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Kinder-Stress gleich Ehe-Stress

Kinder sind ein Geschenk Gottes und wir sollen sie annehmen – erst recht als Eltern! Kinder geben so viel, auch wenn sie anstrengend sind. Ja! Das bedeutet aber nicht, dass eine Mutter oder ein Vater nicht an seine Grenzen stoßen kann. Kleinkinder sind niedlich, aber sie können echte Monster werden. Ich hoffe, dass ich allen, denen es ähnlich geht, Mut machen kann und sie wissen: „Mir geht’s nicht allein so!“

Kinder sind ein Geschenk Gottes und wir sollen sie annehmen – erst recht als Eltern! Kinder geben so viel, auch wenn sie anstrengend sind. Ja! Das bedeutet aber nicht, dass eine Mutter oder ein Vater nicht an seine Grenzen stoßen kann. Kleinkinder sind niedlich, aber sie können echte Monster werden. Ich hoffe, dass ich allen, denen es ähnlich geht, Mut machen kann und sie wissen: „Mir geht’s nicht allein so!“

Kinder brauchen ständig Aufmerksamkeit, weil sie gern „Blödsinn“ machen. Sie wissen natürlich nicht, was uns Erwachsenen das Leben schwer macht. Stundenlang in Aktion scheint ihr Akku nie leer zu werden und das schafft mich! Nicht nur weil Ole ein sehr agiles Kind ist, auch weil ich chronisch krank bin und an Morbus Bechterew leide.

Für eine Frau, die beruflich viel geleistet hat, ist es außerdem langweilig, stundenlang mit dem Kind auf dem Teppich zu spielen. Und mein Sohn langweilt sich, weil seine Mutter sich langweilt. So stressen wir uns beide gegenseitig. Wenn der Papa Abends von der Arbeit heimkehrt, hat der auch nicht immer Lust, mit Ole zu spielen. Er braucht auch seine Ruhe.

Natürlich will ich meinem Mann von meinem Tag erzählen und Frust loswerden, mit ihm reden, etwas von ihm haben. Und wenn mein Mann Erlebnisse von der Arbeit erzählen will und Ole zeitgleich mit einem Schreianfall nervt, dann wird das Familienleben zu einer echten Herausforderung. Erst wenn der Kleine im Bett ist haben wir Zeit für Kleinigkeiten, die erledigt werden müssen. Dann sind wir so müde, dass der Abend vor der Glotze zu Ende geht. Und wenn wir Pech haben, steigt der Kleine noch mal aus dem Bett... Ich frage mich oft, ob das alles ist.

Als wir 2000 geheiratet haben, nahmen wir uns bewusst drei Jahre Zeit für uns. Wir waren unterwegs und hatten viel Zeit Dinge zu tun, die uns Freude machten. Aber wir haben auch gemerkt, dass wir uns zusammen raufen mussten. Darum besuchten wir kurz nach der Hochzeit einen Ehe-Workshop. Da ging es hauptsächlich um Kommunikation zwischen Mann und Frau. Dinge, die wir auf dem Workshop gelernt haben, helfen uns in Schwierigkeiten. Das half und hilft uns, uns konstruktiv auszutauschen und Auswege zu suchen.

2003 kam Ole, zwei Monate später zogen wir von Kiel nach Celle, wegen der Arbeitsstelle. Hochschwanger, kannte ich die neue Wohnung nur von Fotos. Ich zog also nicht nur in eine unbekannte Wohnung, sondern auch in eine fremde Stadt. Da saß ich mit dem Baby zu Hause und mir fiel die Decke auf den Kopf. Eine Frau mit Kind ist in fremder Umgebung isoliert. Zunächst ging das gut, aber dann wurde es zu einem nicht zu unterschätzenden Problem: Ich war unzufrieden.

Mein Mann hatte eine tolle Arbeit, nette Arbeitskollegen und war manchmal sogar im Ausland. Abends hatte er Sehnsucht nach seiner Frau und Geborgenheit. Nur ist Frau auch mal ganz froh, wenn sie für sich sein darf, wenn sie den ganzen Tag das Kind an der Brust oder an der Hosennaht hat. Nähe wurde schwierig und wir spürten instinktiv, dass das nicht so weitergeht. Zu vernünftigen Gesprächen kam es kaum noch.

Wir legten einen Ehe-Abend am Freitag fest, der uns bei der massiven Umstellung half. Akute Probleme klären wir sofort. Der Ehe-Abend sollte Grundsätzlicheres klären:

  • Welche gemeinsamen Ziele haben wir?
  • Wem geht es gut, wem schlecht?
  • Warum?
  • Wie wollen wir unser Kind erziehen?
  • Können wir uns weiter entwickeln?
  • Was können wir ändern?
  • Wo und wie können wir Hilfe von Anderen annehmen?

    Dieser Abend ist für unsere Ehe etwas ganz Besonderes und wird nur im Notfall verschoben. Er hält uns zusammen. Denn wenn wir nicht miteinander reden, zerbricht etwas an der Beziehung. Jeder ist aufgefordert, alles sensibel anzusprechen, was die Beziehung stört.

    Zusätzlich achten wir darauf, immer wieder unserem Familienalltag entfliehen zu können. Dazu gehört, dass wir Ole immer wieder mal abgeben. Da die Großeltern weit weg wohnen, fanden wir im neuen Freundeskreis eine handvoll netter Leute, die Ole gern betreuen. So konnten wir zum Beispiel im letzten Jahr zum Kirchentag. Solche Lücken müssen wir uns einfach suchen. Am Anfang fällt es vielleicht ein wenig schwer, nach Hilfe zu fragen und sie anzunehmen. Aber es erleichtert den Alltag.

    Seit wenigen Tagen geht Ole zwölf Stunden in der Woche zu einer Tagesmutter. Warum? Weil mein Sohn keinen Mittagsschlaf mehr macht und ich mich nicht mehr erholen kann. Meine Krankheit ist kein Grund, kein Kind zu haben. Aber ich brauche diese Ruhephasen. Wenn ich erholt bin, habe ich eine Menge Kraft und Geduld für meinen Sohn, wenn er sich wieder mal mit dem Mittagessen voll matscht.

    Und wenn ich Zeit für mich habe, entspannt sich auch das Verhältnis zwischen ihm und mit. Wir langweilen uns nicht gegenseitig und das Spielen mit der Murmelbahn macht auch wieder Spaß. Spielen ist wichtig. Lernen auch, für Eltern wie für Kinder. Wir lernen viel von einander und wir lernen zusammen – und wir lernen eben auch, wo wir Grenzen ziehen müssen. Denn wir sind eine Familie und wollen es bleiben. Die Zeit nehmen wir uns.

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