Internetmission

Gehet hin in alles Web

"Internetmissionar" - das klingt komisch und fühlt sich seltsam an. Sind Menschen, die für Gott im Netz unterwegs sind, wirklich Missionare?

Mission im Internet, geht das? Und kann man es überhaupt als Mission bezeichnen, wenn man Menschen im Internet von Gott erzählt? Schließlich muss man dazu weder sein Land verlassen noch eine neue Sprache lernen. Gedanken dazu von einer Internetmissionarin, die selbst noch nicht ganz verstanden hat, in was für einem „Land“ sie da eigentlich gelandet ist.

Eigentlich habe ich Theologie studiert, um Missionarin oder Bibelschullehrerin zu werden. Deswegen frage ich mich manchmal, wie es gekommen ist, dass ich jetzt Texte für die Internetangebote von ERF Medien schreibe. Habe ich mein Berufsziel verfehlt? Oder hat Gott mich mit der Arbeit in der Onlineredaktion einfach nur in ein etwas anderes „Einsatzland“ geschickt? Auf das – wie manche meinen – Missionsfeld des 21. Jahrhunderts?

Groß genug, um diese Bezeichnung zu verdienen, ist dieses „Land“: In Europa nutzen schätzungsweise 475 Millionen1 Menschen das Internet. 500 Millionen1 haben weltweit ihr Profil bei dem sozialen Netzwerk Facebook erstellt und kommunizieren dort mit ihren Freunden. Facebook wäre damit rein statistisch gesehen das drittgrößte Land der Erde, was die „Einwohnerzahl“ betrifft. Auch jeder fünfte Deutsche1 tummelt sich dort – Christen genauso wie Nichtchristen. Tendez steigend. Angesichts dieser Tatsachen stellen sich meine Kollegen von ERF Online immer wieder die Frage, wie Menschen im Internet Jesus kennenlernen können oder in ihrem Glauben wachsen können. Seit 2008 bin ich in diesem Team mit dabei. Manchmal kommt mir der Gedanke, diese Arbeit als Mission zu bezeichnen, immer noch seltsam vor. Ist der Begriff nicht ein bisschen zu hoch gegriffen? Auf der anderen Seite merke ich, dass die Arbeit im Internet wirklich Gemeinsamkeiten mit dem hat, was ich im klassischen Sinn als Mission bezeichnen würde:

Glaube per Mausklick

Mir liegt es zum Beispiel am Herzen, Christen dabei zu helfen, die Bibel besser zu verstehen. Lehrfragen oder Bibellesen sind für mich nicht trockene Theorie oder langweilig, sondern Teil einer lebendigen Beziehung mit Gott. Deswegen gehört es für mich mit zum Schönsten meiner Arbeit, wenn Nutzer unserer Seite ERF.de geistliche Aha-Erlebnisse haben. Ein Leser schrieb zum Beispiel zu einem Artikel über den Heiligen Geist: „Danke für das wunderbare Geschenk dieses Textes. Auch für gläubigen Menschen wird das Geheimnis vom Heiligen Geist hier in verständlicher Form gut und segensreich erklärt.“ Solche Reaktionen zeigen mir, dass man nicht nur an einer Bibelschule, sondern auch im Internet Menschen dabei helfen kann, ein tieferes Verständnis für biblische Wahrheiten zu bekommen.

Mit Hilfe des Internets ist aber nicht nur Glaubenswachstum möglich, sondern auch Evangelisation. Menschen stellen im virtuellen Raum des Internets ganz offen die Fragen, über die sie sich sonst nicht zu reden trauen oder für die sie keine Ansprechpartner haben. So hat uns eine Nutzerin die Frage geschickt, ob es einen Himmel gibt und was nach dem Tod kommt. Damit es eine zentrale Anlaufstelle für solche Fragen gibt, haben wir das Internetportal mehrglauben.de gestartet, für das ich mitverantwortlich bin. Dort können Menschen ihre Fragen zum Glauben loswerden und sich über den christlichen Glauben informieren. Bei dieser Arbeit bekomme ich hautnah mit, dass Internetmission möglich ist. So schreibt ein Nutzer: „Vielen Dank für die tolle Arbeit auf dieser Internetseite. Ich habe schon viel Trost und Hoffnung erfahren. Ich denke, ich bin auf einem guten Weg, zu Gott zu finden.“

Noch ein weiterer Aspekt meiner Arbeit bei ERF Online ähnelt der Missionsarbeit: Ich komme mit Menschen in Kontakt, mit denen ich sonst wenig Berührungspunkte hätte. Anfragen von hyperkritischen Atheisten landen genauso auf meinem Schreibtisch wie die Hilferufe von Christen, die gerade eine Glaubenskrise durchmachen. Manchmal sind das herausfordernde Begegnungen, die mir meinen persönlichen Glaubenshorizont weiten. Manchmal muss ich um Verständnis und Liebe für einen Fragenden beten – und merke dann trotzdem, dass ich zu ungeduldig bin oder eine Anfrage einfach nur als lästig empfinde. Das alles könnte mir auch passieren, wenn ich als Missionarin in einer fremden Kultur arbeiten würde.

Genau wie jede andere Missionsarbeit hat auch die Internetmission ihre besonderen Tücken und Schwierigkeiten. So wie sich jeder Missionar auf die Gepflogenheiten seines Gastlandes einstellen muss, müssen wir uns auf das Verhalten der User im Netz einstellen. Konkret bedeutet das zum Beispiel, dass das Internet ein sehr anonymes Missionsfeld ist. Die Menschen stellen zwar offen ihre Fragen, springen manchmal aber auch genauso schnell wieder ab, ohne dass wir immer wissen warum: Wird es ihnen zu heiß? Verlieren sie das Interesse? Hat ihnen die Antwort nicht gefallen? Immer wieder passiert es, dass Kontakte abbrechen, die am Anfang viel versprechend waren. Die Frau, die uns gefragt hatte, was nach dem Tod kommt und ob es einen Himmel gibt, hat sich nicht mehr bei uns gemeldet, nachdem sie die Antwort erhalten hat. Ob wir ihr helfen konnten?

Das zweite Problem ist, dass ich oft nur sehr wenig über den Menschen weiß, mit dem ich in Kontakt komme. Ich habe eine Email mit ein paar Zeilen, sehe den Menschen aber nicht vor mir, kann keine direkten Rückfragen stellen, seine Mimik und Gestik ist mir verborgen. Das macht es manchmal schwer zu antworten und die Situation richtig einzuschätzen. Auch der Schritt vom heimischen PC in eine Gemeinde vor Ort fällt vielen Menschen schwer. Wir bemühen uns hier, Kontakte zu vermitteln, sind dabei aber auf die Mithilfe und Offenheit der Gemeinden vor Ort angewiesen. Hier bräuchte es offline Menschen, die da weitermachen, wo die Person online zum Glauben gefunden hat oder zumindest neugierig geworden ist.

Gott ist im Internet unterwegs

Diese persönlichen Erfahrungen alleine würden mir allerdings nicht davon überzeugen, dass Mission im Internet möglich ist und dazu gehört, wenn man den Missionsbefehl im 21. Jahrhundert umsetzen möchte. Es ist vielmehr die Vision und die innere Einstellung von den Mitarbeitern bei ERF Online, die mir immer wieder neu bewusst macht, dass diese Arbeit zu Recht als Missionsarbeit bezeichnet wird. Sie glauben, dass das Internet eine riesige Chance bietet, um kirchenfernen Menschen den Glauben direkt ins Wohnzimmer oder in ihr Büro zu bringen. Und was noch viel wichtiger ist: Sie glauben, dass Gott selbst keine Scheu davor hat, Menschen mithilfe der neuen Medien zu erreichen.

Ein Vergleich zwischen der Bedeutung des Internets und der Erfindung der Buchdruckerpresse macht das deutlich. Für uns ist es selbstverständlich, dass Bücher in großen Mengen gedruckt werden können. Für die Menschen im 15. Jahrhundert war das eine Medienrevolution. Weil Menschen wie Luther überzeugt von ihrer Sache waren, stand der Glaube auf einmal im Zentrum dieser Umwälzung. Die Bibel fand ihren Weg in die Häuser und Wohnzimmer der Menschen, während sie zuvor nur der Kirche und den Gelehrten zugänglich war. Gott hat den Buchdruck genutzt, um sein Reich zu bauen, und ich denke, er will das auch durch das Internet tun.

Ich bin also doch in der Mission gelandet, in der Internetmission. Und das, obwohl ich das Internet privat nur nutze, um meinen Freunden zu mailen oder mir ab und zu ein Buch zu bestellen. Sozialen Netzwerken wie Facebook verweigere ich mich standhaft und abends bin ich froh, wenn ich den PC ausschalten kann. Aber auch das passt ja irgendwie zum Thema Mission: Wie oft hat Gott Menschen an Orte gesteckt, wo sie nicht hin wollten – und wo sie doch glücklich geworden sind.

1Quellen: Statistik Facebook; Internet 2010 in Numbers; Facebooknutzer in Deutschland


Wenn Sie mehr über die Arbeit von ERF Online wissen wollen: www.erf.de/online
Wenn Sie wissen möchten, wie Sie persönlich beim Thema Internetmission mitmachen können: www.erf.de/mitarbeiten


Kommentare

Von WBÖ am .

Liebe Hanna,
für Deine, bzw. Eure tolle Arbeit im Internet möchte ich Euch ganz ausdrücklich Mut machen.
Gottes Wort bewegt immer etwas und kommt nicht leer zurück!
Unsere Aufgabe ist es reichlich, unerschrocken und fröhlich auszuteilen, auf welcher Kommunikationsschiene auch immer.
Was der Empfänger damit macht liegt dann nicht mehr in unserer Verantwortung. Diese können wir getrost dem heiligen Geist überlassen.
Ich glaube, dass Du Dich eines Tages wundern und freuen wirst, wenn wildfremde mehr


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