Lebensrecht Lesezeit: ~ 3 min

15. „Marsch für das Leben“ in Berlin

Tausende demonstrierten vor dem Reichstagsgebäude für mehr Schutz von Ungeborenen.

 

 

Ein strahlend blauer Himmel erstreckt sich am Samstag über Berlin. Vor dem Reichstagsgebäude tummeln sich Menschen mit Kinderwagen und Luftballons. Der Anlass hat jedoch keinen Volksfestcharakter. Mehrere Tausend Menschen aus ganz Deutschland demonstrieren hier für das Lebensrecht ungeborener Kinder. „Es hibt noch Menschen in diesem Land, die es nicht in Ordnung finden, Kinder bis vor der Geburt abzutreiben.“ „Frauen brauchen eine Chance, ihr Kind bekommen zu können.“ So und ähnlich lauten die Statements der Demonstranten.

Veranstaltet hat den „Marsch für das Leben“  der „Bundesverband Lebensrecht“. In ihm arbeiten verschiedene – vorwiegend christliche – Lebensschutz-Organisationen zusammen. Bereits zum 15. Mal demonstrieren die Teilnehmer gegen das aktuelle Abtreibungsrecht. Dabei gehe es um eine Pro-Life-Bewegung und nicht um eine Diffamierung von schwangeren Frauen, so Cornelia Kaminski.
 

Frauen machten sich Abtreibung nicht leicht

Als Bundesvorsitzende der „Aktion Lebensrecht für alle“ wisse sie, dass Frauen es sich mit einer Abtreibung nicht leicht machten. „Unsere Aufgabe ist es, genau das zu respektieren und zu sagen: ‚Wenn dir das nicht leicht fällt, dann ist die Konsequenz, dass du hinterher eventuell überlegst, ob du die falsche Entscheidung getroffen haben könntest.“ Es gehöre daher zum Recht auf Selbstbestimmung dazu, alle Informationen zu haben und alle Hilfen zur Verfügung gestellt zu bekommen, um die richtige Entscheidung treffen zu können. „Und dafür sind wird da!“

Es gehört zum Recht auf Selbstbestimmung dazu, alle Informationen zu haben und alle Hilfen zur Verfügung gestellt zu bekommen, um die richtige Entscheidung treffen zu können.

 

In diesem Jahr ist die Botschaft: Ein Leben mit genetisch bedingter Behinderung, insbesondere dem Down-Syndrom, ist lebenswert. Hintergrund ist eine aktuelle Entscheidung: Gesetzliche Krankenkassen werden in Zukunft verpflichtet einen Bluttest für Schwangere zu finanzieren. Der weist das Down-Syndrom nach und soll kostenlos sein für alle Risikoschwangerschaften. Sprich: für alle Frauen ab 35. Die Demonstranten rechnen dadurch mit noch mehr Abtreibungen. Gleichzeitig seien wichtige Fragen des Datenschutzes nicht geklärt, so Mechthild Löhr von den Christdemokraten für das Leben: „Das komplette Genom wird erfasst und gespeichert.“ Die Daten blieben bei der Firma, die den Bluttest auswerte. Damit bestehe die Möglichkeit, jede nur bekannte genetisch bedingte Anlage offen zu legen.

Ein Leben mit genetisch bedingter Behinderung, insbesondere dem Down-Syndrom, ist lebenswert.

 

Der Bundesverband Lebensrecht sieht damit den Weg zum genetisch definierten Wunschkind vorgezeichnet. Der Staat sei überfordert, Missbrauch zu verhindern. Schließlich könne er nicht in jedes Labor schauen.

Wie in den Jahren zuvor, so gab es auch diesmal wieder Gegenproteste gegen den Marsch für das Leben. Demonstranten aus dem linksautonomen Spektrum traten aggressiv auf und mussten von Polizeibeamten in die Schranken gewiesen werden. Rückenwind bekamen die Gegendemonstranten von den Kandidaten für den SPD-Bundesvorsitz, Christina Kampmann und Michael Roth. Sie wollen die Abtreibung legalisieren. Bisher ist sie in Deutschland nur straffrei.
 

Die Menschen werden nachdenklicher

Dennoch: Der Horror von einem genetisch maßgeschneiderten Wunschkind führe ebenso zu einem Umdenken in der Gesellschaft wie Proteste von Menschen mit Down-Syndrom, die in der Vergangenheit in der Öffentlichkeit aufgetreten sind, beobachtet Mechthild Löhr. Die Arbeit des Bundesverbands Lebensrechts und anderer Lebensrechtsorganisationen scheint Wirkung zu zeigen, so Mechthild Löhr: „Die Menschen werden nachdenklicher. Das hoffe ich!“

Und diese Botschaft passt dann doch wieder zum blauen Himmel vor dem Reichstag am Wochenende in Berlin.


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