Rezension zum Jahr der Stille Lesezeit: ~ 2 min

Tu nichts und ändere dein Leben!

Laut Ratgeberliteratur müssen wir aktiv werden, wenn wir uns verändern wollen. Autor Stephen Cottrell schlägt einen anderen Weg vor.

Was würden Sie tun, wenn Sie abends unerwartet zwei Stunden zur freien Verfügung hätten, weil ein Besuch kurzfristig abgesagt hat? Den Rechner hochfahren und die Mails bearbeiten, bei denen eine Antwort schon lange fällig ist? Die übrig gebliebene Zeit genießen? Die Garage aufräumen?

Wenn der Gang zum PC oder in die Garage Ihre Wahl gewesen wäre (man darf ja schließlich keine Zeit verplempern!), dann ist das Buch „Tu nichts und ändere dein Leben“ von Stephen Cottrell vielleicht das richtige für Sie.

Ein paar Stunden nichts tun

Der anglikanische Bischof plädiert darin dafür, sich vom Leistungsdruck unseres modernen Lebens zu verabschieden. Warum? Lesen Sie selbst:

„… die zentrale Botschaft dieses Buches ist es ja, dass Innehalten und ein paar Stunden nichts tun eine gute Sache sind. Und dass Sie sich, wenn Sie das tun, in Ihrer Beziehung zu anderen Menschen und zur Welt ganz langsam wiederentdecken. Sie sehen Ihren eigenen Wert, finden Ihr Zentrum aber woanders. Das verlangt schon einen gewissen Willensakt: nicht nur innezuhalten, sondern sich auch davon zu überzeugen, dass man selbst nicht das Zentrum der Welt ist.“

Wenn es ums Innehalten selbst geht, ist das Buch eher theorielastig. Cottrell beschreibt über mehrere Kapitel, wie wichtig eine Gottesbeziehung und der Fokus auf die Ewigkeit ist, wenn man nicht nur getrieben, sondern mit wachem Geist und gelassen die Gegenwart erleben möchte. Hinter dieser Ausführlichkeit steckt vermutlich ein evangelistisches Motiv: Vielleicht sind ein kirchendistanzierter Bürofachangestellter oder eine gestresste Managerin, die gerne auch mal Yoga macht, die eigentliche Zielgruppe des Buches. Sie werden mitgenommen auf eine gedankliche Reise über spirituelle Themen. Das Reisetempo ist flott und die Darstellung der Sachverhalte manchmal theologisch ein bisschen schwammig. Typisch postmodern?

Warten als Belohnung

In den letzten Kapiteln kommen dann wieder mehr praktische Tipps ins Spiel, wie man sein Leben entschleunigen kann. Und wie könnte ein Engländer das besser beschreiben als anhand einer Tasse Tee:

„Wenn Sie sich einen Tee machen, dann tun Sie sich nicht einfach einen Teebeutel in die Tasse. Kaufen Sie losen Tee. Wärmen Sie die Kanne vor. Geben Sie den Tee löffelweise hinein und lassen Sie ihn ziehen. Beobachten Sie die kleinen Rituale, die früher gang und gäbe waren, und belohnen Sie sich damit, einmal zwei oder drei Minuten zu warten.“

Mein Fazit: Ich habe mir von „Tu nichts und ändere dein Leben!“ mehr erhofft. Für bodenständige und praktisch veranlagte Typen eher nichts. Für solche, die gerne mit Muße auch mal philosophisch-intellektuellen Gedankengängen nachhängen vielleicht ein kleines Schmankerl.


Bild: AUSSAAT Verlag

Tu nichts und ändere dein Leben!
Der Abschied vom Leistungsdruck
Stephen Cottrell
AUSSAAT Verlag
ISBN 3761557639
104 S.
8,90 EUR

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Kommentare

Von Micha am .

@Bernd Ich gebe Dir nur teilweise Recht. Die Bibel ist das wichtigste Buch, doch darin finde ich nicht alle Lösungen für das tägl. Leben. Warum soll ich nicht auch mal ein anderes gutes Buch lesen?

Von Katharina S. Schäfer am .

Schade für die schlechte Bewertung! Ich kann nur schwärmen für dieses Buch! Ganz im Stil von Paul Tournier z. B. und innovativ, bzw. Altes neu bewusst gemacht. Wir leben so ein Tempo, dass wir garnicht mehr merken, dass es auch anders geht! Endlich mal kein Zeitmanagement und "press das Beste aus dir raus"-Buch. Ja, eher ein besinnliches Buch, das auch noch geistliche Wahrheiten so verpackt, dass man sie auch einem Manager vorlegen kann. Und die 10 Warteminuten am Bahnhof geben endlich Muße zum Vögel, Menschen und Wolken beobachten. Bitte mehr!

Von Gudrun am .

Den Titel finde ich gut gewählt; er sagt eigentlich alles aus. Wozu sollte ich das Buch noch lesen? Ich bin ohnehin ein kontemplativer Typ. Dass dieser Bischof diesen Rat Gestressten gibt, warum nicht? Nichtstun ist keine Zeitvergeudung, da liegen Schätze drin (nicht zuletzt gesundheitliche), wenn man es willentlich und gerne tut.

Von Bernd Schneider am .

Noch ein überflüssiges Ratgeberbuch mehr. Wie wäre es zur Abwechslung einmal wieder mit dem Lesen der Bibel?


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