sendungen haben wir vom ERF aus Deutschland bekommen, selbst haben wir nicht viel produziert. Doch wegen dem katholischen Hintergrund mussten wir die Sendungen stark überarbeiten. Denn Begriffe wie Pastor werden in Südtirol gar nicht verstanden, manche Begriffe sind sogar anstößig. Das war gar nicht einfach zu bewerten. Jede Sendung haben wir drei Mal durchgehört und uns überlegt, was raus muss. Meine Aufgabe war es, das alles so rauszuschneiden, dass man hinterher nichts mehr davon merkt.

ERF Online: Welche Voraussetzungen haben Sie mitgebracht? Hatten Sie also schon eine Ausbildung in dem Bereich?

Markus Buortesch: Eine Ausbildung nicht Aber was das Schneiden angeht, habe ich privat als Hobby schon viel gemacht. Daher kannte ich die verwendeten Programme ein bisschen und brachte einiges an Interesse mit.

ERF Online: Wenn Sie also für Gott unterwegs waren: Haben Sie in dieser Zeit auch Gott auf besondere Weise erlebt?

Markus Buortesch: Da könnte ich mehrere Geschichten erzählen. Ein großer Segen in der Zeit war für mich, dass ich viel Zeit hatte. Wenn die Arbeit rum war, hatte ich Feierabend. Nicht wie in der Schule, wo noch Hausaufgaben anstehen. Ich hatte mir vorgenommen, diese Zeit zum Beispiel für das Bibellesen zu gebrauchen. Und Südtirol ist ein herrliches Land. An einem Tag bin ich bei schönem Wetter mit der Bibel rausgegangen und habe mich in einen Weinberg gesetzt. Ich las die Stelle, in der es heißt: Wenn ihr Glauben hättet, könntet ihr Berge versetzen. Und ich sitze in diesem Weinberg, schaue auf die andere Seite vom Tal und sehe diesen riesigen Dreitausender vor mir…

ERF Online: …und hat es geklappt?

Markus Buortesch: Nein, aber das war eine tolle Veranschaulichung dafür, dass für Gott nichts zu klein ist. Und wenn ich ihm wirklich vertraue, kann ich einiges bewirken. Entsprechend habe ich mir für die nächsten Tage vorgenommen, total auf Gott zu bauen und Großes von ihm zu erwarten.

ERF Online: Was haben Sie erlebt?

Markus Buortesch: Gleich am nächsten Tag bin ich aufgewacht und habe Gott gesagt, dass ich Großes von ihm erwarte und dass er mich gebrauchen kann. Als ich wie jeden Morgen zum Bahnhof gelaufen bin, kam ein Pakistani auf mich zu und hat mich angesprochen. Diese Begegnung war ziemlich cool. Ich merkte, dass er jemand braucht, mit dem er reden kann. Er hat mit mir über die verschlossenen Südtiroler gesprochen, dass er nur zum Arbeiten hier ist und sich freut, dass er einmal mit jemandem reden kann. Ich konnte ihm dann von meiner Arbeit erzählen, warum ich beim ERF bin und was unser Ziel ist.

Ich habe weiter für diesen Mann gebetet, also dass Gott an ihm wirkt und ich ihn wieder treffe. Als ich das nächste Mal darüber mit Gott gesprochen habe, habe ich ihn an einem ganz anderen Ort in Meran wieder getroffen. Sogar noch ein drittes Mal, wieder genau an dem Tag, als ich für ihn gebetet hatte.

ERF Online: Wie haben solche Erlebnisse und die Zeit in Südtirol Sie persönlich verändert?

Markus Buortesch: Ich habe viel schätzen gelernt. Meine große Gemeinde und meinen großen Jugendkreis, in dem ich immer acht Jungs in meinem Alter hatte. Auch meine Eltern habe ich mehr schätzen gelernt, als ich weg war. Aber auch die geistlichen Dinge, die ich erlebt habe, haben mich sehr geprägt und verändert.

ERF Online: Das scheint an einem besonderen Ort, fernab von den bisherigen Freunden und Familie leichter zu sein. Wie ist es jetzt: Hält diese Veränderung bis heute an?

Markus Buortesch: Das ist immer die Gefahr, dass sich das verliert. Und es war immer mein Gebet, dass ich die ganzen Erfahrungen mitnehmen kann. Und wieder zu Hause hatte ich meine Hochs und Tiefs – die hatte ich in Südtirol aber genauso. Ich denke, ich habe viele Erfahrungen mitnehmen können und kann bis heute im Alltag davon profitieren.

ERF Online: Wo genau? Also hat sich zum Beispiel in Ihrem Denken etwas geändert, so dass Sie Dinge heute anders sehen?

Markus Buortesch: Ja, es war für mich ein gutes Gefühl, für ein Unternehmen zu arbeiten, dass nicht nur dazu da ist, immer mehr Umsatz zu machen. Ich habe direkt im Reich Gottes mitgearbeitet und geholfen, dass Menschen das Evangelium hören. Das hat mich zu dem Entschluss gebracht, dass ich einmal etwas machen will, wo ich Menschen direkt positiv prägen kann.

ERF Online: Was hat Ihr Einsatz denn bei Menschen bewirkt?

Markus Buortesch: Ich war natürlich nicht direkt mit den Leuten in Kontakt, sondern habe die Arbeit im Hintergrund gemacht. Aber von anderen Mitarbeitern habe ich direkt gehört, dass Menschen weitergekommen sind. Gerade durch unser Seelsorgeangebot.

ERF Online: Haben Sie ein Beispiel?

Markus Buortesch: Ich habe mitbekommen, dass katholische Priester von den Sendungen so begeistert waren, dass sie Beiträge eins zu eins im Gottesdienst vom CD-Player haben laufen lassen. Es kamen also immer wieder Rückmeldungen rein.

ERF Online: Wie ist es nach dem Einsatz für Sie weitergegangen?

Markus Buortesch: Ich habe angefangen, Lehramt zu studieren. Ich mag es, mit jungen Leuten zu arbeiten und sie zu prägen. Vielleicht werde ich noch eine Bibelschule besuchen. Und dann mal sehen, wo mich Gottes Plan weiter hinführt.

ERF Online: Die Zeit in Südtirol wird also auch in Zukunft noch Auswirkungen auf Ihren Lebenslauf und Ihre Berufung haben?

Markus Buortesch: Ich denke schon. Ich will nicht bloß eine Firma weiterbringen, sondern einen Beruf ausüben, der mehr bewirkt. Sei es direkt in der Mission oder in der Schule, wo man direkt mit Menschen in Kontakt ist. Hier möchte ich einen positiven Beitrag leisten.

ERF Online: Herzlichen Dank für das Gespräch!


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