KcF 2013 Lesezeit: ~ 5 min

Vorbild sein in Familie und Beruf

Im Familienunternehmen zusammenzuarbeiten kann Ehe und Familie gut tun, berichtet das Unternehmerehepaar Achim und Heike Kopp im Interview.

Achim Kopp leitet zusammen mit seinem Bruder Jürgen Kopp und seiner Ehefrau Heike Kopp das Familienunternehmen KOPP Schleiftechnik. Im Interview erzählen er und seine Frau, welche Werte ihnen in ihrer Firma wichtig sind und wie die gemeinsame Leitung sich positiv auf ihr Familienleben ausgewirkt hat.

ERF Online: Sie sind im Januar 2013 zusammen als Redner auf dem Kongress christlicher Führungskräfte eingeladen. Bei diesem Kongress werden Werte in der Wirtschaft das Thema sein. Welche Werte vertreten Sie als Unternehmerehepaar?

Achim Kopp: Wir haben bei uns im Betrieb verschiedene Werte definiert, also Spielregeln für die gemeinsame Arbeit. Diese Spielregeln gelten für den persönlichen und den geschäftlichen Umgang. Ganz oben stehen bei uns Werte wie Ehrlichkeit, Offenheit und Vertrauen.

ERF Online: Bedeutet Ihnen auch der christliche Glaube in irgendeiner Form etwas?

Achim Kopp: Auf jeden Fall. Es ist nicht so, dass wir dies bei unserer Arbeit besonders stark in den Vordergrund stellen würden. Aber wir schreiben in unserer Mitarbeiterzeitung auch Artikel zu wertbezogenen Themen und da lassen wir unseren Glauben schon miteinfließen. Zum Beispiel hat meine Frau dort den christlichen Roman „Die Hütte“ rezensiert. Sie ist auch im Kirchenvorstand und arbeitet aktiv in der evangelischen Kirche vor Ort mit.

„Uns ist wichtig, dass wir unserer Vorbildfunktion gerecht werden!“

ERF Online: Sie sind mit 30 Angestellten ein recht überschaubares Unternehmen. Schauen Ihre Mitarbeiter Ihnen auf die Finger, ob Sie diesen Werten auch gerecht werden?

Achim Kopp: Ich gehe davon aus. Unsere Mitarbeiter achten ganz genau darauf, nach welchen Regeln wir spielen. Wir legen auch sehr viel Wert darauf, dass wir das, was wir zusagen,  tatsächlich tun. Man kann nicht von den Mitarbeitern verlangen, dass Sie ehrlich sind, wenn man das als Leiter nicht ist. Uns ist wichtig, dass wir unserer Vorbildfunktion gerecht werden.

ERF Online: Können Sie ein konkretes Beispiel nennen, wo Sie sich bewusst entschieden haben, Ihre Werte umzusetzen und Vorbild zu sein?

Achim Kopp: Wir hatten vor kurzem im Unternehmen einen Einbruch. Zum Glück wurde der Einbrecher aber gestört. Es ist dennoch ein kleiner Schaden entstanden. Wir haben uns dann bewusst entschieden, dass wir die Versicherung nicht pauschal zur Kasse bitten. Sie sollte nur das bezahlen, was wirklich an Schaden entstanden ist.

Oder als 2009 die Wirtschaftskrise war, waren wir auch in einer kleinen Krise. Da mussten wir überlegen, wo wir einsparen können. Wir mussten glücklicherweise nicht kurzarbeiten lassen und keine Arbeitsplätze abbauen. Gemeinsam mit den Mitarbeitern haben wir verschiedene Maßnahmen besprochen, beispielsweise haben unsere Angestellten auf eine geplante Lohnerhöhung verzichtet. Die wurde um ein Jahr verschoben. Gleichzeitig haben wir den Kauf eines Neufahrzeuges verschoben. Mein Bruder wäre an der Reihe gewesen, einen neuen Dienstwagen zu bekommen. Aber wir haben uns gesagt: Wir können nicht auf der einen Seite den Mitarbeitern signalisieren, dass wir sparen müssen, und dann ein neues Auto kaufen.

ERF Online: Sie betonen in anderen Interviews und auch auf Ihrem Webseitenauftritt, wie wertvoll Ihnen Ihre Mitarbeiter sind. Wie zeigen Sie Ihren Angestellten Ihre Anerkennung für deren Arbeit?

Weitere Presseberichte und Interviews zu dem Familienunternehmen KOPP Schleiftechnik finden Sie hier:
Artikel im "Darmstädter Echo"
Video-Interview von unternehmercoach.com
Artikel im "P.T.Magazin"

Achim Kopp: Wir versuchen, ehrliches Interesse an den Mitarbeitern zu zeigen. Dazu gehört, dass wir unseren Angestellten ganz viel Vertrauen entgegenbringen. Ich muss nie einem Mitarbeiter sagen, dass er samstags arbeiten muss. Das machen unsere Arbeitnehmer unter sich aus. Wo unser Team Dinge selbst entscheiden oder untereinander regeln kann, da müssen wir nicht unseren Senf dazugeben. Das wollen wir auch gar nicht.

Ehrliches Interesse heißt auch, dass ich privat Interesse an meinen Mitarbeitern zeige und mir ab und zu Zeit für ein privates Gespräch nehme. Außerdem bieten wir unseren Angestellten eine Beteiligung am Unternehmenserfolg und verteilen einen Teil des Gewinns an die Mitarbeiter.

„Es war ein großer Vorteil im eigenen Unternehmen zu arbeiten.“

ERF Online: Im Moment wird viel darüber diskutiert, wie man Müttern die Erwerbstätigkeit erleichtern kann. Auch Sie, Frau Kopp, haben mehrere Kinder. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht, wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht?

Heike Kopp: Ich war in einer privilegierten Situation, denn unsere Firma steht auf einem großen Gelände, auf dem auch unser Wohnhaus und das Haus meiner Schwiegereltern liegen. Als unsere Kinder klein waren, lebten noch zwei Großtanten meines Mannes bei uns. Unser Büro hatte damals das Fenster Richtung Garten. Dort standen ein Sandkasten und eine Rutschbahn, wo unsere Kinder spielten. Die Großtanten, Omas und Uromas saßen dabei und ich konnte hinausschauen. Wenn sie sich verletzt haben, kamen meine Kinder angerannt. Das war eine Situation, wie sie wahrscheinlich sehr selten vorkommt. Es war ein großer Vorteil, im eigenen Unternehmen zu arbeiten. Ich konnte weiter arbeiten und meinen Kindern hat es an nichts gefehlt. Das war wirklich optimal.

Begeisterung weitergeben ohne Druck auszuüben

ERF Online: Ihr Sohn ist auch im Familienunternehmen tätig. Wie schaffen es Unternehmereltern, ihren Kindern einerseits die Liebe zum elterlichen Unternehmen zu vermitteln, ihnen aber andererseits auch Freiräume zur eigenen Entfaltung zu lassen?

Heike Kopp: Unsere Kinder haben gesehen, wie die Firma im positiven Sinne unser Leben bestimmt hat. Sie haben mitgekriegt, dass wir immer viel arbeiten mussten, aber dass wir auf der anderen Seite nur wenige Meter von ihnen entfernt und damit auch immer ansprechbar waren. Doch wir haben sie nie unter Druck gesetzt. Wir haben unserem Sohn Fabian, der lange unsicher war, was er machen soll, immer gesagt: „Fabian, du musst nicht im Unternehmen einsteigen. Wenn du leidenschaftlich gerne Bäcker werden willst, dann mach das.“ Er hat dann zunächst eine kaufmännische Ausbildung gemacht. Danach hat er plötzlich signalisiert, dass er bei uns mitmachen möchte und noch eine passende Lehre draufgesetzt, damit er das Verständnis für die Firma hat. Nun ist er mit Freude dabei.

Achim Kopp: Wenn man gerne Unternehmer ist, sollte man das auch signalisieren. Wenn man nur über das Unternehmen schimpft, dann wird ein Kind natürlich keine Lust haben, irgendwann im Unternehmen einzusteigen. Wenn man seinen Beruf gerne macht, dann erzählt man begeistert davon und spricht über die schönen Dinge, die auf der Arbeit passieren.

ERF Online: Sie arbeiten nun seit vielen Jahren als Ehepaar eng zusammen. Hat sich diese Zusammenarbeit positiv auf Ihre Ehe ausgewirkt?

Heike Kopp: Definitiv, auch weil so vieles gut läuft. Wenn man eine Firma an die Wand fahren würde, wäre das natürlich auch für die Ehe eine Belastung. Aber wir erleben viel Positives, bewegen sehr viel und erhalten meist ein gutes Feedback. Wir freuen uns gemeinsam an dem, was wir mit unseren Mitarbeitern oder mit Kunden erleben. Wir machen auch schöne Ausflüge mit den Mitarbeitern. Das ist immer eine gute Gemeinschaft und diese Dinge tun auch der Ehe gut.

Achim Kopp: Wir haben es auch geschafft, dass wir gemeinsam wegfahren können. Wir sind mindestens viermal im Jahr im Urlaub. Das tut der Ehe auch gut. Es ist nicht überall möglich, dass Unternehmer in kleinen Firmen einfach so wegfahren können.

Wenn wir aus dem Urlaub zurückkommen, dann sind unsere Schreibtische klinisch rein. Da liegt nicht einmal ein Zettel drauf, weil man vorher bestimmte Dinge organisiert und abgesprochen hat. Das ist auch wieder ein Punkt, wo die Mitarbeiter ein Übriges tun. Nach jedem Urlaub lobe ich dieses Engagement neu, weil ich immer wieder selbst überrascht und begeistert bin, wie gut es läuft.

ERF Online: Vielen Dank für das Gespräch!