Kommentar

Aus der Krise nichts gelernt?

Die Gier mancher Banker ist schon längst wieder da, stellt Horst Marquardt fest.

Das weltweit bekannte, Jahrzehnte hindurch führende Bankhaus Goldman Sachs in den USA machte allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres einen Gewinn von 3,5 Milliarden Dollar. Zusätzlich wurden 5,5 Milliarden als Bonus für die Mitarbeiter gezahlt. Auch wenn es 33.000 „Goldmänner“ sind, die weltweit für dieses Bankhaus tätig sind, und wenn Zahlungen sicherlich in unterschiedlicher Höhe geleistet wurden, ergibt das einen ansehnlichen Betrag! Es heißt im Allgemeinen, jede Arbeit sei ihres Lohnes wert.

Was am 1. Mai Thema sein wird

Einmal abgesehen davon, dass unzählige Arbeitnehmer in unserem Land und weltweit nicht ihrem Einsatz entsprechend belohnt werden (wovon am 1. Mai wieder die Rede sein wird), bleibt eine unvergleichlich hohe Vergütung, wie sie Goldman Sachs und andere Geldinstitute zahlen, ein Unrecht. Das umso mehr, da bekannt geworden ist, mit welch betrügerischen Methoden diese Bank Geld scheffelte. Endlich greift die US-amerikanische Börsenaufsicht ein. Endlich wird nicht mehr beschönigt, dass das Geldhaus zum Beispiel 2007 ein Finanzprodukt anbot, das von vornherein zum Scheitern verurteilt war.

Eine Bank – mächtiger als Staaten

Viele Kundige und Unkundige haben zugeschaut, sich geärgert und auf Veränderung bei Banken und internationalen Konzernen gehofft. Bisher vergebens. Inzwischen haben sich Literatur und Film des Themas „Weltweite Finanzmärkte“ angenommen. Autoren – einige von ihnen im Bankgewerbe zu Hause – beschreiben die Praktiken der wahren Weltbeherrscher. Noch haben weder Filme noch Literatur einen Wandel im Denken unlauterer Banken bewirkt.

Bisher war Goldman Sachs ein Name, der Gewicht hatte. In diesem Geldhaus liefen die Fäden des internationalen Finanznetzes zusammen. Diese Bank war bisher mächtiger als ganze Länder. Doch jetzt sieht es so aus, als sei Goldman Sachs vielen Konzernlenkern und Politikern zu mächtig geworden. Der Chef des Unternehmens, Lloyd Blankfein, tut bisher wenig, um die Bedrohung abzuwehren. Er kritisiert im Gegenteil die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen als „komplett politisch motiviert“ und schädlich für Amerika.

Hoffen auf Barack Obama

Viele Geschädigte in aller Welt – darunter auch deutsche Banken – hoffen, dass Präsident Obama mit Goldman Sachs und anderen Banken hart ins Gericht gehen wird. Er hat dafür die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich. In guter Zeit Reichtümer anhäufen und in Krisenzeiten die Steuerzahler zur Kasse zu bitten, das wird nicht länger gelingen. Wir müssen Politikern den Rücken stärken, die dafür sorgen, dass die Gier solcher, die nie genug kriegen, endlich gestoppt wird.

Ein Rat von Christen

Vielleicht hört man nun auch wieder den Rat der Christen, die biblische Wahrheiten weitersagen und vor Unehrlichkeit, Betrug, Gier und Habsucht warnen. Der Apostel Paulus – von Beruf ein reisender Handwerker – schrieb in einem seiner Briefe: „Ich habe gelernt, mir genügen zu lassen“ (Philipper 4,11). Er schrieb das sogar aus einem Gefängnis, in das man ihn wegen seiner Glaubensüberzeugung gesperrt hatte. Von Paulus spricht man heute noch, die Gier aber frisst am Ende ihre eigenen Kinder.

(Quelle: ideaSpektrum 17/2010; mit freundlicher Genehmigung)

Foto: Leonardini / sxc.hu


Kommentare

Von Martin Hildebrandt am .

Wenn die Zahlen im Beitrag von Horst Marquardt stimmen, dann kämen auf jeden "Goldmann" 1.666.666 $. Das kann ich kaum glauben. Wenn es aber wahr sein sollte, dann ist das nicht nur unsittlich, sondern höchst kriminell. Obama sollte gleich noch ein paar Gefängnisse bauen oder lieber ein paar Eierdiebe und sonstige Kleinkriminelle entlassen.

Von S.Wüst am .

Folgen der Kredithürde ( aus der Sicht eines Klein-Unternehmers)
Politik bedeutet auch Verantwortung und Schutz der Bürger und des Landes.
Handeln "zum Wohle der Bürger", das ist der gesetzliche Auftrag.

was ist besser geworden ?
Wo sind wir hingekommen?
Ich denke, es wäre an der Zeit die Banken auf das Kerngeschäft "DIENSTLEISTUNG mit Geld" zu verpflichten.
Nach " Basel II " nun Kredite und Kleinkredite zu vergeben ist lächerlich.
Die Banken haben selbst schlechte Zahlen und mehr

Von Boris Kirilenko am .

Hallo Lews, ohne Kredite wird man heute kaum Investitionen machen können. Das ist nicht das Übel. Zu kritisieren ist m. E., dass im Namen Jesu viel Unrecht geschieht und G'tt für viele nur noch eine Alibifunktion hat. Nicht jeder, der den Namen Jesu ausspricht muss zwangsläufig ein Christ sein. Politiker benutzen diesen Namen sehr oft. Sie streuen einem damit nur Sand in die Augen.
An den Früchten wird man die wahren Jünger erkennen.
Ich persönlich misstraue den Schwätzern. Mit solchen Menschen habe ich nicht die beste Erfahrung gemacht.

Von Lews am .

Selbst Christen nehmen hohe Kredite auf, um sich Haus, Auto und Wunscherfüllung zu kaufen. Auch sie leben von Geld, das sie noch nicht verdient haben. Solange wir es uns nicht "genügen lassen", füttern wir die Gier der Banker. Wie stehts also mit unser Habgier?

Von gerhard amend am .

ich kann diesem beitrag nur zustimmen weil ich diesen raffgierigen herren schon lange nicht mehr traue und viele politiker sind genauso mit involviert indem sie mitverdienen.

Von Boris Kirilenko am .

Als die Bankenkrise vor 2 Jahren die Finanzmärkte global in ein Chaos stürzte, waren sich alle einig, politische Rahmenbedingungen zu schaffen, die einen zweiten Crah verhindern sollen. Aber es blieb nur bei leeren Versprechnungen und in der Praxis hat sich überhaupt nichts geändert.
Allein in den USA(wird ja von Europa immer als Sündenbock bezeichnet) bemüht man sich, durch gesetzliche Regelungen die Finaznmärkte besser zu kontrollieren. Innerhalb der EU sind Politiker nur imstande große mehr

Von Wiesner am .

Wie sehen denn eigentlich die Strukturen in den Banken aus, frage ich mich. Soweit ich weiss, haben Banker einen relativ sicheren Job (d.h. vor einigen Jahren wurden massenhaft Leute entlassen bei diversen Banken). Da jeden auf sie angewiesen ist, und es außer der Kfw-Bank (deren Kredite wieder über eine normale Bank beantragt werden muss), kaum Alternativen gibt, ist die Macht halt sehr gross. Bei Versicherungsvertretern ist es ja ähnlich, die Versicherung mit der besten Provision wird am mehr

Von Imre Ambrus am .

Lieber Horst!
Das Problem ist,dass die Christen wie auch ERF vorher kein Wort gegeben haben.Diese, die Wörter hatten,waren und sind Extremiste-
misten gehiessen,auch in der Kirche. Das Wort gegen Wirt-
schaft und Politik,das sind Gefahr
für Kirche.Nur gegen Schwache,die keine Macht haben,sprechen.

Von charly am .

ein ausgezeichneter Kommentar.
Euer Newsletter sollte öfters mal vom christlichen Standpunkt zu gesamtgesellschaftlichen Themen sprechen und auch Empfehlungen zum Handeln geben

Von Uwe Rueß am .

Lieber Herr Marquardt,
vielen Dank für Ihren sehr interessanten Artikel zum Thema Gier und Banken.
Zur Zeit wird sehr viel über dieses Thema geschrieben und von unseren Politikern gesagt. Leider sind bisher keine konkreten Maßnahmen um diese Entwicklung aufzuhalten unternommen worden.
Niemand ist so radikal ehrlich wie unser geliebter Herr Jesus, der die Geldgierigen aus dem Tempel gejagt hat. Unsere Erde ist von Gott geschaffen und die geldgierigen Banken und Banker vernichten täglich mehr


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