Frauen der Kirchengeschichte

Fabiola: Mutter Theresa der Antike

Sie baute das erste Krankenhaus Roms und revolutionierte die Krankenpflege. Fabiolas praktizierte Nächstenliebe machte sie zum epochalen Vorbild.

Konstantin der Große erwirkte zu Beginn des vierten Jahrhunderts Anerkennung und Förderung des Christentums im Römischen Reich. Vorher hatte es lange und blutige Christenverfolgungen gegeben.

Nun erfasste das Christentum allerdings langsam aber sicher die ganze antike Welt und drang in alle Bevölkerungsschichten ein. Am Längsten widersetzte sich jedoch die römische Oberschicht dem christlichen Glauben.

Es waren in diesen Kreisen die Frauen, die den christlichen Glauben als erste praktizierten und damit ihr Leben riskierten. Die bekannteste hieß Fabiola.

Geheimer Glaube der Liebe

Viele dieser Frauen sahen sich gezwungen, ihren Glauben nur heimlich hinter verschlossenen Türen und in kleinen Gruppen zu leben. Was diese Frauen an der christlichen Religion anzog, war die Lehre von einem Gott der Liebe, der Vergeltung und Rache völlig ausschloss. Dieser Gedanke bedeutete etwas ganz Neues und Einzigartiges in der damaligen Welt, die von erbarmungslosen Machtkämpfen geschüttelt wurde. Ebenso verhielt es sich mit der Hingabe an schwache und leidende Menschen.

Jean-Jacques Henners (1829 - 1905) Portrait von Fabiola.

Soziales Engagement

Die Frauen beschäftigten sich in Hauskreisen eifrig mit dem Studium der Bibel und wollten die neu gewonnenen Erkenntnisse in die Tat umsetzen. Das führte zunächst zu einer einschneidenden Änderung ihres luxuriösen Lebensstiles, zu dem nicht nur lockere Sitten, sondern auch der krasse Gegensatz von Arm und Reich gehörten.

Wer nach dem Evangelium leben wollte, konnte sich mit diesen Zuständen nicht abfinden. Das führte dazu, dass einige von ihnen zum Entsetzen ihrer heidnischen Stammesgenossen ihre großen Ländereien verkauften und den Erlös karitativen Einrichtungen zur Verfügung stellten.

Es waren Frauen, die die sozialen Aufgaben der jungen Kirche anpackten und dabei erstaunliche Leistungen vollbrachten. „Sie unterstützten Witwen und Waisen, halfen Armen und Kranken, nahmen Bedürftige in ihre Häuser auf, kauften Zwangsarbeiter und Gefangene frei und brachten gewaltige Summen für die Opfer von Naturkatastrophen auf“, so Lieselotte von Eltz-Hoffmann. Diese Taten sind nur aus einem großen Verlangen bedingungsloser Nachfolge Jesu zu verstehen.

Fabiola und die Männer

Der Kirchenvater Hieronymus beschrieb in einem seiner Briefe das Leben und Wirken der Römerin Fabiola, die durch ihr Beispiel allgemeine Bewunderung hervorrief. Sie entstammte einem alten vornehmen Adelsgeschlecht und war schon früh mit einem Mann ihres Standes verheiratet worden. Damals war es bei der Partnerwahl üblich, nicht nach Liebe und Zuneigung, sondern nur nach Nützlichkeit zu fragen.

Ihr Mann erwies sich als „Wüstling“ und „Verbrecher“. Sie ließ sich von ihm scheiden und heiratete bald darauf einen anderen Mann, den sie liebte. Diese Eigenständigkeit nahm man ihr übel. Denn sie widersprach der kirchlichen Ordnung, die vorschrieb, dass Geschiedene nicht wieder heiraten durften. Hieronymus jedoch verteidigte ihren Mut und stellte sich an ihre Seite – ein sehr modernes Verhalten.

Fabiolas Ehemann starb früh - als Witwe stellte sich Fabiola nun ganz in den Dienst des Christentums. Hier erst entfaltete sich ihre kraftvolle Persönlichkeit. Sie verkaufte ihren großen Besitz und gründete aus dem Erlös in Rom ein Krankenhaus, das erste in der westlichen Welt. In dieser riesigen Stadt gab es keine einzige Einrichtung dieser Art. Kranke und Sieche wurden ihrem Schicksal überlassen, weil man glaubte, ihr Leiden sei die Folge ihrer Sünden und somit verdient. Erst der christliche Glaube führte auf den Weg der Barmherzigkeit.

Pionierin der Krankenpflege

Was die Errichtung eines Krankenhauses damals bedeutete, können wir heute kaum noch ermessen. Es gab noch keinerlei Vorbilder für den Aufbau eines solchen Hauses oder die Organisation von Krankenpflege und Begleitung der Sterbenden. Fabiola vollbrachte hier eine erstaunliche organisatorische Leistung. Sie ist über sich hinausgewachsen und engagierte sich persönlich in der Pflege Schwerstkranker.

Hieronymus beschreibt die damaligen Zustände und berichtet von „Versehrten mit verstümmelten Nasen, ausgestochenen Augen und abgestorbenen Händen, von Wassersüchtigen mit geschwollenen Beinen und Siechen, deren angefressenes und faulendes Fleisch von Maden strotzte und von solchen, die mit eiternden Wunden und Ekel erregendem Aussatz behaftet waren.“

Hieronymus betonte, welche Überwindung es einer im Luxus groß gewordenen Frau der vornehmen Gesellschaft gekostet habe, „Menschen, deren Anblick bereits Übelkeit verursachte“, zu pflegen. Er schreibt: „Wie oft hat sie eiternde Wunden, die andere nicht einmal ansehen konnten, ausgewaschen und den noch atmenden Leichnamen Suppe eingeflößt.“ Hier wird deutlich, wie das Christentum als eine Religion der Liebe und des Erbarmens ein neues und bisher unbekanntes Empfinden für den leidenden Mitmenschen erweckt hat.

Bibelentdeckerin und geistliche Muse

Fabiola beschränkte ihre Wohltätigkeit nicht allein auf Rom. So verbreitete sich bald in der ganzen christlichen Welt der Ruf der vornehmen Römerin als Helferin der Armen und Kranken. Sogar nach Jerusalem reiste sie und wurde von Hieronymus freundlich empfangen.

Das gab ihr Gelegenheit, im Gespräch mit dem Gelehrten ihre Bibelkenntnisse zu erweitern. „Wenn sie ihren geistigen Hunger stillen wollte, eilte sie durch die Propheten, die Evangelien und die Psalmen“, berichtet Hieronymus. Er gestand sich selbst ein, dass auch er nicht alle ihre Fragen beantworten konnte. Deshalb forderte sie ihn auf, sich mit den ungeklärten Fragen eingehender zu befassen und regte ihn damit zu einer seiner Schriften an.

Epochenübergreifendes Vorbild

Als Fabiola im Jahre 399 starb, gestaltete sich ihr Begräbnis zum Triumphzug. Alle, denen sie jemals geholfen hatte, vor allem die Armen, wollten ihr das letzte Geleit geben und damit noch einmal ihre Dankbarkeit zeigen. Mit ihrem Liebeswerk hatte diese bedeutende Frau der Welt ein überzeugendes Beispiel christlichen Geistes gegeben.

Sie fand Nachahmerinnen – etwa die Heilige Elisabeth von Thüringen im Mittelalter und Mutter Theresa von Kalkutta in unserer Zeit. Sie stehen stellvertretend für die vielen ungezählten und unbekannten, treuen Pflegerinnen und Pfleger, die ihre Lebensaufgabe in der Betreuung kranker und hilfsbedürftiger Menschen sehen.


Literatur:

- Susanne Heine: Frauen der frühen Christenheit, Göttingen 1986. bei amazon.de

- Johannes Leipoldt: Die Frau in der Antike und im Urchristentum, Leipzig 1965. bei amazon.de


Kommentare

Von Moni am .

Ein sehr Interessanter Bericht, über eine großartige Frau. Auch schon damals haben Frauen viel Geleistet und Bewegt. Danke

Von Biene am .

Dieser Bericht gefällt mir! Über Frauen, die früher Gutes und Großes geleistet haben und Vorbild sind, die neue Grenzen für sich zogen. Das spornt an!


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