Das Haus der Treue

Ich will dir treu sein!

Auch wenn wieder vermehrt nach Tugenden wie der Treue gefragt wird, ist doch kaum jemand bereit, wirklich treu zu sein.

Treue ist heute nicht mehr wirklich Teil einer Freundschaft, Beziehung oder Partnerschaft. Auch wenn wieder vermehrt nach Tugenden wie der Treue gefragt wird, ist doch kaum jemand bereit, wirklich treu zu sein. Ute Horn, Mitarbeiterin in der Eheberatung bei „Team.F“ hat ein Buch mit dem Titel geschrieben: „Ich will Dir treu sein! Partnerschaft, die ein Leben lang hält“.

Im Vorwort schreibt sie dazu, dass Treue heute einer Partnerschaft einen faden Beigeschmack zu geben scheint. Also ob eine Partnerschaft mit der Voraussetzung der Treue langweilig würde oder als ob man seine Freiheit einbüße, wenn man sich für Treue entscheidet. Der Zeitgeist will vermitteln, dass alles jeder Zeit zu haben ist, „worauf du Lust hast, und das zu jeder Zeit.“ Horn möchte deswegen vermitteln, „dass Treue nicht etwa von einem Gefühl abhängig ist, sondern von der klaren Entscheidung“ für die Treue: „Ich will treu sein!“

Treue ist also kein Gefühl, keine Beigabe oder notweniges Übel, Treue ist - wie die Liebe selbst – eine Sache der Entscheidung! Ich kann bestimmen, ob ich Lieben will, ob ich treu sein will oder nicht. Die Aussage „Ich kann nichts gegen meine Gefühle tun!“ ist nicht nur eine faule Ausrede sondern grundlegend falsch.

Das Haus der Treue

Worauf es in einer Beziehung ankommt, die sich von den anfänglichen rosaroten Wölkchen bereits entfernt haben und in die der Alltag eingekehrt ist, lässt sich gut am „Haus der Treue“ verdeutlichen. Die Bausteine, bzw. die Etagen dieses Hauses veranschaulichen gut, was jeder Partner tun kann, damit es ihm selbst und dem Partner leichter fällt, treu zu sein.

Das Erdgeschoss

Zu einer Partnerschaft gehören drei Dinge, die immer als ein ganzes gesehen werden sollten. Sie bilden die „Wohnstätte“, das Erdgeschoss des Hauses: „Das Dreieck der Liebe“. Es besteht aus den drei Elementen selbstlose und freundschaftliche Liebe, Verliebtheit und sexuelle Liebe. Während die Partnerschaft im Laufe eines Lebens verschiedene Phasen durchmacht, stehen die unterschiedlichen Arten der Liebe im Vordergrund. Aber jede dieser Liebesarten macht die Partnerschaft vollständig und trägt zum Gelingen einer Ehe bei. 

Mit der Verliebtheit beginnt eine Partnerschaft. Ein Mensch fühlt sich zu einem anderen Menschen hingezogen. Wenn diese Sympathie erwidert wird, kann es zu einer Freundschaft und zu einer Partnerschaft kommen. Es ist etwas wunderbares, verliebt zu sein, vor allem, wenn diese Verliebtheit erwidert wird. Und noch wunderbarer ist es, wenn es gelingt, sie für einander zu erhalten.

Hier fällt Treue nicht schwer. Wenn aber das Kribbeln abflacht und man sich in einen anderen oder eine andere verliebt hat, kommt die persönliche Entscheidung zum Tragen.

Wie halte ich es mit der Treue?
Will ich treu sein?
Gebe ich meinen Gefühlen dem anderen gegenüber nach?

Quelle: Team.F, Familie Konkret, 5/2002

Noch einmal: Treue ist kein Gefühl, keine Beigabe, kein notweniges Übel. Treue ist meine Entscheidung! Ich bestimme, ob ich treu sein will oder nicht. Jeder kann gegen seine Gefühle ankämpfen. Das ist nichts Unnatürliches oder eine negative Unterdrückung sondern es ist die Beherrschung, nicht jeder Ablenkung nachgeben zu müssen. Gebrauchen Sie keine faule Ausreden – entscheiden Sie sich für die Treue! In einem solchen Fall die Notbremse zu ziehen bedeutet zunächst Überwindung, sich gegen die Sympathie für einen Menschen zu entscheiden. Diese kleine Krise wird Sie und Ihren Partner aber enger zusammenschweißen. Sie beweisen dem Partner, dass er (oder sie) sich auf Sie verlassen kann!

Als Christ empfehle ich Ihnen, zu beten und den lebendigen Gott um Hilfe zu bitten und Ihnen die Verliebtheit zu nehmen. Es hilft auch, mit jemandem über Ihre aus den Fugen geratenen Gefühle zu sprechen. Vertrauen Sie sich einem Freund an – unterlassen Sie es aber, das Objekt Ihrer Begierde einzuweihen. Das macht es schwerer, sich aus diesem Prozess zu lösen. Sie können auch mit Ihrem Partner über Ihre Gefühle reden, wenn er dies verkraftet. Haben Sie aber den Eindruck, dass er es nicht verkraften könnte, ist es keine Unehrlichkeit, ihm Ihr Problem zu verschweigen! Denken Sie dran: Sie retten gerade Ihre Ehe – und auch die Ihres Partners!

„Leichen“ im Keller?

Das „Haus der Treue“ ist natürlich auch unterkellert. Der „Keller der Vergangenheit“ ist ein seltsamer Abstellraum, in den Sie Ordnung bringen müssen. Mit der Zeit sollte er also auf- bzw. leergeräumt sein.

In so einem Keller findet sich Gerümpel wie (alte) Verletzungen, Schuldzuweisungen, Bitterkeit, und anderer Sperrmüll, den Sie mit sich herum und ihrem Partner womöglich nachtragen! Machen Sie sich nichts vor: Dieses alte Zeug hat Einfluss auf Sie und Ihre Ehe – und damit auf Ihren Partner. Sie müssen diesen Sperrmüll loswerden. Christen haben die Möglichkeit der kostenlosen Müllabfuhr: Bei Gott kann man Altlasten ablegen und sich Stärkung und Hilfe erbitten. Er wird auch Ihnen helfen, wenn sie wollen.

Stöbern Sie darum durch Ihre Vergangenheit und überlegen Sie, wie Sie mit Ihren Altlasten umgehen wollen. Alte Beziehungen zu bereinigen und sich für die Treue zu ihrem Partner zu entscheiden, wird Ihrer Ehe eine nie gekannte Festigkeit geben. Reden Sie mit Ihrem Partner über diese Dinge, vergeben Sie ihm/ihr und bitten Sie gleichsam um Verzeihung. Entscheiden Sie sich für die Treue.

Privatgemächer

Über dem Keller und dem Wohnbereich gibt es ein Obergeschoss im „Haus der Treue“: Die verschiedenen Sprachen der Liebe. Gary Chapman hat in seinem Buch „Die fünf Sprachen der Liebe“ eindrücklich beschrieben, dass jeder Mensch einen eigenen Dialekt der Liebe spricht. Dieser Dialekt setzt sich aus fünf Sprachen zusammen:

  • Zweisamkeit – Zeit nur für den anderen
  • Hilfsbereitschaft
  • Zärtlichkeit
  • Lob und Anerkennung
  • Geschenke

Diese fünf Sprachen bilden Wände und Zimmer Ihres ganz persönlichen „Hauses der Treue“. Ihr „Dialekt“ setzt sich aus anderen „Sprachen“ zusammen, als der Ihres Partners und natürlich wird der Dialekt Ihrer Kinder sich ebenso in wichtigen Nuancen von Ihrem eigenen unterscheiden. Das ist niemandem so recht bewusst – deshalb sollte jeder die Sprachen der Liebe seines Partners erlernen.

Wer es fertig bringt, den Partner in seinem eigenen „Liebesdialekt“ anzusprechen, vermittelt ihm eine ganz besondere Annahme, Verständnis und Liebe. Forschen Sie nach Ihrer eigenen Sprache und der Sprache Ihres Partners (und ggf. Ihrer Kinder). Sich für die Treue zu entscheiden, fällt leichter, wenn ein Ehepartner die Sprache des anderen lernt zu verstehen und zu sprechen.

Dachstuhl und Schutz

Damit es nicht ins Haus der Treue hineinregnet – Sie also Schutz vor Krisen und „Regentagen“ haben, sollten Sie sich schützen. Machen Sie sich klar, dass es Krisen geben wird. Das ist eine wichtige und wesentliche Schutzmaßnahme. Mögliche Krisen sind so vielfältig, dass man sie nur Ansatzweise erfassen und aufzählen kann. Dazu gehören:

 

 

 

 

  • das „Zusammenraufen“ in den ersten Ehejahren,
  • das Verhältnis zu Eltern und Schwiegereltern neu ordnen,
  • zu wenig gemeinsame Zeit zu haben,
  • viele Arbeit bzw. Arbeitslosigkeit bewältigen,
  • Finanzen klären, Umgang mit Geld allgemein,
  • die Sexualität,
  • die Urlaubsplanung,
  • die Geburt und Kindererziehung,
  • Umgang mit Krankheiten,
  • Umgang mit dem Älterwerden,
    usw.
  • Bei Christen kommt das Glaubensleben, Praxis und Umsetzung des Gelernten im Glauben hinzu.

Alle Situationen im Leben können letztlich zu Krisen anwachsen. Dazu muss ein Paar gelernt haben, damit umzugehen. Die gemeinsame Bewältigung einer Krise ist – wie die ganze Beziehung – kein Selbstläufer und muss eben gelernt und eingeübt werden. Dazu gehört es, eigene Angewohnheiten zu überdenken und ggf. zu ändern. Nicht jede bei mir funktionierende Strategie der Problembewältigung passt auch auf meinen Partner. Haben Sie also Geduld mit dem Partner – und mit sich selbst.

Ein gute Vorbereitung für die Problembewältigung ist eine Aufstellung eines Krisenmanagements:

 

 

 

  • machen Sie sich bewusst, dass Krisen in Ihrer Ehe kommen werden.
  • Sehen Sie Krisen eher als Chance zu Veränderung und nicht nur als negative Herausforderung.
  • Die gemeinsame Bewältigung von Krisen lässt ein Paar näher zueinander rücken.
  • Seien Sie aufmerksam und lernen Sie zu erkennen, wenn sich eine Krise in Ihrer Ehe anbahnt

Das Vertrauen auf Gott ist eine der wichtigsten Grundlagen, auf die Sie Ihre Ehe stellen können. Mit ihm haben Sie Kontakt zu dem Erfinder der Ehe und einen Helfer und Beschützer Ihrer Ehe. Christen reden dabei von „Segen“. Gott will und wird Ihre Ehe segnen, wenn sie ihm Vertrauen und ernsthaft daran mitarbeiten. Sie haben sicher erkannt, dass Ehe kein Selbstläufer ist – die wie ein Kleidungsstück einen Zweck erfüllt, sobald es angezogen ist. Tun Sie das, was Sie tun können. Für alles, was nicht in Ihrer Hand liegt, dürfen Sie die Hilfe Gottes in Anspruch nehmen. Denken Sie an die beiden Beispiele von Daniel und Michi. Welche Version ist Ihnen lieber?

Quelle: Team.F, Familie Konkret, 5/2002

 


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