Bedrohung der koptischen Gemeinden in Deutschland

Auf einmal ist der Terror da

Mit den Kopten ist zum ersten Mal eine Kirche in Deutschland in Gefahr. Was bedeutet das für andere Christen im Land? Ein Kommentar.

Der islamische Terror ist bei uns angekommen. Was war das bisher schon, was wir hier in Deutschland erlebt haben? Ein verhinderter Anschlag, ein gefährliches Paket auf der Durchreise. So richtig hat es bislang die anderen getroffen. Die anderen Länder, die anderen Christen.

Hintergrund: Bei einem Anschlag vor der koptischen St.-Markus-und-Petri-Kirche in Alexandria (Ägypten) sterben in der Neujahrsnacht 21 Menschen, etwa 100 Personen werden verletzt.

In Deutschland gibt es zurzeit zwei koptische Klöster und mehr als zehn koptische Gemeinden. Etwa 6000 Menschen gehören der orthodoxen Kirche an. (Quelle:kopten.de/kirche)

Die St.Markus Koptische Kirche in Frankfurt/Main lädt am 08.01.2011 zu einem ökumenischen Gebet für die Opfer der Anschläge ein.

Jetzt nicht mehr. Das Bombenattentat vor der koptischen Kirche ist zwar in Ägypten passiert, aber Islamisten drohen der christlichen Konfession auch in anderen Ländern mit Anschlägen. Auf einmal stehen Kirchen in Deutschland unter Polizeischutz und koptische Christen sagen aus Angst ihre Weihnachtsfeiern ab.

Was machen die anderen Konfessionen in dieser Situation? Gehen wir darüber hinweg und sind froh, dass es uns Evangelikale, Protestanten, Freikirchler, Charismatiker und Katholiken dieses Mal noch nicht getroffen hat? Geht uns das Schicksal dieser uns zumeist recht fremden christlichen Konfession etwas an?

Kennen wir uns eigentlich?

Der Anschlag und die Drohungen auch für Deutschland lassen mich drei Dinge bedenken. Zum einen werden Christen aus verschiedenen Konfessionen und Denominationen in Zukunft näher zusammen rücken müssen. Trotz mancher Unterschiede sind wir Brüder und Schwestern, bekennen alle Jesus Christus als unseren Herrn. Das bedeutet auch, dass wir uns gegenseitig besser kennenlernen müssen. Was wusste ich vor dem Anschlag schon Genaues über die koptische Kirche? Nur, dass sie in Ägypten beheimatet ist, dass sie eher zu den orthodoxen Kirchen gehört und manche Dinge lehrmäßig anders sieht, als ich es aus evangelikaler Sicht tue. Das ist nicht viel. Bin ich bereit, über meinen Tellerrand zu schauen und diese Christen wahrzunehmen und zu verstehen, was ihren Glauben prägt, wo Gemeinsamkeiten und Unterschiede sind? Wenn ja, dann schließt sich die Frage an, wie ich ihnen helfen kann: Durch Gebet, eine Ermutigungsmail, eine Teilnahme an einem ihrer Gottesdienste.

Das Zweite, was für mich in den Blick rückt, ist die Jahreslosung 2011: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ (Römer 12,21). Bis jetzt habe ich diesen Vers eher im Zusammenhang mit meinem privaten Umfeld betrachtet. Also, wie reagiere ich, wenn mich jemand ärgert oder ich sein Verhalten mir gegenüber als unverschämt empfinde. Das gehört sicherlich dazu, wenn es darum geht, das Böse zu überwinden. Interessanterweise geht es in den Versen vorher aber um Feindesliebe, um Rache und um Vergeltung. Da bekommt die Aussage von Paulus noch einmal eine ganz andere Tragweite. Richtig Feinde hatte ich bislang nicht. Hatten wir auch als Christen in Deutschland nicht, selbst wenn es in letzter Zeit zum Beispiel Auseinandersetzungen um evangelikale Veranstaltungen gegeben hat. Und auf einmal erleben Glaubensgeschwister in unserer Nähe, wie es ist, wegen seines Glaubens gehasst und bedroht zu werden. Wenn man da nicht von Feinden sprechen kann. In der direkten Auseinandersetzung mit solchen Kräften stehen wir in der Mehrheit noch nicht. Aber eine solche Situation könnte auch auf uns zu kommen – egal ob von islamischen Terroristen oder von Menschen, die uns wegen unseres Glaubens unseren Verstand absprechen wollen. Wie gehen wir dann damit um? Sind wir darauf vorbereitet, feindseliges Verhalten mit Liebe zu überwinden?

Angst und Zynismus oder Vertrauen und Mut?

Der dritte Punkt ergibt sich ebenfalls aus der Jahreslosung. Das Böse mit Gutem zu überwinden, bedeutet auch, sich vom Bösen nicht kleinkriegen zu lassen. Es geht nicht nur darum, nicht zurückzuschlagen. Es geht auch darum, die Angst, den Zorn, den Zynismus, die Hoffnungslosigkeit zu überwinden, die das Böse in mir verursacht. Denn wo mich die Angst handlungsunfähig oder der Zynismus zum kalten Spötter macht, hat mich das Böse genauso besiegt, wie wenn ich mich aktiv gerächt hätte. Das Böse zu überwinden, bedeutet in diesem Sinne auch, mutig zu sein, Gott zu vertrauen und trotz allem meinen Glauben zu leben.

Noch geht mir persönlich das alles leicht über die Lippen. Noch sind es die anderen Christen, die das für sich in ihrer Situation durchbuchstabieren müssen. Aber sie sind mir näher gekommen. Nicht nur räumlich, sondern auch als Geschwister. Und ich bekomme zumindest eine Ahnung davon, wie ich reagieren möchte, wenn ich selbst einmal betroffen sein werde.


Weitere Beiträge zum Thema auf ERF Radio:

Die Kopten - eine Kirche aus der Urgemeinde. Geschichte der Christen in Ägypten.

Anschlag von Alexandria ist keine Einzeltat. Internationaler Protest ist wichtig.

Nach Bombenanschlag in Alexandria. Christen in Ägypten schon länger bedrängt.

Unser Herz blutet. Der koptische Bischof in Deutschland zum Anschlag in Alexandria.

Erstmals unter Polizeischutz. Kopten in Deutschland wollen ruhiges Weihnachtsfest feiern.


Kommentare

Von Monika Müller am .

Wir können beten und zusammenrücken aber wir können auch protestieren und uns mit unseren Mitchristen solidarisch erklären.Am Samstag 15.1. in Stuttgart Trauermarsch wegen der Ermordung der 21 koptischen Christen in Alexandria
Versammlungsort: Kronprinzplatz am 13.00 Uhr
Umzug zum Rathaus ca. 13.45 Uhr
(Trauerreden)
Umzug zum Schloßplatz ca. 16.00 Uhr
(Trauerreden)
Veranstalter Koptische Gemeinde und BPE
Ich bin dabei

Von Gottfried Sauer am .

Herr Dr. H.J.Bräumer erwähnte in seinem Buch:Orte im Leben Jesu von Bethlehem nach Kapernaum, Bemerkung aus dem Gedächtnis geschrieben.: Der Papst Schenute III hatte als Mönch vor Jahren eine Vision,die zu einer breiten Bewegung in Ägypten wurde- das einfache Erzählen der biblischen Geschichten den Kindern. Auch nun als Papst sind Schulungen von ihm zum Thema: Wie erzähle ich biblische Geschichten den Kindern. - Könnte dies bei fanat. Moslems wohl zur Ablehnung geführt haben?

Von Roawitha Mohr am .

Danke für den Beitrag, auch ich möchte mich solidarisch mit den koptischen Glaubensgeschwistern machen, für sie beten und auch die Jahreslosung als Basis für und Christen sehen, wir wissen alle nicht, wie schnell wir Gegenwins bekommen, gemeinsam stark sein und als Ermutigung Johannes10,27-28 vertrauen.

Von Ludwig Richter am .

sehr geehrte Frau Willhelm,
auch ich habe Ihren Kommentar mit sehr viel Interesse gelesen.
Der Aufruf zum Zusammenrücken und die Jahreslosung leben! das ist auch das, was mir im Herzen liegt. Denn wir (alle Christen) sind der Leib Christi und ein Leib kann nur als Gesamtheit richtig funktionieren.
Und so möchte ich alle Christen ermutigen. Rückt zusammen, bekennt Euch zu Jesus auch in schwierigen Zeiten und bleibt fest im Glauben. Ihr werdet dafür gesegnet. Zieht die Waffenrüstung des Glaubens mehr

Von LISA am .

Sehr geehrte Autorin, wenn Ihnen die anderen Christen JETZT ERST nicht nur räumlich näher gekommen sind sondern auch als Geschwister....dann wird´s aber höchste Eisenbahn! Ich sag´nur: www.opendoors-de.org!!! Zu tun und zu beten gibt´s genug-angeraten zur Überwindung des Bösen.

Von maite am .

vielen dank für diesen aktuellen beitrag. der satz "und ich bekomme eine ahnung davon, wie ich reagieren möchte, wenn ich selbst einmal betroffen sein werde", ist bei mir besonders hängen geblieben. auch ich denke durch diese geschehnisse darüber nach, wie es sein wird, wenn sich in deutschland die schon vorhandenen zeichen der zeit verstärken. schon heute ist es in einigen beruflichen umfeldern schwierig bis unmöglich, vom eigenen glauben zu reden. so haben sich viele große unternehmen, mehr

Von Joachim Knoll am .

In unserer Zeitung wurde zwar geschrieben (sinngemäß), dass der Bischof der koptischen Kirche in Deutschland übertreibt. Aber es stimmt: Wir werden als Christen enger zusammenrücken müssen. Auch in unserem 'sicheren' Land.

Von Albert Stecker am .

Sehr geehrte Frau Wilhelm,
Ihren Kommentar habe ich mit großem Interesse gelesen, und - aus meiner bescheidenen Sicht - finde ich ihn neben der Tages-
aktualität als erfreulichen Aufruf,
dass wir Christen mehr zusammen-
rücken müssen. Die Ökumene muß
gestärkt werden, denn die Unter-
schiede sind Marginalien, und sie sind in der Hauptsache nur als
menschliche Geltungssucht und
Erhaltung von Pfründen anzusehen.Die Hauptsache ist ge-
geben: "Jesus muß im Mittepunkt stehen!! "Je mehr Menschen an mehr


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