Erfahrungsbericht

Wenn Gott Geschichte schreibt...

Jenny Jansen hat ihre Vatersuche nie aufgegeben und wird jetzt dafür belohnt.

© ERF Medien

Wie es mit unserem Studiogast Jenny Jansen und ihrer verzweifelten Suche weiterging.

„Mein Leben lang war ich auf der Suche, nach meiner Herkunft, meiner Identität.“ Das erzählt unser Studiogast Jenny Jansen. Vor einem Jahr haben wir ihre berührende Geschichte in unserer TV Sendung Mensch, Gott! erzählt. Ihr ganzes Leben lang suchte sie ihren Vater, fand einen Menschen, der dachte ihr Vater zu sein und sich nach 16 Jahren doch als ein Fremder herausstellte. Aufgeben kam für Jenny Jansen trotzdem nicht in Frage. Im Studio hat sie uns erzählt, dass die Suche weitergeht, auch wenn niemand mehr daran glauben kann, dass sie jemals erfahren wird, wer ihr Vater wirklich war. Jenny Jansen sollte uns alle eines Besseren lehren. Nach 57 Jahren hat sie tatsächlich ihren Vater gefunden, hier erzählt sie ihre überwältigende Geschichte.

Die Suche nach Mutter und Vater ist zunächst erfolgreich

Meine Mutter gab mich gleich nach meiner Geburt zur Adoption frei. Im Alter von drei Monaten wurde ich von einem amerikanischen Ehepaar adoptiert. Ich musste aber recht schnell diese Familie wieder verlassen und kam für weitere drei Monate ins Kinderheim. Von dort als Pflegekind in das katholische Pfarrhaus und mit neun Jahren wurde ich endlich adoptiert von der Pfarrhaushälterin Maria J.

Die Suche nach der Antwort auf die Fragen „Wer bin ich wirklich“ und „Wo komme ich her?“ war mein ständiger Begleiter seit meiner Pubertät. Einsamkeit, Nicht-Verstanden-Sein und Rassismus als „Kind des Herrn Pastors“ bis zum „Neger aus der Geilenkirchener Strasse“ prägten meine Gedanken und ich hatte nur einen Wunsch: geliebt zu werden um meiner selbst willen. Nicht weil ich „brav“ war und alles tat, was die Adoptivmutter sich wünschte, nicht weil ich „gut“ war und zu allem „Ja“ sagte, um anderen zu gefallen, und nicht weil ich immer alles an Rechnungen übernahm, nur um eine Freundin, einen Freund zu haben.

Gegen den Willen und die Überzeugung meiner Adoptivmutter suchte ich vom 16. Lebensjahr an meine leibliche Mutter und traf sie mit 28 Jahren das erste Mal in Huntsville, USA, wo sie verheiratet war und mit weiteren vier Kindern lebte. Ich stellte fest, dass es einen vier Jahre älteren Bruder gab, zwei jüngere Brüder und eine Schwester. Meine Mutter beantwortete mir die Frage nach dem Vater mit der Andeutung eines „Oberlippenbartes“ und dass er Willie hieß. Mit Hilfe einer Zeitschrift, die mir die Reise und auch den Aufenthalt in USA finanzierte, fand ich in San Francisco Mr. Willie B., ein ehemaliger, farbiger GI der US-Army. Er freute sich und mit ehrlichem Herzen nahm er mich auf. Ja, er telefonierte mit meiner Mutter und unterschrieb sogar eine „Vaterschaftsanerkenntnisurkunde“. Mit 30 Jahren hatte ich Vater und Mutter.

Doch die Zerrissenheit machte mir Kummer: ich in Deutschland eine Schwarze, in den USA ein Mischling und für meine Mutter? Ein Ärgernis, weil sie im Süden der USA mit einer Tochter meiner Hautfarbe um die anderen Geschwister fürchtete. Mein schwarzer Vater dagegen bot mir an, ich solle bei ihm in Kalifornien bleiben. Ich ging zurück, um mein Studium zu beenden, und kam in eine große Krise. Ich wusste nicht mehr, wo mein Platz war, hier oder dort.

Mit Gott unterwegs

Ein Autounfall 1989 brachte mich zum Glauben an Jesus Christus, spendete mir Erlösung und einen neuen Lebenssinn, aufgebaut auf den biblischen Grundlagen. Die ganze Pfarrhaus-Erziehung bekam jetzt irgendwie Sinngehalt. Doch meine Adoptivmutter starb im selben Jahr. Ohne Jesus hätte ich den Verlust nie verkraftet, da ich mehr an ihr hing als ich damals je zugegeben hätte. Dann besuchte ich meine leibliche Mutter erneut, um sie besser kennenzulernen, doch unsere Leben konnten nicht mehr zusammengefügt werden. Sie verstarb kurze Zeit später im Jahr 1993.

So wurde ich mit Mr. Booth enger und wir hatten einige gute Jahre. Seine 2. Ehefrau liebte mich wie eine Tochter, da sie mit ihm keine eigenen Kinder hatte. Als sie verstarb, nahm sie das Herz meines Vaters mit. Er wurde sehr krank und 2003 rief man mich in die USA zu kommen. Er lag im Sterben und seine Töchter aus erster Ehe verlangten einen Gentest. Wir verabschiedeten uns und er umarmte mich mit den Worten: „Du wirst für immer meine Tochter sein. Ich halte gar nichts von diesem Test.“

Anklagen gegen Gott

Dann zerbrach erneut meine Welt. Ohne Jesus hätte ich diese schlimme Zeit niemals überstanden. Mr. Booth war nicht mein Vater. Ich dachte an Gentest-Manipulation, an Betrug wegen meiner Erbeinsetzung, die von den Töchtern wieder ausgesetzt wurde und an den Feind. Warum nur? Hatte ich nicht schon genug mitgemacht? Ich machte den Gentest in Deutschland erneut. Ein paar Briefmarken fand ich noch und bei der letzten Marke war genügend Genspur-Material. Leider erneut: Nein! Der Briefabsender, Mr. Booth, war nicht mein leiblicher Vater! Ich verstand die Welt nicht mehr.

Meine Adoptivmutter hatte mich ja auch schon enterbt, weil ich meine leibliche Mutter gesucht und gefunden hatte. Dann jetzt auch noch diese Schmach! Ich schrie zu Gott, ich weinte, ich suchte Rat bei Menschen und Fachleuten. Mit den Jahren verging der Schmerz und Wut machte sich breit: Ich erfuhr, dass beim Jugendamt mittlerweile alle Akten vernichtet worden waren. Keinerlei Anhaltspunkte mehr. Auch beim Tod der leiblichen Oma mütterlicherseits war in deren Nachlass nicht ein Hinweis auf meine Mutter und meinen Vater zu finden.

Wie sollte ich jemanden finden, von dem ich weder Name noch ein Bild hatte? Ein Phantom. Einen Menschen, der irgendwann 1958 in der Frankenthaler Gegend meine damals 19 Jahre alte Mutter getroffen haben musste? Wie groß war mein Glaube? Wie lange hielt er durch? Wollte Gott überhaupt, dass ich meine Abstammung finden sollte?

„Keiner hatte noch Hoffnung für mich!“

Über die Jahre verloren die Mitmenschen das Interesse an meiner Suche und der Ratschlag: „Du hast doch alles, was brauchst Du noch einen Vater?“ verhallte hohl in meiner Seele. Ich wünschte mir so sehr, den Menschen zu finden, der mir die krausen Haare, die braune Haut, die breiten Hüften und so vieles mehr, was untypisch deutsch ist, hinterlassen hatte. Ich wollte mich identifizieren können mit einem Verwandten, endlich „nach Hause kommen dürfen“ und einmal nur „ich, so wie ich einfach bin“ sein dürfen.

Gott gab mir immer wieder Kraft und Ideen. Gott gab mir immer wieder einzelne Menschen, die mich ermutigt haben, niemals aufzugeben, weiterzumachen. 2013 fand ich IGENA, ein deutsches Geninstitut mit einer Verbindung zu einer USA-Datenbank. Hier fand sich ein Vetter, der ebenfalls Sucherfahrung hatte. 2015 erklärte er mir, dass ich unbedingt auf eine größere Datenbank in den USA zurückgreifen sollte, Ancestry. Doch für Deutsche ist diese nicht zugänglich. Gott half mit einem Wunder. Ancestry erlaubte mir über meinen Vetter (das Probenmaterial wurde über ihn an mich nach Deutschland geschickt) meine DNA-Probe (Speicheltest) einzusenden. So fand sich meine Halbschwester Nancy, mütterlicherseits sowie auch eine Cousine mit Namen Amanda Moore. Dann begann mein ganz großes Wunder! Diese Frau hatte einen Bruder, der auf Facebook einen Account hatte. Wir sprachen über Skype auf Facebook und er half mir. Sofort. Voller Freude und Elan erklärte er mir, dass sein Vater verstorben sei, aber er einen Onkel hatte, der in Korea, in Vietnam und in Deutschland stationiert war mit der US-Army. Dieser Familienzweig hatte eine eigene Facebook-Seite. Hier habe ich eine Videobotschaft mit meiner Vatersuche hinterlassen. Und dann ging im Sommer 2016 alles sehr schnell.

Die Suche nimmt erneut Fahrt auf

Mein Kinderfoto glich meiner jüngeren Schwester Diana, ein anderes Bild war wie der weibliche Zwilling zu meinem jüngeren Bruder Steven. Konnte ich der Euphorie wirklich trauen? Ich hatte schon einmal den „falschen Vater“ genannt bekommen. Ich betete für diese Menschen und bat um Gewissheit. Und das Wunder nahm seinen Lauf: Ein Bruder bot sich an, sofort einen Gentest zu machen. Acht Wochen später war er als „Cousin“ auf der Datenbank. Eine Nachfrage bei Ancestry erklärte, das bei verschiedenen Müttern, aber dem gleichen Vater der Test dieses Ergebnis aufzeigt. Unsicherheit war somit noch immer irgendwie da. Doch ein weiterer Bruder, der von der zweiten Frau des Mannes, stammte bot sich ebenfalls an, sich testen zu lassen. Weitere acht Wochen später ergab sich dieser als „direkter Bruder“ auf derselben Genstufen Einordnung wie meine mir bereits persönlich bekannte Halbschwester Nancy. Konnte ich jubeln?

Der Vater war bereits 2001 verstorben und leider verbrannt worden. Ein Gentest direkt von ihm war nicht mehr möglich. Gott, wo genau war die Begegnung, wo konnte er meine Mutter getroffen haben? Damals, 1958? Gott erkannte meine Not. Es meldete sich eine weitere Halbschwester per E-Mail und erwähnte, so ganz beiläufig, sie sei in Deutschland geboren. Geboren? Wo? In Bad Kreuznach. Mein Herz klopfte derart, dass ich kaum atmen konnte. Das liegt doch in der Nähe von meinem Geburtsort Frankenthal. Sie wollte mir die Unterlagen schicken. Mein Gebet ratterte zum Himmel: „Herr, Du weißt doch. Ich brauche diese eine Stadt mit dem Anfangsbuchstaben „W“. Meine Mutter kann ihm nur dort begegnet sein, sie war dort Hausmädchen bei einer amerikanischen Familie.“ Am nächsten Morgen kam die Antwort mit den Daten. Halleluja, preis den Herrn. Ich las dort, dass die Familie meines Vaters tatsächlich im Frühling 1958 in Worms gewohnt hatte.

„Ich habe die Hoffnung nie aufgegeben und wurde belohnt!“

Mein Vater war gefunden. Gott hatte meine jahrelangen Gebete erhört. ER hatte mir die Familie meines Vaters gebracht. Auch wenn er leider bereits verstorben ist, bin ich dankbar, jetzt zu wissen, auf welchem Soldatenfriedhof er begraben wurde und ich somit einen Ort zum Trauern habe. Und darüber hinaus: Ich kann ihn in 12 Geschwistern wiederentdecken und Teile von ihm wiederfinden.

Mein Glück wurde vollkommen: Zwei Wochen später standen ein Bruder aus London und meine Schwester Denise in München. Sie wollten ihre neue Schwester sofort kennenlernen. Sie umarmten mich. Sie drückten mich. Wir haben uns auf Anhieb verstanden. Wie wenn wir nie getrennt waren. Sie gaben mir Aufnahme durch ihre Liebe und eine herzliches Willkommen in die Familie Moore. Es war der schönste Tag in meinem Leben. Meine Suche hatte sich gelohnt. Jetzt weiß ich, wo ich her komme. Meine Schwester hat den gleichen Körperbau wie ich und jetzt wird niemand mehr mit dem Finger auf mich zeigen oder sich lustig machen über mich! Der bekommt es mit den Zwölfen zu tun.

Alle meine Hoffnung ist erfüllt worden. Meine Trauer hat sich in Freude verwandelt. Auch wenn manche Wunder lange dauern, Gott kennt den richtigen Zeitpunkt. Er weiß, wann wir  fähig sind seine Geschenkeanzunehmen. Auch wenn ich mit der Trauer um einen „toten Vater“ fertig werden muss, kann ich auf Gott und seine Heilung vertrauen. Meine Geschwister schreiben mir, tauschen sich mit mir aus und haben mich eingeladen. Das Jahr 2017 wird zu einem Jahr der Familienzusammenführung werden.

 

 

Miriam Schaumburg

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Von Ursula N. am .

Es ist mir eine große Freude, heute den Bericht von Jenny Jansen zu lesen !!! Endlich wurde ihre so lange Suche nach ihrem leiblichen Vater belohnt !!! Gott segne sie reichlich und ihre Geschwister, die sie so lieb aufgenommen haben !!! Alles Gute und von Herzen : GOTTES SEGEN , Ursula N.

Von Kommentarchen am .

Liebe Frau Jansen,
ich freu mich so für Sie, dass Sie Ihrer Familie gefunden haben. Es ist sehr ermutigend für mich, denn ich selbst habe einen Grossvater (und dadurch auch Verwandte) in der USA. Mir fehlt allerdings der Mut nach Ihm und seinen Kindern zu suchen. Zumal ich auch kein Englisch beherrsche.
Liebe Grüsse,
Kommentarchen