TV-Interview Lesezeit: ~ 2 min

Ein neues Bild von Bonhoeffer

Eric Metaxas' Biographie über Dietrich Bonhoeffer hat auch in Deutschland Wellen geschlagen. Im Interview erklärt er, wie er Bonhoeffer sieht.

„Manche kennen nicht Bonhoeffers ganze Geschichte. Deswegen hat Gott mich berufen, dieses Buch zu schreiben.“ Das sagte Eric Metaxas gegenüber ERF Medien im Interview am Rande des Willow Creek Kongresses Ende Januar in Stuttgart. Einige Vorurteile über den deutschen Theologen und Widerstandskämpfer hätten sich nicht bestätigt, so der Autor.

In den USA sei beispielsweise häufig zu hören, Bonhoeffer sei liberal und humanistisch ausgerichtet gewesen. Nachdem Metaxas jedoch Bonhoeffers Schriften studiert hatte, ergab sich für ihn ein ganz anderes Bild: „Seine Theologie wurde zutiefst missverstanden. Das wird durch die Fakten im Buch deutlich. Aber mein Ziel war nicht, etwas zu korrigieren. Ich wollte die Wahrheit sagen.“

Der unerkannte Prophet
Darüber hinaus stieß Metaxas durch seine Recherchen auf eine interessante Seite Bonhoeffers: „Bonhoeffer hat sich als Prophet gesehen. Er würde das zwar nie so sagen, weil er zu bescheiden und gütig war. Aber es ist ziemlich klar, wenn man mein Buch liest. […] An Bonhoeffer selbst erkennt man: das war Teil seines Wesens.“

Eric Metaxas glaubt, dass sich Dietrich Bonhoeffer mit dem alttestamentlichen Propheten Jeremia identifiziert habe. Bonhoeffer habe im Zusammenhang mit dem Dritten Reich die Bürde eines Propheten gespürt: Etwas zu sehen, was man nicht sehen möchte, etwas zu verkünden, wofür man eher beschimpft und nicht gefeiert würde.

Ein ernsthafter Christ
Auf die Frage, ob man Bonhoeffer heute als Evangelikalen bezeichnen würde, antwortete Eric Metaxas vorsichtig: „Diese Etiketten bedeuten nichts […] Wenn man ein sehr ernsthafter Christ ist, bezeichne ich das als evangelikal. […] Wir wissen, dass Bonhoeffer nicht nur ein Namenschrist wäre. Einer, der einem etwas vormacht. Er wäre ein ernster Christ […] Bonhoeffer ist ein Vorbild dafür, was es heißt, ein wahrer Christ zu sein. Egal, was für ein Christ man ist, er ist ein Vorbild.“

Der Willow-Creek-Kongress fand vom 26. – 28. Januar in Stuttgart mit über 7.000 Besuchern aus Deutschland, der Schweiz und Österreich statt. ERF Medien hat die meisten Referenten exklusiv interviewt. Das nächste Interview mit Gordon MacDonald, Pastor, Bestsellerautor und Berater des früheren US-Präsidenten Bill Clinton wird ERF 1 am 19.März 2012 ausstrahlen.

 

Das ganze Interview anschauen

Bonhoeffer. Pastor, Agent, Märtyrer und Prophet: Das Buch von Eric Metaxas

Die Webseite von Eric Metaxas


Kommentare

Von Markus am .

Bonhoeffer wurde Gegner der Liberalen Theologie und Vertreter die Bibel mit "einfältigem" Gehorsam zu lesen, also erstmal als Gottes Wort an mich ohne Relativierung zu verwenden.
Gleichzeitig wurde Bonhoeffer aber nie Pietist. Er vertrat die Anssicht so wie Gott in Jesus inmitten der diesseitigen Welt Mensch wurde müsse auch der Christ radikal diesseitig leben. Die "Weltflucht" und Abwertung des Diesseitigen bei Pietisten und Evangelikalen war für ihn überholte Religiosität.

Von Jaques LeM. am .

Bonhoeffer könnte sich heute ebensowenig mit dem herrschenden Zeitgeist arrangieren wie zu seiner Zeit. Heute würde ihm der politisch mediale Komplex dafür zunächst ein "umstritten" verleihen. Nach und nach würde er als Rechtspopulist diffamiert werden und damit nahtlos dem Kampf-Gegen-Rechts übergeben werden. So hat es schon Hitler gesehen, als er im Hinblick das Attentat vom 20.Juli, zu dessen erweiterten Mitwisserkreis Bonhoeffer gehörte, feststellte: "Wir haben es versäumt den Schlag gegen Rechts zu führen, das ist unsere Unterlassungssünde".

Von rosi s. am .

BERICHTIGUNG:ES MUß HEIßEN:
ICH BEDAUERE ES SEHR, DASS ES NICHT MEHR SOLCHE STARKEN CHRISTEN GEGEBEN HAT, DIE TROTZ TERROR UND TODESGEFAHR DIE WAHRHEIT DES EVANGELIUMS BEZEUGT UND GELEBT HABEN.

Von rosi s. am .

OHNE ZWEIFEL WAR BONHOEFFER EIN VORBILD FÜR ALLE CHRISTEN SEINER ZEIT.
ALS BONHOEFFER HINGERICHTET WURDE WAR ICH 5 JAHRE ALT.
ICH BEDAUERE ES SEHR, DASS ES NICHT MEHR SOLCHE STARKEN CHRISTEN GEGEBEN HAT, DIE IHR LEBEN HINGEGBEN HABEN,UM DER
WAHRHEIT UND DEM EVANGELIUM GERECHT ZU WERDEN.

Von ERF - Fan am .

Bonhoeffer stammte aus dem klassisch-deutschen Bildungsbürgertum und war ein umfassender Geist, der Jesus begegnet ist. Und Jesus war die Spitze des Zirkels, mit dem Bonhoeffer weite Kreise ziehen. konnte. Wahrscheinlich greifen die Klassifikationen "Liberal" oder "Evangelikal" auf einen Menschen wie Bonhoeffer viel zu kurz. Im Interview oben wird das ja auch deutlich.

Von Gunnar am .

Ich habe das Buch gelesen und muss sagen ich bin sehr beeindruckt von diesem Mann. Ein echtes vorbild wie er den Glauben lebte.Ich kann das Buch einfach nur weiter empfehlen. Was auch gut ist der Autor hat dieses Buch sehr spannend geschrieben. Obwohl man weis das Dietrich Bonhoeffer umgebracht wurde hatte ich immer wieder die Hoffnung beim Lesen das er Überlebt. Es ist so spannend geschrieben einfach genial. Man möchte das Buch garnicht beiseite legen. Ein Buch was man haben muss.

Von Reiner am .

Es freut mich, dass Dietrich Bonhoeffer auf diesem Weg auch in Evangelikalen Kreisen und über Europa hinaus zum Vorbild wird. Er wurde bisher immerhin schon in der katholischen Kirche als "evangelischer Heiliger" respektiert, indem er durch sein Leben Vorbildliches bewirkt hat. Dem Rad des Lebens in die Speichen greifen, wenn Ungerechtigkeit überhand nimmt, ist für mich eine der vorbildlichen Leistungen, die er vollbracht hat.


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