Lokalpolitik und Glaube

„Suchet der Stadt Bestes“

Ulrike Plessing war engagierte Stadträtin von Überlingen am Bodensee. In dieser Zeit lernte sie vieles über das Gebet. Ein Interview.

Beten und Gestalten, das gehört für Ulrike Plessing zusammen. Zehn Jahre lang war sie im Stadtrat von Überlingen am Bodensee tätig und hat während dieser Zeit intensive Erfahrungen mit dem Gebet gemacht. Im Interview erzählt sie, wie sie sich als Christin im Stadtrat engagiert hat, und erklärt, wie sie Gott in dieser Zeit neu kennengelernt hat.

ERF Medien: Zunächst einmal die Grundsatzfrage: Sollen Christen sich wie Sie Zeit nehmen für die Lokalpolitik, wenn ihre Heimat doch im Himmel ist?

Ulrike Plessing: Ja. Mehr Menschen als wir denken haben für die Lokalpolitik eine Berufung. Denn in der Lokalpolitik werden Sachen besprochen, die jeden Bürger betreffen: Kinderbetreuung, Arbeitsplätze, sogar die Größe der Schlaglöcher in den Straßen, die wir jeden Tag befahren. Die Stadt ist unser Umfeld, in dem wir leben. Außerdem weitet die Mitarbeit den Horizont und man erlebt seine Stadt in einer Gesamtheit, die man vorher nicht sieht.

ERF Medien: Was hat Sie dazu gebracht, zu kandidieren?

Ulrike Plessing: Nicht in erster Linie ein direkter Ruf vom Himmel, sondern ein ganz profaner Grund. Unsere Familie hat sich über das, was der Stadtrat vorhatte, geärgert. Mein verstorbener Vater war Bürgermeister gewesen und sein Lebenswerk wollte der Stadtrat zunichtemachen. Einer von uns sollte nun kandidieren und Einspruch erheben. Die Wahl ist dann auf mich gefallen.

Ich habe kandidiert, und ich bin gewählt worden, obwohl ich es nicht erwartet hatte. Zwar hatte ich von meinem Vater schon einiges gewusst, aber das neue Umfeld war doch ganz anders, als ich es mir vorgestellt habe. Ich war nach kürzester Zeit von der riesigen Themenflut überfordert. Ich wusste nicht genau, was richtig und falsch ist. Denn ich war zwar schon ehrenamtlich aktiv gewesen, aber mein Umfeld war meine Familie und meine Gemeinde gewesen.

ERF Medien: Welche Hilfe war Ihnen der christliche Glaube für diese Situation?

Ulrike Plessing: Mir hat geholfen, dass ich wusste: Christus ist bei mir. Aber der Gedanke war zu wenig ausgeprägt. Ich habe vor jeder Entscheidung gebetet, ob ich dafür oder dagegen sein soll. Irgendwann hat Jesus mir gezeigt, dass es darum geht, Segen und Frieden zu bringen und um das, was mir auf dem Herzen liegt. Nach und nach hat er mir aufgeschlüsselt, dass er eine ganz andere Vorstellung von der Stadt hat als ich.

Ich habe gelernt, zweigleisig zu denken, zu sehen und zu hören. Einmal aktiv die Debatten zu verfolgen. Gleichzeitig aber auch mit Gott im Gespräch zu bleiben und zu fragen, was ihm wichtig ist. Das war eine ganz spannende Entdeckungsreise.

ERF Medien: War es für Sie wichtig, vom Glauben zu erzählen?

Ulrike Plessing: Ich habe mir immer die Frage gestellt, wie ich Jesus in die Stadt bringen kann. Ich konnte nicht im Stadtrat aus der Bibel vorlesen. Aber ich konnte nicht schweigen von dem, was ich wusste. Wie ich meinen Glauben mit dem Amt in Verbindung bringen kann, war für mich daher eine spannende Frage.

„Jesus ist in der Stadt unterwegs“

ERF Medien: Und ein Schlüssel dazu war das Gebet. Hat sich durch diese Erfahrung etwas in Ihrem Gebet und Ihrem Verständnis vom Kontakt mit Gott geändert?

Ulrike Plessing, ehemalige Stadträtin von Überlingen. (Bild: Gerhard Plessing)

Ulrike Plessing: Ja, mein Gebet hat sich sehr verändert. Angefangen habe ich mit Gebetslisten und der Haltung, dass Gott uns in Situationen, wo wir gerade Not hatten, helfen soll.

Dann habe ich das Geheimnis entdeckt, dass er mir nah ist und großes Interesse an der Stadt hat. Ich bin vom Bittgebet dazu übergegangen bin, die Stadt und meine Kollegen zu segnen und den Frieden über Situationen auszusprechen.

Mein Vertrauen in Gott hat sich durch das Gebet sehr vertieft, weil ich erlebt habe, dass Jesus in der Stadt unterwegs ist und Dinge sich zum Guten wenden. Das stärkt den Glauben und hat mich aufgebaut, auch das nächste anzugehen und auf diesem Weg weiterzugehen.

ERF Medien: In dieser Zeit haben Sie für sich selbst intensiver und anders beten gelernt, aber Sie haben auch andere mit hineingenommen in diesen Gebetsprozess.

Ulrike Plessing: Ja, denn ich habe gemerkt, ich brauche Leute, die mich unterstützen. Ich habe Frauen aus der Gemeinde gefragt, ob wir uns nicht einmal in der Woche treffen, um für schwierige Anliegen konkret zu beten. Wir haben auch für Anliegen gebetet, bei denen ich selber Fragen hatte.

ERF Medien: Gibt es bestimmte Aussagen aus der Bibel, die Sie in dieser Situation begleitet haben oder die Sie auch neu verstanden haben?

Ulrike Plessing: Ich habe verstanden, was es heißt, Licht und Salz zu sein. Licht bin ich, weil Jesus in mir ist. Salz zu sein heißt, auch unbequeme Sachen zu sagen oder anderer Meinung zu sein.

Mir war es zum Beispiel wichtig, in der Kinderbetreuungsdebatte nicht nur Kinderkrippen bauen zu wollen. Wir brauchen auch Tagesmütter und müssen die Mütter stärken. Das bedeutete für mich, Salz im Gemeinderat zu sein, auch wenn die anderen Stadträte es mit der Zeit nicht mehr gerne gehört haben.

„Gebet hilft wirklich“

ERF Medien: Es haben sich auch Dinge verändert durch Ihre Arbeit. Können Sie uns ein Beispiel erzählen?

Ulrike Plessing: Ich hatte mich sehr für die Tagesmütter eingesetzt. Als es dann den Beschluss gab, dass wir Tagesmütter ebenso fördern wie die Kindergrippen, hat es mich sehr gefreut.

Auch in Bezug auf unser kommunales Krankenhaus hat sich einiges verändert. In der Zeit, in der ich Stadträtin war, kam die Gesundheitsreform und die Krankenhäuser sind ins Minus geraten. Unser Gebetskreis hat sehr für das Krankenhaus gebetet und es gibt es heute noch. Natürlich nicht mehr unter kommunaler Verwaltung, aber privat. Es ist ein großer Vorteil, ein Krankenhaus in der Stadt zu haben. Gebet hilft wirklich.

ERF Medien: Auch das Thema „Gehorsam“ wurde Ihnen in dieser Zeit wichtig.

Ulrike Plessing: Ich hatte oft keine Lust mehr auf die stundenlangen Sitzungen und war überfordert. Das Thema Gehorsam hat mir geholfen, meinen Fokus auf Jesus auszurichten. Es hat mich fast jedes Mal aufgerichtet, nicht auf die Probleme zu sehen, sondern auf Jesus, der mit uns in der Stadt unterwegs ist und den Menschen Gutes tun will.

ERF Medien: Sie haben dann nach zwei Amtszeiten aufgehört. Fiel dieser Entschluss Ihnen leicht?

Ulrike Plessing: Ich hatte in der Gebetszeit den Eindruck, dass Jesus zu mir sagt, die Zeit als Stadträtin sei jetzt zu Ende, es wird etwas anderes kommen. Es war für mich sehr schwierig, das anzunehmen. Denn ich hatte nun einigermaßen verstanden, wie alles läuft, und es war gerade eine sehr fruchtbare Zeit im Stadtrat. Aber ich habe gelernt, gehorsam zu sein und habe nicht mehr kandidiert. Aber es war schwer.

ERF Medien: Warum ist das Wort "Sucht das Beste für die Stadt" aus dem Propheten Jeremia für Sie und Ihr Engagement wichtig geworden?

Ulrike Plessing: Wir müssen uns für die Leute, die Jesus noch nicht kennen, engagieren. Ich habe das mit der Zeit erst verstanden, weil ich erlebt habe: Wenn wir für die Leute beten, dann kann Gott wirken. Denn er wirkt durch uns Christen, seine Familie. Wir hängen alle zusammen, wir sind keine Insel. Wir sollen wirklich unter die Leute gehen. Das war für mich einer der Schlüsselverse, der mir gezeigt hat, wie sehr wir miteinander verbunden sind.

Hören können Sie das ganze Interview mit Ulrike Plessing in der Reihe „Beten bringt’s“ am 8.7., um 13 Uhr und 18 Uhr auf ERF Plus. Einen zweiten Teil, in dem Ingrid Heinzelmaier mit Ulrike Plessing über verschiedene Gebetsformen redet, können Sie am 12.8. hören.


Kommentare

Von Jaques LeMouche am .

Die PBC ist mit Sicherheit nicht politisch korrekt. Eindeutige Positionen gegen Abtreibung, gegen die Zerstörung der Familie durch den Staat, für Home-Schooling ist konträr zur Linie der Einheitspartei SPDCDUFDPGRÜNE und der angeschlossenen Medien. Im Übrigen war die PBC die einzige Partei, die auf Frage des libertären Magazins "eigentümlich frei" den Satz bestätigte, dass Politik das wirtschaftliche Handeln des Einzelnen immer beeinträchtig, keine andere Partei, auch nicht die Gelbsozen mehr

Von Joseph J am .

Ich habe getraumt das ich fur nord und sud Deutchland beten sollen.Ich war stationiert in Deutchland zwichen 1979 bis zum 1981.Ich interesiere mich fur mission.Ich spiele Guitar und ich habe Eishockey bei dem Berchtesgadener Eishockeyverein geubt.Ich Habe Deutch an dem Verteidigungs Sprach Institute studiert.Bitte schreib mal an mich,und sagen Sie was ich beten sollen.Bitte beten sie sich fur mein Papa Joe ,der Artzt hat ihm letztes Woche mit Leukimia diagnosert.Ich danke Ihnen sehr dafur.Joe J

Von Harald am .

Wir Christen müssen uns viel stärker in der Öffenlichkeit bemerkbar machen.Hinterher klagen nützt niemanden.Um Politisch korrekt zu handeln gibt es zum Glück die Partei Bibeltreuer Christen. Viel Freude bei der Mitarbeit
schalom


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