Valentinstag

Für mich solls faire Rosen regnen

Für Romantiker gehören Rosen zum Valentinstag einfach dazu. Fairtrade-Blumen sorgen dafür, dass man die Blütenpracht doppelt genießen kann.

„Für mich soll’s rote Rosen regnen“ sang Hildegard Knef 1968. Auch wenn sich die Zeiten seitdem geändert haben, freuen sich die meisten Frauen nach wie vor über einen Strauß roter Rosen. Wenn der Freund oder Ehemann am Geburtstag, beim Wiedersehen am Bahnhof oder bei einem Rendezvous damit auftaucht, dann gibt das dem Ereignis eine ganz besondere Note. Nicht zu vergessen natürlich der Valentinstag, dem Tag der Liebenden, der jedes Jahr am 14. Februar gefeiert wird und an dem traditionell rote Rosen verschenkt werden.

Doch was hierzulande mit Romantik verbunden wird, ist in den Ländern, in denen die Rosen angebaut werden, gänzlich unromantisch. Etwa zwei Drittel aller Rosen, die in Deutschland jährlich über die Ladentheke gehen, stammen aus Entwicklungsländern. Die Arbeiter, die in den Blumenfarmen angestellt sind, erhalten oft niedrige Löhne und sind sozial nicht abgesichert. Sie können sich nicht darauf verlassen, dass ihre Löhne pünktlich bezahlt werden. Manche sind ohne Schutzkleidung dem direkten Kontakt mit hochgiftigen Pestiziden ausgesetzt.

Schlechte Arbeitsbedingungen müssen nicht sein

Was tun? Müssen die Romantiker in Deutschland zukünftig auf Rosengeschenke verzichten, wenn sie kein schlechtes Gewissen haben wollen? Denn die meisten Blumen werden über eine anonyme Börse gehandelt. Hier nachzuvollziehen, unter welchen Bedingungen die Rosen angebaut wurden, ist nahezu unmöglich.

Transfair bietet hier eine Alternative an. Der gemeinnützige Verein hat neben Kaffee, Schokolade und weiteren Produkten auch Schnittblumen in seinem Angebot. Wer Rosen mit dem Fairtrade–Siegel kauft, kann sich sicher sein, dass er Blumen in der Hand hat, die nach bestimmten sozialen und ökologischen Standards angebaut worden sind.

Was das für die Arbeiter in Ostafrika oder Südamerika konkret bedeutet, weiß Claudia Brück von Transfair: „Importeure zahlen für Fairtrade-Blumen einen festgelegten Aufschlag – die Fairtrade-Prämie – von zehn Prozent des Einkaufs-Preises. Der Joint Body, ein Komitee aus Arbeitern und Managementvertretern, entscheidet gemeinschaftlich über die Verwendung der Prämiengelder zum Wohle der Arbeiterinnen und Arbeiter, ihren Familien und Gemeinden. So werden vielfältige Projekte finanziert, zum Beispiel die Anschaffung von Moskitonetzen, Trinkwasserfiltern und Fahrrädern, der Bau von Kindertagesstätten, die Unterstützung von Schulen, Weiterbildungsprojekten und Krankenhäusern.“

Fair und erfolgreich

Makilimu Kimella arbeitet auf einer Fairtrade-Rosenfarm in Tansania. Durch das Programm kann sie zusammen mit den anderen Arbeitern und Arbeiterinnen ihre Zukunft selbst aktiv gestalten.

Bild: transfair.org

Der Erfolg des Konzeptes bleibt nicht aus: In Kenia erhielten zum Beispiel alle Arbeiterfamilien einer Farm ein Moskitonetz. Die Ansteckung mit Malaria ist seitdem stark zurück gegangen. Auf der Farm Panda Rosa, die die Standards von Fairtrade erfüllt, können die Kinder der Arbeiter zur Schule gehen und erhalten gegebenenfalls sogar ein Stipendium für ein Studium. Das ist keine Selbstverständlichkeit in einer Branche, in der Kinder sonst selbst Arbeiter sind.

Die Arbeit in Kenia ist auch ein gutes Beispiel dafür, dass die fairen Anbaubedingungen nicht nur für die Arbeiter und ihre Familien gut sind. So hat die Plantage Panda Rosa die Auszeichnung „Bester Rosenzüchter Kenias“ erhalten. Ob Igal Elfezouaty, der Eigentümer des Betriebes, die entsprechenden Auflagen aus reiner Menschenliebe erfüllt oder weil er verlässliche Arbeitskräfte möchte, sei dahin gestellt. Immerhin kam es auf seiner Farm noch nie zu Streiks, die auf anderen Farmen durchaus üblich sind. Für ein so empfindliches Produkt, wie es Rosen nun einmal sind, ist das kein unerhebliches Kriterium: "Wir stellen fest, dass unsere Arbeiter besonders sorgfältig sind und sich große Mühe geben, um ein optimales Produkt herzustellen. Und weil wir besonders gute Qualität produzieren, gewinnen wir immer mehr Kunden. Der Faire Handel hilft also allen: Den Arbeitern genauso wie den Farmern."

Doppelter Genuss

Claudia Brück ist sich deswegen sicher, dass sich der Kauf von Fairtrade-Rosen lohnt – und das nicht nur für Romantiker: „Bei Fairtrade hat man den doppelten Genuss – für sich das gute Wissen und für die BlumenarbeiterInnen eine nachhaltige Verbesserung vor Ort. Es ist doppelte Freude!“ Aber nicht nur das Gewissen profitiert von der fairen Ware. Durch den geringeren Einsatz von Pestiziden sind diese Rosen auch für den Käufer hier in Deutschland gesundheitlich unbelasteter.

Ein zusätzliches Plus: Es ist gar nicht so schwer, an Fairtrade-Rosen heranzukommen. Mittlerweile verkaufen selbst einige Handelsketten wie REWE oder der Toom Verbrauchermarkt die fair gehandelten Blumen. Auch im Blumenfachhandel sind sie oft erhältlich. Hier lohnt es sich, gezielt danach zu fragen.

Warum also zu diesem Valentinstag die Frau oder Freundin nicht einmal mir Fairtrade-Rosen überraschen? Vielleicht trägt Mann ja dann ein wenig dazu bei, dass auch der zweite Teil von Knefs Schlager wahr werden kann. Dort heißt es nämlich „Die Welt sollte sich umgestalten und ihre Sorgen für sich behalten.“ Und die Frauen könnten sich ja ganz gezielt wünschen, dass es für sie faire Rosen regnen soll…


Nähere Informationen zu fair gehandelten Blumen finden Sie unter:

Transfair.org (hier finden Sie auch weitere Geschäfte, die fair gehandelte Blumen anbieten)
 


Kommentare

Von Dieter am .

Danke für den Beitrag. Leider wird viel zu wenig auf solche Mißstände hingewiesen. Die gibt es ja genug. nicht nur bei Rosen und Kaffee ... Sicher gehören solche Infos auf auf die Seite des ERF. Nur den Zusammenhang mit dem Valentinstag, der bekanntlich nichts mit dem biblischen Glauben zu tun hat, den bekomme ich nicht zusammen

Von Miba am .

Der Artikel ist gut. Leider habe ich in der Gemeinde andere Erfahrung gemacht. Als wir für unsere Gemeindekaffeestube Fairtrade-Kaffee einführen wollten, schlugen die Wellen hoch. Der Kaffee sei zu teuer. Man geht lieber in Supermarktketten um dort den Kaffee billig einzukaufen um den erzielten Gewinn dann an karitativer Einrichtungen zu geben. Welch ein Pleonasmus!


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