Kommentar

Verschuldete Gesellschaft

Warum dauert die Wirtschaftskrise weiter an? Laut Chefökonom Tomas Sedlacek ist unser Umgang mit Geld schuld an der Krise. Antworten und Tipps gibt die Bibel.

Unsere Wirtschaft steckt in einer Krise. Daran erinnern uns die Medien täglich. Für das Jahr 2012 waren Euro-Rettungsschirm und Staatsverschuldung prägende Begriffe. Politiker und Ökonomen stellen sich die Frage: Wie kommen wir aus der Krise heraus?

Schulden machen ist wie übermäßiger Alkoholkonsum

Tomas Sedlacek, Buchautor und Chefökonom einer tschechischen Bank, hat einen einfachen Rat und der lautet: „Hört auf Schulden zu machen!“ Das eigentliche Problem unserer Gesellschaft ist seiner Ansicht nach nicht die Krise an sich, sondern die Mentalität, mit der wir wirtschaften. Wir nehmen Kredite auf und gehen davon aus, dass wir das Geld irgendwann zurückzahlen können. So ist für den Moment immer genug Geld da, aber wehe es kommt der Augenblick, in dem wir unsere Schulden zurückzahlen müssen.

In seinen Vorträgen vergleicht Sedlacek dieses Problem mit dem Konsum von Alkohol. Es scheint oft so, als verleihe der Konsum von Alkohol Energie. Tatsächlich entzieht das lange Feiern nur die Energie für den nächsten Tag. Das kann zu einem großen Problem werden, wenn am nächsten Tag wichtige Termine anstehen. Ähnlich ist es mit Schulden und Zinsen. Wenn ich weiß, dass ich im nächsten Monat ein gewisses Gehalt bekomme, kann ich gefahrlos mein Konto überziehen. Aber schon bei einem größeren Kredit wird es schwierig: Wer kann schon garantieren, dass er am Ende der Laufzeit das Geld zurückzahlen kann?

Unternehmen und Banken scheinen in diesem Verhalten kein Problem zu sehen, sondern fördern ein derartiges Geschäftsverhalten noch. Schon bei einer einfachen Bestellung bei einem Versandkaufhaus wird mir Ratenzahlung angeboten. Erst in drei Monaten muss ich die Kleidung bezahlen, die ich heute kaufe. Das fördert natürlich das Kaufverhalten. Aber zahlen muss ich meine Rechnung irgendwann doch. Das ist unumgänglich, wird aber gerade bei solchen Angeboten leicht vergessen.

Wir wollen immer mehr

Anstatt Schulden zu machen, gibt Tomas Sedlacek in seinem Buch „Die Ökonomie von Gut und Böse“ den Rat, sich wieder mehr an dem zu orientieren, was die Bibel zu wirtschaftlichen Fragen sagt. In 1. Mose 41, 33-36 gibt Josef dem Pharao von Ägypten den Tipp, die überreichen Erträge aus den sieben fetten Jahren für die darauffolgenden mageren Jahre aufzubewahren. Ein ähnlicher Umgang mit Überschüssen und Gewinnen hätte manche Anleger und Banken vor dem Bankrott bewahrt. Stattdessen versuchen wir nun, mit weiteren Schulden die derzeit schlechte wirtschaftliche Lage in Europa zu konsolidieren.

Ein Umdenken ist längst überfällig. Anstatt Schulden zu machen, sollten wir anfangen zu sparen, zumindest wenn wir mehr als genug zum Leben haben. Und das ist bei den meisten Menschen in Deutschland der Fall. Wir jammern zwar beständig über die steigenden Spritpreise und Stromkosten und doch herrscht bei uns eines ganz sicher nicht – Mangel. Natürlich leben auch in Deutschland arme Menschen; Menschen, denen es an allem fehlt. Doch viele Leute sehen sich schon als arm, wenn sie nicht zweimal im Jahr in den Urlaub fliegen oder sich kein iPhone leisten können. Passend dazu ist natürlich auch ein iPad ein absolutes Must-have und spätestens alle zwei Jahre muss ein neues Auto her.

Die Bibel schweigt nicht zu unserer Einstellung. Bereits das erste Buch der Bibel thematisiert diese menschliche Eigenschaft. Auch Adam und Eva war der Überfluss im Garten Eden nicht genug. Ihr eigentliches Vergehen könnte man laut Sedlacek sogar in ihrem Konsum sehen. Denn sie wählen genau die Frucht aus, die sie nicht essen dürfen. Bis heute wollen wir immer mehr und oft genau das, was wir nicht haben können. Der Dichter Wilhelm Busch beschrieb dieses Phänomen vor über hundert Jahren treffend in folgendem Zitat: „Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt, kriegt augenblicklich Junge.“

Bewusster Konsum gibt Waren neuen Wert

Was ist der Weg aus diesem Kreislauf? Dürfen wir keine Wünsche mehr haben, uns nichts mehr leisten? Ich denke, es geht nicht um Askese. Diese würde unserer Wirtschaft vermutlich sogar noch mehr schaden als die Schuldenkrise. Aber die Beschäftigung mit dem Thema hat mich wieder zu der Frage geführt: Was brauche ich wirklich und was ist Luxus? Und wie viel Luxus will und kann ich mir leisten?

Im vorletzten Jahr habe ich den Versuch gemacht und mir eine Fernsehserie, die ich unbedingt haben wollte, nicht geleistet, sondern mir erst zu Weihnachten schenken lassen. Meine Freude darüber war größer als wenn ich mir die Serie sofort gekauft hätte, als sie auf den Markt kam. Ich wusste das Geschenk zu schätzen. Selbst heute versuche ich oft Einkäufe hinauszuzögern. Denn auf Dinge warten zu müssen, ist schwierig, aber gibt diesen Dingen auch einen besonderen Wert. Und mir bleibt dann die Zeit, zu prüfen, ob ich etwas nur haben möchte, weil alle anderen es haben oder weil es mir persönlich wichtig ist.

In Bezug auf die Frage, wie ich mit meinem Geld umgehe, hat mir Tomas Sedlaceks Lesart der Bibel neue Horizonte eröffnet. Dennoch blieben für mich Fragen offen, gerade in Bezug auf die Wirtschaftskrise. Wie kommen wir also aus der Krise? Eines ist sicher: Mit Sparen allein werden wir dieser Krise nicht Herr. Auch Tomas Sedlacek gibt keine klaren Antworten, verweist in seinem Buch aber auf die Tradition des Erlassjahres. Das Erlass- oder Jubeljahr sollte alle fünfzig Jahre gefeiert werden (3.Mose 25,10-17). In diesem Jahr wurden alle Schulden erlassen und verkauftes Land den ursprünglichen Besitzern zurückgegeben. Dadurch wurde das Gleichgewicht zwischen arm und reich wiederhergestellt. Aber ist Schuldenerlass allein die Lösung? Nicht solange wir unsere Mentalität nicht ändern. Ansonsten wird ein Erlassjahr nicht alle fünfzig, sondern alle zehn Jahre nötig.

Nein, Tomas Sedlacek präsentiert keine einfachen Lösungen, vermutlich gibt es die auch nicht. Aber er stellt die richtigen Fragen und hebt neu hervor, dass die Bibel zu wirtschaftlichen Fragen etwas zu sagen hat und die Antworten der Bibel nicht nur für Christen Sinn machen. Das macht mir Mut, in meinem persönlichen Leben die Bibel auch bei ökonomischen Themen zu Rate zu ziehen.


Kommentare

Von Harry P. am .

Bravo,ein Beitrag von bleibenden Wert.In unserer Gesellschaft endet alles in der Sucht. Warum hat Gott wohl wert auf den Zehnten gelegt? Wir können heute sofort damit anfangen und üben. Übrigens das ganze Leben ist eine Übung. Hoffentlich zum Guten.


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