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Geiseldrama: Freigelassene Christinnen an sicherem Ort

Die beiden von den radikal-islamischen Taliban in Afghanistan freigelassenen südkoreanischen Geiseln befinden sich an einem sicheren Ort in Obhut der Botschaft ihres Landes und bereiten sich auf die Heimkehr zu ihren Familien vor.

K a b u l / S e o u l (idea) – Die beiden von den radikal-islamischen Taliban in Afghanistan freigelassenen südkoreanischen Geiseln befinden sich an einem sicheren Ort in Obhut der Botschaft ihres Landes und bereiten sich auf die Heimkehr zu ihren Familien vor. Die beiden erkrankten Christinnen, Kim Gin-A (32) und Kim Kyung-Ja (37), waren von den Entführern am 13. August als „Geste guten Willens“ dem Roten Kreuz übergeben worden. Insgesamt befinden sich noch 19 Südkoreaner in der Gewalt der Taliban.

Die Geiselnehmer haben bereits zwei Männer erschossen - den 42-jährigen Jugendpastor Bae Hyung-Kyu und den 29-jährigen Computerexperten Shim Sung-Min. Sie wollen damit ihrer Forderung, inhaftierte Gesinnungsgenossen freizulassen, Nachdruck verleihen. Vor fast vier Wochen, am 19. Juli, waren die christlichen Aufbauhelfer, meist Krankenschwestern aus einer presbyterianischen Kirchengemeinde, in der Provinz Ghasni entführt worden, als sie einen Kindergarten für mittellose Kinder und Waisen besuchen wollten. Die Verhandlungen mit den Geiselnehmern sind offenbar ins Stocken geraten. Presseberichten zufolge erklärte Taliban-Sprecher Qari Jussuf Ahmadi, es würden keine weiteren Geiseln freikommen, solange die Forderungen nach Freilassung von Gesinnungsgenossen nicht erfüllt seien.

Ökumenischer Leiter betet mit Angehörigen
Unterdessen versammeln sich die Angehörigen der Entführten täglich in der reformierten Presbyterianischen Sammul-Gemeinde in Bundang nahe Seoul. Bei einem Besuch am 14. August versicherte ihnen der Generalsekretär des Weltkirchenrats, Samuel Kobia (Genf), dass Millionen Christen rund um den Globus für die schnelle Freilassung aller Geiseln beten. „Ihr Schmerz ist unser Schmerz, und Ihre Tränen sind auch unserer Tränen“, so Kobia. Der Weltkircherat repräsentiert 347 evangelische, orthodoxe und anglikanische Kirchen mit rund 560 Millionen Mitgliedern. In der Sammul-Gemeinde versammeln sich von morgens bis abends die Angehörigen und Freunde der Geiseln zum Beten. Hauptpastor Eun Jo Park hat bedauert, dass er den Einsatz seiner Gemeindemitglieder in Afghanistan zugelassen habe und die Verantwortung dafür übernommen. Als Folge des Geiseldramas wollen christliche Gruppen in Südkorea ihre Hilfsaktionen in Krisengebieten einschränken. In Afghanistan engagieren sich gegenwärtig etwa ein Dutzend koreanische Hilfsorganisationen und Kirchen mit rund 100 ehrenamtlichen Mitarbeitern. Seit 2002 reisten jährlich zwischen bis zu 500 Südkoreaner in das Land, um beim Wiederaufbau von Gesundheits- und Bildungseinrichtungen, Landwirtschaft und Informationstechnologie zu helfen.

Drei Deutsche bei Anschlag getötet
Keine weiteren Nachrichten gibt es über das Schicksal des in Afghanistan entführten deutschen Bauingenieurs Rudolf B. Er hatte zuletzt in einem Telefoninterview mit dem arabischen Sender Al Dschasira die deutsche und die afghanische Regierung gebeten, sich intensiver für seine Freilassung einzusetzen. Ihm gehe es gesundheitlich nicht gut. Der zusammen mit ihm entführe Rudolf B. war in Gefangenschaft erschossen worden. Unterdessen gehen die Anschläge weiter. Am 15. August kamen bei einem Überfall auf einen Auto-Konvoi in Kabul offenbar drei deutsche Polizisten ums Leben, die als Sicherheitskräfte an der deutschen Botschaft tätig waren. Im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan haben muslimische Extremisten einen afghanischen Soldaten enthauptet, der mit 15 Kameraden entführt worden war.