Wicca Lesezeit: ~ 7 min

Wie eine dunkle Wolke über mir

Anne Müller war in ihrer Studienzeit Mitglied der Wicca und erzählt über ihre Erfahrungen. Ein Interview.

Anne Müller* war bis zum Alter von 19 Jahren überzeugte Atheistin. Erst durch den Biologieunterricht, speziell den Aufbau des Auges, gelangte sie zu der festen Überzeugung, die Welt lasse sich nicht allein mit der Wissenschaft erklären. Dann begegnete ihr eine Göttin im Traum und forderte sie auf, zu ihr zu kommen. Es waren Zufälle, die sie schließlich zu den Wicca führten. Im Interview mit ERF Online spricht Frau Müller über ihr Leben als Wicca.

ERF Online: Angeregt durch Ihren Traum sind Sie auf die Wicca gestoßen. Was hat Sie an diesem Kult fasziniert?

Anne Müller: Ich war damals feministisch interessiert und mich sprach diese Religion an, da in ihr eine Göttin eine besondere Rolle spielt. Ich wollte mich in meiner Weiblichkeit neu entdecken, daher zog mich die Idee einer weiblichen göttlichen Kraft an. Frauen nehmen in diesem Kult eine positive Rolle ein, während sie in anderen Religionen oft als zweitrangig oder negativ gesehen werden.

Mir gefielen zudem die freie Art der Wicca und ihre Lust am Experimentieren. Weil ich dabei war zu entdecken, ob es eine andere unsichtbare Wirklichkeit gibt, hat mir ihr Umgang mit der übernatürlichen spirituellen Welt zugesagt. Auch die Beschäftigung mit der Natur fand ich sehr gut. Mutter Erde ist ein wichtiges Thema für viele Esoteriker und spirituell Suchende. Sie sehen den Planet Erde als große göttliche Kraft oder als Gaia, die Erdenmutter, an. Mich hat der Gedanke der spirituellen Vernetzung mit der Natur, der Welt und dem Kosmos verlockt – das Eingefügtsein in eine Urharmonie.

ERF Online: Warum war für Sie damals der christliche Glaube nicht interessant?

Anne Müller: Ich bin getauft und konfirmiert worden, habe aber die Kirche als langweilig erlebt. Mein Pastor konnte mir keine Antwort auf meine Fragen zur Evolutionstheorie geben. Deshalb glaubte ich, dass das Christentum keine Antwort hat und es dementsprechend nichts ist, was ich ernst zu nehmen hätte. Die Bibel war für mich ein Märchenbuch. So wie ich es in der evangelischen Kirche kennengelernt hatte, trieben die Christen nur Umweltschutz und soziale Anliegen voran. Das hat meine Sinnfragen oder meine religiöse Sehnsucht in keinster Weise beantwortet.

Ich weiß jedoch noch, dass später, als ich im Wicca war, Jesus und sogar das Kreuz in einigen meiner Visionen aufgetaucht sind. Ich wunderte mich darüber, dass Jesus da war und ich ihn überhaupt sah, weil er mir nichts bedeutete. Ich habe ihn damals abgelehnt.

„Die magischen Rituale haben funktioniert“

ERF Online: Wie sah Ihr Leben als Wicca aus?

Anne Müller: Die Wicca feiern Jahreskreisfeste. Es gibt bestimmte Vorschläge, wie man diese feiern kann, zum Beispiel nach dem Mythos der großen Göttin und ihrem Gemahl, dem großen Gott. Über das Jahr hinweg werden seine Geburt, sein Wachstum, sein Tod und seine Wiedergeburt zelebriert, die im Einklang mit dem Wechsel der Jahreszeiten stehen. Zu den Mondphasen kann man bestimmte Meditationen oder magische Rituale durchführen. Dazu haben wir uns in der Natur versammelt und die Göttin angerufen. Wir haben uns zudem auch bundesweit mit anderen Wicca getroffen und eine Priesterin engagiert, die uns ausbilden sollte.

Für mich privat habe ich spirituelle Übungen durchgeführt. Ich war inspiriert von Büchern, deren Anweisungen ich umgesetzt habe. Ich habe gependelt und Tarotkarten gelegt. Ich habe versucht, bestimmte magische Rituale durchzuführen, um herauszufinden, ob sie funktionieren.

ERF Online: Haben die magischen Rituale funktioniert?

Anne Müller: Aus meiner Sicht ja. Magier würden sagen, dass sie durch ihr Handeln bestimmte Dinge bewirken können: zum Beispiel den Lauf des Schicksals lenken, Menschen beeinflussen, bestimmte Ereignisse provozieren. Bei der Magie geht man durchaus davon aus, dass es sich um Naturgesetze handelt, aber um welche, die von der Naturwissenschaft nicht anerkannt oder noch nicht entdeckt sind. Die Ziele der Magie sind häufig banal. Es geht darum, alltägliche Probleme zu meistern.

Ich war zum Beispiel auf Wohnungssuche und wollte eine richtig schöne Wohnung finden. Weil ich Studentin war, hatte ich nicht viel Geld. Also führte ich ein Ritual aus. Exakt zu diesem Zeitpunkt habe ich ein Angebot bekommen, direkt an einem Fluss in einer sehr teuren Gegend ein Zimmer zu beziehen. Das war für mich wie ein kleines Wunder.

ERF Online: Wieso haben Sie sich schließlich von den Wicca gelöst?

Anne Müller: Ich machte viele spirituelle Techniken und ich glaube, dass man damit eine Tür in die unsichtbare Welt öffnen kann, was ich natürlich wollte. Das, was ich erlebte, verunsicherte mich jedoch zutiefst. Ich wunderte mich über die Präsenz von dunklen Erscheinungen sowohl in den Visionen als auch in den Träumen und es traten viele seltsame Zufälle ein.

Ich sah Wicca als positiv an und glaubte, weiße, gute Magie zu praktizieren. Ich dachte, dass ich es mit guten Mächten zu tun hatte und es in meinem Leben immer besser aussehen müsste. So wie sich diese Mächte aber darstellten, waren sie zwielichtig. Sie wurden teilweise immer furchterregender und ich bekam Angst. Schließlich bekam ich den deutlichen Eindruck einer bösen Macht, die mich bedrohte. Ich fürchtete nun, dass es wirklich böse Mächte geben könnte, an die ich vorher nicht geglaubt hatte. Daraufhin gab ich Wicca auf, weil mir das Ganze zu furchteinflößend und rätselhaft war.

„Ich war überwältigt von Heiligkeit und Liebe“

ERF Online: Besserte sich Ihr Leben dann?

Anne Müller: Ich war sehr niedergedrückt in dieser Zeit, so als würde eine dunkle Wolke über mir hängen. Ich wunderte mich darüber, dass sie so stark und präsent war. Ungefähr anderthalb Jahre später unterhielt ich mich mit einer ehemaligen Satanspriesterin. Ich war noch der Esoterik nahestehend, die ich nicht aufgegeben hatte, weil ich sie harmlos fand. Die Frau sagte zu mir, dass ich im Banne des Teufels stünde. Wenn ich so weiter machen würde wie bisher, würde ich zur Hölle fahren.

Der einzige, der mich davor bewahren könne, sei Jesus Christus. Wenn ich mich nicht an ihn wende, gäbe es keine Hilfe für mich. Ich dachte mir, ich habe bereits so vieles ausprobiert, wieso nicht auch Jesus? Ich will es versuchen, sagte ich mir, und wenn nichts geschieht, dann gibt es ihn nicht. Die ehemalige Priesterin empfahl mir ein Gebet zu sprechen, in dem ich Jesus um Hilfe bitten solle. Und das tat ich dann auch. Ich sprach ein kurzes Gebet und wartete, ob etwas passieren würde.

ERF Online: Wie ging es weiter?

Anne Müller: Als ich fast schon die Geduld verloren hatte, erschien mir Jesus ganz überraschend in einer Vision. Ich saß auf dem Bett in meinem Zimmer, als plötzlich eine Lichtsäule am Fuß des Bettes stand. Ich war völlig überwältigt von der Heiligkeit und Liebe, die über mich hinwegströmte. Dann ging die Säule aus Licht zu einem Jesusbild, das mein jetziger Mann für mich aufgehängt hatte, weil er glaubte, es würde mir guttun. Die Augen des Jesusbildnisses begannen zu leuchten und ich wusste, dass Jesus vor mir stand. Als ich die Augen schloss, sah ich die Kreuzigung und als nächstes den auferstandenen Jesus. Kurz danach erkannte ich, dass ich eine Sünderin war.

Ich sah mich im Angesicht Gottes als völlig schmutzverkrustet. Plötzlich verstand ich, was dieser Schmutz war: Sünde. Ich wusste aber nicht, was ich tun sollte, also schwieg ich. Ich schämte mich sehr für das, was ich war. Doch Jesus bewegte mich dazu, die wunderbare und heilige Luft einzuatmen, von der ich umgeben war. Sie durchfloss mich wie Wasser und wusch die ganze Sünde von mir herunter. Ich konnte sehen, wie sie wie Schmutzwasser von mir wegfloss. Ich war nun vollkommen neu und rein. Ich fühlte mich wie ein Baby, das gerade neu geboren ist. Später habe ich dieses Erlebnis aufgrund einiger Bibelstellen so eingeordnet, dass ich dabei den Heiligen Geist eingeatmet hatte.1

ERF Online: Wo sehen Sie jetzt die größten Unterschiede zwischen Ihrem Leben als Wicca und als Christin?

Anne Müller: Ich habe meinen gesamten Freundes- und Bekanntenkreis der damaligen Zeit verloren, weil sie meinem neuen Glauben ablehnten. Sie waren völlig irritiert, denn er passte überhaupt nicht in ihr Weltbild. Sie haben sicher geglaubt, ich habe den Verstand verloren.

Ich habe aber das Gefühl, in meinem jetzigen Leben echten Frieden zu haben. Ich habe die Wahrheit erkannt, das ist mir wichtiger als alles andere. Die Wahrheit macht frei, vorher habe ich in einer Lüge gelebt. Darum ist mir die Bibel so wichtig, weil in ihr die Wahrheit zu finden ist. Ich versuche mich in allen Dingen an Gott zu halten. Ich habe durch den Glauben an Jesus Hoffnung auf das ewige Leben in der Herrlichkeit beim Herrn.

ERF Online: Vielen Dank für das Gespräch.

*Name geändert, der richtige Name ist der Redaktion bekannt.

Mehr Informationen über die Wicca finden Sie im folgenden Artikel: Wicca - Hexen der Neuzeit


1 Johannes 20,22,  1. Korinther 6,11.

 


Kommentare

Von Jaques LeMouche am .

Zitat: "So wie ich es in der evangelischen Kirche kennengelernt hatte, trieben die Christen nur Umweltschutz und soziale Anliegen voran."
Genau das ist der entscheidende Punkt: Wenn der Kirche nichts mehr einfällt als öko-sozial-fair-gerecht und genderneutral, dann hat sie sich faktisch bereits abgeschafft. In dritten Reich gab es noch die bekennende Kirche, während heute die evangelische Kirche dem Zeitgeist praktisch geschlossen hinterherhechelt. Nichts verdeutlicht besser als dieses Zitat mehr

Von röschen am .

ES FASZINIERT MICH IMMER WIEDER, WENN MENSCHEN IHRE ERFAHRUNGEN MIT JESUS BERICHTEN.
MANCHE SCHREIEN IN IHRER VERZWEIFLUNG ZU JESUS UND BITTEN UM HILFE UND ER KOMMT UND MACHT MENSCHEN SOFORT FREI VON SÜNDE UND SCHANDE.
EGAL WIE MAN ANKLOPFT, DIE TÜR (JESUS) ÖFFNET SICH. WER IHN SUCHT, DER FINDET IHN. WELCHER WUNDERBARER HERR!!!!!!!!!!!!!!!
DER HERR JESUS IST SO VOLLER LIEBE UND BARMHERZIGKEIT UND ER FÜHLT MIT DEM SÜNDER.
DA FÄLLT MIR DER SONG EIN: WO IST EIN GOTT SO WIE DU? DER SÜNDE mehr

Von Jutta am .

Also, mich macht der Bericht eher stutzig.
Mir ist die Erscheinungsweise zu sensationell.
Natürlich, die Entscheidung liegt bei Jesus, aber heisst es nicht im Wort Gottes:
Joh 20,29: " Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, Thomas, darum glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben" ( Luther )
Was die Esoterik und diese Art von Glauben bedienen, ist die Sensationsgier, den Erlebnishunger, die Beweissucht, dass etwas "existiert" - magisch, übersinnlich, "wunderbar".
Ich mehr

Von Mike am .

Anne Müller: Ich habe meinen gesamten Freundes- und Bekanntenkreis der damaligen Zeit verloren, weil sie meinem neuen Glauben ablehnten. Sie waren völlig irritiert, denn er passte überhaupt nicht in ihr Weltbild. Sie haben sicher geglaubt, ich habe den Verstand verloren.
Mal ganz ehrlich das waren keine Freunde.
Ich selber habe bisher nur intolerante , arrogante , hochnäsige , unser ist der einzig wahre glaube Christen kennengelernt.
Wie heißt es so schön Hochmut kommt vor dem Fall und ist eine Todsünde.

Von Anika Lepski am .

Ich glaube, dass Jesus Anne Müller so erscheinen MUSSTE! Immerhin hatte sie vorher Erfahrungen mit der unsichtbaren Welt gesammelt, hat also das Böse schon in einer für sie sichtbaren Form erlebt. Sie brauchte ganz dringend die „Gegenerfahrung“, nämlich dass auch Jesus auf eine bestimmte Weise für sie sichtbar wird.

Von Felicitas am .

Heute muss ich einfach einen Erfahrungs-oder besser Nichterfahrungskommentar schreiben. Ich bin immer wieder irritiert, was Jesus für Unterschiede macht - wie deutlich er sich zeigen kann und wie er andere immer wieder "durchzappeln" lässt. Ich kann sagen, dass ich oft reich beschenkt wurde - aber ich bin auch oft versucht, mich von dieser ereignislosen Kommunikation wieder zu lösen. Um wieder richtig glauben zu können, müssten meinem Freund die beiden amputierten Zehen wieder nachwachsen. Es mehr


Ihr Kommentar

Die E-Mail wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.