Kirchentag

Konsens der Kerzen

Warum Andreas Odrich den Mut-Bürgern des Kirchentags mehr Mut für den nächsten Kirchentag 2013 in Hamburg wünscht. Ein Kommentar.

Mut-Bürger hat Katrin Göring-Eckart, die Präsidentin des 33. Deutschen Evangelischen Kirchentages, die Teilnehmer getauft. Ihre Bilanz: Friedlich sei es zugegangen. Aufmerksam habe man einander zugehört und sich ausreden lassen. In der Tat, das ist ein gutes Zeichen in einer Gesellschaft, die vor allem Brüllshows aus dem Fernsehen kennt, und Menschen, die als Wut-Bürger scheinbar prinzipiell gegen alles sind. Das macht Hoffnung. Hoffnung darauf, dass unsere Demokratie auch in Zukunft stabil bleiben kann, dank Menschen wie den Kirchentagsteilnehmern.

Das Motto in Dresden entlehnt aus der Bergpredigt: „Da wird auch dein Herz sein.“ Die Themen wie immer auf evangelischen Kirchentagen geprägt von der aktuellen gesellschaftlichen Debatte: Gerechte Weltwirtschaft, Ausstieg aus der Atomenergie. Und auf der religiösen Seite: Dialog mit den Muslimen. Doch hier muss eine kritische Bemerkung gestattet sein: Abschied vom Mammon, ja bitte! Eine gerechtere Weltordnung, ja gerne! Eine saubere Umwelt, am liebsten sofort! Wer wollte das nicht unterschreiben.
 

Missionarisch waren die Humanisten
Merkwürdig unscharf in der Darstellung auf dem Kirchentag blieb bei allem aber der, auf den diese Worte zurückgehen. Jesus Christus. Und der ist mit seinen Äußerungen beileibe nicht auf Sommerabendharmonie gebürstet wie beim Konsens der Kerzen am Dresdener Elbufer. Jesus nennt das Evangelium ein zweischneidiges Schwert. Jesus ruft jeden Menschen persönlich zu Umkehr, Buße und Nachfolge auf. Schuld für alles ist bei ihm keine abstrakte Wirtschaftsordnung, sondern immer auch der einzelne Mensch. Wo liege ich schief? Wo zeige ich mit Fingern auf andere, statt meine eigene Rolle zu prüfen? Wann und wo beziehe ich Gott überhaupt noch mit ein, und darf er mich persönlich auch infrage stellen?

Vielleicht ist die Botschaft des Kirchentages versehentlich doch eher die: Wir werden es schon irgendwie schaffen, weil wir es für ein paar Tage schön hatten in Dresden.

Wirklich missionarisch auf dem Kirchentag waren vor allem die Humanisten: Sie hatten in der Dresdener Neustadt eine Gegenveranstaltung gestartet unter dem Motto: „Da wird auch dein Hirn sein.“ Sie suchten bewusst die herausfordernde Debatte mit Christen. Sie wollten wissen, ob der Mensch sich vor einem Gott verantworten muss, oder ob er nicht ganz allein auf sich gestellt ist und die Kerzen am Elbufer das neue Opium fürs postmoderne Kirchenvolk sind.

Lieber christliches Herzchen als atheistischer Hirni
Ich persönlich bekenne es gerne: Ich bin lieber ein christliches Herzchen als ein atheistischer Hirni. Ich setze lieber auf Gottes Gericht und auf Gottes Gnade statt eines Tages in einem schwarzen, sinnlosen Nichts zu enden.

Und deshalb wünsche ich dem 34. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Hamburg im Jahr 2013 mehr Mut. Mut, um mit den Bürgern über die Grundfesten des Evangeliums von Jesus Christus zu streiten, aufmerksam auf ihn zu hören und auf Menschen, die ihre brennenden Fragen dazu haben – und dies dann natürlich herzlich gerne auch bei Kerzenschein an der Elbe.


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Kommentare

Von Peter und Gabi am .

Als Erstbesucher des DEKT stellen wir fest, dass in der Tat manches Fragwürdige zu beobachten war. Allerdings gab es auch jede Menge Angebote für die "Frommen". Nicht zuletzt die Predigt beim Abschlussgottesdienst liess unseres Erachtens an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Wir haben an vielen Stellen viele Diener Jesu getroffen, die mit Herzblut 5 Tage lang genau die Botschaft vermittelt haben, die H.Odrich vermisst hat. Gott baut sein Reich und die Bitte "Dein Reich komme" ist gerade mehr

Von Rainer am .

Vor vielen Jahren meinte mal ein Verbandsmensch beim Besuch in einem evangelikalen Jugendkreis: "Unser Ziel ist nicht eine saubere Umwelt, sondern die Verkündigung des Evangeliums." Damit wollte er sich wohl von der normalen Kirche abgrenzen. Hätte ihn damals gern direkt gefragt, ob er das Evangelium denn mit der Gasmaske verkünden wollte. Ich denke, beides gehört zusammen.

Von beobachter am .

wenn in der öffentlichen warnehmung der krichentag zu einer "vorfeldorganisationen der grünen" (Jan Fleischhauer spon) dann stimmt was nicht.
als christ habe ich mit gott eine alternative lebenswirklichkeit für diese welt. das sollte der zentrale gedanke sein. alles was davon ablenkt gehört entsorgt.
was nützt es, wenn wir die akw's abstellen, den regenwaldretten oder den hunger in der welt abschaffen, aber gott nicht im herzen haben.
wenn die kirche den erlösungshorizont ins heute verlagert, mehr

Von Rike am .

Herr Odrich hat m.E. einen differenzierten persönlichen Gesamteindruck vom Kirchentag 2011 geschildert. Ich finde seine kritischen Anmerkungen mutig und wichtig, denn Jesus Christus, sein Sühnetod, Umkehr, Nachfolge und Mission dürfen nicht nur Beilage auf einem Kirchentag sein. Sicher kommt es darauf an, welche Veranstaltung man besucht. Doch wenn der Publizist Christian Nürnberger bei einer Podiumsdiskussion das Glaubensbekenntnis als Museumsgegenstand bezeichnet, von dem er nach seinem mehr

Von Waltraud am .

Danke, für Ihren Bericht. Ein ähnliches Gefühl hatte ich auch, daß nicht bei einzelnen Veranstaltungen, sondern insgesammt beim Kirchentag vieles andere wichtiger ist. Schade fand ich auch bei der Berichterstattung, über den Krichentag daß von Klimaschutz.. berichtet wird, aber über Bibelarbeiten oder Glaubensgespräche eher wenig.

Von Gisela S. am .

Sehr geehrter Herr Odrich,Ihren Kommentar zum Kirchentag: "Merkwürdig unscharf in der Darstellung auf dem Kirchentag blieb bei allem aber der, auf den diese Worte zurückgehen. Jesus Christus." finde ich zu allgemein. In vielen musikalischen Beiträgen war Lob Gottes und Verkündigung pur...Außerdem ist Vieles, was in den Begegnungen oder auf der "Kirchenbank" (Seelsorge u. Gebet)geschehen ist, nicht öffentlich messbar. Wir waren als Team von AGLOW auf dem Markt der Möglichkeiten und sind sehr mehr

Von Mike S. am .

Der Personenkult der Evangelikalen ist - nehmen wie einmal neo-religiöses Vokabular zur Hand - ganz sicher "heillos gescheitert".
Die Welt ist weder Schwarz noch Weiß und ein großes schwarzes Nichts nach dem Tod gibt es vermutlich genauso wenig als wie Juri Gagarin im Jahre 1961 eine Chance hatte, Gott im Weltraum zu entdecken.
Es sind die kleinen, feinen Details die dem Kirchentag ein Gesicht geben: Keine überzogenen Personenkulte, eine - an der Freiheit von Auswahl und Beliebigkeit mehr

Von Jürgen W. am .

Sehr geehrter Herr Odrich,
in Ihrem Kommentar zum Kirchentag schreiben Sie: "Merkwürdig unscharf in der Darstellung auf dem Kirchentag blieb bei allem aber der, auf den diese Worte zurückgehen. Jesus Christus." Merkwürdig erschienen mir auch Ihre Worte. Denn zumindest in den Bibelarbeiten und Gottesdiensten an denen ich teilnahm, war dies nicht der Fall. Das ist und bleibt auf einem DEKT so: Für mein persönliches Fazit hängt sehr viel davon ab, für welches der vielen Angebote ich mich letztlich mehr


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