Bienensterben Lesezeit: ~ 4 min

Das Bienen-Bombardement

Der Blauwal ist vom Aussterben bedroht. Bienen dagegen nerven uns eher - mit Sum-Sum-Sum und Stacheln. Warum betrifft uns ihr Sterben trotzdem?

Am 5. Juni ist es wieder soweit – dann ist Weltumwelttag. Dieser Aktionstag des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) soll unser Bewusstsein für den Umweltschutz und die Erhaltung der Natur schärfen.
Die Parolen sind bekannt: Rettet die Wale, schützt den Regenwald, Atomkraftwerke abschalten. Das sind alles wichtige Anliegen. Ihre Brisanz ist uns nicht zuletzt unter dem Eindruck aktueller Ereignisse wie dem Reaktorunfall in Japan klar geworden. Daneben erscheint das Sterben der Bienen, das seit Jahren stattfindet und sich nach einem aktuellen UNEP-Bericht zu einem weltweiten Problem entwickelt, nur ein Randthema.

Dabei soll bereits Albert Einstein gesagt haben: „Wenn die Biene von der Erde verschwindet, dann hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.“ Was macht den Bienen also zu schaffen? Bedroht ihr Sterben auch unser Überleben?

Schädlinge, Verschmutzung, Klimawandel

Der UNO-Bericht zeichnet ein düsteres Bild. Demnach gehen die Bienenpopulationen weltweit zurück. In Europa beträgt die Sterblichkeitsrate der Bienenvölker zwischen zehn und dreißig Prozent, wobei sich seit 1998 ein deutlicher Anstieg feststellen lässt. In Nordamerika gibt es durch das Bienensterben so wenige Völker wie seit 50 Jahren nicht mehr. Auch in China, Japan und im Nahen Osten sehen sich Imker mit einem unerklärlichen Bienensterben sogar bei den östlichen Bienenarten konfrontiert.

Die Wissenschaftler, die das Bienensterben untersuchen, haben einige Ursachen für die erhöhte Sterblichkeit der Völker ausgemacht. Sie führen einen bunten Mix verschiedener Faktoren ins Feld, die auch in Kombination miteinander für das Sterben der Insekten verantwortlich sein sollen: Schädlinge, Verschmutzung, Klimawandel und mangelnde Nahrungsvielfalt sind dabei nur die wichtigsten Schlagwörter. Unter der Überschrift „Bees under Bombardement“ fassen sie die Komplexität und Vielfältigkeit der schädlichen Angriffe auf das Leben der Bienen zusammen.

Trotzdem müssen auch die Wissenschaftler in ihrem Schlusswort zugeben, dass sie nicht alle Zusammenhänge kennen: „Menschliche Handlungen und deren Auswirkungen auf die Umwelt mögen für einige Arten nachträglich sein, für andere aber vorteilhaft.“ Es gebe manch subtile und wenig logisch zu begreifende Zusammenhänge.

Gott, der Elefant

Für mich ist das aus christlicher Sicht im Prinzip das Eingeständnis, dass wir Menschen nicht fähig sind, die Komplexität von Gottes Schöpfung wirklich zu umreißen. Viel mehr stochern wir mit unseren Messgeräten, Klimadiagrammen und Feldstudien durch den Nebel. Es gelingt uns nicht, das ganze Bild festzuhalten. Wir sind wie die berühmten vier Blinden, die einen Elefanten beschreiben sollen, aber immer nur ein kleines Teil von ihm ertasten. Der eine bekommt einen Fuß zu fassen und erklärt, dass es sich wie ein Turm anfühlt. Ein zweiter berührt den Rüssel, der ihm wie ein Schlauch vorkommt. Der dritte hält den Schwanz in Händen und wählt den Vergleich mit einem Seil. Der vierte schließlich fühlt den Rumpf und erklärt, vor einer Mauer zu stehen.

Doch zurück zu den Bienen. Sie sind neben Rind und Schwein das drittwichtigste Nutztier, denn sie produzieren nicht nur den Honig, sondern bestäuben vor allem die Pflanzen. „Schätzungsweise werden 70 der 100 Nutzpflanzen, die für 90 Prozent der weltweiten Nahrungsversorgung verantwortlich sind, hauptsächlich von Bienen bestäubt“, erklärte Achim Steiner, UNEP Executive Director. Ohne die Honigbiene als bedeutendster Bestäuber würde also die weltweite Landwirtschaft kollabieren.

Bestäubung just-in-time

So schlimm ist es natürlich nicht und wird es vermutlich auch in absehbarer Zeit nicht kommen. Allerdings macht sich das Bienensterben auch jetzt schon bemerkbar. Beispielsweise in den USA, in denen sich eine regelrechte Bienenindustrie entwickelt hat. Großimker fahren dort ihre Bienenvölker quer durchs Land um sie in einzelnen, festgelegten Bestäubungsphasen auf die jeweiligen Nutzpflanzen anzusetzen. Jeden Februar etwa werden Millionen Bienenvölker zur Mandelblüte nach Kalifornien transportiert. In wenigen Wochen müssen alle Bäume bestäubt werden, dann geht es zu anderen Projekten. Weil die Zahl der Bienenvölker aber abnimmt, wird es immer schwerer ausreichend Bienen für die Bestäubung zu bekommen.

Füreinander bestimmt - der Mensch und die Natur

Vielleicht mag dieses Beispiel dem einen oder anderen als effizienter Einsatz unserer von Gott gegebenen Ressourcen vorkommen. Schließlich heißt es auch in 1. Mose 1, 28: „Ich setze euch über die Fische, die Vögel und alle anderen Tiere und vertraue sie eurer Fürsorge an." Der Mensch soll demnach aber nicht nur herrschen, er soll auch für den Erhalt der Schöpfung Sorge tragen. Gott hat uns in eine symbiotische Beziehung zu unserer Welt begeben. Wir ernähren uns von ihrer Frucht und nutzen ihre Rohstoffe. Dabei sollen wir sie aber nicht zerstören, sondern bewahren.

Ein zugegeben schwieriger Auftrag, den wir im geschichtlichen Rückblick selten erfüllen konnten. So hat beispielsweise schon König Philipp II. im 16. Jahrhundert Spaniens Wälder für den Bau der Armada geopfert. Auch die Bewohner der Osterinsel rodeten Baum für Baum ihre Insel und standen am Ende vor einer ökologischen Katastrophe.

Der Auftrag: "Heal the world"

Wir sind eben nicht Gott, der Schöpfer. Wir sind nicht einmal ein guter Ersatz. Trotzdem hat uns Gott geschaffen, damit wir das Beste aus dem machen, was er uns mitgegeben hat. Wir sollen als Nachfolger Jesu mithelfen, diese Welt zu heilen. Er muss uns also zutrauen, dass wir das auch können - obwohl wir vielleicht nur einen winzigen Ausschnitt im unendlichen Schöpfungspuzzle verstehen.
Ergo ist unser Beitrag wichtig, er zählt. An diesem Weltumwelttag kann er so aussehen, dass wir uns die Bedeutung und das Schicksal der Bienen neu bewusst machen. Denn auch sie sind ein wunderbarer Teil von Gottes Schöpfung.


Kommentare

Von Jan v. W. 20.06.2011 am .

I agree with Bernd S.
Romans 8 and other Scripture passages point out that mankind has lost the ability to live in harmony with God and His creation. In addition to God's command to repent and believe the Gospel, we must use natural resources responsibly.
Although Dr. Albert Schweitzer's liberal theology was wrong, his motto 'Erfurcht fur das leben' was right. He explains that in his book 'On the edge of the primeval forest'.

Von Dorothea am .

es ist richtig und mehr als notwendig mit unserer Welt verantwortlich umzugehen, statt Raubbau zu betreiben.

Von Elke A. am .

Super, Markus, das musste mal gesagt, bzw. geschrieben werden! Danke für den guten Text, hoffentlich hilft er, dass Viele in ihren Gärten und sonstigen Flächen die Blütenvielfalt erhalten oder noch erhöhen und ein neues Insektenbewusstsein bekommen. Ich stülpe immer einen durchsichtigen Plastikbecher über die Viecher auf meiner Fensterscheibe, schiebe - vorsicht Füßchen!- eine CD (Loch zukleben!) drunter und lasse sie dann vor der Haustür in die Freiheit fliegen. Zu Nachahmung empfohlen. Rettet die Bienen!

Von Bernd S. am .

Nach Römer 8 hat der Sündenfall die ganze Schöpfung in Mitleidenschaft gezogen. Alle Kreatur hofft unbewusst auf die Erlösung der Kinder Gottes. Die Welt "heilen" können wir sicher nicht, jedoch spiegelt unser Umgang mit der Schöpfung die Neuschöpfung (Offb. 21 und 22). Leider hat man sich bis jetzt in christlichen Kreisen darauf beschränkt, auf die Partei der GRÜNEN zu schimpfen, anstatt sich ihre guten Anliegen zu Herzen zu nehmen. Meine Heimatstadt Frankfurt / Main sähe ohne die Umweltpolitik der Gründen jedenfalls anders, weniger lebenswert aus. (Trotzdem wähle ich eine andere Partei).


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