Mit Maßstäben in Führung gehen Lesezeit: ~ 4 min

"Wir müssen Werte bedenken, mit denen zu leben es sich lohnt."

Mit christlichen Werten wirtschaftlich erfolgreich sein? Ja, sagt Horst Marquardt im Interview und erklärt warum.

ERF.de: Dr. Marquardt, kommenden Februar findet der Kongress christlicher Führungskräfte in Düsseldorf statt. Das Motto ist: "Mit Werten in Führung gehen." Welche Werte sind das?

Dr. Marquardt: Die Werte, von denen wir sprechen, haben etwas mit dem christlichen Menschenbild zu tun. Die Bibel und besonders die Lehre unseres Herrn Jesus Christus geben eine Fülle von Anregungen. Grundsatz ist, dass jeder Mensch die gleiche Würde vor Gott und Menschen hat und dass der Wert des Menschen unabhängig ist von seiner Leistung. Wer mit Werten lebt, hat Respekt vor dem anderen, lernt es, Rücksicht zu nehmen und Nächstenliebe zu praktizieren.

Mit Werten in Führung gehen heißt so leben, dass der andere mir vertrauen kann. So wie das Jesus ausgedrückt hat: „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch.“ Werte sind in unseren Augen Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Transparenz, Fürsorge für die Mitarbeiter, Treue gegenüber dem Kunden und Vertragspartner, Unbestechlichkeit, verantwortlicher Umgang mit den Ressourcen, Fleiß und Sparsamkeit. Und natürlich ist der Glaube ein besonderer Wert, von dem wir wissen, dass er nicht unbedingt erfolgreich macht. Glaube ist jedoch bestimmend für unser Verhalten im Leben und daher auch im Beruf. Glaube schafft auch Unabhängigkeit und nimmt die Furcht vor anderen Menschen.


ERF.de: Ist man mit diesen Werten wettbewerbsfähig in Zeiten von Globalisierung und enormem Kostendruck?

Dr. Marquardt: Viele Unternehmer – möglicherweise sogar christliche – werden diese Frage verneinen. Der Kongress aber will Mut machen, nicht nur im eigenen Land, sondern auch weltweit mit christlichen Werten zu leben. Leider ist es wohl so, dass Menschen, die für die Globalisierung ihrer Unternehmen verantwortlich sind, oft in ihrem Denken von Angst und Unsicherheit erfüllt sind. Der Glaube lässt sie erfahren: Gott gibt einen festen Halt.

Wer in Christus verankert lebt und arbeitet, kann mit Mut und Optimismus der kommenden Entwicklung entgegen gehen. Dieselben Prinzipien, nach denen er zu Hause lebt, kann er auch weltweit praktizieren. Wer sich an christlichen Werten orientiert, bleibt davor bewahrt, nur Macht, beruflichen Erfolg und materielle Sicherheit gelten zu lassen, Lebenshaltungen, die oft genug gerade Führungspersönlichkeiten gefährden, von denen sehr viele in Beziehungskonflikten leben oder süchtig geworden sind oder keinen anderen Ausweg mehr sehen als den Selbstmord. Wer sich an christlichen Werten orientiert, ist keiner Entwicklung hilflos ausgesetzt.


ERF.de: Welche Risiken sehen sie dort, wo diese Werte keine Beachtung finden?

Dr. Marquardt: Ich sehe die folgenden Risiken: Erfolgssucht statt Erfahrung der Schönheit des Lebens, Orientierungslosigkeit, Verantwortungslosigkeit, Unehrlichkeit und Korruption, praktizierte Ellbogengesellschaft, nicht kalkulierte Risiken, Leichtsinn, Unzufriedenheit, die sich bis in die Mitarbeiterschaft und Familie auswirken kann. Oft fehlt die Freude, die zur Erfüllung der Aufgabe so nötig ist.


ERF.de: Warum sind Werte besonders für Leiter wichtig – und haben einige Leiter hier ein Nachholbedürfnis?

Dr. Marquardt: Führungskräfte in Wirtschaft und Wissenschaft haben, ob sie wollen oder nicht, Vorbildcharakter – Mitarbeiter schauen auf „die da oben“ - was übrigens auch für die Politiker gilt. Der Leiter ist gut beraten, der seine eigenen Stärken und Schwächen kennt und der weiß, wann er an seine Grenzen stößt. Der Wertekodex eines Leiters entscheidet nicht nur über sein eigenes Leben, sondern auch über die Zukunft seines Unternehmens.

Sicher haben manche Leiter Nachholbedarf. Sie kennen die Spielregeln nicht oder sie halten sich nicht daran. Vielleicht ist es ihnen noch nicht bewusst, dass das Leben von innen her gesteuert wird, vielleicht fehlt ihnen noch ein loyaler Ratgeber. Manche Führungskraft übersieht in sträflicher Weise die Bedeutung der Familie und eines christlichen Freundeskreises oder einer Gemeinde.


ERF.de: Welche Erfahrungen haben Sie selbst mit diesen Werten gemacht?

Dr. Marquardt: Eine der erschreckendsten Entdeckungen für mich war, dass eine Lüge so leicht über die Lippen geht, wenn man damit sein eigenes Ansehen verbessert oder Mängel kaschiert. Die Bereitschaft, die Wahrheit zu sagen, auch wenn einem dadurch Nachteile erwachsen, hat etwas außerordentlich Befreiendes. Ich halte es für eine besondere Auszeichnung, wenn jemand sagt: „Bei dir weiß man immer, woran man ist.“ - Was mir auch sehr geholfen hat, war der Wunsch, in finanziellen Dingen Klarheit zu haben, auch kleine Beträge zu quittieren oder eine Quittung zu erbitten. Darüber hinaus war und ist es immer wieder mein Gebet, Gott möge mich davor bewahren, Macht zu gebrauchen oder zu missbrauchen.

Ich schätze an anderen Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Termineinhaltung und bemühe mich selbst, nicht Anstoß zu geben. Eine der beglückendsten Erfahrungen war sicher die: Man kann als Leiter Verantwortung für viele Mitarbeiter tragen, wenn man sich selber geleitet weiß und sich von der Führung Gottes abhängig macht, um dann auch den richtigen Ton zu finden für die, mit denen man am Werk ist.

 

ERF.de: Sie befinden sich im aktiven Ruhestand, engagieren sich aber stark bei diesem Kongress. Warum ist Ihnen gerade das Thema der Werte so wichtig?

Dr. Marquardt: Ich leide an der Entchristlichung der Gesellschaft. Es macht mir zu schaffen, dass in der Öffentlichkeit der Eindruck gewonnen werden kann, dass vielen unsere Demokratie und Wirtschaftsordnung nichts mehr bedeuten oder nicht genug bedeuten. Mich erschreckt die Selbstverständlichkeit, mit der gewissenlose Spekulanten Geld vernichten. Mich erzürnt die Preistreiberei. Mich bedrückt mitzuerleben, wie viele um ihren Arbeitsplatz bangen. Ich möchte gegensteuern gegen diese negativen Entwicklungen, möchte Mut machen, Zuversicht wecken, aber auch deutlich machen, dass wir nur dann die Zukunft erfolgreich meistern werden, wenn wir die Werte bedenken, mit denen zu leben es sich lohnt.
 

ERF.de: Herzlichen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Joachim Bär


Kommentare

Von rita montscher am .

Ich habe ihren Artikel mit grossen Interesse gelesen und muss sagen ,dass diese Werte heute nicht mehr gefragt sind . Ich arbeite im Krankenhaus als Schw. und da gehen diese Werte sehr verloren ,obwohl es sich hier um Menschen handelt , die auf Hlife angewiesen sind . Gerade die Führungskräfte in den Krankenhäusern sollten ihren Artikel zum Lesen bekommen .
Es wäre wunderbar mehr solche Menschen ,wie sie zu haben .
Gruss R. M.


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