ERF International

Menschen voller Dankbarkeit

Wie Solarradios und Lebensmittel Hoffnung in eine von der Dürre bedrohte Region Kenias bringen. Ein Reisebericht.

Als 2011 Informationen über die Hungersnot in Ostafrika nach Deutschland gelangten, startete ERF International zusammen mit dem internationalen Partner TransWorldRadio (TWR) einen Hilfsfond, um den Menschen vor Ort zu helfen. Noch immer ist die Lage in den betroffenen Gebieten angespannt. Dokumentarfilmer Peter Albrecht ist vom 12. August bis zum 01. September 2012 nach Kenia geflogen, um im Auftrag von ERF Medien die Verteilung von Hilfsgütern mit der Kamera zu begleiten. Lesen Sie hier seine Eindrücke von der Reise:

Eindrücklich und farbenfroh sind die Bilder, die Peter Albrecht in Kenia aufgenommen hat (v.o.n.u.):
Wartende Frauen
Pastor Joshua (Bildmitte)
Verteilung der Hilfsgüter
Aufsammeln, was übrig bleibt
Peter Albrecht (re.) (Bild: Peter Albrecht)

Schon beim Landeanflug auf den Zielflughafen erahne ich, wie trocken diese Gegend ist. Mein Reiseziel ist Lodwar, eine Stadt mit ca. 17.000 Einwohnern, etwa zwei Flugstunden nordwestlich der Hauptstadt Nairobi. Immer noch haben viele Hilfsorganisationen hier ihr Basislager aufgeschlagen.

Beim Verlassen des Flugzeugs spüre ich die Hitze. Kein Wunder, die Tagesdurchschnittstemperatur liegt bei 35° - 37°C und auch nachts fällt das Thermometer selten unter die 27°C Marke. Was mich an diesen Ort gebracht hat? Ich möchte die Verteilung von Hilfsgütern filmen. Dafür begleite ich Mitarbeiter von TWR. Drei Tage sind für den Dreh eingeplant. Im Vorfeld ist die Reise gut vorbereitet und geplant worden, aber schnell merke ich, dass wir Europäer die Uhr haben und die Afrikaner die Zeit. Die erste Verzögerung lässt nicht lange auf sich warten: Der Lastwagenfahrer, der die Hilfsgüter auf dem Landweg transportiert, meldet per Handy eine 10-stündige Verspätung. Gut, dass das Mobilfunk-Netz einwandfrei funktioniert.

Die Verspätung ist kein Problem, ich besuche und filme einfach spontan die Radiostation, die TWR Kenia vor Ort betreibt. „Maata Radio“ heißt der Slogan des Senders, was frei übersetzt "Wir sprechen Frieden" bedeutet. „Wir wollen den Menschen Frieden und Hoffnung bringen, verbunden mit kurzen und ansprechenden biblischen Botschaften und sehr viel Musik.“ erklärt mir Carol Kinuthia, die Mitbegründerin des Senders. Es ist schon erstaunlich, was die drei hauptamtlichen Mitarbeiter hier leisten: Mit geringen technischen Mitteln stellen sie ein 24-Stundenprogramm auf die Beine. Nach Einbruch der Dunkelheit kommt dann auch der Lastwagen mit den Hilfsgütern an. Morgen kann es also mit der offiziellen Mission meines Besuches losgehen.

Früh am nächsten Tag machen wir uns auf den Weg. Unser erstes Ziel ist ein Dorf eine halbe Stunde Autofahrt von Lodwar entfernt. Wie in Afrika üblich, werden wir mit Tanz und Gesang schon sehnlichst erwartet. Viele der 800 Menschen, zumeist Frauen und Kinder, sind schon seit Stunden unterwegs, um die Lebensmittel entgegenzunehmen. Nachdem Pastor Joshua die Wartenden kurz begrüßt hat, werden die Säcke mit den Hilfsgütern entladen. Die Menschen stellen sich in Gruppen auf und jeder bekommt seine Ration ausgehändigt: Zwei Kilo Mais, Zwei Kilo Bohnen sowie ein Liter Speiseöl.

"Jedes verschüttete Korn wird aufgesammelt."

Mich überrascht, wie friedlich die Verteilung vonstatten geht. Es gibt kein Gedränge oder Geschubse. Nach einer kurzen Predigt von Joshua geht es anschließend weiter zum zweiten Verteilungsort. Dieses Mal liegt eine zweistündige Autofahrt vor uns.

Am Zielort werden wir wieder sehnlichst erwartet. Die Mittagssonne brennt mittlerweile unerbittlich, die Menschen, etwa 600 an der Zahl, stehen im Schatten einer Baumgruppe. Auch sie warten singend und tanzend, voller Vorfreude darauf, uns zu begrüßen. Die Hilfsgüter sind schnell abgeladen und die Dorfältesten übernehmen die Verteilung. Peinlichst genau achten sie darauf, dass niemand zu kurz kommt, übervorteilt wird oder sich gar ein zweites Mal anstellt. Jedes verschüttete Korn wird von den Kindern aufgesammelt.

Ein weiterer Höhepunkt der Aktion ist die Verteilung von Solarradios, die den Dorfältesten ausgeteilt werden. Viele der Männer und Frauen können ihr Glück über die Sonnen betriebenen Geräte kaum fassen und halten sie wie einen kostbaren Schatz in der Hand. Die Frequenz von Maata Radio ist voreingestellt und auch hier erleben wir spontane Freude und Tanzeinlagen. In einer Gegend, in der die Sonne jeden Tag kostenlos zu bekommen ist, Batterien aber unbezahlbar sind, sind die Solarempfänger Gold wert und äußerst sinnvoll.

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Auf ERF 1 finden Sie auch ein TV-Interview über die Keniareise von Herrn Albrecht.

Sehr schnell wird mir durch die Reaktion der Menschen bewusst, welchen Stellenwert diese Radios weit ab von elektrischem Strom, Computern und jeglichem Fernsehprogramm haben. Was für uns in Deutschland normal ist und auf Knopfdruck funktioniert, ist in dieser Region keine Selbstverständlichkeit. Pastor Joshua erklärt mir, dass die Tageszeitung zum Beispiel mit drei Tagen Verspätung ankommt - wenn überhaupt. Was für eine Möglichkeit, auf diese Weise die christliche Botschaft weiterzugeben!

Voller Eindrücke und guter (Film-)Aufnahmen machen wir uns schließlich auf die Rückfahrt. Am nächsten Tag geht bereits mein Flugzeug zurück nach Europa. Was bleibt, sind Menschen voller Dankbarkeit. Nach meinem Empfinden war diese Aktion nicht nur der besagte Tropfen auf den heißen Stein. Nein, hier haben viele kleine Tropfen ein lebensspendendes Bächlein gebildet. Danke, dass auch Sie durch Ihr Mithelfen und Ihre Spende dazu beigetragen haben!


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