Zur Lage der verfolgten Christen in Nordkorea Lesezeit: ~ 4 min

„Wir dürfen sie nicht alleine lassen“

Während Nordkorea den Geburtstag Kim Il Sungs feiert, ruft Open Doors zum Gebet für das Land und die Christen dort auf. Ein Kommentar von Markus Rode.

Unten: Markus Rode, Leiter von Open Doors Deutschland (Bild: Open Doors)

Meist bleiben sie ohne Namen. Teils, weil Näheres über sie nicht bekannt ist. Doch vor allem deshalb, weil jedes persönliche Detail – wo sie wohnen, arbeiten, wie die Eltern heißen – zu ihrer Hinrichtung führen und ihre Angehörigen ins Arbeitslager bringen könnte: Christen in Nordkorea leben extrem gefährlich. Sie gelten als „reaktionäre Elemente“. Nicht als Menschen, als Elemente! Zwar gesteht Artikel 68 der Verfassung der Demokratischen Volksrepublik Bürgern die freie Ausübung ihrer Religion zu. Demnach könnten sie theoretisch sogar Gebäude für religiöse Aktivitäten bauen, aber Religion dürfe nicht "zur Einführung ausländischer Kräfte“ genutzt werden oder „um die staatliche und gesellschaftliche Ordnung zu verletzen".

Und unter diesem Generalverdacht stehen die 200.000  bis 400.000 Christen in dem abgeschotteten Land. Seit Jahren belegt das Land Platz 1 des Weltverfolgungsindex von Open Doors. Mit einem ausgeklügelten Überwachungssystem aus Geheimagenten, Polizisten und dem Nachbarschaftskomitee sollen sie ausgeschaltet werden. Doch trotz dieser Überwachung und Verfolgung konnten wir – übrigens bereits seit den 1990er Jahren - kleine Gruppen von Christen im Land miteinander vernetzen und unterstützen. Heraus aus der Isolation können sie sich nun gegenseitig ermutigen und stärken.

Verstärkte Verfolgung

Als während des Koreakrieges (1950-1953) viele Christen aus dem Land flüchteten, hielt Nordkoreas Staatsgründer Kim Il Sung dies für den Beweis, dass Christen allesamt Verräter und Spione der Amerikaner seien. Dabei sollen seine Eltern selbst Christen gewesen sein. Noch Anfang des letzten Jahrhunderts galt die heutige Hauptstadt Pjöngjang mit ihren Kirchen als „Jerusalem des Ostens“. Doch heute dienen die wenigen Kirchengebäude in Pjöngjang lediglich der Verblendung und Vortäuschung von Religionsfreiheit gegenüber ausländischen Besuchern.

Tatsächlich kann es kein Christ in Nordkorea wagen, sich „frei“ zu seinem Glauben zu bekennen. Viele wurden schon ermordet. Eine 33-jährige Mutter von drei Kindern wurde wegen Bibelverbreitung öffentlich hingerichtet. Ihre Kinder, ihr Mann und ihre Eltern kamen ins Straflager. Ob sie noch leben, ist ungewiss. Drei Männer wurden hingerichtet, weil sie sich in einer Untergrundgemeinde versammelt hatten. 20 weitere Christen der Gruppe kamen ins Arbeitslager Nr. 15 in Yodok. Von der Verhaftung eines Angehörigen berichtete auch ein nordkoreanischer Flüchtling. Der Verwandte wurde gefasst, als er eine Bibel verschenkt hat. Seine ganze Familie kam ins Straflager. Viele weitere Fälle werden erst gar nicht bekannt. Derzeit sind schätzungsweise bis zu 70.000 Christen in Arbeitslagern. Unter dem neuen Machthaber Kim Jong Un, dem Enkel von Kim Il Sung, sollen die Bemühungen verstärkt worden sein, jede christliche Aktivität aufzudecken.

Über Open Doors: Open Doors ist ein überkonfessionelles christliches Hilfswerk, das seit über 50 Jahren in mehr als 50 Ländern verfolgte Christen unterstützt mit Bibeln und christlicher Literatur sowie Hilfe zur Selbsthilfe-Projekten. Open Doors bildet in Schulungen u.a. Gemeindeleiter aus, engagiert sich für Gefangene und unterstützt die Familien ermordeter Christen.

Die Hölle durchstehen

Es ist unvorstellbar, welcher Zerreißprobe Christen jeden Tag in Nordkorea ausgesetzt sind. Sie lehnen den Personenkult um die Kim-Dynastie ab, doch müssen sie sich staatskonform geben, um sich, ihre Familie und Hausgemeinde nicht in Gefahr zu bringen. Wie ein Damoklesschwert schwebt über ihnen, entdeckt zu werden oder dass ein Spitzel ihre Hausgemeinde unterwandert.

Andererseits brauchen sie die Gemeinschaft mit anderen Christen, das Lesen der Bibel, das gemeinsame Gebet, die Ermutigung. Denn sie wollen in dieser „Hölle“ – so ein nordkoreanischer Christ – durchhalten. Wie uns Mitarbeiter versichern, ist die Gemeinde Jesu in Nordkorea lebendiger denn je. Christen verschiedener Generationen treffen sich im Verborgenen, heimlich, hinter vorgezogenen Vorhängen oder im Wald und feiern Gottesdienste miteinander. Christen versicherten, dass sie ihren Glauben an Christus nicht verleugnen wollen, selbst wenn sie dafür gefoltert und getötet werden.

Appell: Am Sonntag beten

Am Sonntag, dem 15. April, feiert Nordkorea kollektiv den 100. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il Sung. Der 1994 verstorbene Diktator gilt als der „ewige Präsident“. Gigantische Feierlichkeiten, Sportfeste, ein Sonderparteitag und ein Raketenstart sollen ihn wie einen Gott huldigen. Auch Christen müssen an den Festakten teilnehmen, selbst wenn sie diesen Götzendienst zutiefst verabscheuen. Doch in ihren Herzen beten sie Jesus an und wollen  Lichter in der Dunkelheit ihres Landes sein.

Lassen wir sie dabei nicht allein! Ich bitte Sie, denken Sie am Sonntag, den 15. April, persönlich und im Rahmen ihres Gottesdienstes besonders an die Glaubensgeschwister in Nordkorea und beten Sie für sie. Ein Hausgemeindeleiter versicherte uns: „Eure Liebe treibt uns an. Gebet ist nicht nur ein Signal der Verbundenheit, sondern auch ein Beleg dafür, dass die weltweite Gemeinde mitleidet, wenn ein Teil des Leibes Jesu leidet“. Unser Gebet gibt den verfolgten Geschwistern in Nordkorea die Kraft, im und durch den Glauben standhaft zu bleiben. Deshalb dürfen wir sie nicht alleine lassen!


Mehr zur Aktion von Open Doors am 15. April „Beten statt feiern“: www.opendoors-de.org/nordkorea

Zum Videokommentar von Markus Rode auf YouTube

 


Kommentare

Von S. Ehmke am .

Ja, Gebet ist unsere mächtigste Waffe. Ich bete gern für meine Geschwister in Nordkorea. Jedoch ist der Artikel noch
vom letzten Jahr.
Finde die Arbeit von Open Doors und auch dem AVC super.
Gottes Segen
S.Ehmke

Von Heinz H. am .

Mir fehlen die Worte. Während in Deutschland Christen selbstzufrieden ihren Kirchenschlaf halten, leiden unsere Geschwister. Ich schäme mich dafür.

Von Wilfried S am .

Korrektur zur Mahnwache:
dienstag um 13:15 Uhr Begin mit einem Gebet und anschließender Mahnwache bis 14:30 Uhr.

Von Wilfried S am .

Jede Woche stehen Christen in Berlin als Mahnwache vor der Nordkoreanischen Botschaft in der Glinkastrasse. (Zur Zeit ist es der Dienstag um 14:15 Uhr) Beten Sie für diese Aktion oder kommen Sie selbst dazu.

Von Ute H am .

Ich unterstütze open -doors mit Gebet und mit Geld,wenn verfügbar.Meinen 60. Geburtstag feiert ich am 1.juni 2012 und ich wollte keine Geschenke,bat aber um eine kleine Spende für Open -Doors.Leider kam nur 50 euro zusammen und ein Gast hat im Brief mitgeteil,dass eine Spende unterwegs sei.Es waren viele aus meiner Gemeinde da,und ich glaube,dass sie regelmäßig an Open Doors spenden und deshalb habe ich Geschenke bekommen.Die 50 Euro habe ich aber überwiesen.
Beten Sie doch ,dass ich eine mehr

Von Ingrid am .

Danke, für alle Leser-Beiträge. Sie berühren mein Herz.Laßt uns weiter beten. Gott ist mächtig. Gott erhört die Gebete seiner Kinder. Er sammelt sie in goldenen Schalen, bis seine Zeit gekommen ist. Dann werden wir seine Wunder,seine Kraft, seine Macht sehen. AUCH IN NORDKOREA. Amen.

Von Brigitte R am .

Hallo,
vielen Dank für diesen Artikel. So etwas ist notwendig, damit die Christen in Europa nicht einschlafen. Diese Christen in Nordkorea, Nigeria, Iran, Irak, Syrien etc. haben uns etwas voraus: sie wissen, was die Nachfolge Jesu wirklich bedeutet. Wir könnten von ihnen wirklich viel lernen.

Von Hans-Jochen E am .

Nehmen Sie herzlichen Dank für Ihren Aufruf zum Gebet für Nordkore und das"Salz" darinnen.Die Christen in den Gebieten der Drangsale sind Lichter in der Finsternis!aber das Dunkel auszuknipsen und schafft es n i c h t .DANKE HERR JESUS CHRISTUS.amen.

Von Gudrun am .

In vielen Gemeinden gibt es Bibel-Gesprächskreise, Frauen-oder Männerrunden. Bittet euren Leiter bzw. Pfarrer/In darum, das Thema Christenverfolgung aufzunehmen, damit ihr gut informiert seid. Momentan können wir unseren christlichen Glauben in Europa noch frei ausüben. Aber wir können nicht davon ausgehen, dass es auf Dauer so bleiben wird. Dafür gibt es Hinweise, die wir ernst nehmen sollten. Auf Probleme, die in den nächsten Jahren auf uns zukommen könnten, müssen wir in Toleranz und mehr

Von RÖSCHEN am .

LAßt UNS UNSEREN HERRN JESUS CHRISTUS BITTEN, DASS ER DIE IM GESETZ GESCHRIEBENE RELIGIONSFREIHEIT IN NORDKOREA BALD -DURCH SEINE MACHT- BALD DURCHSETZT!.
DENN UNSER GOTT IST EIN MÄCHTIGER GOTT!

Von waltraud am .

Danke, für den Bericht. Ja, es ist wichtig in der Fürbitte füreinander einzutreten. Umgekehrt würde ich mir das auch wünschen.

Von Michael P am .

Ich werde weiter in meinem persönlichen Umkreis und auch im Arbeitsfeld dieses Wissen weitertragen und noch Beter versuchen hinzu zu gewinnen.
Mein Wunsch: der Segen unseres Gottes sei mit Euch
Michael

Von Konrad B am .

"Oh GOTT! Hilf d. Christen in Nordkorea! Vertilge die Verfolger! Gib, daß d. Gottlosen brennende Kohlen auf ihr Haupt gestreut werden, indem die Christen die Feindesliebe praktizieren!
Mach ein Ende mit d. Christenverfolgung! Laß den lebendigen Samen DEINES Wortes aufgehen.
Gib, daß auch die Feinde CHRISTUS kennenlernen u. Buße tun, wie DU am Kreuz für DEINE Feinde gebetet hast: Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!
Stärke die Brüder u. Schwestern mit d. geistl. Waffenrüstung! mehr


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