/ Wort zum Tag

Mein Weg ist dem HERRN verborgen

Bibelvers

Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht vor meinem Gott vorüber«?

Jesaja 40,27

Wahrscheinlich hatten Israel und Jakob gute Gründe, sich von Gott vergessen und verlassen zu fühlen. Die Menschen waren aus ihrer Heimat vertrieben. Von Frieden, Sicherheit und Wohlstand war bei ihnen nichts zu spüren. Sie waren der Willkür fremder Machthaber und Bürokraten ausgeliefert. Weit weg von Heimat oder Tempel. Genau so empfinden sie es: entweder ist es Gott egal, was mit uns geschieht. Gott hat uns vergessen oder er ist hier genauso ohnmächtig wie wir oder es gibt Gott womöglich gar nicht.

Gute Gründe gibt es auch heute genug, warum es töricht erscheint, noch an einen Gott zu glauben, der sich um uns kümmert und der am Zustand der Welt etwas ändern könnte. Steht nicht unsere alltägliche Erfahrung dagegen, die Schreckensmeldungen von Gewalt und Terror und Zerstörung.

Menschlicher Härte und Bosheit scheint niemand zu widersprechen oder ihnen etwas entgegenzusetzen – kommt Gott dagegen nicht an? Hartnäckig weigern sich Menschen, ihre Herzen von Gott gewinnen zu lassen und ihm Raum einzuräumen. Das Leben auf Liebe und Vertrauen zu bauen scheint zumindest mal naiv.

Dagegen setzt Gott aber nicht Lautstärke und Gewalt, sondern Liebe und Geduld. Gottes Weg zu den Menschen, mit den Menschen und auch seine Zukunft mit dieser Welt ist der Weg Christi: die Stationen dieses Wegs: die Geburt eines Säuglings, der selbst bald ein Flüchtlingskind ist, der junge Mann, der die machtstrotzenden Römer mit einfachen Worten verunsichert, der Gekreuzigte, der für seine Feinde betet und der Auferstandene. So ist Gottes Macht: durch das Dunkel und die Ohnmacht hindurch zeigt sich, wie stark und mächtig die Macht seiner Liebe ist.

Gott ist nicht ohnmächtig, aber er geht den Weg mit ins Exil. Er wählt den Weg der Herzen: jedes Herz will er gewinnen, nicht bezwingen. Das ist die Zusage der Propheten an Israel, der Engel an die Hirten, der Auferstehungszeugen an uns: Gott ist da. Er ist treu. Er hat dich nicht vergessen. Er ist der, dem die Zukunft gehört und du gehörst dazu.

Diese Zusage ist auch eine Herausforderung gegen den Augenschein, durch die eigenen Zweifel hindurch zu Gott zu stehen. Halte fest an deinem Vertrauen, an deinem Glauben. Geh den Weg mit, den Gott geht – den Weg der Liebe, des Verzichtens auf Gewalt, des Loslassens, des Vertrauens, der Solidarität mit denen, die heute in einem fremden Land, nämlich bei uns, Zuflucht suchen und sich alleingelassen und verlassen und ohnmächtig fühlen. Verlass dich auf Gott und öffne ihm dein Herz, überlass deine Sorgen ihm, dann kannst du dich getrost dafür einsetzen, dass diese Welt ein Stück besser wird.

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