Nach Geiseldrama: Debatte um christliche Hilfe in Krisengebieten

In die Freude der Christenheit über die Freilassung von 21 südkoreanischen Christen aus der Hand der radikal-islamischen Taliban in Afghanistan mischt sich eine Debatte über die Frage, ob christliche Aktivitäten in Krisengebieten angemessen sind.

S e o u l (idea) – In die Freude der Christenheit über die Freilassung von 21 südkoreanischen Christen aus der Hand der radikal-islamischen Taliban in Afghanistan mischt sich eine Debatte über die Frage, ob christliche Aktivitäten in Krisengebieten angemessen sind. Der Internationale Direktor der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA), Geoff Tunnicliffe (Markham/Kanada), will vom 13. bis 17. September nach Südkorea reisen und hofft, mit den nach sechs Wochen freigelassenen Geiseln sprechen zu können.

Er wolle ihnen die Freude der evangelikalen Gemeinschaft über das für sie glückliche Ende der Geiselnahme zum Ausdruck bringen. Gleichzeitig trauere die Christenheit mit den Familien der beiden Südkoreaner, die von den Taliban erschossen wurden. Mit führenden Repräsentanten der südkoreanischen Christen wolle er erörtern, wie christliche Dienste in gefährlichen Regionen aussehen könnten. Zudem gelte es, die Auswirkungen des Regierungsverbots der weiteren Ausreise von Christen nach Afghanistan zu diskutieren. Als Gegenleistung für die Freilassung der Geiseln hatten südkoreanische Unterhändler den Taliban versprochen, bis Jahresende die rund 200 südkoreanischen Soldaten der internationalen Friedenstruppe ISAF abzuziehen und alle Missionstätigkeiten in Afghanistan einzustellen. Südkoreanische Christen gehören zu den missionarisch und diakonisch aktivsten der Welt. Etwa 17.000 Mitarbeiter sind in 173 Ländern tätig. Der WEA zufolge engagierten sich bisher etwa ein Dutzend koreanische Hilfsorganisationen und Kirchen mit rund 100 ehrenamtlichen Mitarbeitern in Afghanistan. Seit 2002 reisten jährlich zwischen 400 und 500 Südkoreaner in das Land, um die Bevölkerung beim Aufbau von Gesundheits- und Bildungseinrichtungen, Landwirtschaft und Informationstechnologie zu unterstützen. Die WEA repräsentiert etwa 420 Millionen Evangelikale in 128 Staaten.

ÖRK: Wir beten für die Hinterbliebenen
Der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), Samuel Kobia (Genf), hat ebenfalls seine Freude und Dankbarkeit für die Freilassung der 21 südkoreanischen Geiseln zum Ausdruck gebracht. Er versicherte ferner, dass die Christenheit weiter für die Hinterbliebenen der beiden ermordeten Männer beten werde. Der ÖRK umfasst 347 evangelische, orthodoxe und anglikanische Kirchen mit rund 560 Millionen Mitgliedern in mehr als 110 Ländern. Die Ex-Geiseln, die aus einer presbyterianischen Gemeinde in Bandung stammen, hatten sich nach ihrer Rückkehr für allen Beistand bedankt und um Verzeihung für die Unruhe gebeten, die sie verursacht hätten. Sie seien nach Afghanistan gegangen, „um Gottes Liebe zu verbreiten und seine Wünsche auszuführen“.