Gemeindestudie: Führen Gottesdienstbesuche immer zu geistlichem Wachstum?

"Reveal" ("offenlegen") lautet der Titel einer Studie, an der sich Dutzende Gemeinden in den USA beteiligen. Dabei gehen die Gemeinden etwa der Frage nach, welche geistliche Entwicklung ihre Mitglieder durch Gottesdienste und Predigten vollzogen haben.

"Reveal" ("offenlegen") lautet der Titel einer Studie, an der sich Dutzende Gemeinden in den USA beteiligen. Dabei gehen die Gemeinden etwa der Frage nach, welche geistliche Entwicklung ihre Mitglieder durch Gottesdienste und Predigten vollzogen haben  Auch die Willow Creek Community Church in South Barrington bei Chicago führte die Studie durch – aus den Ergebnisse will die Gemeinde Konsequenzen ziehen.

Mehr als 15.000 Besucher waren im Rahmen der "Reveal"-Studie ab dem Jahr 2004 zunächst in der Ortsgemeinde Willow Creek in South Barrington befragt worden. In einem zweiten Durchgang kamen weitere 30 Gemeinden unterschiedlichster Prägung hinzu. Derzeit läuft die dritte Welle der Studie, bei der 500 Gemeinden weltweit untersucht werden.

"Ein Ergebnis der Studie ist bislang, dass die Teilnahme an Aktivitäten der Gemeinde, also der Besuch des Gottesdienstes und Kleingruppen oder die Mitarbeit, nicht automatisch zu geistlichem Wachstum der einzelnen Mitglieder führt", erläutert Jörg Ahlbrecht, Referent für Training und Netzwerk von Willow Creek Deutschland. 

"In der Tat nimmt die Bedeutung der gemeindlichen Angebote im Laufe der Zeit ab, je länger ein Mensch Nachfolger Jesu ist. Ab einem gewissen Entwicklungsgrad wechselt die Bedeutung der Gemeinde von der primären zur sekundären Kraft." Daher würden geistliche Übungen, Zweierschaften oder eigenes intensives Bibelstudium für das geistliche Wachstum eines Menschen immer wichtiger. "Ab einem gewissen Punkt sollten Christen für ihr geistliches Wachstum selbst die Verantwortung übernehmen. Andernfalls bleiben sie in ihrer Entwicklung stecken. Wer weiterhin in erster Linie von der Gemeinde erwartet, dass sie ihn füttert und versorgt, wird letztendlich frustriert werden", so Jörg Ahlbrecht zu den Ergebnissen der Gemeindestudie.

Die Studie identifizierte zudem zwei große Gruppen von Menschen, die in ihrer geistlichen Entwicklung stecken geblieben sind. Die eine Gruppe hatte nach der Bekehrung aufgehört, geistlich zu wachsen, die andere Gruppe gehörte zu den engagierten Mitarbeitern, die aber frustriert waren, weil sie durch die Aktivitäten der Gemeinde nicht mehr genügend "geistliche Nahrung" bekamen.

Insbesondere diese Ergebnisse der Studie nutzen derzeit einige Kritiker von Willow Creek, um der Gemeinde ein Versagen oder eine Fehlstrategie in ihrer Ausrichtung auf Nicht-Christen zu unterstellen. "In Internet-Blogs oder Blättern wird groß berichtet, dass Willow Creek Buße tut", so Jörg Albrecht. "Doch dabei wird auch unterschlagen, dass Willow Creek nie von sich behauptet hat, keine Fehler gemacht zu haben. Die Gemeinde setzt seit 30 Jahren auf Transparenz und möchte sich niemals besser darstellen als sie ist. Was ich aber vorbildhaft finde, ist, dass diese Gemeinde sich ständig überprüft, und auf Fehlenwicklungen angemessen reagiert."

Kritiker vergäßen zudem den Umstand, dass es in Deutschland keine vergleichbare Studie zum geistlichen Wachstum von Gemeindemitgliedern gebe. "Die 'Reveal'-Studie fragt genau danach, und auch in Deutschland würden wohl einige Christen antworten, dass der Besuch des Gottesdienstes oder die Mitarbeit nicht automatisch zu geistlichem Wachstum führen."

Weitere Ergebnisse und seine Einschätzung der Studie wird Bill Hybels, Gründer und langjähriger leitender Pastor der Willow Creek Gemeinde, auf dem Leitungskongress in Oberhausen vom 7.- 9. Februar 2008 vorstellen.

Als weitere Referenten für den WillowCreek-Kongress, der unter dem Thema steht: „Geistlich leiten – da wo sie sind…“ haben zugesagt: Patrick Lencioni, Präsident einer Management-Beratungsfirma, der sich auf die Beratung von Leitungsgremien sowie die Organisationssentwicklung spezialisiert hat, Carly Fiorina frühere Vorstandsvorsitzende von Hewlett-Packard, der frühere US-Präsident Jimmy Carter und Prof. Dr. Michael Herbst, Prof. für Praktische Theologie an der Universität Greifswald.

Weitere Informationen zu "Reveal": www.revealnow.com , zum Leitungskongress unter www.willowcreek.de.

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