Höher, schneller, weiter

Immer schneller – ausgebrannt

Psychische Erkrankungen wie das Burnout-Syndrom sind laut statistischem Bundesamt mittlerweile die zweitwichtigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit in Deutschland. Von 2004 bis 2014 hat sich die Zahl von Krankschreibungen wegen Burnouts von 4 Tagen auf 74 Tage pro Jahr erhöht - eine Steigerung um fast 2000 Prozent! Der Druck, ständig verfügbar zu sein und Leistung bringen zu müssen, nimmt stetig zu. Die Gesellschaft verändert sich schneller als je zuvor und wer nicht Schritt halten kann, muss sehen, wo er bleibt. Erfahren Sie hier, wie ein guter Umgang mit dem steigenden Leistungsdruck aussehen kann, und welche Rolle der Glaube dabei spielt. 

Vielen Menschen, die mit dem Druck nicht mehr klarkommen, geht es so wie Stefan Metzger. Er ist ein ganz normaler Mann: berufstätig, glücklich verheiratet und Familienvater. Dennoch muss er eines Tages bestürzt feststellen: „Vor ein paar Jahren hätte ich das alles fast weggeworfen.“ Der Grund: Erschöpfungsdepressionen. Es beginnt schleichend, den Beginn der Erkrankung kann er heute nicht mehr identifizieren. Über einen Zeitraum von 10 Jahren nehmen die Probleme zu. Lange schafft er es zu funktionieren, doch abends fällt er nur noch müde auf die Couch, wird wegen jeder Kleinigkeit aggressiv und will niemanden mehr sehen. Aber er ist zu stolz, um jemanden um Hilfe zu bitten. Erst nach einem Zusammenbruch merkt er: Ich brauche Hilfe.

 

Für Stefan Metzger war der christliche Glaube Hilfe und Kraftquelle. So wie ihm geht es auch vielen anderen Christen: Der Glaube ist für sie eine wichtige Ressource. Man ist Teil einer weltweiten Bewegung, die diese Welt zu einem besseren Ort machen will. Man trägt seinen Teil zu Gottes Geschichte mit allen Menschen bei und erlebt das eigene Leben als sinnvoll und erfüllend. Und das Beste: Für die ganze Mühe gibt es sogar Lohn im Himmel. 

Zum Artikel „Gott überfordert nicht“ (Foto: Eisenhans / fotolia.com)

Gleichzeitig gibt es wohl in fast jeder christlichen Gemeinde mehr zu tun als zu schaffen ist. Es besteht die Gefahr, dass man sich vereinnahmen oder aus Druck überfordern lässt. Darf man als Christ sagen: „Es ist genug. Bis hierhin und nicht weiter!“? Wer das nicht tut, droht Gefahr auch in der Gemeinde im schlimmsten Fall in einem Burnout zu landen. Im Artikel „Gott überfordert nicht“ finden Sie fünf Wahrheiten, damit der christliche Glaube Sie befreit und nicht versklavt. 

Andreas von Heyl (Foto: Privat)

Trotzdem entsteht auch in Gemeinden häufig eine Art frommer Leistungsdruck. Es ist nicht verwunderlich, dass auch Mitarbeiter in Gemeinden innerlich ermüden - und das ganz unabhängig davon, ob sie hauptamtlich angestellt oder Ehrenamtliche sind. Anfangs investiert man sich noch voller Leidenschaft und das Engagement macht Spaß und kostet kaum Kraft. Doch irgendwann wendet sich das Blatt. Im Artikel Burnout, nein Danke! finden Sie hilfreiche Tipps von Gemeinde- und Krankenhauspfarrer Andreas von Heyl, damit Sie im Dienst für Gott nicht ausbrennen.


Markus Roll spricht über seinen Ausweg aus dem Burnout (Länge: 76:19)

Markus Roll, Leiter einer modernen Kirchengemeinde, hat diesen Balanceakt nicht hinbekommen. „Mein Lebenskonzept ergab keinen Sinn mehr!“, sagt er heute, sieben Jahre nach seinem Zusammenbruch. Trotz mancher Erfolge ist er am Ende seiner Kraft, seines Glaubens und seiner Ehe. Am Tiefpunkt muss er sich eingestehen, dass er eigentlich vor allem eins gesucht hat: Anerkennung und Liebe. In der Sendung  „Der Krieg ist zu Ende“ erzählt er von seinem Weg zur Heilung und einem neuen Leben.

Christoph Zehendner im Interview: „Auch Ruhe gehört in den Terminkalender“ (Foto: Gerth Medien)

Auch Liedermacher, Theologe und Journalist Christoph Zehendner ist ein vielbeschäftigter Mann. Seit zwei Jahren lebt er mit seiner Frau im Kloster Triefenstein und hat dadurch einen ganz neuen Zugang zur Stille entwickelt. In seinem Album „ganz nah“ lädt er ein, sich auf dieses Thema einzulassen. Er sagt: „Gerade weil ich von Natur aus kein Mensch bin, der total aus der Ruhe lebt; gerade weil ich Hektik und Stress im Alltag kenne, ist bei mir die Sehnsucht nach Stille und Ruhe besonders stark.“ 

Christlicher Glaube heißt Freiheit (Bild: MariaDubova / istockphoto)
Zum Artikel Christlicher Glaube heißt Freiheit! (Foto: MariaDubova / istockphoto.com)

Egal, ob man an Jesus glaubt oder nicht: Eine der größten Herausforderungen des modernen Menschen ist der Umgang mit Leistungsdruck. Gibt es einen Weg, sich – zumindest teilweise – davon zu befreien? Von der Antwort auf diese Frage hängen Lebensqualität, Zufriedenheit und Gelassenheit ab. Der christliche Glaube behauptet von sich, die Menschen frei zu machen. Für viele ist es schwer vorstellbar, dass der christliche Glaube eine Religion der Freiheit sein soll: „Oft wird er als eine rigide Weltanschauung voller Verbote und Auflagen verstanden. In der praktischen Ausübung zeichnen sich die Anhänger des christlichen Glaubens tatsächlich häufig eher durch das aus, was sie verbieten und ablehnen. Vom Grundgedanken her ist das Christentum aber voll und ganz von Freiheit durchdrungen.“ Wenn Sie ähnliche Bedenken haben und mehr über die Freiheit wissen wollen, die der Glauben schenkt, lesen Sie den Artikel Christlicher Glaube heißt Freiheit! aus unseren Glaubens-FAQs.