ERF International

Verkauft, verraten, befreit

Am Tiefpunkt ihres Lebens schafft eine Frau mit Gottes Hilfe den Sprung aus Zwangsprostitution und Abhängigkeit.

Anisa1 irrt in einer kalten Novembernacht antriebslos und wie ohnmächtig durch die Straßen einer schwedischen Kleinstadt. Schon viel zu lange wird sie unablässig von anderen wie eine Marionette benutzt und wieder fallengelassen wie ein lebloser Gegenstand. Wo soll sie bloß hingehen?

Der Ehemann als Zuhälter

Anisa ist in Osteuropa aufgewachsen. Als sie früh heiraten soll, hat sie kein Mitspracherecht. Ihre Familie sucht einen wesentlich älteren Ehemann für sie aus, von dem Anisa zwei Kinder bekommt. Das jüngere der beiden ist noch ein Baby, als ihr Mann stirbt. Die junge Witwe soll so schnell wie möglich wieder heiraten. Das ist in ihrem Heimatland so üblich.

Ihr zweiter Ehemann ist drogenabhängig. Er selbst, seine Freunde und einige Familienmitglieder konsumieren regelmäßig Drogen, entsprechend hoch ist der Finanzbedarf. Die Möglichkeit, Geld zu verdienen, ist hingegen  gering. Auf der Suche nach einer Einkommensquelle will der neue Ehemann, dass Anisa für ihn in einem Bordell arbeitet. Als sie sich weigert, droht er, ihrem Baby Drogen zu spritzen. Die verzweifelte Mutter wird zur Prostitution gezwungen und schafft es Jahre lang nicht, sich zu wehren. Um ihre geliebten Kinder kann sie sich nicht so kümmern, wie es gerne tun würde. Psychisch geht es ihr immer schlechter.

Eines Tages vertraut sich Anisa einem Mann an, der ihr zu helfen verspricht. Mit seiner Hilfe gelingt Mutter und Kindern die Flucht nach Skandinavien. In Schweden muss sie allerdings feststellen, dass ihr vermeintlicher Helfer sie nur in eine Falle gelockt hat. Ohne dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung und als Ausländerin ohne Sprachkenntnisse wird sie wieder nur ausgenutzt und landet erneut in der Zwangsprostitution. Dieses Leben geht nicht spurlos an ihr vorüber. Bald ist sie so traumatisiert und geistig verwirrt, dass sie ihren Alltag als Mutter nicht mehr bewältigt. Die Kinder werden ihr abgenommen. Um sie selbst kümmert sich niemand.


„Hannah’s Haus“ in Schweden wird von „Projekt Hannah“ unterstützt. Dabei handelt es sich um ein christliches Radioangebot und eine Gebetsbewegung von TWR, dem internationalen Partner von ERF Medien.

Weitere Informationen zu Projekt Hannah finden Sie hier. Die dazu passende Radiosendung unseres schwedischen Partners finden Sie hier. Regelmäßige Informationen über die Arbeit von ERF International gibt es auch bei ERF 1 in der TV-Sendung ERF International.

Eine Plastiktüte voller Schlaftabletten

Anisa weiß nicht weiter. Ohne Kinder sieht sie keinen Sinn mehr darin, mit Hilfe der Prostitution Geld zu verdienen und  will endlich daraus aussteigen. In jener kalten Novembernacht will sie nur noch weg. Orientierungslos läuft sie durch die Straßen, bis sie irgendwann zitternd vor Kälte in einer Reihe von Wohnhäusern stehenbleibt. Einem plötzlichen Impuls folgend, klopft sie an einer unbekannten Haustür.

„Da stand eine durchnässte Frau vor unserer Tür.“, erinnert sich Inga1, eine Mitarbeiterin von TWR Schweden, einem internationalen Partner von ERF Medien. „Frierend und todkrank sah sie aus. Das einzige, das sie bei sich trug, war eine Plastiktüte mit einer Menge Beruhigungsmitteln und Schlaftabletten. Sie fragte nach einem Unterschlupf.“ Inga und ihr Mann wollen Anisa zunächst Essen und Geld geben, um sie danach wieder fortzuschicken. Doch sie bringen es nicht übers Herz, sondern nehmen Jesu‘ Aufforderung ernst, in jedem hilfsbedürftigen Menschen Gott selbst zu sehen. (Matthäus 25,35)

Ein Film birgt den Schlüssel zur Vergangenheit und für eine veränderte Zukunft

Anisa zieht bei dem schwedischen Ehepaar ein und aus einer Nacht Aufenthalt werden 1,5 Jahre. „Ihr ganzes Wesen war von Furcht und Unruhe erfüllt. In ihrem Gepäck trug sie unendlich viele schlimme Erfahrungen, die sich tief in ihr Gedächtnis eingegraben haben.“ So beschreibt die Mitarbeiterin der schwedischen Radiomission die Frau, die bei ihnen Zuflucht gesucht hatte. 

Anfangs kann sich Anisa nicht an ihre Vergangenheit erinnern – als wäre alles aus ihrem Gedächtnis ausgelöscht. Mit einer Ausnahme: Sie hat das Blut ihrer Eltern vor Augen, als diese aus unbekannten Gründen getötet werden. Mehr kann sie nicht sagen.

Eines Tages sieht Anisa bei ihren Gastgebern den Jesus-Film. Sie erinnert sich, dass ihr Vater diesen Film vor seinem Tod ebenfalls von einem Arbeitskollegen geschenkt bekommen und mit nach Hause gebracht hatte. Damals sahen sie sich den Film gemeinsam hinter zugezogener Gardine im Wohnzimmer an. Bei der Kreuzigungsszene rief Anisas Mutter weinend: „Seht nur! Sie töten Gott!“  Nur wenige Monate später wurde die Mutter  zusammen mit ihrem Mann umgebracht. Die darauffolgenden 20 Jahre in Anisas Leben sind ein einziger Albtraum.

Als der Film zu Ende ist, sieht Anisa sich das Video noch einmal komplett von vorne an. Und dann noch einmal. Immer wieder, den ganzen Tag. Erinnerungen an ihre Eltern werden wach. Viele Fragen stellen sich ihr. Dieser Gott, den Anisa im Jesus-Film kennenlernt, ist so anders als das Bild von Allah, das ihr bisher von ihrem muslimisch geprägten Umfeld vermittelt wurde. Am Abend erzählt die gebeutelte Frau ihren Gastgebern von ihrer Vergangenheit. Das Ehepaar betet mit ihr und Anisa lädt Jesus in ihr Leben ein. Von diesem Zeitpunkt an beginnt sich Anisa langsam aber stetig positiv zu verändern. Von einem Tag auf den anderen benötigt sie keine Psychopharmaka mehr.

Aus einer Hilfesuchenden wird eine Helferin

Heute vergleicht sich Anisa mit der samaritanischen Frau, von der die Bibel in Johannes 4 berichtet. Jesus spricht diese Samariterin an. Sie ist eine unglückliche Frau, eine Ausländerin mit vielen Männerbekanntschaften. Jesus verspricht ihr das lebendige Wasser und meint damit einen Frieden, den nur er schenken kann und ewiges Leben. Dieses lebendige Wasser hat Anisa fast 2000 Jahre später ebenfalls im Glauben an Jesus gefunden. Sie verwandelt sich in eine Frau, die wieder Freude am Leben hat. Innerlich wird sie ganz neu, völlig geheilt. Alle körperlichen Symptome und die psychischen Beschwerden verschwinden. Anisa darf ihre Kinder wieder zu sich nehmen und erhält kurz vor einer drohenden Abschiebung in ihr altes Heimatland doch noch eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung für Schweden.

Wie die Frau aus der biblischen Geschichte behält auch Anisa die gute Nachricht vom lebendigen Wasser nicht für sich. Sie lädt andere Asylanten und Ausländer in die Kirche und zu ihren Freunden nach Hause ein. Das Interesse ist so groß, dass 2010 „Hannah’s Haus“ gegründet wird, eine Begegnungs- und Zufluchtsstätte für hilfesuchende Menschen, besonders für Asylanten. Inzwischen wurde sogar noch ein zweites „Hannah’s Haus“ ins Leben gerufen. Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen nach Schweden gekommen sind und sich dort fremd fühlen, können in diesen beiden Häusern Kontakte knüpfen und den christlichen Glauben kennenlernen. Mitarbeiter haben Zeit für Gespräche, zeigen christliche Filme und bieten an, mit den Menschen zu beten. Inga ist eine Mitgründerin des Projektes. „Ich habe herausgefunden, dass Frauen ganz unterschiedlicher Herkunft und Religion es lieben, wenn wir für sie beten. Sogar, wenn wir das im Namen Jesu tun.“, sagt die ehemalige Gastgeberin von Anisa.

1 Name von der Redaktion geändert. Der richtige Name ist ERF Online bekannt.


Kommentare

Von Gertrud Nachtrag am .

Stelle gerade fest, dass das vorher gesagte umso schwerer ist, je größer die Sinnlosigkeit des täglichen Tuns (jeder vergangene Tag ist ein guter Tag). ob das die online Verbindung stärkt oder nicht weiß ich leider nicht so genau!!

Von Gertrud am .

Möge die Kraft und ständige Gegenwart unseres Herrn Jesu in den Herzen der Christen weltweit dominieren! Außergewöhnliche Biographien wie diese zeigen einen sehr harten Weg durch die Wüste (dieser Welt) und doch ist Jesus so gegenwärtig, dass ich den Dialog durchgängig "online" halten möchte, damit die Sorgen dieser Welt nicht zur bestimmenden Triebfeder meines Lebens werden sollen.

Von s.m.b. am .

ich kann nur weinen über so viel lied, dass wir menschen erfahren müssen oder anderen zufügen. ich weine, weil die güte und gnade gottes für alle da ist, ich habe auch das wasser des lebens empfangen und kann es nur weiter geben, denn soviel liebe kann man nicht nur für sich selbst behalten.


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