Verfolgte Christen Lesezeit: ~ 6 min

„Glaubensfreiheit ist keine Selbstverständlichkeit!“

Am 11. November beten Christen in Deutschland für verfolgte Gemeinden in Bhutan und Ägypten. Anlass dafür ist der "Weltweite Gebetstag für verfolgte Christen".

Sonntags in einen Gottesdienst gehen, ist für Christen in Deutschland eine Normalität, manchmal sogar eine leidige Pflicht. Doch für viele Gläubige ist der Besuch eines Gottesdiensts ein Luxus, denn nicht überall können sich Gemeinden dafür versammeln. Etwa 100 Millionen Christen weltweit haben mit Verfolgung und Diskriminierung zu kämpfen.

Um auf deren Schicksal aufmerksam zu machen, veranstaltet die Evangelische Allianz zusammen mit der Hilfsorganisation Open Doors jährlich einen „Weltweiten Gebetstag für verfolgte Christen“. Wie in den vorigen Jahren wird der Gebetstag auch 2012 am zweiten Sonntag im November  stattfinden (11.11.2012). Laut Open Doors nehmen an dem Gebetstag etwa eine halbe Million Christen aus 150 Ländern pro Jahr teil. Markus Rode, Leiter von Open Doors Deutschland, fasst die Ziele des Gebetstages so zusammen: "Wir erwarten, dass eine tiefere Verbindung zwischen den Christen hier und denen in Verfolgung stattfindet. Unser Ziel ist es, dass sich dieses Jahr weit über 2000 Gemeinden in ihren Sonntagsgottesdiensten im Gebet zusammenschließen, nachdem sich im letzten Jahr 1500 Gemeinden an der Aktion beteiligt haben."

Neben dem Weltgebetstag veranstaltet Open Doors noch weitere Veranstaltungen, um die Verfolgung von Christen in das Bewusstsein der Gemeinden zu rücken. Jasmin Tiburski, Jugendreferentin der Freien evangelischen Gemeinde (FeG) Marburg, hat mit ihrem Jugendkreis bei „Shockwaves“, dem Gebetstag für Jugendliche mitgemacht. „Wir waren sehr bewegt vom Schicksal dieser jungen Christen. Wir nahmen uns Gebetskarten, um konkret für einzelne Personen in Ägypten zu beten und wir pflanzten eine Blume der Hoffnung“, berichtet sie.

Keine leichte Entscheidung

Im Fokus des diesjährigen Gebetstages stehen die Länder Indonesien, Bhutan und Ägypten. Dr. Thomas Schirrmacher vom zuständigen Arbeitskreis „Religionsfreiheit – Menschenrechte – Verfolgte Christen“ (AKREF) der Evangelischen Allianz äußert sich zu der Wahl der drei Länder folgendermaßen: „Wir haben jedes Jahr ein sehr großes Land von strategischer Bedeutung, mindestens ein nichtislamisches Land, ein ganz unbekanntes Land und ein Land, das täglich in den Medien auftaucht. Auf Indonesien trifft das erste Kriterium zu, auf Ägypten das letzte, Bhutan erfüllt die anderen beiden Kriterien.“

Mit der Auswahl der Länder, für die gebetet wird, macht es sich der Arbeitskreis nicht leicht. Nur alle vier Jahre darf dasselbe Land ausgewählt werden. Besonders wichtig ist dem Vorbereitungsteam aber, dass immer ein Land ohne Medienpräsenz unter der Auswahl ist. „Wir merken, dass bei bekannten Ländern die Berichterstattung über den Gebetstag stärker ausfällt und die Motivation für Gemeinden an der Veranstaltung teilzunehmen größer ist. Aber uns ist es wichtig, dass auch für die unbekannten Länder gebetet wird und Menschen über die Lage der Christen in diesen Ländern informiert werden“, so Schirrmacher im Interview mit ERF Online. Ein wichtiges Ziel des Weltgebetstages sei daher, Christen zu erreichen, die sich mit der Thematik noch nicht auseinandergesetzt haben, und sie zum Gebet zu ermutigen.

Infomaterial für Gemeinden zur Gestaltung des Tages

Für Gemeinden, die an der Aktion teilnehmen wollen, bieten die Evangelische Allianz und Open Doors Materialien zur Gottesdienstgestaltung an. Die Evangelische Allianz gibt ein Heft mit den wichtigen Informationen zu den drei Ländern und einen Predigtvorschlag heraus. Dieses Jahr wird Matthäus 5,43-48 als Predigttext empfohlen.

Weiterführende Informationen und Arbeitsmaterialien:
Open Doors
Evangelische Allianz

Das Material, das Open Doors für den Gebetstag an interessierte Gemeinden weitergibt, ist etwas umfangreicher und bietet auch eine Ausarbeitung für ein passendes Kinderprogramm. Anhand der Geschichte von Daniel wird den Kindern erklärt, dass es Christen auf der Welt gibt, die wegen ihres Glaubens in Schwierigkeiten geraten.  Bastelvorlagen für Gebetswürfel regen das Gebet für Christen in verschiedenen Ländern in den Kindergruppen an.

Das Material enthält außerdem zwei Kurzfilme über Bhutan und Ägypten. In ihnen kommen Christen aus den betreffenden Ländern zu Wort und erzählen authentisch und bewegend von ihren Erfahrungen. Diese kurzen Statements machen die Verfolgung, die die Christen dort erleben, noch anschaulicher und sind mit 5 Minuten Länge so kurz, dass sie in das Gottesdienstprogramm integriert werden können.

„Man spürte die Liebe zu Jesus!“

Viele Gemeinden, die den Gebetstag bereits durchgeführt haben, äußern sich positiv zu der gemeinsamen Aktion von der Evangelischen Allianz und Open Doors. Alexander Kruse, Pastor der Calvary Chapel Siegen, erzählt: „Durch die Materialien von Open Doors haben wir in den letzten Jahren immer Infos zu den Gebetstagen für verfolgte Christen erhalten und eingesetzt. Im letzten Jahr haben wir den kompletten Gottesdienst inklusive Predigt, Infos und Gebet damit gestaltet. Das werden wir dieses Jahr im November wieder so machen. Im Jahr davor haben wir den Gebetstag für Verfolgte Christen als Familiengottesdienst gestaltet, wo wir auch die Kinder miteinbezogen haben.“

Ähnliches weiß Bernd Niemeier, Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Bockum Hövel, zu berichten: „Wir haben in den letzten Jahren jeweils an der Aktion teilgenommen. Dem daraus resultierenden Wunsch nach mehr Infos und Gebetsanliegen kommen wir durch besondere Veranstaltungen und regelmäßige Artikel in unserem Gemeindebrief nach.“ Pastor Alexander Kruse kann für seine Gemeinde bestätigen, dass viele Christen über den Gebetstag hinaus für verfolgte Christen beten: „Es sind immer Leute von den Infos und den Situationen in den verschiedenen Ländern so sehr bewegt, dass sie das in ihren Herzen mit nach Hause genommen haben.“

Jasmin Tiburski und ihr Jugendkreis (Bild: privat)

Auch Jasmin Tiburski lobt das Engagement von Open Doors. Über ihre Motivation, bei der Initiative von Open Doors mitzumachen, sagt sie: „Glaubensfreiheit ist keine Selbstverständlichkeit und so war es uns als Jugendkreis der FeG Marburg ein Anliegen, die verfolgten Christen zu unterstützen.“ Besonders die Berichte ägyptischer Christen bei „Aftershock“, einem Lobpreisabend von Open Doors, haben sie berührt. Die Ägypter waren für die Veranstaltung extra nach Deutschland gekommen: „Man spürte ihnen die Liebe zu Jesus ab und sie machten uns Mut, für unseren Glauben einzustehen! Die Ägypter beteten an diesem Abend für uns, obwohl wir doch diejenigen waren, die in einem Land der Religionsfreiheit leben! Wir haben als Fazit mitgenommen, dass der Glaube Mut schenkt, näher zu Jesus führt und dass wir uns ein Vorbild an den ägyptischen Christen nehmen sollten, die Römer 12,12 ernst nehmen.“

Die Calvary Chapel Siegen plant auch in diesem Jahr an dem Gebetstag für Verfolgte Christen teilzunehmen. Gemeinden, die das Thema in einem entsprechenden Gottesdienst aufgreifen wollen, können sich für Materialien an die Evangelische Allianz oder Open Doors wenden (siehe Infobox).


Die Länder, für die am 11. November gebetet wird:  

Bhutan ist ein Land im Himalaja. Es liegt zwischen China und Indien und ist etwa so groß wie die Schweiz. Staatsreligion ist der Buddhismus. Nur 2,1 Prozent der Bevölkerung sind Christen. Auf dem Papier herrscht Religionsfreiheit, doch christliche Gemeinden werden derzeit nicht offiziell anerkannt, obwohl es Bestrebungen gibt, dies zu ändern. Kirchen zu bauen oder private Gebetsstunden und Gottesdienste abzuhalten ist den Christen verboten.

Open Doors berichtet auf seiner Webseite darüber, dass es immer wieder zu gewaltsamen Übergriffen auf Christen kommt. In Bhutan gilt das Christentum als fremde Religion, sodass sich viele Gläubige als Fremde im eigenen Land fühlen.

In Ägypten hat sich die Lage für die christliche Bevölkerung seit der Revolution Anfang 2011 laut Open Doors verschlechtert. Der Islam ist Staatsreligion,  und obwohl Religionsfreiheit herrscht,  gelten Christen, die rund 13 Prozent der Bevölkerung ausmachen, oft als Bürger zweiter Klasse.

Die Kopten, die größte Kirche in Ägypten, gibt es bereits seit dem 3. Jahrhundert,doch seit der Islamisierung Ägyptens im 7. Jahrhundert kommt es immer wieder zu Spannungen zwischen Christen und Muslimen. Besonders problematisch ist die Lage für konvertierte Muslime, denn die Konversion vom Islam zum Christentum wird vom islamischen Recht, der Scharia, als todeswürdiges Verbrechen angesehen. Auch kommt es manchmal zu Entführungen junger Christinnen, die zwangskonvertiert und zwangsverheiratet werden.

Indonesien ist das größte islamische Land der Welt. Indonesien besteht aus 6.000 Inseln und beherbergt 750 unterschiedliche Völker. 15,9 Prozent der Bevölkerung sind Christen. Zwar ist das Christentum eine der sechs anerkannten Religionen, dennoch ist die Lage der Gemeinden laut AKREF angespannt. Häufig werden Kirchen geschlossen oder zerstört, 43 waren es allein 2011.

Ein großes Problem ist, dass die Zentralregierung und die Gouverneure zu spät oder gar nicht gegen Übergriffe auf Christen vorgehen. Eine Kirche in Bogor kann von ihren Mitgliedern seit fast zwei Jahren nicht benutzt werden. Denn obwohl der Oberste Gerichtshof die Schließung der Kirche aufgehoben hat, hat der Gouverneur der Provinz rechtswidrig die Kirche geschlossen gelassen.


Kommentare

Von Gisela S am .

wichtig: Fürbitte, Hilfe in Not für Freunde nd Feinde, auf keinen Fall zurückschlagen!
Römer 12,12-19! JESUS ist SIEGER!, wenn es jetzt auch anders aussieht.
Auch wir müssen bereit sein, Spott und Ablehnung nicht fürchten Römer 1,16!
Deutschland braucht JESUS!

Von Brigitte am .

An Abdullah,
ich verstehe nicht, wie man von der Realität sich so abwenden kann. Ich möchte nur als Beispiel den iranischen Pastor erwähnen, der schon zum Tode verurteilt war und durch ein Wunder und viele Gebete freigekommen ist. In Deutschland ist man ja sooo besorgt, darum, dass der Islam anerkannt wird und die Moslems nicht diskrimieniert werden, aber was Christen in moslemisch geprägten Ländern auszustehen haben, darüber regen sich hierzulande ja nicht mal die Politiker auf.

Von Abdullah am .

Es gibt keine "Christenverfolgung" in Ägypten. Inbesondere in Ägypten geniessen die Christen viele Privilegien, die nicht einmal Muslimen zustehen. So hatten dort die Kopten z. B. nach dem Tode ihres Papstes Schenuda III. drei Tage lang arbeitsfrei erhalten. Außerdem wurde deren verstorbene Papst mit militärischen Ehren verabschiedet wie nomalerweise bei Staatspräsidenten üblich, so daß von einer Diskriminierung, geschweige einer "Verfolgung", nicht die Rede sein kann. Was meint Ihr Christen mehr


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