Weihnachten in anderen Kulturen Lesezeit: ~ 7 min

Weihnachten mit Erdbeereis und Badehose

Andere Länder, andere Sitten – doch ein und dasselbe Fest. Wie Menschen in anderen Kulturen Weihnachten feiern und welchen Stellenwert das Fest dort hat.

Bereits vier Wochen vor Weihnachten beginnen in Deutschland die Vorbereitungen auf das Fest des Jahres. Man bringt die Wohnung auf Vordermann und dekoriert mit Lichterkette, Kerzen und Weihnachtsstern. Der Nikolaustag gehört fest zur Adventszeit, ebenso wie der Adventskranz. An Heilig Abend finden sich die meisten Menschen in einem schön dekorierten Gemeinde- oder Kirchensaal zusammen, wo der Pfarrer ein besinnliches „Stille Nacht“ anstimmt. Es folgen die Bescherung und ein vorzügliches Essen in trauter Runde. So – oder so ähnlich- läuft ein typisches Weihnachtsfest in Deutschland ab. Vom vorweihnachtlichen Stress und den anstrengenden Verwandten einmal abgesehen.

Ganz anders sieht es aus, wenn man über seinen eigenen Tellerrand in andere Kulturkreise schaut. Wie feiern die Menschen in Chile, Australien, Russland oder Japan Weihnachten? Was für Bräuche gibt es dort und welche Rolle spielt die Weihnachtsbotschaft?

Eine Frage des Kalenders

Die Unterschiede zum deutschen Fest beginnen schon beim Datum. In Ägypten gehören die meisten Christen der koptisch-orthodoxen Kirche an. Sie feiern Weihnachten nach dem Gregorianischen Kalender am 7. Dezember. Dieser Tag ist ein staatlich vorgeschriebener Feiertag im Land. Die evangelischen und katholischen Gemeinden müssen an Weihnachten leider arbeiten: der 24. Dezember ist ein normaler Werktag.

In Russland feiern die meisten Menschen Weihnachten ebenfalls am 7. Dezember. „Unsere Gemeinde feiert wie im Westen am 24. Dezember. Damit sind wir eine Ausnahme.“, berichtet Matthias Zierold. Er ist Pfarrer in einer evangelisch-lutherischen Kirche in St. Petersburg. Das Fest spielt insgesamt in der Gesellschaft eine untergeordnete Rolle. So erklärt Zierold: „Im Sozialismus wurde Weihnachten vom Neujahrsfest bewusst überlagert und das ist noch bis heute so.“ Für Christen liegt daher der Schwerpunkt auf Ostern. Es ist das christliche Fest, das besonders gefeiert wird.

Weihnachten – ein Fest für Verliebte?

Dass Silvester eine größere Rolle als Weihnachten spielt, daran mussten sich auch Andrea und Martin Heißwolf gewöhnen. Das Ehepaar mit ihren drei Kindern und einem Pflegesohn kommen ursprünglich aus Stuttgart. Sie sind mit der Deutschen Missionsgemeinschaft (DMG) in Yokohama (Japan) tätig. Dort wird Weihnachten zwar auch unter Nichtchristen gefeiert. Allerdings - wie vielerorts - nicht mit der ursprünglichen Bedeutung. Es gilt als Fest der Romantik für Verliebte, bei dem der Mistelzweig nicht fehlen darf. Paare treffen sich zum Date oder gehen auf Partys. Typisch ist außerdem die Weihnachtstorte, die Geburtstagstorte für das Christkind. Sie besteht traditionell aus Erdbeeren und Sahne.

Die Weihnachtsgeschichte ist vielen Japanern unbekannt. So wurde das Ehepaar auch schon gefragt, was denn zuerst komme: Weihnachten oder Karfreitag. Was für deutsche Ohren seltsam klingt, wird im Licht des Buddhismus klarer: „Viele glauben hier an die buddhistische Wiedergeburt und denken dann, dass der an Karfreitag ermordete Jesus an Weihnachten inkarnierte.“

Doch die Weihnachtsstimmung währt nicht lange: „Was uns am meisten geschockt hat ist, dass nach dem 25. Dezember aller Weihnachtsschmuck weggepackt wird, weil man sich auf das Neujahr – das buddhistische Weihnachten – vorbereitet.“, erklären Andrea und Martin Heißwolf. Erst dieses Fest wird im Kreis der Familie mit Geschenken gefeiert.

Weihnachten in Badehose

Etwas anders als in Deutschland wird auch in Australien gefeiert. „Es kann an Heilig Abend an die 40C° heiß sein. Dann biegen sich die Wachskerzen und es herrscht Brandgefahr.“, erklärt Wilhem Stein, Pfarrer der evangelisch-lutherischen Johannesgemeinde in Springvale (Melbourne). Bei diesen Temperaturen hat kaum jemand Lust, Weihnachten im Haus zu verbringen. „Ein Kollege trug oft eine Badehose unter dem Talar“, erzählt Stein. Kein Wunder, denn der Strand lockt.

Das Weihnachtsfest nach dem Gottesdienst erinnert an Deutschland, jedoch weniger an Weihnachten: Ein Grillfest im Garten bei sommerlichen Temperaturen und einem kühlen Bier. Das ist in Australien nicht ungewöhnlich. Oft wird das Familientreffen, bei dem gut 30-40 Verwandte zusammenkommen, in den Garten verlegt. Mittelpunkt ist dabei der „Roast“, der Braten. Zum Schluss des Festessens gibt es den traditionelle „Christmaspudding“. „In ihn wird ein Drei-Pennystück eingebacken. Wer es findet bekommt einen Preis.“, erzählt Stein. „In der Familie einer Bekannten musste der Finder ein Lied vortragen. Kein Wunder, dass oft kein Geldstück gefunden wurde. Der oder die Finderin war wohl schüchtern und hat es stattdessen verschluckt.“ Zudem greift eine neue Mode um sich: Der Garten wird weihnachtlich geschmückt. Jedoch nicht mit Schneemann oder Santa Claus, sondern mit Gartenzwergen, die die Weihnachtsgeschichte darstellen.

Mapuchenindianer feiern Weihnachten

Auch in Chile ist es zur Weihnachtszeit mollig warm. „Weihnachten in Badehose und mit Kirschen und Erdbeereis, das ist schon ungewohnt für Europäer“, stellen Hartmut und Gabi Beyer fest. Das Ehepaar, ebenfalls von der Deutschen Missionsgemeinschaft ausgesandt, ist in Chile an einer Bibelschule tätig. Hier feiern fast alle Menschen Weihnachten, sogar die Mapuchenindianer, die eigentlich Animisten sind. Allerdings nicht so traditionell wie in Deutschland. Es gibt keinen Adventskranz oder Adventskalender. Anstelle des in Deutschland beliebten Glühweins tritt in Chile der eisgekühlte "Cola de Mono". Das Getränk besteht aus Kaffee, Schnaps, Milch, Zimt, Vanille und viel Zucker und wird besonders gerne zur Weihnachtzeit getrunken.

Die Feier an Heilig Abend ist bei den Chilenen eher amerikanisch geprägt. Trotz Hitze gibt es dick eingepackte Weihnachtsmänner und man hört „Leise rieselt der Schnee“ in den Kaufhäusern. „Geschenke kurbeln den Kommerz an. Zur Besinnung und Ruhe kommt man kaum.“, berichtet das Ehepaar Beyer. „Nur für ernsthafte Christen hat Weihnachten noch einen hohen Stellenwert.“ In der Gesellschaft ist das Fest ebenso säkularisiert wie in Europa. Die Bescherung findet erst um Mitternacht statt, sodass sich die Weihnachtsfeier bis tief in die Nacht zieht.

Weihnachtstraditionen in Italien

Um andere Weihnachtstraditionen kennenzulernen, muss man gar nicht weit reisen. Schon in Italien finden sich ungewohnte Bräuche wieder. Dort ist es Tradition, dass am 8. Dezember die Weihnachtsbeleuchtung angeschaltet wird. Man geht davon aus, dass Maria Empfängnis an diesem Tag stattgefunden hat. Deshalb ist der 8. Dezember in Italien ein Feiertag. An diesem Tag wird der Weihnachtsbaum geschmückt und die Geschenke darunter gelegt. Außerdem stellen die Italiener Capeletti selbst her. Diese kleinen Tortellini gehören zum traditionellen Weihnachtsessen.

„Nikolaus oder Advent kennen die Italiener nicht“, erklärt Rebecco Kröckertskothen. Seit 2007 ist sie dort zusammen mit ihrem Mann Thomas in der Gemeindegründung tätig. Sie verschenkten zu Beginn ihres Dienstes einen Adventskalender und fanden ihn kurze Zeit später leer bei ihren Freunden wieder. Die Reaktion der Freunde: „‘Wir wollten doch an die Schokolade kommen‘ war ihr Kommentar! Da wird einem bewusst, wie selbstverständlich man Dinge nimmt, wenn man sie schon immer macht“ stellt Rebecca Kröckertskothen fest.

An Heilig Abend besuchen die meisten Italiener die Messe. Viele lassen zudem noch das Jesuskind aus ihrer Krippe segnen, wodurch sie sich Gottes Segen erhoffen. „Leider werden die Menschen im Dunkeln gelassen und erfahren nicht, dass dieses Jesuskind nun der auferstandene Herr ist, durch den wir gerettet werden können.“, erzählt das Paar.

Weihnachten ohne Trubel –geht das?

Um Weihnachten in wirklicher Ruhe feiern zu können, muss man schon etwas reisen, z.B. nach Biem. Diese kleine Insel, die zu Papua Neuguinea gehört, ist nicht einmal auf Google Maps zu finden. Hier lebt Familie Depner, von New Tribes Mission ausgesandt. „Weihnachten ist auf Biem ein richtiges Dorffest. Jeder bringt Essen mit und dann wird getrennt gegessen. Die Männer singen alte Lieder und schlagen ihre Trommeln. Es gibt keinen Weihnachtsbaum und auch keine Geschenke.“ erzählt Thomas Depner. Biem ist einer der wenigen Flecke der Erde, an denen die westliche Kultur noch nicht so sehr ihre Spuren hinterlassen hat.

Auch Familie Steiner gehört zu den wenigen Menschen, die Weihnachten noch wirklich ruhig erleben können. Sie sind mit der Deutschen Missionsgemeinschaft in Malawi (Südostafrika), um die Bibel in der Sprache der Yao zu übersetzen. Kommerzieller Trubel oder Vorweihnachtsstress kennt man hier nicht. Weihnachten feiert man hier simple aber lebhaft: „Manche Gemeinden treffen sich am Heilig Abend und feiern die Nacht durch mit Singen, Anspielen und Andachten. Am Weihnachtsmorgen etwas Frühstück und dann noch Gottesdienst. Halt fröhlich afrikanisch.“, erzählt Familie Steiner.

Herausforderungen für Christen

Nicht in allen Ländern feiern Christen Weihnachten ganz unbeschwert. So berichtet Pfarrerin Andrea Busse von Übergriffen in Ägypten an Weihnachten 2009. „Es kam zu Übergriffen von Muslimen auf Christen im Rahmen ihres Weihnachtsgottesdienstes - dabei wurden Menschen getötet.“ Dabei ist das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen in Ägypten eigentlich sehr gut. Man wünscht sich gegenseitig ein frohes Fest zu den jeweiligen Feiertagen. „Manche muslimischen Familien stellen sogar einen Weihnachtsbaum auf und legen Geschenke darunter. Vermutlich würden diese Familien davon sprechen, dass sie Weihnachten feiern, aber keiner feiert natürlich die Geburt Jesu als Sohn Gottes.“, so Busse. Dennoch sind Übergriffe nicht auszuschließen, was die Geschehnisse des letzten Jahres zeigen. Andrea Busse wünscht sich deshalb besonders für dieses Jahr, dass Weihnachten ein friedliches Fest wird.

Weihnachten – die Chance für Evangelisation

Kommerzieller Trubel überschattet Weihnachten in vielen Ländern. Dennoch bietet das Fest auch Chancen, das Evangelium weiterzusagen. So berichtet Pfarrer Stein (Spingvale) davon, dass die Gemeinde manchmal bis zu 120 Stühle zusätzlich nach draußen stellen, die Türen aufsperren und Lautsprecher aufbauen mussten. So viele Menschen kamen zum Gottesdienst.

Das Fest bietet einen tollen Anknüpfungspunkt, um über den wahren Sinn der Weihnachtsbotschaft ins Gespräch zu kommen. Aus diesem Grund veranstalten viele Christen in unterschiedlichen Ländern speziell evangelistische Weihnachtsfeiern, z.B. in Japan. „Gemeinden machen gerne Weihnachtspartys, zu denen viele Nichtchristen eingeladen werden. Die Weihnachtszeit ist unsere Hauptsaison. Da sind die Japaner am offensten für das Evangelium“, erzählt Familie Heißwolf aus Japan.

So unterschiedlich die Menschen Weihnachten in anderen Kulturen feiern, hat das Fest doch überall ähnliche Züge: es gilt als kulturelles Fest, dessen eigentliche Botschaft nur noch wenige kennen. Dennoch bietet Weihnachten – gerade weil es vielerorts gefeiert wird- einen guten Anknüpfungspunkt, um mit Menschen über die wahre Bedeutung von Jesu Geburt zu sprechen.
 


Kommentare

Von Konrad Bollmann am .

Weihnachten!
Ich finde, es kommt nicht auf das Datum an, wann wirklich JESUS geboren wurde. Hauptsache, dass SEIN Geburtstag wirklich gefeiert wird!
JESUS hat uns mit SEINEM vollkommenen Opfer erlöst! SEIN Name steht über alle Namen, die sonst genannt werden mögen. Der
Engel sprach zu Maria: "Und Du sollst SEINEN Namen JESUS nennen!", was soviel bedeutet wie "GOTT mit uns!" Die Tür zum Paradies steht wieder offen. GOTT sucht den Kontakt mit uns!
GOTT, der Ewige, ist ohne Anfang u. ohne Ende u. in JESUS für uns Mensch geworden.
Darum soll SEIN Geburtstag auch in aller Welt gefeiert werden!

Von D.N. am .

Ich zitiere: >>> ...dabei wurden Menschen getötet.' Dabei ist das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen in Ägypten eigentlich sehr gut.<<<
Habe ich hier etwas falsch verstanden? Hier werden Leute getötet, aber das Verhältnis ist SEHR gut??? Ich glaube, hier ist die weihnachtliche Stimmung etwas zu sehr auf die Recherche geschlagen und hat dazu geführt, dass bekannte Fakten unterschlagen oder ignoriert werden. Nämlich, dass die Kopten (es mag bei westlichen, eingereisten Christen etwas mehr

Von Jockel am .

An Heilig Abend besuchen die meisten Italiener die Messe. Viele lassen zudem noch das Jesuskind aus ihrer Grippe segnen, wodurch sie sich Gottes Segen erhoffen. „Leider werden die Menschen im Dunkeln gelassen und erfahren nicht, dass dieses Jesuskind nun der auferstandene Herr ist, durch den wir gerettet werden können.“, erzählt das Paar.
Das war doch schon zur Zeit von Christi Geburt so. Einen anderen Herrscher, als den Kaiser in Rom oder den König Herodes anzubeten, war gefährlich.
Heute so anders?


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