Mein Gott und die Welt

Wenn eine Ehe zerbricht...

Nach Jahren voller Streit und Nörgeleien nun die Scheidung. Rolf ist am Ende. Sein Freund Andreas leidet mit und teilt seine Gedanken per Blog.

In den letzten Jahren habe ich ihn immer mal wieder gefragt, was seine Ehe so macht. Einen wirklichen Anlass, dass was nicht stimmen könnte, hatte ich nicht dafür. Meist hat er darauf geantwortet, es sei alles in Ordnung. Und ich glaubte ihm.

Kürzlich begegnete ich Rolf* wieder und hakte auch diesmal nach: “Na, seid ihr noch zusammen?” Mit seiner Reaktion, seiner Antwort hatte ich nicht gerechnet! Er sagte: “Wir haben uns getrennt, leben in Scheidung…”

In dem Moment ist mir körperlich richtig schlecht geworden. Immerhin sind die beiden schon seit zehn Jahren verheiratet, haben zwei Kinder. Ich frage nach, es tut mir Leid. Es sei nicht mehr gut gegangen. Ständig diese Gängeleien, Nörgeleien seiner Frau. Nichts hätte er ihr recht machen können. Und eines Tages war, als er von der Arbeit nach Hause kam, die Wohnung leer. Sie war mit den Kindern ausgezogen, hatte auch viele Möbel mitgenommen.

Und nun würde ein bitterer Scheidungskrieg toben. Sie hatte sich einen Anwalt genommen, wurde zusätzlich von ihrem Chef beraten. Und wolle ihn bluten lassen…

Wie es ihm denn persönlich ginge? “Ach,” meinte er, “eigentlich ganz gut! Ich muss mir nicht mehr dieses ständige Meckern anhören, was ich alles falsch mache…”

Ich fragte ihn, woran es wohl lag, dass ihre Ehe auseinanderging. Er konnte es gar nicht genau benennen. “Es war sicher ein Fehler, überhaupt zu heiraten, aber das sehe ich erst jetzt so. Ich habe immer gedacht, das renkt sich mit der Zeit ein. Und wir sind ja auch wegen der Kinder zusammengeblieben. Allerdings: Ich habe mich in unserer Ehe nicht geändert, habe immer meinen Lebensstil weitergeführt. Auch nicht auf meine Hobbys und meinen Sport verzichtet.”

Und dann, so philosophiert er weiter, brauche es ja in der heutigen Zeit die einengenden Gesetze der Ehe nicht mehr, man könne ja auch so zusammenleben. Das mit dem Heiraten hätte sich eh überlebt.

Ich verstehe seine momentane Frustration, seine Enttäuschungen. Aber bin mit seinen Schlussfolgerungen gar nicht einverstanden, weil ich genau das Gegenteil denke. Verbindliche Partnerschaft auf Dauer angelegt, das scheint mir die Lösung für ein immer stärkeres Singledeutschland zu sein. Und es ist auch keine neue Idee, sondern sie ist so alt wie die Menschheit.

*Name geändert


Dieser Beitrag ist zuerst im persönlichen Blog von Andreas Meißner erschienen. Dort können Sie weitere Gedanken zum Thema "Mein Gott und die Welt" lesen.


Kommentare

Von Ludwig Richter am .

Hallo Ihr Lieben, hallo liebes ERF-Team!
Zuerst bin ich auch der Meinung, daß mehr Ermutigung für die Ehe gesendet werden sollte (auf allen Kanälen).
Was die Geschichte angeht, kann ich sehr gut nachfühlen, wie es sich in so einer Situation anfühlt.
Meine Frau ist z.Z. auch der Meinung, allein mit vier Kindern, besser leben zu können und das alles nur weil ich mich öffentlich zu Jesus bekannt habe. Ich sei Fanatisch. Aber Jesus ist stärker.
Wer wirklich glaubt, der gibt diese Angelegenheit mehr

Von Bernd I. am .

Wäre es nicht auch mal möglich, über Beispiele gelingender Ehen zu berichten, die auch noch nach 30, 40, 50 ....Ehejahren glücklich gelebt werden, vielleicht wie in dem Buch von Christel und Ulrich Eggers „Warum wir uns immer noch lieben“ erschienen bei Hänssler, 2006. Über ehrliche Beiträge könnten bestimmt viele Paare profitieren.

Von Friedlinde B. am .

Eine glückliche Ehe ist ein größeres Wunder als der Durchzug durchs Schilfmeer. jüdisches Sprichwort
Dieser Satz hat mir einst sehr geholfen.
Ehe zwischen zwei grundverschiedenen Menschen ist und bleibt nachwievor ein Wunder, eine gute Ehe umso mehr. Und Zerwürfnisse sind so alt wie die Menschheit. Aber es ist immer etwas ganz besonderes, wenn ein Mann und eine Frau ein Ehebündnis schließen. Das Besondere genau dieser zwei Menschen macht ja auch bei Trennung den großen Schmerz aus. -Ein mehr

Von annemarie am .

Mir kommt die Ehegeschichte sehr sehr bekannt vor, bei uns läuft es oft auch so ab. Warum nörgelt eine Frau? In der Tat, sie ist a) arbeitsmäßig wahrscheinlich überfordert und b) sie bekommt für ihren Einsatz keine Anerkennung. Es ist ja selbstverständlich, dass sich die Frau um Essen, putzen, waschen, Kindererziehung, bügeln etc. kümmert, während der Mann noch genügend Zeit hat, seinen (ihm sei's von Herzen gegönnt!) Hobbys nachzugehen. Nörgeln der Frauen ist immer ein Hilferuf. Liebe Männer, mehr

Von Scheidungserfahrener am .

“Es war sicher ein Fehler, überhaupt zu heiraten, aber das sehe ich erst jetzt so. Ich habe immer gedacht, das renkt sich mit der Zeit ein. Und wir sind ja auch wegen der Kinder zusammengeblieben. Allerdings: Ich habe mich in unserer Ehe nicht geändert, habe immer meinen Lebensstil weitergeführt. Auch nicht auf meine Hobbys und meinen Sport verzichtet.”
Hinterher ist man(n) immer klüger. Und das mit dem Lebensstil: Sorry, solange es sich hier nicht um "Aufreißer-Hobbies und Matratzensport" mehr

Von piiter am .

Es ist gut und richtig, wenn Christen nicht jedem Zeitgeist hinterherlaufen. In Bezug auf das Miteinander, auf das Zusammenleben von Mann und Frau hat sich in den letzten Jahrzehnten mehr als nur ein Zeitgeist entwickelt. Ich weiß, es ist für viele Christen schwierig, diese neuen Formen der "alten" Ehe zu akzeptieren, aber vielleicht hilft es, sich zu überlegen, daß nicht der Staat (die klassische Ehe mit Standesamt etc.), sondern Gott verbindet.

Von Silke am .

Mein herzliches Beileid
Wie tief muss mann verwundet sein, um so resigniert über den Bund des Lebens zu denken. Es ist sicherlich nicht einfach, Ihren Freund jetzt in dieser Zeit zu begleiten, denn er hat einen ganz tiefen Verlust erlitten, auch wenn vielleicht die momentane Erleichterung das vorrangig wahrgenommene Gefühl ist...Er wird wahrscheinlich jetzt mehr denn je einen guten Freund brauchen, der nicht verurteilt aber auch nicht mit ihm resigniert. Ich bin sehr glücklich verheiratet und mehr


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