Kommentar

Ruhe tut Not

Der Widerstand gegen das Unterhaltungsverbot am Karfreitag wächst. Schade, wo wir gerade heute diesen TÜV für die Seele brauchen.

Einmal im Jahr alles auf „Null“ stellen. Einmal im Jahr einen Ruhetag einlegen und im wahrsten Sinne des Wortes zur Besinnung kommen. Und zwar ganz bewusst und gemeinsam als ganze Nation.

Denn irgendwann einmal muss aufgearbeitet werden, was uns allen auf der Seele brennt. Der Tod des Mädchens in Emden zum Beispiel. Oder die sogenannten Dönermorde, wo allein schon die Wortwahl für diese Taten eine gesellschaftliche Entgleisung ersten Ranges darstellt. Oder die Frage, warum wir hier in der westlichen Welt auf Kosten der meisten anderen Menschen auf diesem Globus leben.
 

Schnell zurück zur Tagesordnung
Gerade der Karfreitag bietet dazu einen hervorragenden Anlass. Denn er handelt davon, wie der Mensch sich von sich selbst entfremdet hat, und wohin seine Gottesferne führt. Und dass er lieber bereit ist, Gott selbst am Kreuz zu opfern statt für seine eigenen Taten einzustehen.

Niemand will ich die Bereitschaft absprechen, darüber nachzudenken. Aber in unserer Mediengesellschaft reagieren wir nur noch reflexartig. Wenn ein Fußballtorwart sich das Leben nimmt, dann sitzen alle betroffen vor dem Fernseher. Wenn die Loveparade in einer Katastrophe endet, steht die Nation Kopf. Aber nur um danach wieder zur Tagesordnung überzugehen.

Ein TÜV für die Seele
Wir brauchen einen Tag wie Karfreitag. Mindestens. Ein Bußtag zusätzlich würde uns auch nicht schaden. Jeder vernünftige Deutsche bringt sein Auto zum TÜV, damit der Wagen auch in Zukunft rollt. Die halbe Nation ist ständig auf dem Fitnesstrip, damit der Körper lange genug frisch bleibt.

Ich empfehle, das gleiche für den Kopf zu tun und für die Seele. Ja, der Karfreitag ist ein sperriger Feiertag. Ja, der Karfreitag handelt von Schuld und Sühne. Aber billiger geht es eben nicht.

Und gerade deshalb frage ich, ob wir uns diesen Tag mit seiner gesetzlich verordneten Ruhe für alle wirklich nehmen lassen wollen?
 


Kommentare

Von Katrin am .

Gottseidank müssen wir Christen ja nicht alles mitmachen. Viele tun es aber trotzdem.
Die Sache mit dem öffnen der Einkaufzentren am Sonntag war sicherlich ein Anfang......

Von Peter am .

Die Welt, in der wir leben ist nun einmal heidnisch. heidnisch in dem Sinne, daß die Kirchen zwar Weihnachten voll sind, weil, "das gehört sich nun einmal so", im Großen und Ganzen aber selbst Christen den Karfreitag kaum noch aktiv zur Besinnung nutzen.
Warum auch ? Und hier gehe ich mit dem Autor und den meisten Kommentatoren nicht konform, warum soll ich mich Karfreitag besinnen und den Rest des Jahres nicht ? Ich weiß nicht, ob die Ausrufung des "stillen" Karfreitags etwas pharisäerhaftes mehr

Von Ullrich P am .

Karfreitag als Austag ist bestimmt für viele Seelen wichtig. Ich meine aber, dass eigentlich jeder Sonntag mit Ruhe und einem gesegneten Gottesdienst richtig ausgefüllt, anstatt zu vieler anderer Freizeit-Aktivitäten den Seelen auch genügend Ruhe bieten kann ! Den Sonntag richtig genutzt, mehr Freizeit hat sich Gott auch nicht gegönnt !

Von Wolfgang T. am .

Ich ging in meinen alten Leben auch in Discos und hatte mich auch geärgert das an Karfreitag keine Musik gespielt werden durfte.
Für viele Menschen ist Stille unerträglich und trotzdem ist sie so wichtig um zur Ruhe zu kommen.
Wenn ich bete muß es leise sein,
Gott hat mir was zu sagen und das
kann ich nicht bei lauter Musik im Hintergrund erfahren.
An Karfreitag wird mir besonders bewußt, welche Schuld ich habe,
das Jesus am Kreuz sterben mußte.
Wenn dieses Unterhaltungsverbot für Karfreitag mehr

Von Jutta am .

Mir geht es ein bisschen wie Herrn Johann H. Als ich Teenie war, war alles noch gemäßigter und ruhiger. Das vermisse ich sehr. Schlimm finde ich, dass für alles Toleranz gefordert wird, aber dass die, die nur fordern, nicht bereit sind, auch nur einen Tag Toleranz für UNSEREN Glauben aufzubringen, dem wir so viel verdanken, und wir sind eigentlich immer noch eine Menge Leute... oder? Was verdanken wir nicht alles dem Christentum!!! Wissen das die auch, die immer nur an ihren Spass denken? Auch mehr

Von Martin A am .

Gesegnetes Osterfest Ihnen allen!
Die heutige Welt hat ein Problem damit, wenn ein Ruhetag "verordnet" ist. Das gilt für den Karfreitag genauso wie für den Sonntag und andere Feiertage.
Nur ... ist das nicht so wie beim Arzt: Tun wir bestimmte Dinge nicht nur auf dessen Anordnung hin?
Lassen Sie uns unseren "Chef"arzt für die Seele (der Mensch IST eine Seele) ernst nehmen; er weiß nämlich am besten, was gut für uns ist. Das gilt für die traurige Karwoche und den stillen Karfreitag genauso mehr

Von Friedlinde B am .

Einfach mal still vor sich hinsinnen. Gibt es das noch? Wenn ich an die Bilder von Ludwig Richter aus vergangener Zeit denke und das Paar mit ihren Kindern auf der Bank vorm Haus sehe, die in den aufgegangenen Mond schauen, dann kommt Sehnsucht auf nach gelebter Stille. Gestern in der musikalischen Andacht zur Sterbestunde Jesu und dem 10 minütigen Sterbeglockenklang -der mir in dieser Stille - sehr lang vorkam, wurde Stille und Besinnen geübt.
Aber zurück zum Anfangsbild, wer kann sich still mehr

Von Reiner am .

Karfreitag habe ich bisher auch eher als einen Tag angesehen, an dem man über seine Verfehlungen und die der Welt nachdenkt. Als ich gestern in Wuppertal an einer Prozession der italienischen Gemeinschaft teilgenommen habe, sind mir auch eher Fragen über Fehler und wie ich es zukünftig besser machen könnte durch den Kopf gegangen.
Andererseits gibt es ein nachdenklich stimmendes Bild über das Spiegeln in dem stehenden Wasser eines Brunnens. Solange das Wasser noch in Bewegung ist, können wir mehr

Von venezia12 am .

Vielen Dank für den Beitrag.
Ich kann dem nur aus tiefstem Herzen zustimmen! Für mich ist Karfreitag seit meiner Kindheit ein Tag der Ruhe und Besinnung.
Wussten Sie, dass der Karfreitag in Österreich ein ganz normaler Arbeitstag ist? Er wird genutzt als absoluter Osterputz- und Einkaufstag...
Kann man sich meinen "Kulturschock" vorstellen, als ich von Deutschland nach Österreich übersiedelte und dies feststellen musste?
Übrigens, die Diskussion, ob am Karfreitag ein Eishockeyspiel stattfinden mehr

Von Thomas A. am .

@Ruth. Auf die Frage was Karfreitag bedeutet, bekam ich gestern von einem ehemaligen Ministranten erst nach längerem Überlegen die Antwort. Es hat etwas mit einer Kreuzigung zu tun. Das heißt für mich, wenn selbst "religöse" Menschen nicht wissen was und warum es Karfreitag gibt, wie sollen es dann die anderen wissen. Du hast also Recht. Nur eins stimmt nicht, Jesus ist für "alle" gestorben. Aber nicht alle nehmen das Gnadengeschenk an.
Gesegnete Ostertage

Von Johann H am .

Moin zusammen,
als ich Teeny war habe ich es nicht verstanden, da gab es diesen Trubel, wie er heute ist noch nicht, dass ist etwa 35 Jahre her. Jetzt frage ich mich wirklich, ob die Entwicklungen der letzten 10 Jahre für unsere Gesellschaft nicht zu rasant waren. Da der Gesetzgeber, die wir übrigens gewählt haben, die Uhr umstellen, den Buß und Bettag verschwinden ließen, den Sprit immer teuerer werden lassen, Verkaufsoffene Sonntage genehmigen und noch vieles mehr, muss jeder Bürger selber mehr

Von Ruth B am .

Karfreitag=Gedenktag an das Sterben unseres HERRN.
Wer Jesus nicht hat, braucht auch keinen Gedenktag. Wenn ich jemanden nicht kenne wie soll ich an ihn denken, weil fromme Kreise es so wollen? Unser Herr Jesus Christus ist für viele zur Vergebeung der Sünden gestorben nicht für alle. Und die, die meinen das er für sie nicht gestorben ist die wollen tanzen und feiern. Ich denke wir sollten für diese Menschen beten aber sie nicht verurteilen. Sollte mal wieder ein kirchlicher Feiertag mehr

Von maite am .

ich finde den beitrag und die nachdenklichkeit gut, auch wenn ich nicht der meinung bin, dass karfreitag etwas zu tun hat mit dem nachdenken über das, was in der welt schief, krumm und ungerecht läuft.
ungeachtet dessen finde ich jedoch, dass die gemeinde Jesu Christi für einen stillen tag durchaus werben kann, aber dass es jedem selbst überlassen bleiben sollte, ob er das wahrnimmt oder nicht. dass jemand, der nicht glaubt, sich von der kirche / gemeinde vorschreiben lässt, wann er einen mehr

Von Thomas A. am .

Karfreitag, ein stiller Feiertag. Eigentlich müßte jeder Dankbar sein, egal ob gläubig oder nicht, über einen Tag ohne Unterhaltung. Aber stimmt das überhaupt? In meinem TV kommt weiterhin das normale Programm. Daher verstehe ich die Aufregung gar nicht. Aber man braucht ja nur zu schauen wer den Fall des Unterhaltungsverbotes fordet. Ich wäre mehr für eine Erweiterung des Unterhatungsverbotes an solchen Tagen.
TÜV für die Seele, das gefällt mir. Danke für den Beitrag

Von S., Gerhard am .

Unabhängig davon, wie man zum Geschehen des Karfreitag steht, ist es doch sehr verwunderlich, wenn Menschen nicht einmal an einem Tag im Jahr von Lärm und Trubel Abstand nehmen können oder wollen. Ist es ein Zeichen dafür, dass sie in eine Krise geraten, wenn sie über ihr Leben nachdenken? Wenn Menschen bei einem Tag der Ruhe in Panik geraten, ist das schon sehr bedenklich und kein Zeichen von Überlegenheit.
G.S.

Von ERF - Fan am .

Danke für den guten Beitrag. Der Karfreitag war düster eigentlich nur für Jesus selbst. Für uns ist es ein Tag der Befreiung von der Last der Schuld.

Von Eva F am .

Vielen Dank für die Worte zu Karfreitag. Sie helfen, auch mit nicht-gläubigen Menschen ins Gespräch zu kommen. Aber auch mir persönlich nochmal zu zeigen, wie es "um mich bestellt" ist, bzw. wäre, wenn es Karfreitag nicht gäbe.


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