Kommentar

Zum Tod von Robert Enke

Der deutsche Nationaltorwart hat sich das Leben genommen. Trifft auch uns Zuschauer die Schuld? Ein Kommentar von Ingo Marx.

Der deutsche Nationaltorwart hat sich das Leben genommen. Trifft auch uns Zuschauer die Schuld? Ein Kommentar von Ingo Marx.


Als Fußballfan kannte ich Robert Enke nur aus dem Fernsehen. Was mich interessierte, war seine sportliche Leistung. War er nun die richtige Nummer 1 für die deutsche Nationalmannschaft? Sollte er bei der WM im Tor stehen? Oder doch lieber Adler? Oder Wiese? Für den Menschen Robert Enke habe ich mich nie interessiert. Nur die Leistung zählte. 

Angesichts seines Suizids schäme ich mich zutiefst dafür. Denn genau unter diesem Leistungsdruck hat Robert Enke, wie erst jetzt erfahren, enorm gelitten. Er hatte Angst zu versagen, nicht gut genug zu sein. Ganz abgesehen von all dem, was er durch den Tod seiner zweijährigen Tochter 2006 durchlitten hat. In den letzten Monaten hatte er verstärkt mit Depressionen zu tun, erzählt seine Witwe. Nach außen ließ er sich das nicht anmerken. Er fürchtete vor der Reaktion derer, die vor allem seine Leistung interessiert.   

2003 hat mit Sebastian Deisler, einer der talentiertesten deutschen Fußballer, seine Karriere beendet. Er konnte den Druck nicht mehr ertragen. Zu sensibel war er für das harte Fußballgeschäft. Er hat rechtzeitig die Reißleine gezogen. Robert Enke hat das nicht geschafft. 

Stars: Die bestbezahlen Sklaven

Wie gehen wir eigentlich mit unseren Stars um, seien es nun Sportler, Schauspieler oder Musiker? Es scheint, als hätten sie uns für Millionen von Euro ihre Seele verkauft. 

Sie sind die bestbezahlten Sklaven aller Zeiten. Wir haben Anspruch auf ihre Leistung. Es steht uns zu, sie bei jedem ihrer Schritte kritisch zu beäugen, um uns anschließend das Maul über sie zu zerreißen. Man denke nur an Britney Spears oder Michael Jackson. Natürlich tragen sie selbst genau so viel Schuld an diesem Zustand wie wir. Aber auch wir als „Zuschauer“ und Konsumenten können uns nicht aus der Verantwortung stehlen. 

Wer von uns würde diesen Leistungsdruck überleben? Ich sicher nicht. Ich bin so froh, dass Gott so ganz anders ist als wir Menschen. Dass wir ihn mit unserer Leistung nicht beeindrucken können und er einfach stolz auf uns ist, weil wir seine Kinder und er unser Vater ist. Ich wünschte Robert Enke hätte diese Erfahrung machen können.

 

Zum Kondolenzbuch

Bild: hannover96.de


Kommentare

Von Pavlos u. Kathrin Leonidis am .

Grüß(t)Gott!
In der Tat ist ein Einzelschicksal greifbarer als die unbekannte Masse. Hier möchte ich auch auf die Schweinegrippegeschichte hinweisen. Hier werden wenige Tote im Vergleich zu mehreren Tausend Opfern der normalen Grippe überproportional aufgebauscht.
Meine Frau und ich beten jeden Abend für unsere Gesundheit und für die von allen Menschen. Auch diejenigen, die wir nicht kennen.
Deshalb lasst uns diesen einen Tod zum Anlass nehmen und allen Kranken und Sterbenden gedanklich nah zu sein.

Von Gottfried Pendl am .

Ein guter Rat für Depressive mit Sekbstmorgedanken.Die Selbstmordgedanken kommen auf einmal sehr starck auf und wie ich es bei mir kenne dauern die ca.20 Minuten,wenn man die mit Gebet und Musik übersteht und verdrängt,dann denkt man danach:"Mensch was hättest du für einen Blödsinn gemacht und das Leben ist doch schön,und nach jedem Regen kommt wieder Sonnenschein!" Und das Leben ist ja ein GESCHENCK-GOTTES.Also die kurze Zeit wo der Suizidgedanke starck da ist,mit irgend etwas mehr

Von Reiner Hövel am .

Verehrte ERF-User,
Ich brauche heute ein Ventil, um meiner Empörung Ausdruck zu geben!
Wenn ich richtig orientiert bin, dann ereignet sich in Deutschland etwa alle 45 Minuten ein Suicid! Der Presserummel um Robert Enke befremdet mich zutiefst, was nicht bedeutet, dass mich das Schicksal dieses Mannes und seiner Familie kalt gelassen hätte,
aber wer fragt nach den vielen ungenannten Betroffenen? Und wer fragt nach den von Depressionen betroffenen in unseren Gemeinden? Wer hätte etwas gehört von einem Kondolenzbuch für Suicid-Patienten, die weniger öffentliches Interesse auf sich ziehen?!

Von Gottfried Pendl am .

Bein vielen Menschen haben die Mitmenschen Schuld am Suizid.Von der Verwandschaft wird man als Arbeitsfaul hin gestellt,von einem Arzt als Simmuland von Nachbarn und ehemalige Freunde als Arbeitsscheu,Arbeitsfaul,Sozialschmarotzer,Staatsschädiger,Steurelast,Gestörrter,Tepperta,Nicht ganz Dicht und zum Schluß noch als Überflüssig erklärt, und man sieht einem schon lieber im Grab als am Leben.Da bleibt manchen nur noch der Suizid,und liegt man dann Stumm im Grab,dann wird blöd mehr

Von Pavlos Leonidis am .

Robert Enke wurde ein Opfer unserer Leistungsgesellschaft - ja ich würde sogar sagen: Ellenbogengesellschaft. Warum muss der MENSCH wie eine Maschine funktionieren?
Ich trauere auch für Mitmenschen, die sich im alltag keine Schwäche erlauben dürfen - Depression eingeschlossen.
Vielleicht geht ein "Ruck" durch Deutschland, wie in einst Roman Herzog forderte. Wir wünschen uns das alle und Gottes Segen.

Von Gottfried Pendl am .

Ich kannte Robert Enke kaum,aber da er an Depressionen gelitten hat, weiss ich das er die Hölle durchgemacht hat,denn bei dieser Krankheit sieht man sehr oft nur mehr den Suizid als Ausweg. Wenn die Mitmenschen erfahren das man an Depressionen erkrankt ist,dann wir man als erster als Geisteskranker hin gestellt,dabei ist Depressionen eine Gemütskrankheit.Viele Menschen scheune sich zum Arzt oder zum Facharzt zu gehen,dennn wenn einer einem da sieht,dann wird man schon abgestempelt. Ich kann das mehr

Von Rudi Luz am .

Ja Renate, leider ist dies auch eine
Wahrheit. Wenn einer in der Gemeinde nicht den Hans Dampf in allen Gassen spielt, fühlt er sich schnell als Christ 2.Klasse.
Der so völlig unvorhersehbare Tod
von Robert Enke zeigt wie sehr
das nach außen sichtbare eines Menschen entfernt ist von dem
was den ganzen Menschen ausmacht.
Besonders wir Christen sollten daraus lernen unsere Nächsten
nicht nur oberflächlich zu begegnen. So mancher wartet wohl nur auf ein wenig Zeit,
die sich jemand nimmt, zuzuhören.

Von Renate Kunde am .

Nur leider gibt es diesen Leistungsdruck auch in den gläubigen Gemeinden und ich denke, dass wir Christen auch da endlich aufwachen müssen. Hier gilt es neu zu erkennen, dass nicht unsere Leistungsfähigkeit unseren Wert vor Gott ausmacht.

Von Ruth am .

Man möchte nur aufrichtige und herzliche Anteilnahme aussprechen und unseren Herrn Jesus bitten, alle beizustehen, die so sehr trauern und mittrauern...

Von Siegrid Schnitzspahn am .

Die junge Frau tut mir entsetzlich leid. Doch Fußball an sich ist zur neuen Religion in unserem Land geworden, es ist ein richtiger Götzenkult daraus entstanden, der Menschen kaputtmacht.

Von Miroslaw Adamski am .

Die statische Sportarten können psychisch blastend sein.Als ehemaliger Elite Radrennfahrer hatte ich keine Zeit darüber nachzudenken.Ein Rennfahrer kennt nur Asphalt , Kampf mit dem Schweinehund und Gebet.Der Rest ist nur Dekoration. Ausdauer Sportart ist die richtige Medizin gegen Depressionen.
Es gibt schon Fälle wo Alkoholiker
exzelente Maratonläufer wurden.
Wenn man erschöpft ist kommt das Glüksgefühl , das kennen viele nicht.Durch Gebet oder Ausdauersport macht man den Kopf frei.Es mehr

Von Winkel, Klaus am .

Die Diagnose des Autors ("...Er hatte Angst zu versagen, nicht gut genug zu sein...") ist einseitig, möglicherweise gar falsch, denn Depressionen für sich als Krankheitsbild a l l e i n können zum Selbstmord führen.
(Dabei können Depressionen durch allerlei mögliche Anlässe und/oder Veranlagungen hervorgerufen werden - sogar durch extrem glückliche Umstände...)
Ich teile die Ansicht, dass einzelne Mensch mehr in meinem Focus stehen sollte, und dass ich dies selbst seitens Jesus auch erleben darf.

Von Charlotte am .

Jeder weiß, dass Geld nicht glücklich macht, trotzdem strebt jeder danach, warum das nur so ist.
Ich selbst schimpfe immer wieder auf die völlig überzahlten Fußballer. Aber tauschen möchte ich nicht. Durch Jesus weiß ich, dass weniger mehr ist. Gott sei Dank !
Das Zweite an die Erste Stelle setzen, geht einfach immer schief.
Da fällt mir das Kamel mit dem Nadelöhr ein.

Von Simon am .

Ich finde, du darfst nicht so schnell Leistungsdruck und Zuschauer für Enkes Tod verantwortlich machen. Das ist zu einfach.
Enke war, wie wir nun alle wissen, depressiv. Und ca. 90% aller Selbstmorde sind aufgrund Depressionen und psychischer Erkrankung. Ich habe selber mit psychisch kranken Menschen gearbeitet. Es ist eine Krankheit! Und es bringen sich ja nicht nur Stars um.
Außerdem muss niemand Star sein, oder? Du hast Deisler angesprochen. Er hat sich gegen Star und gegen Leistungsdruck mehr

Von Michael am .

Bitte betet auch für den Lokführer!

Von Johann Christoph Krafft am .

Man muß hier ganz vorsichtig und mit Bedacht seine Worte wählen, denn niemand weiß, was in ihm abgelaufen ist, bis er zu dieser Entscheidung kam. Denn es war seine eigene Entscheidung und niemand hätte bzw. hat ihn davon abhalten können, selbst seine Frau nicht. Bitterkeit steigt in mir hoch, wenn ich drüber nachdenke. Eine verlassene, verletzte Familie mehr, für die wir um Heilung bitten. Und eine ebenso einsame, verletzte Seele mehr, die nicht mehr geheilt werden konnte. Hätten unsere Gebete mehr

Von Gudrun am .

Es ist so schade, dass es so viele niedergeschlagene, depressive Menschen gibt, die von Christi Hilfe nichts wissen. Ich schließe mich darin der Ansicht von HeHe an. Ich denke angesichts dieses Falles an die vielen unbekannten einfachen und ärmeren Hinterbliebenen und fühle auch mit diesen. Wie dichtete Brecht: "Doch man sieht nur die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht." Das ist selbst im Tode so.

Von Reinhard Schmidt am .

Ergänzung zu meinem 1. Leserbrief
In unserem Dorf hatte sich ein Bauer aufgehängt. Dann ging das Getuschel los, ja wie die Frau ihn behandelt hat, kein Wunder etc. Warum brauchen wir immer Schuldige, die in der Welt nach dem Sündenfall leicht zu finden sind ? Schon Jesus hatte das Problem, das wir Krankheit nicht einfach Krankheit sein lassen können, sondern jemand Schuld sein muss. Ich habe Mitgefühl und hoffe, dass die Angehörigen die notwendige Hilfe bekommen. Das wir in einer unvollkommenen mehr

Von HeHe am .

Es ist schrecklich, wenn ein Mensch seinem Leben ein Ende setzt, weil er nicht weiter weiß.
Es ist nicht nur das Problem der Prominenz, obwohl dort genau zu sehen. Die Gottlosigkeit in der Welt, die alles und jedes käuflich, damit auch erpressbar macht, ist häufig Grundlage für die manchen Menschen erscheinende Ausweglosigkeit. Ich weiß keinen anderen Rat als den zu beten und sich in und mit allem an Gott zu wenden. Die eigenen Wege im anzubefehlen und zu hoffen.
Mir tut seine Frau und seine mehr

Von Astrid am .

Ich danke dem Autor für seine realistische Stellungnahme. Einmal mehr ist dieser Vorfall eine Bestätigung dafür, dass es im Sport - insbes. im Leistungssport -nur um Punkte, Fakten und Geld geht. Der Einzelne als Person ist nicht wichtig. Interessant ist man nur so lange, wie man die ewartete Leistung bringt. Die Medien unterstützen das mit der Art ihrer Berichterstattung. In anderen Bereichen, z.B. im normalen Berufsleben, läuft es doch ähnlich - wird halt nicht so publik gemacht, denn wir mehr

Von andreasm am .

danke für diesen kommentar. er ist mir aus dem herzen gesprochen. auch ich schäme mich, dass ich mich immer wieder mitreissen lasse, nur die leitung, und nicht den menschen zu sehen. nicht nur bei prominenten.
danke für diesen artikel.

Von uwe aus Bühl Baden am .

Hallo Ingo,
mich hat die Nachricht von Tod unseres Torwarts der Nationalmannschaft im Hoten auf einer Dienstreise erreicht.
Leider ist unsere Gesellschaft in vielen Bereichen nur auf Druck, Erfolg und Leistung aufgebaut.
Jesus möchte das aber nicht, er hat die Schwachen Menschen am Rande der Gesellchaft mit seiner unendlichen Liebe zu sich gezogen und für große Dinge gebraucht, auch heute noch.
In den Berichten seit Dienstag sehen wir Robert Enke immer mit einem weiten traurigen Blick. Seine mehr

Von Reinhard Schmidt am .

Wir stehen fassungslos vor diesem Geschehen und haben keine Erklärung. Dabei sollte man es belassen, statt hier von Schuld zu faseln. Selig sind, die nichts wissen und trotzdem schweigen.

Von Nik am .

Ich weiß nicht, ob du die Zuschauer so kritisieren darfst.
Ich als Fußballspieler freue mich, wenn der Trainer mich in den Kader aufstellt. Wenn ich jedoch nicht gut genug bin, für die Manschaft oder Zuschauer, dann bleibe ich eben auf der Ersatzbank, vielleicht trainiere ich mehr. Aber ich lass mich nicht fertig machen. Niemand zwang ihn in der Nationalmannschaft zu spielen. Seine Brötchen verdienen konnte er auch bei "nur" 96.
Enke musste sich nicht schämen Depressionen zu haben.
Sicherlich mehr

Von Hans-Jürgen am .

Danke für die nachdenklichen Worte. Sie gelten allen Menschen, die mit Depressionen geschlagen sind. Besonders die leistungsorienten Männer haben damit ein Problem. Aber auch Frauen. Meine junge Schwiegertochter, die erfolgreiche Krankenhausärztin ist, leidet darunter. Seit einem Jahr arbeitsunfähig! Ob die Gesellschaft helfen kann, ist zweifelhaft. Manchmal noch nicht einmal die Nächsten. Ich kann dann nur beten und Gott um Hilfe bitten. Aber das ist schon was.

Von kerstin helmerking am .

Lieber Ingo Marx,Dankefür deinen
Kommentar zum Tod von Robert Enke,empfinde es auch so.Liebe Frau,von Robert,fühle mit in deiner Trauer,weil ich mir vorstellen kann,wie schwer jetzt alles für sie ist,ich bete für sie und möchte Ihnen aus Gotes Wort (die Bibel), zusagen:der Herr ist nahe denen,die zerbrochenen Herzens sind,und hilft Denen,die ein zerschlagenes Gemüt haben.
Wenn sie möchten,können sie mir
gern schreiben

Von Uwe am .

Der Freitod von Robert Enke hat mich tief erschüttert. Ich wünschte, er hätte sich helfen lassen und rechtzeitig die Reißleine gezogen, wie Sie es gesagt haben. Aber es ist halt nicht alles offenkundig - uns so erkennt man auch nicht immer die Notlage, in der sich jemand gerade auch bei seelischen Problemen befinden kann.
Sie schreiben: "Sollte er bei der WM im Tor stehen? Oder doch lieber Adler? Oder Wiese? Für den Menschen Robert Enke habe ich mich nie interessiert. Nur die Leistung zählte. mehr


Ihr Kommentar

Die E-Mail wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.