ERF International

Am Rande der Belastungsgrenze

Das Ehepaar Oppong-Amoako erlebt in Südafrika mehrere Einbrüche in Folge. Trotzdem bleiben die Missionare dort. Ein Interview.

Winfred Oppong-Amoako arbeitet für TWR Südafrika, einer Partnerorganisation von ERF International. Der gebürtige Ghanaer und seine Frau Juliet erleben dabei nicht nur gute Zeiten: Diebe sind seit 2009 trotz Sicherheitsvorkehrungen insgesamt acht Mal auf Gelände und Haus des Ehepaares eingedrungen. Theresa Riedl hat mit Herrn Oppong-Amoako über die Einbrüche und seine Reaktion darauf gesprochen.

ERF Online: Südafrika ist für seine landschaftliche Schönheit genauso bekannt wie für die hohe Kriminalitätsrate. Was hat Sie als Ehepaar dazu bewogen, in dieses Land zu gehen?

Winfred Oppong-Amoako: Jesus sagte seinen Jüngern, dass wir zu den Völkern hingehen sollen. Deshalb gingen Juliet und ich im Februar 2007 nach Südafrika, nachdem wir sechs Jahre mit TWR in Großbritannien verbracht hatten. Für mich beinhaltet das, zusammen mit TWR unter den afrikanischen Völkern zu arbeiten. Meine Arbeit besteht darin, die Ausstrahlung der Kinder-, Jugend-, und Gesundheitsprogramme in der Region zu koordinieren. Daneben knüpfe ich Kontakte zu Organisationen, die ähnliche Anliegen haben.

ERF Online: Für diese Arbeit reisen Sie viel herum, Ihr Wohnsitz liegt allerdings in Johannesburg. Können Sie das Viertel, in dem Sie leben, näher beschreiben?

Winfred Oppong-Amoako: Wir wohnen in einem Haus in einem Mittelstands- und Arbeitervorort der Stadt. Das Viertel besteht aus Doppelhaushälften und ist komplett eingezäunt. Es verfügt über einen Eingang, für den man eine Karte mit Magnetstreifen benötigt. Außerdem beaufsichtigen bewaffnete Wachleute den Zugang.

Das eigene Sicherheitsbedürfnis wird stark verletzt

ERF Online: Trotz dieser Vorkehrungen haben Sie in den letzten vier Jahren mehrere Einbrüche erlebt. Ist eine derart hohe Einbruchsrate normal für Südafrika oder ist Ihre Familie außergewöhnlich stark betroffen?

Winfred Oppong-Amoako: Es würde mich nicht wundern, wenn schon einige Familien vor uns dieses Ausmaß an Kriminalität zu spüren bekommen haben Aber es ist nicht zum Spaßen, wenn das eigene Sicherheitsbedürfnis und die Privatsphäre so stark verletzt worden sind. Ich wünsche niemandem eine ähnliche Situation, selbst den Kriminellen nicht. In der Vergangenheit haben alle Einbrüche auf unserer Seite des Hauses stattgefunden. Nur der letzte wurde in der Nachbarwohnung verübt. Dessen Bewohner verließ kurz darauf Südafrika, beteiligte sich aber noch finanziell an der Installation von Fenstergittern.

ERF Online: Haben Sie eine Ahnung, wer die Diebe sind, die Ihnen das Leben schwer machen?

Winfred Oppong-Amoako: Wir haben den Einbrechern nie direkt gegenüber gestanden, deswegen kann ich weder sie noch ihr soziales Milieu beschreiben. Die Ausnahme bildete ein Einbruch, nach dem wir die Jacke eines 10- oder 11-Jährigen im Haus fanden. Sie hatte Blutflecke, wahrscheinlich vom eingeschlagenen Fensterglas. Normalerweise kamen die Diebe zwischen 10 und 16 Uhr - also immer dann, wenn wir außer Haus oder im Büro waren. Nur zwei Mal kamen sie während der Nacht, wobei sie einmal den Antriebsmotor des Tors zum Wohnhaus gestohlen haben. Ansonsten ist uns alles Mögliche abhandengekommen: Vom Toaster über Kleidung bis zu einem Fernsehergerät und Juliets Schmuckschachtel.

Der verstärkte Zaun bietet Ehepaar Oppong-Amoako seit einigen Monaten mehr Sicherheit. Ermöglicht wurde er unter anderem durch die Teilnahme von Dr. Thorsten Grahn, dem Leiter von ERF International, an einen Spenden-Triathlon. (Bild: privat)

ERF Online: Nun reicht ein Einbruch aus, um bei vielen Gefühle der Angst, Wut und Unsicherheit zurückzulassen. Wie erging es Ihnen, als es immer und immer wieder dazu kam?

Winfred Oppong-Amoako: Bevor wir nach Südafrika zogen, haben wir in Großbritannien viel über die Kriminalität in Südafrika gelesen. Daher war der erste Einbruch eine Art Bestätigung, wie allgegenwärtig die Kriminalität ist. Natürlich waren wir auch erschüttert, aber nicht so sehr wie beim zweiten Einbruch. Beim dritten und vierten standen wir zwar nicht am Rand unserer geistlichen, aber doch unserer psychischen Belastungsgrenze. Denn wir hatten uns noch nicht von einem Einbruch erholt, als schon der nächste kam.

Dazu kamen weitere belastende Ereignisse: In der Neujahrsnacht 2008/2009 durchbrach zum Beispiel ein Auto unseren Zaun und schoss in Richtung Schlafzimmer. Es wurde nur durch den Baum davor gestoppt. Im Februar wurde wieder eingebrochen. Dann starb im Mai 2009 unser Sohn. Zwei Monate später brach man wieder bei uns ein. Sie können sich selbst ein Bild machen, wie wir uns fühlten. In dieser Zeit war ich physisch und psychisch am Ende meiner Kräfte. 

ERF Online: Es klingt etwas seltsam, aber kann man sich an Einbrüche gewöhnen? 

Winfred Oppong-Amoako: Nein! Manchmal vergessen wir als Christen, dass wir immer noch sterbliche Wesen mit emotionalen Empfindungen sind. Das gilt trotz der Zusicherung Jesu aus Johannes 16, 33, dass er die Welt überwunden hat. Deswegen durchleiden wir diese Gefühle auch dann, wenn wir wissen, dass wir einen Gott haben, der mit einem Fingerschnipsen all diese Dinge beenden könnte. Aber er entscheidet sich dafür, es nicht zu tun. Er schickt uns mitten durch solche Erfahrungen hindurch, so wie er auch seinem Sohn Jesus Christus den Tod am Kreuz nicht ersparte.

ERF Online: Haben Sie trotz dieses Wissens schon einmal daran gedacht, Südafrika aufgrund dieser Erlebnisse zu verlassen?

Winfred Oppong-Amoako: Das Wichtigste ist, mit Gott zu gehen, ob in Ghana, Großbritannien, China, Deutschland oder eben Südafrika. Und dort sind wir für diese Etappe unseres Weges hingestellt worden. Wenn wir mit Gott auch durch solche Zeiten hindurchgehen, sind wir am Schluss mehr als Sieger. Denn wenn wir zu Gott gehören, bleiben wir immer in ihm, in seiner Liebe, Güte und Führung.

ERF Online: Sie selbst sind auch nicht untätig geblieben und haben kürzlich den Zaun um Ihr Haus verstärkt. Fühlen Sie sich damit sicherer?

Ja, der neue Zaun hilft sehr! Sie können sich gar nicht vorstellen, welche emotionale Erleichterung er gebracht hat – auch wenn wir wissen, dass unser Schutz von Gott kommt. Aber manchmal behelligen wir ihn unnötigerweise, wenn die Lösung, um die wir bitten, schon vor unseren Füßen liegt und es darum geht, sie in die Tat umzusetzen. Zum Beispiel schreien wir zu Gott, dass er uns beschützen möge - und was dafür nötig ist, ist eine bessere Umzäunung. Aber für meine Frau war es auch vorher schon ein besonderes Zeichen von Gottes Schutz, dass ich bei allen Einbrüchen zuhause und nicht auf Reisen gewesen bin.

Lassen Sie mich an dieser Stelle noch einmal ein großes Danke an verschiedene Freunde, darunter auch Thorsten Grahn von ERF International, und den ERF sagen. Durch ihre finanzielle Unterstützung und tatkräftige Hilfe haben wir gemeinsam den Zaun verstärkt und die Fenstergitter angebracht. Nun kann ich beruhigt meine Arbeit für Gott tun, ohne ständig daran denken zu müssen, was gerade daheim los sein könnte. Ganz zu schweigen von meiner Frau, die sich jetzt wesentlich sicherer fühlt, während ich nicht da bin.

ERF Online: Vielen Dank für das Gespräch!


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