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Christen sind irrational

So lautet zumindest ein gern bemühter Vorwurf. Dabei bietet die WM ihren ganz eigenen Anschauungsunterricht in Sachen Mensch und Rationalität.

Die ganze Welt schaut nach Südafrika. Sogar Fußball-Muffel fiebern plötzlich mit, schreien sich bei den Spielen die Seele aus dem Leib und schwingen die Fahne. Und nicht wenige Fans fangen plötzlich an, komische Dinge zu tun: Da dürfen nur die gleichen Chips wie beim letzten Sieg gegessen werden. Auch das verschwitzte Sieger-T-Shirt muss noch mal herhalten. Schließlich verhilft das der Mannschaft angeblich zum Sieg. Aber nicht nur bei Fans, sondern auch bei einigen Spielern und Trainern gehört der Aberglaube bei der WM dazu.

Zu viele Löwen auf dem Spielfeld
Fußball und Aberglaube sind ganz enge Verwandte. Denn bevor das Runde in das Eckige kann, muss natürlich erst einmal das glücksbringende Ritual her. Fangen wir an mit Frankreichs Trainer Raymond Domenech. Der stellt seine Mannschaft nach Sternzeichen auf. Einige Skorpion-Spieler durften z.B. erst gar nicht zur WM mit, weil sie das falsche Sternzeichen haben. Es dürfen auch niemals zu viele Löwe-Spieler auf dem Platz stehen. Vielleicht waren nach Domenechs Theorie mit den 11 Mal „Three Lions“, also insgesamt 33 Löwen, einfach zu viele Großkatzen auf dem Platz - und damit verantwortlich für Englands Ausscheiden?

Aber, Herr Domenech, mal ehrlich: Bei Ihrem eigenen Team haben Sie sich mit den Sternzeichen wohl auch ein bisschen verrechnet. Hat Anelka Ihnen nicht verraten, dass er eigentlich Sternzeichen Giftnatter ist? Und vielleicht besteht ja ein harmonisches Team doch aus Spielern und nicht aus Löwen, Skorpionen und Steinböcken. Wir spielen schließlich Fußball und nicht Zoo-Tycoon.

Interssante Logik
Schauen wir weiter. Nach Afrika. Einige afrikanische Teams sind in der Nacht vor einem Spiel zu einem sogenannten "Witchdoctor" gegangen. Ein Witchdoctor nimmt zuerst Kontakt zu den Ahnen auf. Dann werden verschiedene Rituale durchgeführt. Tierhäute, Kräuter und Wurzeln werden zu Ölen, Pulvern und Suppen verarbeitet. Und das soll dann Spieler stärken und Spielausgänge beeinflussen. Soso.

Die Trainer der afrikanischen Mannschaften jammern übrigens: Immer wenn ihre Teams verlieren, sind sie allein die Deppen. Die Siege aber werden immer nur den Witchdoctors zugeschrieben. Interessante Logik.

Das Pissoir ganz links
Zum Glück gibt unsere deutsche Nationalmannschaft nichts auf solchen Hokus-Pokus, mag jetzt mancher denken. Aber: Ganz falsch! Auch unsere deutschen Spieler sind ganz schön abergläubisch. Nehmen wir mal Mario Gomez. Der münchner Bankwärmer singt bei der Nationalhymne nicht mit, weil er überzeugt ist: Das würde Unglück bringen! Dafür benutzt er aber vor jedem Spiel das Pissoir ganz links außen. Das wiederum bringt Glück. Also angeblich.

Von diesem Glück merkt man bei Gomez wenig, finde ich. Vielleicht hat er aber auch nur ein Rechts-Links-Schwäche? In diesem Fall würde ich ihm empfehlen, die Position rechts außen zu probieren. Also, am Pissoir, nicht auf dem Platz!

Naja, wie auch immer. Da sage jetzt mal noch jemand, wir Christen wären immer so irrational. Richtig, wir glauben zwar an einen unsichbaren Gott, der Mensch geworden ist. Der Vergleich zum WM-Treiben aber zeigt: So kurios ist das gar nicht.


Kommentare

Von klaus am .

Ich finde es interessant, dass Sie christlichen Glauben auf eine Stufe mit Aberglauben und glücksbringenden Ritualen Stellen. Respekt!

Von Agnes am .

Die Stadien wurden zu Ersatzkirchen gemacht und die evangelische Kirche machte munter bei dieser geldmacherei mit, indem 200 000 Gemeinden ebenfalls Spiele zeigten.
Wer ist denn so naiv zu glauben, dass Menschen, die nur des Fußball wegen kommen, plötzlich dadurch zu Jesus finden? Das ist nur Anbiederei an den Zeitgeist.
Wie oft bekreuzigte sich Maradonna?????? Ist das nun christlich oder Aberglaube?

Von Reiner am .

den Beitrag finde ich sehr gut, und was hat es den Franzosen geholfen!!!

Von Ulrike v. Le Suire am .

Hallo Leute, ich erwarte einen Artikel über Fussball und seine Euphorie, was dahinter steckt und wie man das den Menschen beibringen kann, die auch nach der WM begeistert sein sollen, und zwar von Jesus und ihrem Glauben. Was können wir Christen daraus lernen? Freude haben die meisten heute nur noch beim Fussball, und dann? Was und wie können wir unsere Freude am Glauben weitergeben? Nicht Fussball ist unser Gott, sondern Gott / Jesus ist unser Gott, er ist bleibend und beständig, wie kriege ich das rüber? Danke für Eure Ideen! IJv Ulrike

Von Renate am .

;-)

Von Werner Kurz am .

Lieber Herr Kleinknecht,
dieser Artikel ist einfach genial - und dazu noch informativ.
Danke

Von Elke Allaert am .

Putzig geschrieben und tiefsinnig gedacht. Super Text!!
Weiter so und liebe Grüße, Elke

Von christa am .

beitrag finde ich sehr gut !!!!

Von charly am .

Super Kommentar. Vielen Dank.


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